SWPA-Sonderpreis für Gerhard Steidl

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Preis für „herausragende Leistungen für Fotografie“ für deutschen Buchdrucker und Verleger

SWPA-Sonderpreis für Gerhard Steidl
Portrait Gerhard Steidl. Bildnachweis: © Markus Jans

Die World Photography Organisation gibt heute den deutschen Buchdrucker und Verleger Gerhard Steidl als Empfänger des diesjährigen Awards für „Herausragende Leistungen für Fotografie“ im Rahmen der Sony World Photography Awards 2020 bekannt. Steidl wird am 16. April bei der Preisverleihung in London für seine Arbeit mit Fotografen und die maßgebliche Bedeutung seiner Fotobücher geehrt.

Hier die offizielle Pressemitteilung von Sony:

Der 1968 von Gerhard Steidl gegründete Verlag startete 1996 ein eigenes Fotobuchprogramm und baute dieses innerhalb weniger Jahre zu dem aus, was es heute ist: das weltweit größte Verzeichnis an zeitgenössischer Fotografie. Dieser bemerkenswerte Fotobuch-Katalog beinhaltet viele der renommiertesten zeitgenössischen Fotografen und Künstler, darunter unter anderem Joel Sternfeld, Nan Goldin, Bruce Davidson, Robert Frank, Berenice Abbott, Robert Adams, Henri Cartier-Bresson, Karl Lagerfeld und Juergen Teller. Steidls Publikationen umfassen die gesamte Geschichte der Fotografie, von den frühen Meistern bis hin zu den führenden Fotografen der Gegenwart. Zudem repräsentieren sie das vielfältige Spektrum fotografischer Ausdrucksformen – von der Kunst- und Modefotografie bis hin zur Dokumentar- und Straßenfotografie.

Ausstellung „One Love, One Book: Steidl Book Culture. The Photobook as Multiple“

Rund 80 der meistgefeierten Publikationen von Gerhard Steidl werden im Rahmen der Ausstellung der Sony World Photography Awards 2020 im berühmten Somerset House in London zu sehen sein. Darüber hinaus erhalten Besucher Einblicke in den Prozess der Buchherstellung.

Im Vordergrund der Ausstellung mit dem Titel „One Love, One Book: Steidl Book Culture. The Photobook as Multiple“ steht das Fotobuch als traditionelle Ausdrucksform von künstlerischer Vielfalt. Es vereint identische Objekte, die von einem Künstler angefertigt oder bei ihm in Auftrag gegeben und der breiten Öffentlichkeit zu einem erschwinglichen Preis zugänglich gemacht werden.

Ein weiteres Highlight stellt die Veranstaltung „Ask Steidl Any Dumb Question About Making a Book“ in Zusammenarbeit mit Autor und Kurator David Campany dar, bei der Besucher zu einer Fragerunde mit dem Verleger eingeladen werden.

In Weiterentwicklung seiner Idee des Fotobuches als demokratisches Kunstobjekt sieht Gerhard Steidl die Ausstellung als Instrument, um seine Vision und sein Fachwissen an andere weiterzugeben und sie so zu inspirieren. Der Ausstellungsraum wird als visuelle Werkstatt zu sehen sein, die in vier Bereiche unterteilt ist: Künstler, Konzept, Design und Druck. Jedes ausgestellte Objekt wird mit einem ausführlichen Kommentar versehen sein und Besuchern Einblicke in Steidls Buchkultur und die schrittweise Heranführung an seine Buchmacherkunst zeigen: von der ersten Korrespondenz mit dem Künstler und den redaktionellen Überlegungen bis hin zu Beispielen verschiedener technischer Elemente wie Schriften, Papier und Einbandmaterialien.

SWPA-Sonderpreis für Gerhard Steidl
© Christoph Schifferli (ed.). The Japanese Box, 2001

Zu den Höhepunkten der Ausstellung gehört „The Japanese Box“ (2001) aus der Steidl Edition 7L: eine schwarz lackierte Sammlerbox, die in Kooperation mit Karl Lagerfeld entstand und Faksimile-Reprints von sechs seltenen Fotopublikationen aus Japans einflussreicher Provoke-Epoche enthält.

Als weiteres Werk der Edition 7L wird Andy Warhols „Interview: The Crystal Ball of Pop Culture“ (2004) zu sehen sein. Dabei handelt es sich um ein siebenbändiges Faksimile der besten Beiträge aus dem ersten Jahrzehnt von Warhols berühmter Zeitschrift „Interview“, verpackt in einem maßgefertigten Holz-Trolley.

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© Ingrid Sischy (ed.). Andy Warhol’s Interview. The Crystal Ball of Pop Culture, 2004
SWPA-Sonderpreis für Gerhard Steidl
© Orhan Pamuk. Orange, 2020

Neben bekannten Publikationen zeigt Steidl auch Fotografien ausgewählter Künstler, zu denen er langjährige Beziehungen pflegt.

Dazu gehören auch gänzlich neue Aufnahmen aus dem demnächst zu erwartenden Fotoband „Orange“ (2020) des Nobelpreisträgers Orhan Pamuk.

Das Buch enthält Fotos von Istanbuls scheinbar verwahrlosten Hinterhöfen und Gassen im warmen, orangefarbenen Dunst alter Straßenlaternen – Impressionen, die zugunsten von moderner weißer Straßenbeleuchtung zunehmend aus der Stadt verschwinden.

Zu sehen sind auch Fotografien aus Dayanita Singhs „Museum Bhavan“ (2017), einer Wanderausstellung, bei der Drucke in falt- und erweiterbare Holzkonstruktionen eingepasst und nach Belieben der Künstlerin ausgetauscht werden können. Eine Miniaturversion dieser Ausstellung, bestehend aus neun einzelnen „Museen“, die Betrachter in ihren eigenen vier Wänden nach Belieben aufstellen können, wurde von Steidl in Buchform produziert.

SWPA-Sonderpreis für Gerhard Steidl
© Dayanita Singh. Museum Bhavan, 2017
SWPA-Sonderpreis für Gerhard Steidl
© Carlos Saura. Vanished Spain, 2016

Neben den Büchern von Singh und Pamuk werden auch Fotos aus dem Buch „Vanished Spain“ (2016) des spanischen Filmemachers Carlos Saura zu sehen sein, die in den 1950er-Jahren während Sauras Reise durch Andalusien und Zentralspanien entstanden.

Diese beeindruckende Sammlung von Fotos mit Landschaften, Stierkämpfen und Alltagsszenen sollte ein Gegengewicht zu den Propagandabildern des Franco-Regimes schaffen und das wahre Spanien zeigen.

Ebenfalls ausgestellt werden original Silbergelatine-Prints aus Ed Ruschas „On the Road“ (2009), einer künstlerischen Ausgabe von Jack Kerouacs Romanklassiker. Der Text wird von Schwarzweißfotos begleitet, die Ruscha entweder selbst aufgenommen, bei anderen Fotografen in Auftrag gegeben oder aus vorhandenen Bildern ausgewählt hat und die den engen Bezug zu den Details und Eindrücken des Autors beschreiben.

SWPA-Sonderpreis für Gerhard Steidl
© Ed Ruscha. On the Road, 2009

Gerhard Steidl zur Auszeichnung

Zu seiner Auszeichnung äußert sich Gerhard Steidl wie folgt: „Den Award für „Herausragende Leistungen für Fotografie 2020“ zu erhalten, ist eine große Ehre für mich. Als Drucker und Verleger schätze ich Fotobücher vor allem wegen ihrer Funktion als demokratisches Medium, denn durch sie wird Fotografie einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Angesichts dessen freue ich mich besonders auf die Ausstellung „One Love, One Book: Steidl Book Culture. The Photobook as Multiple“ im Somerset House. Sie zeigt einige unserer ambitioniertesten Bücher, gibt ein paar Geheimnisse der Buchherstellung preis und inspiriert damit hoffentlich die nächste Generation an Buchmachern.”

Über den Steidl Verlag

Steidl ist ein namhafter Verlag für Literatur, Sachbücher und Fotobücher, der bei Fotografen, Künstlern und Experten für hochwertige Druckkunst internationales Ansehen genießt. Dies liegt unter anderem an der einzigartigen Verlagsstruktur, die alle Schritte des Produktionsprozesses unter einem Dach vereint – von der Konzeption bis zur Bildbearbeitung, von der Gestaltung und Vorproduktion bis zum Marketing und zum Druck in der hauseigenen Druckerei. Diese Vorgehensweise hat die Kompetenz in allen Bereichen der Buchherstellung gefördert und ermöglicht zudem ein hohes Maß an Flexibilität. Einzigartig ist dabei die enge Einbindung der Fotografen und Künstler in jeden Schritt des Arbeitsablaufs. Jedes Buch aus dem Steidl Verlag zeichnet sich durch seine individuelle Gestaltung und individuelle Materialien aus. Der für seine Papierleidenschaft bekannte Gerhard Steidl wählt für jeden Titel Papier und Leinen persönlich aus und überprüft alle Produktionsschritte vom Layout bis zum Druck. Jedes Buch geht buchstäblich durch seine Hände.

Über die Jahre wurde Steidl in der Düstere Str. 4 in Göttingen zu einer der berühmtesten Druckereien in der internationalen Verlagswelt. Ob Literatur, Kunst oder Mode – es ist Steidls Anspruch, die Ideen von Künstlern und Autoren um-zusetzen und dabei Kunst in Buchform zu schaffen. Der Steidl Verlag ist seit jeher im Besitz von Gerhard Steidl, wird von ihm geführt und geprägt. Steidl begann seine Karriere mit dem Druck von Plakaten und Multiples (u. a. für Joseph Beuys und Klaus Staeck). 1972 erschien das erste Steidl Sachbuch, Anfang der 1980er-Jahre folgten literarische Titel und ausgewählte Kunst- und Fotobände. 1996 begründete Steidl ein eigenes Fotobuchprogramm, das sich innerhalb weniger Jahre zum weltweit größten Spezialprogramm für Fotografie entwickelte.

Bildnachweis: wie angegeben, courtesy Sony Deutschland

Über Anja Hoenen 1482 Artikel
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.