Ausstellung: Ludwig Windstosser. Fotografie der Nachkriegsmoderne

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Industriefotografie und das Lebensgefühl in Großstädten

Ausstellung: Ludwig Windstosser. Fotografie der Nachkriegsmoderne
Ludwig Windstosser: Blick vom I-Punkt Berlin auf die Innenstadt mit Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, um 1971, Farbpapier, © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Ludwig Windstosser

Mit rund 200 Aufnahmen zeigt das Berliner Museum für Fotografie die erste umfassende Einzelausstellung des Stuttgarter Fotografen Ludwig Windstosser (1921–1983). Durch seine Firmenporträts avancierte Windstosser zum führenden Industriefotografen der westdeutschen Nachkriegszeit und ist dennoch bis heute weitgehend unbekannt.

Auch für seine zahlreichen Buchprojekte fing Windstosser den nachkriegsdeutschen Zeitgeist mit seiner Kamera ein. Die Bildbände führen das Lebensgefühl in Großstädten einerseits sowie ein breites Spektrum an Landschaftsaufnahmen andererseits vor Augen.

Die Ausstellung ermöglicht einen erstmaligen Einblick in Leben und Werk des Fotografen. Die Arbeiten stammen aus der Sammlung der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin, die den Nachlass Ludwig Windstossers bewahrt.

Ausstellung: Ludwig Windstosser. Fotografie der Nachkriegsmoderne
Ludwig Windstosser: Der Aussenseiter, 1949, Silbergelatinepapier, © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Ludwig Windstosser

In den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg war Windstosser Mitglied der Gruppe fotoform und beteiligte sich an den Ausstellungen und Buchprojekten der subjektiven fotografie. In Anknüpfung an die fotografischen Tendenzen der 1920er- und frühen 1930er-Jahre prägte vor allem fotoform die Bildsprache der fotokünstlerischen Nachkriegsavantgarde.

Ausstellung: Ludwig Windstosser. Fotografie der Nachkriegsmoderne
Ludwig Windstosser: Mannesmann, ohne Datum, Farbpapier, © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Ludwig Windstosser

Steile Perspektiven, ungewöhnliche Bildausschnitte und starke Kontraste finden sich auch in den Werbeaufnahmen, die Windstosser als Industriefotograf ab den frühen 1950er-Jahren für viele Firmen – vom Stahlbau über Pharmahersteller bis hin zur Textilbranche – realisierte. So porträtierte er das Bergbauunternehmen Ruhrkohle AG, das für den Aufschwung der westdeutschen Wirtschaft eine maßgebliche Rolle spielte. In seinen Fotografien zeigt er den Produktionsablauf von den Schächten bis hin in die heimischen Öfen und entwickelt dabei ein Bild vom Bergbau, das auch heute noch im kollektiven Gedächtnis präsent ist.

Auch für seine zahlreichen Buchprojekte fing Windstosser den nachkriegsdeutschen Zeitgeist mit seiner Kamera ein. Die Bildbände führen das Lebensgefühl in Großstädten einerseits sowie ein breites Spektrum an Landschaftsaufnahmen andererseits vor Augen. Der 1972 erschienene Bildband „Berlin: teils teils“ ist ein Porträt West-Berlins, in einer von Wiederaufbau und Fortschritt, aber auch dem Wunsch nach Normalität und Sicherheit geprägten Zeit. Dieses Spannungsfeld zieht sich durch geschickte Gegenüberstellungen durch das gesamte Farbfotobuch.

Ausstellung: Ludwig Windstosser. Fotografie der Nachkriegsmoderne
Ludwig Windstosser: Zeitungsfrau, 1970, Farbpapier, © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Ludwig Windstosser

Die Karriere Ludwig Windstossers steht exemplarisch für das Wirken vieler Fotograf*innen in der Zeit des westdeutschen Wirtschaftswunders, seine Arbeit ist andererseits einzigartig in der Vielseitigkeit ihrer Bildsprache.

Informationen zur Ausstellung

Museum für Fotografie
Jebensstraße 2, 10623 Berlin

Ausstellungsdauer: bis 23. Februar 2020
Öffnungszeiten: Di bis So 11-19 Uhr, Do bis 20 Uhr
Eintritt: 10,00 EUR, ermäßigt 5,00 | Ticket kaufen

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung der Staatlichen Museen zu Berlin.

Über Anja Hoenen 1450 Artikel
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.