Im Interview: Buchautorin und Fotografin Meike Fischer

Es begann mit dem Fotografieren von Hühnern

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Im Interview: Buchautorin und Fotografin Meike Fischer

Gemeinsam mit unserem Partner dpunkt.verlag führen wir unsere Serie mit Autoreninterviews weiter. Diesmal haben wir Meike Fischer befragt, die viele sicher durch ihre erfolgreichen Fotolehrbücher kennen, z.B. Fotokurs Straßenfotografie. Besonders erfolgreich ist Der Rote Faden. Das Buch erschien im Januar 2018 bereits in der 2., erweiterten und aktualisierten Auflage.

Und das wollten wir wissen:

Frau Fischer, warum fotografieren Sie – und seit wann?

Ich fotografiere seit 1990. Ich studierte damals an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und zeichnete für meine Semesterarbeit im freien Zeichnen Hühner auf dem Hof meines Vaters. Eines Tages brachte er mir eine kleine gebrauchte Zeiss Icarex mit und ich begann, die Hühner zu fotografieren. Innerhalb weniger Wochen war ich so begeistert von den Möglichkeiten, die ich mit der Kamera hatte, dass dies mein wichtigstes künstlerisches Werkzeug wurde.

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© Meike Fischer
Gibt es Berührungspunkte zwischen der Fotografie und anderen Interessen?

Ich schreibe ja auch gerne – daher ist natürlich ein Berührungspunkt, dass ich Lehrbücher über Fotografie schreibe. Außerdem bin ich Hochschuldozentin für Usability und User Experience – und ein Teilaspekt in diesem Bereich sind unterschiedliche Bildsprachen.

Was war Ihr beeindruckendstes oder berührendstes Erlebnis in der Fotografie?

Es hat mich immer besonders beeindruckt, wenn fremde Menschen, die mich beim Fotografieren beobachtet haben, zu mir kamen, um mir ihre persönlichen Geschichten zu erzählen, weil ich etwas Bestimmtes aufgenommen habe, das sie mit ihrer Geschichte verbanden, oder die mich zu sich eingeladen haben, um mir ihre Wohnungen und einen Teil von sich selbst zu zeigen.

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© Meike Fischer
Warum wollten Sie ein Buch wie „Der rote Faden“ schreiben? Gibt es davon nicht schon genug?

Gerade im Bereich der konzeptionellen Fotografie gibt es meiner Meinung nach Bedarf an Lehrbüchern mit Aufgaben für Hobby- und Amateurfotografen. Und eine zweite Auflage, weil viele Leute mir sagten, dass sie besonders die Workshops sehr mögen – und sich neue Aufgabenstellungen gewünscht haben.

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© Meike Fischer
Was liegt Ihnen mehr: fotografieren oder schreiben?

Eindeutig das Fotografieren.

Was ist für Sie ein richtig gutes Foto?

Ein richtig gutes Foto ist für mich eines, das eine kleine Geschichte erzählt und gerne auch ein wenig rätselhaft bleibt. Was ich nicht mag, sind sensationsheischende Fotos und solche, die nur vom Einsatz einer bestimmten Technik leben. Überhaupt ist die Technik kein Kriterium, nachdem ich ein Foto bewerte. Zudem mag ich eigentlich keine „lauten“ Fotos, mir liegen eher zurückhaltende Geschichten über das Alltägliche, Unspektakuläre.

Haben Sie ein Lieblingsfoto?

Das ist immer kontextabhängig. Als Privatperson liebe ich die Fotos, die ich von meinen Kindern mache. Das können dann auch Fotos sein, die ich besonders mag, weil sie einen bestimmten Ausdruck, eine Geste oder einen Augenblick eingefangen haben, an den ich mich gerne erinnere.

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© Meike Fischer

Als Fotografin bevorzuge ich hingegen dokumentarische Fotografien, wie zum Beispiel die Arbeit von Berenice Abbott. Es gibt viele Fotografen, deren Bilder ich unglaublich gerne mag, mir liegen jedoch grundsätzlich eher serielle Arbeiten. Ein einzelnes Lieblingsbild habe ich nicht.

Was würden Sie einem Einsteiger in Ihr fotografisches Spezialgebiet raten?

Suchen Sie sich ein Thema, das Sie wirklich interessiert und fangen Sie an, sich daran „abzuarbeiten“. Meiner Meinung nach erhöht das die Chance, wirklich gute Fotos zu machen. Auch vordergründig noch so unscheinbare Themen können zu tollen Fotoarbeiten führen – sie fordern den Fotografen mehr.

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© Meike Fischer
Was haben wir vergessen, Sie zu fragen?

Was ich als nächstes mache. Ich arbeite an einem neuen Buch für den dpunkt.verlag und an einer kleinen Ausstellung meiner „Frankfurt“-Serie im Historischen Museum Frankfurt.

Apropos: Das Buch

Meike Fischer. Der Rote Faden. Neue Fotoprojekte konzipieren und verwirklichen erschien im Januar 2018 im dpunkt.verlag. 2., erweiterte und aktualisierte Auflage, 346 Seiten, komplett in Farbe, Festeinband. Auch als E-Book erhältlich.
ISBN: 978-3-86490-480-6
Preis: 39,90 Euro (Buch)| 31,99 Euro (E-Book)

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Über Anja Hoenen 1111 Artikel
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.