Rezension Wildlife Fotografien des Jahres. Portfolio 28


AnjaC

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Eine Rezension unseres Community-Mitglieds Iris Schneider

Erstaunliche Geschichten aus der Natur
Dschungel. Mittendrin sitzt vermeintlich eine golden leuchtende Affenmutter mit ihrem Jungen. Dieses beeindruckende Foto ziert das Titelblatt des Buches und spricht mich sofort an. Es sieht irgendwie unwirklich und bezaubernd zugleich aus. Wie ich auf Seite 11 nachlese, hat Marsel van Osten, Naturfotograf des Jahres 2018, dieses Foto gemacht. Es bildet einen männlichen Goldstumpfnasenaffe mit einem Weibchen aus seiner Gruppe ab.

Der Knesebeck-Verlag hat dieses Buch als deutsche Erstausgabe des englischen Titels „Wildlife Photografer of the Year, Portfolio 28“, erschienen bei Natural History Museum, in Zusammenarbeit mit GEO herausgebracht. Es erscheint gebunden mit Schutzumschlag, hat 160 Seiten, sowie 80 farbige und 20 schwarz-weiße Abbildungen. Übersetzt wurde das Buch aus dem Englischen von Ulrike Kretschmer. Das Format bringt die Fotos wunderbar zur Geltung: 25,5 x 1,5 x 26,0 cm.

Der Umschlagseite entnehme ich: „Eine internationale Jury hat aus über 45000 Einsendungen Bilder ausgesucht, die sich durch ihre künstlerische Qualität und Einzigartigkeit auszeichnen. Die Auswahl stammt von Teilnehmern aus mehr als 23 Ländern“. Dabei werden keinesfalls nur Tierfotografien gezeigt, auch Pflanzen, Umwelt oder Lebensräume gehören zum Wildlife. Herausgeberin der englischen Ausgabe ist Rosamund Kidman Cox. Sie war auch Vorsitzende der Jury, die die Auswahl zu den Fotos traf.

Im Vorwort wird etwas zur Auswahl der Fotos geschrieben. Lediglich 100 wurden prämiert. „Neben dem Faktor Originalität kann die Entscheidung ebenso gut auf der emotionalen Reaktion auf das Bild wie auf einem intellektuellen Impuls beruhen.“

Und hier haben die Juroren ganze Arbeit geleistet. Mehrfach überraschen mich die Fotos dieses Buches. Mitunter befremden sie, immer faszinieren sie. Befremdlich wirkt auf mich das Foto auf Seite 23. Zwei junge Wildhunde spielen mit einem kleinen Affenkopf… Ja, die Fotos bilden Momente ab, unabhängig von den Wertvorstellungen des Betrachters. Sie regen so zum Nachdenken an. Ein anderes, besonderes Verhalten von Tieren wird auf Seite 29 gezeigt. Ein Spitzschnabel-Grundfink wird zum Vampir. Spannend im Text zu lesen, warum er dies tut.

Es werden viele Insekten und sogar wirbellose Tiere gezeigt. Fotos, die vielleicht auch einen kleinen Schauer über den Rücken jagen, so wie das Foto vom Weberknecht auf Seite 47. Aber auch der Klimawandel wird thematisiert, die Verletzlichkeit unseres Blauen Planeten. So hat das Foto auf Seite 58 einen bezeichnenden Titel: „Der Bär am Abgrund“. Mich beeindruckte das Bild sehr. Und der Beschützerinstinkt eines Jeden wird angesprochen, der das winzige, verletzliche Falkland-Regenpfeifer-Kind alleine durch die antarktische Landschaft flüchten sieht (Seite 62).

Auch der „Natur in Schwarz-Weiß“ ist ein Kapitel gewidmet. Mich berührte besonders das Foto auf Seite 108. Es lohnt sich wirklich, jede einzelne Geschichte zu lesen. Denn dieses Foto hätte ich beinahe überblättert. Ich sehe es jedoch mit anderen Augen, wenn ich lese, dass es sich um eine verlassene Brutkolonie von Zwergflamingos handelt. Sie sind geflohen wegen fehlender Nahrung, fehlendem Wasser und drohender Störung durch den Menschen. Schwarze Nester mit weißen, verlassenen Flamingoeiern – soweit das Auge reicht.

Ab Seite 110 gibt es im Kapitel „Naturfotojournalismus“ Fotos, die mich betroffen machten. Es geht um den Umgang des Menschen mit Tieren. Hier sind sehr abschreckende Beispiele zu finden, die nachdenklich machen. Aber nicht nur. Begeistert bin ich dann wieder ab Seite 128, wo die Dokumentation von Jasper Doest, „Naturfotojournalist des Jahres“, mit einer Fotostrecke über Bob, den Kubaflamingo vorgestellt wird. Sehr schön auch, welch wunderbare Arbeiten die jungen Talente in Sachen Fotografie erschaffen. Ab Seite 135 werden sie, eingeteilt nach Altersgruppen, vorgestellt.

Das Verzeichnis der Wildlife Fotografen ab Seite 156 rundet das Buch ab. Dort ist noch einmal jedes Foto im Miniformat zu sehen, daneben steht die Seitenzahl, wo es im Buch zu finden ist, sowie Name und Webadresse/E-Mail der Fotografen und Fotografinnen.

Fazit
Mir als Fotografin gefällt besonders, das neben jedem Bild auch die technischen Daten zum Foto stehen, also nicht nur der Titel des Fotos, der Name des Fotografen/der Fotografin und die Geschichte zum Foto, sondern auch in Fettschrift die technischen Daten zu jedem Bild (mit welcher Kamera oder Drohne wurde es aufgenommen / Objektivdaten / Blende / Belichtungszeit / ISO / Zubehör – zum Beispiel Stativ).

Das Schöne ist, dass ich auch dieses Buch, wie jedes Buch aus dieser Reihe, immer wieder zur Hand nehmen kann. Es zieht mich sofort erneut in den Bann und zeigt mir die Schönheit, die Vielfalt, aber auch die Verletzlichkeit unserer Tierwelt.

Eine unbedingte Leseempfehlung für alle Natur- und Tierfreunde! 5 Sterne.

Die Daten
Natural History Museum. Wildlife Fotografien des Jahres. Portfolio 28 erschien am 17. Oktober 2018 im Verlag Knesebeck. Gebunden mit Schutzumschlag, 160 Seiten, mit 80 farbigen und 20 schwarz-weißen Abbildungen, aus dem Englischen von Ulrike Kretschmer.
ISBN 978-3-95728-202-6
Preis: EUR 35,00 [D] 36,00 [A]

Rezension: Iris Schneider

Bewertung:


ISBN: 3957282020

 
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