Au weja! Auf diese Frage wirst Du tausend verschiedene Antworten bekommen. Habe mir vor einem halben Jahr etwa auch ein Stativ gekauft (Velbon Sherpa Pro CF 640). Die Suchfunktion gibt da auch einiges her.
Wichtig: Lieber teurer als billiger. Gerade bei Stativen kauft man sonst zweimal.
Dann ist die Frage, wie leicht es sein soll, sprich: ob Du es rumtragen willst, womöglich mit Fotoausrüstung, oder ob Du es eher stationär verwendest und das Gewicht deshalb weniger eine Rolle spielt. Geringes Gewicht bedeutet natürlich höherer Preis (wegen leichten Materialien, z.B. Karbon) und geringere Stabilität.
Wenn es für ein langbrennweitiges Zoom sein soll, das dann auch sein Gewicht mitbringt, wäre das Velbon CF 640 wahrscheinlich zu wenig stabil. Aber Velbon bietet natürlich auch massigere und von daher stabilere Stative an. Die sind dann natürlich auch schwerer.
Manche Profis schwören auf Holzstative, die allerdings klobig und schwer, aber offenbar von der Stabilität ganz super sind. Und dann gibt es natürlich noch die Marke Gitzo, die wohl mit die besten Stative fertigt, allerdings zu deutlich höheren Preisen als z.B. Manfrotto oder Velbon.
Gerade beim Stativkauf wäre die Möglichkeit, das Teil anzuschauen, eigentlich sehr wichtig. Ich war sehr enttäuscht, dass die Fachhändler, sogar hier in Stuttgart, sehr wenige Modelle vor Ort haben. Vielleicht gibt es bei Dir einen Fotoclub vor Ort? Da könntest Du sicher auch manches Stativ anschauen und Dir die Vor- und Nachteile erklären lassen. Meine Wahl fiel nach reiflicher und langer Überlegung auf das Velbon, nicht zuletzt auch, weil viele hier im Forum das Sherpa Pro CF-640 haben und sehr zufrieden sind. Für meine Zwecke, einem Kompromiss aus Gewicht und Stabilität, ist es wohl das Richtige.
Übrigens: Das Manfrotto 055PROB ist doch relativ oft in den Geschäften zu finden. Manfrotto gehört zu den Marken, die auf dem Markt doch sehr präsent sind, sicher nicht zu Unrecht. Ich konnte das 055 z.B. bei Foto Pfab in Esslingen bei Stuttgart anschauen. Es machte auf mich einen ganz guten Eindruck. Allerdings war es mir zu sperrig im zusammengeschobenen Zustand und zu schwer im Vergleich zum Velbon 640. Ich wollte es z.B. nicht bei einer Städtereise mit mir herumtragen müssen. Aber an sich, von der Verarbeitung her usw. ist es ein gutes Stativ. Allerdings gefielen mir die Schellen zur Arretierung der Stativbeine nicht so gut wie die Drehbefestigung, die das Velbon hat. Aber das ist Geschmackssache. Nur hätte ich das ohne Vor-Ort-Test nicht festgestellt.
Noch ein Thema für sich ist der Kopf. "Wieviele Köpfe, soviele Meinungen", sagt der Lateiner. Beim Kopf wäre es m.E. noch wichtiger, das Teil ausprobieren zu können. Ich habe einen Velbon 3-Wege-Neiger gekauft. Ganz zufrieden bin ich nicht, wüsste allerdings auch nicht, welcher andere 3-Wege-Kopf bei mir in Frage käme. Aber jetzt muss es der Velbon-Kopf mal eine zeitlang tun.
Wichtig ist auch: Rechne für einen guten Kopf durchaus 2/3 des Preises, den das Stativ alleine schon kostet! Mein Velbon kostete z.B. knapp unter 200 Euro, der Kopf dann nochmal 175 Euro.
Bei der Makrofotografie, die Du erwähnst, verwenden manche auch noch einen zusätzlichen Makroschlitten, um genauer justieren zu können. Habe selber aber noch keinen verwendet. Die Makrofotografie reagiert übrigens ganz besonders auf ein instabiles Stativ. Wenn Du im Maßstab 1:1 mit einem 105 mm-Objektiv mit einem in sich schwingenden Stativ arbeiten willst, verdirbt Dir das den Spaß.
Mein Vorschlag zur Strategie:
1. Geh durch die Fotoläden und schau Dir verschiedene Marken an (oder besuche Fotoclubs etc. hierzu): So bekommst Du einen Eindruck davon, wie die Außenmaße und das Gewicht eines Statives "sich konkret anfühlen". 2,5 kg wirken im Prospekt gering. Auf der Schulter sind sie viel, zumal noch ein Kopf dazukommt. Du siehst auch dann, ob Du mit der Klemmmechanik oder Drehmechanik der Stativbeine besser zurecht kommst.
2. Überlege, ob Du mehr Wert auf Stabilität oder mehr auf geringes Gewicht legst. Wie mobil musst Du mit dem Stativ sein?
3. Wenn Du verschiedene Modelle in die engere Wahl gefasst hast, entscheide Dich lieber für das wertigere und deshalb in der Regel teurere Modell.
4. Vorsicht bei Marken, die damit werben, um wieviel günstiger sie wie das entsprechende Modell der Konkurrenz sind. So hatte ich mir z.B. ein Benro-Stativ zur Ansicht bestellt, bei dem sich dann herausstellte, dass die Mittelsäule nicht genau senkrecht eingebaut war. Das Velbon dagegen ist präzise gefertigt. Ich kann nicht klagen.
5. Insgesamt kann man wahrscheinlich sagen, dass es das eine Stativ, das das absolut ideale wäre, nicht gibt. (Vielleicht bei Gitzo, das jedoch jenseits meines Budgets lag).
Nun wünsche ich Dir viele gute Infos und eine gute Entscheidung!
Slowhand