Ein Plädoyer zur Überwindung des inneren Schweinehunds

Du fotografierst gerne und viel. Doch von einem Tag auf den anderen ist plötzlich die Luft raus und die Lust weg. Es gibt einfach keine Motive mehr, das Wetter ist mies, Reisen ist gerade nicht so angesagt und außerdem ist sowieso einfach alles doof.
Kennst du das? Keine Sorge. Ich auch. Vermutlich waren wir alle schon einmal an diesem Punkt. Bevor du jetzt dein Fotoequipment bei Ebay-Kleinanzeigen oder in unserem Marktplatz inserierst und dir denkst, dass es das jetzt für dich war mit dem Fotografieren, lies lieber weiter. Die paar Minuten hast du jetzt auch noch Zeit
Ein Tipp vorab
Wenn du in der letzten Zeit viel fotografiert hast, ist deine Erwartungshaltung vielleicht, dass es immer so weiter geht. Aber auch der kreativste Mensch braucht ab und zu eine Pause. Das können ein paar Tage oder auch Wochen sein. Ob im Beruf oder beim Hobby: niemand kann ständig unter Volllast laufen. Erlaube und gönne dir diese Auszeit. Wenn es dir schwerfällt, einfach nichts oder irgendetwas anderes zu tun, dann gibt es viele Möglichkeiten, dich ohne große Anstrengung weiter mit unser aller Lieblingsthema Fotografie zu beschäftigen.Es gibt keine Motive mehr? Werde zum Betrachter!
Du findest nichts mehr, was du fotografieren möchtest. Der Blick fürs Motiv ist dir abhandengekommen. Unser Tipp: suche nicht nach Motiven. Schau dir die von anderen Fotograf:innen an! Blättere entspannt durch die Bilderforen deiner Community. Achte dabei besonders auf fotografische Themen, die für dich Neuland sind oder die du eigentlich nicht besonders magst. Die Inspiration und der Gedanke „das will ich auch mal fotografieren“ könnten sich tatsächlich von ganz alleine einstellen.Du willst ja fotografieren, aber das Wetter ist mies? Mach es dir gemütlich!
Wenn du gerade noch nicht mal einen Hund vor die Tür jagen würdest und außerdem die Lichtverhältnisse suboptimal sind, fotografiere zu Hause ohne viel Aufwand. Experimentiere mit Lichtquellen und Hintergründen, nutze einfache Haushaltsgegenstände. Vielleicht wolltest du auch immer schon mal mit einem Lensball fotografieren – dann krame ihn aus deinem Fundus oder bestelle dir einen, z.B. bei Rollei. Zuhause kannst du übrigens auch die ausgebeulten, aber gemütlichen Jogginghosen tragen, mit denen du dich nie in die Öffentlichkeit wagen würdest – ganz ohne die Kontrolle über dein Leben zu verlierenReisen fällt aus, es gibt nichts zum Fotografieren? Motive fangen vor der eigenen Haustür an!
Nimm deine Kamera mit, wenn du die Wohnung verlässt. Egal, wo du hingehst. Du musst ja kein Foto machen. Aber wenn du eines machen willst, dann könntest du. Schau dich um auf deinen Wegen. Es ist wahrscheinlich, dass dir Motive auffallen, an denen du bisher täglich achtlos vorbeigegangen bist. Die schäbige Bank in der Innenstadt, auf die gerade ein Lichtstrahl fällt. Das Graffiti am Supermarkt, das mit dem davor parkenden Luxusschlitten plötzlich in Kontrast tritt. Das hässliche Gewerbegebiet mit den vielen Containern, die in Kombination mit der Container Überdachung plötzlich ein Muster ergeben.
Es ist sowieso alles doof? Mach es schöner!
Nimm dir deine Bilder vor, die du früher mit Begeisterung gemacht hast und bearbeite sie neu. Bestimmt hat dein Bildbearbeitungsprogramm das eine oder andere Upgrade erfahren, seit du diese Fotos das erste Mal bearbeitet hast, und neue Funktionen eröffnen neue Möglichkeiten. Oder du hast Bilder aus einer Serie aussortiert, weil sie dir damals nicht gefielen. Schau sie dir noch einmal an! Vermutlich wirst du heute andere Ideen haben oder einen neuen Workflow. Sei gespannt auf deine Ergebnisse, wenn du mit dem Optimierungsprozess von vorn beginnst.Und falls du dabei feststellst, dass du heute gleich bei der Aufnahme etwas anders machen würdest, dann … leg los.

Zum guten Schluss
… noch ein Buchtipp von mir. Es ist immer noch eines meiner Lieblingsbücher. Bei jeder „Schaffenskrise“ und auch sonst gerne nehme ich es zur Hand: Sehen und Gestalten von David DuChemin, erschienen 2014 im dpunkt.verlag. Leider hat der Verlag selbst es nicht mehr auf der Webseite. Deswegen erlaube ich mir hier den Partnerlink* zu Amazon. Dort gibt es auch einen Blick ins Buch.* Für Bestellungen über Partnerlinks erhält das Netzwerk Fotografie kleine Provisionen. Am Preis für dich als Kunden ändert sich nichts.
Bildnachweis: Pixabay