Was heißt eigentlich astromodifiziert ...


Stefan L.

NF-F Premium Mitglied
... und wozu soll das gut sein???

Als neu in die faszinierende Welt der Deepsky-Fotografie Einsteigender findet man sehr schnell fantastisch bunten Bilder im iNet. Oft stehen da auch Angaben zur Ausrüstung dabei. Als Kamera kommen üblicherweise entweder sogenannte Astrokameras (also Spezialknipsen, die im Alltag kaum bis gar nicht zu gebrauchen sind) oder "normale" CaNikon Dxxxx mod. oder DxxxxA zum Einsatz. Das A steht hierbei einfach für Astro, gibt es bei Canon schon länger so ab Werk zu kaufen bei Nikon seit der D810. Mod. bedeutet schlicht das hier Serienkameras modifiziert wurden, um sie "Astrotauglich" zu machen.

Um das näher erläutern zu können erstmal ein paar Grundlagen. Keine Sorgen ich erläutere das möglichst einfach und ohne wissenschaftliche Verkomplizierungen.

Ein Fotoapparat -egal ob Film- oder Sensorbasiert- ist normalerweise dazu gedacht aus dem riesigen Strahlenspektrum das uns umgibt sichtbares Licht "einzufangen". Die Definition sichtbares Licht zeugt mal wieder von der menschlichen Überheblichkeit, denn erstens umfaßt dies nur einen winzigen Ausschnitt der Strahlung, zum anderen sieht eine Fledermaus genauso wie wir, nur das bei ihr nicht die Signale von Rezeptoren im Auge zu einem Bild zusammengesetzt werden, sondern halt die Schallwellen aus dem Ohr. Aufgrund seines Erfindungsreichtums hat der Mensch inzwischen diverse Apparaturen geschaffen, um auch Wellen außerhalb unserer Augenempfindlichkeit (Röntgen-Strahlung z. B.) sichtbar zu machen. Auch dies geschah früher mittels Filmen heute meist digital mit Sensoren, um die es auch im Weiteren gehen soll.

Vereinfacht kann man sich so einen Sensor so vorstellen, das Millionen kleiner Schnapsgläschen unter einem Regenschirm stehen, während es in Strömen gießt. Nimmt man den Schirm nun kurz weg (öffnet also den Verschluß der Kamera) wird in jedem der Gläschen eine unterschiedliche Menge Wasser landen. Der Sensor braucht nun nur noch zu messen wie voll die einzelnen Gläschen sind und das in einem Zahlenwert abzulegen. Genauso passiert es mit dem Licht beim Fotografieren.

Mehr als so eine reine Helligkeitsverteilung kann der Sensor eigentlich gar nicht erfasssen, vom Prinzip her ist er Farbenblind, was durchaus Sinn macht, denn auch wir Menschen sind im Dunkeln, wenn es darauf an kommt auch mit minimalsten Lichtströmen auskommen zu müssen farbenblind, da unsere stärksten Rezeptoren keine Farben erkennen können dafür aber viel lichtempfindlicher sind.

Dies nutzt man auch bei "echten" Astrokameras die meist reine Graustufen-Maschinen sind. Hier macht man eine Aufnahme mit dem blanken Sensor um die richtigen Helligkeitswerte für das ganze Bild zu erhalten und danach weitere Aufnahmen mit eingeschwenkten Farbfiltern, um die Farbinformationen auch noch speichern zu können. Ein solcher Filter ist nur für die jeweilige Farb-Wellenlänge durchlässig, somit entsteht durch überlagerung der Helligkeits- und Farbinformationen nach sehr viel Arbeit am Teleskop und Rechner irgenwann ein fertiges Bild. Praktisch dabei, das man auch Filter für "exotische" Wellenlängen nutzen kann, um auch diese sichtbar zu machen.

Bei einer D-SLR sieht das etwas anders aus. Dort sitzen die "Farbfilter" direkt vor dem Sensor, es gibt da die verschiedensten Bauweisen bei unseren Nikons ist es eine sogenannte Bayer-Matrix, in der sich vor den Pixeln Filter in den Farben Rot, Grün, Blau (RGB) befinden. Dadurch verlieren wir zwar einiges an Empfindlichkeit des Sensors, da er ja nun nicht die ungefilterten Helligkeitswerte "sehen" kann. Das ist für unsere Kameras normalerweise aber kein Problem, da wir ja meist etwas für das menschliche Auge sichtbares fotografieren, Licht welches auf den Sensor fallen kann ist also hinreichend vorhanden.

So weit erstmal zur Einführung, bei dem "tollen" Wetter gehts gleich weiter
 

m-hermann

NF-F Platin Mitglied
Hallo Stefan,
so weit ich gelesen habe, geht es bei der Modifizierung hauptsächlich um die Entfernung des IR-Sperrfilters einer DSLR. Die Kameras werden durch die Entfernung des IR-Filters erheblich empfindlicher im Infraroten.
Hintergrund ist die Hα-Linie bei 656nm des ionisierten Wasserstoffs, denn in diesem Licht leuchten die meisten Nebel mit Sternentstehungsgebieten wie z.B. der berühmte Orionnebel.
 
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Stefan L.

NF-F Premium Mitglied
Zusammengefaßt ergibt sich nun also folgendes Problem: Gegenüber einer reinen SW-Astrokamera müßten wir mit der D-SLR also erheblich länger belichten, da das Licht nicht direkt auf den Sensor trifft, sondern erst in der Bayer-Matrix "geschwächt" wird. Dummerweise können wir die Belichtungszeiten nicht beliebig verlängern, da hier die Genauigkeit unserer astronomischen Nachführung, ein zu hellerer Himmel, überhitzende Sensoren, lichtschwache Teleskope... ins Spiel kommen. Die Genauigkeit der Nachführung und die Lichtstärke des Teleskops läßt sich durchaus in Grenzen verbessern, wir reden bei einer hochwertigen Nachführung aber schnell von sehr hohen vierstelligen Summen und gegen ein hochlichtstarkes Teleskop -einen sogenannten Astrographen- wirkt selbst ein AF-S 600 4.0 VR wie ein Schnäppchen vom Grabbeltisch.

Potentiell kann die reine Astrokamera sogar erheblich länger belichten als die D-SLR, da diese üblicherweise gekühlt werden und das sogenannte Verstärkerglühen -das sich durch rote Einstrahlungen auf den Sensor im Bild bemerkbar macht, weniger bis gar nicht vorhanden ist.

Diese Probleme der D-SLR sind vorhanden und lassen sich auch nicht wegmodifizieren, es gibt zwar ein paar wilde Konstruktionen mit Kühlakkus um D-SLR Gehäuse, aber das sind reine Bastellösungen und die Bayer-Matrix läßt sich gar nicht entfernen.

Trotzdem sind D-SLR in der Astro-Fotografie sehr weit verbreitet und werden -besonders von mobilen Astrofotografen- gern eingesetzt, schlicht da ihr Handling viel einfacher ist. Akku rein, Speicherkarte rein, Kabel-Timer-Auslöser dran und ab dafür. Eine reine Astro-Kamera erfordert immer einen Rechner um die Kamera zu steuern und die Aufnahmen zu machen. Zudem sind die besten Softwaren für diese Zwecke kostenpflichtig.

Der größte Vorteil der S-SLR (oder auch einer guten Spiegellosen) ist aber das wir so ein Dingens ja bereits in der Fototasche haben. Für die ersten Versuche in der Astrofotografie reicht das allemal. Sehr viele nutzen z . B. das neu erworbene Teleobjektiv, um den Mond abzulichten.

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Für manchen ist der Mond sowas wie die Einstiegsdroge und er/sie kauft sich ein günstiges langbrennweitiges Einsteigerteleskop (China- oder Russentonne), damit geht am Mond schon so einiges

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Auch wenn ehrlich gesagt auch hier die D-SLR nur einen Kompromiss darstellt. Aufgrund der langen Brennweiten (oben resultierend knapp 3m) wirkt sich die Luftbewegung schon sehr störend aus -das nennt man Seeing- und eine einfache Web-Cam macht das meist besser, da man aus deren Filmen einfach ganz viele Einzelbilder zieht, die besten davon überlagert (stacking) und dann ein rauschfreies scharfes Bild bekommt. Heutzutage kann man natürlich auch die Video-Funktion der D-SLR dafür nutzen.

Nun bekommt man aber schon einen ersten Eindruck in die Astrofotografie, denn für die Mondfilme ist man eine Weile nachts im Kalten draussen, und man sitzt hinterher lange am Rechner, um ein schönes Bild hinzubekommen.

Der mobile Astrofotograf ist übrigens dem Wildlife-Tierfotografen sehr ähnlich. Beide wissen nicht ob es sich überhaupt lohnt, an den Ansitzplatz / Fotoplatz mit dunklem Himmel zu fahren, dort stundenlang -oft frierend- zu sitzen und warten, um dann womöglich mit leeren Händen heim zu kommen. Die Analogie bei beiden geht sogar so weit, daß für beide Fotografen-Typen Namibia ein sehr begehrtes Reiseland ist. Die einen finden bei wohligen Temperaturen wilde Tiere, die anderen in perfekt ausgestatten Lodges einen superdunklen Himmel.
 
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Stefan L.

NF-F Premium Mitglied
Bevor nun jemand auf die Idee kommt mal eben so ein 250,- Teleskop zu kaufen und einen Flug nach Namibia zu buchen möge er/sie bitte weiterlesen. Leider sind diese einfachen Teleskope (sie nennen sich Maksutov-Cassegrain) eine "Sackgasse". Die Kombination aus großer Brennweite und geringer Lichtstärke macht sie sehr gut nutzbar für den Mond und mit speziellen Schutzfiltern davor auch für die Sonne

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das wars dann aber auch. Für die Deep-Sky Fotografie (also das ablichten der schönen bunten Nebel) sind sie denkbar ungeeignet und selbst die Planeten lassen sich damit -so wir bei der D-SLR bleiben- nicht vernünftig ablichten.

Möchte man nun in die Deep-Sky Fotografie hereinschnuppern, ohne gleich 4-stellige Summen beim Astrohändler lassen zu müssen, können wir einfach die doch recht hohen Empfindlichkeiten unserer Kameras nutzen und einfach mal anfangen, das Verfahren mit Fotoobjektiven zu üben. Das was uns nun vom "echten" Astrofotografen unterscheidet ist, das wir noch keine Möglichkeit haben die Erdrotation auszugleichen. Wir müssen also mit eher kurzen Belichtungszeiten arbeiten und dafür viel mehr Aufnahmen machen, um für das spätere Stacking ausreichend Licht einzusammeln.

Nun gilt es also eine wirklich dunkle und klare Nacht abzuwarten, die Akkus zu laden, die Kamera oder den Fernauslöser zu programmieren und sich dann mit dem Gerödel rauszubegeben.

Damit könnte man z. B. sowas produzieren

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Das waren gut 100 Aufnahmen á 4s mit einem 50er an einer DX. Verarbeitet mit einer Astrosoftware und Photoshop.Im Endeffekt gingen für dieses sehr unspektakuläre Bildchen, wo man mit Mühe den Orionnebel erkennen kann schon ein paar Stündchen drauf. Wem das bereits zu fiel erscheint hat "Glück" und spart viel Geld, denn er/sie braucht über die Anschaffung von weiterem Astro-Geraffel und einer Modifikation der Kamera nichtmal nachzudenken, es wird nämlich alles noch viel schlimmer ...
 
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ManfredE

Unterstützendes Mitglied
Ich finde das Thema Astrofotografie sehr spannend, traue mich aber wegen der hohen Kosten und der Komplexität nicht ran.
 
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Stefan L.

NF-F Premium Mitglied
Komplex bzw. reichlich kompliziert kann es irgendwann durchaus werden. Die Bilderchen, die ich bisher hier gezeigt habe lassen sich allerdings auch mit oft bereits vorhandenen Bordmitteln realisieren. Auch der Mond un dideie Sonne würde mit z. B. einem Simron 150-600 + 2x Konverter an einer 1er gehen, das Zusatzinvest beschränkte sich dann auf die Sonnenfilterfolie.

Deutlich schwieriger wird es für sich erstmal das Interessengebiet zu bestimmen. DIE Astrofotografie gibt es eigentlich gar nicht, auch wenn viele darutner die bunten Nebelbilder verstehen, so ist das Feld der Astro-Bilderzeugung ein sehr breites, mit z. T. völlig unterschiedlichen Anforderungen. Um mal ein paar Beispiele zu bringen:

- Mond, klar an dem verucht sich fast jeder, wenn er ein neues Tele gekauft hat mal. Oft ist der Mond mit einem billigen Teleskop auch der Einstieg in die Astroknipserei. Allerdigsn kann das mit dem Einsteiger-Röhrchen auch schnell langweilig werden. Auf der anderen Seite gibt es Spezialisten, die mit Monsterbrennweiten versuchen die Mond-Fahrzeuge und Lander der NASA zu finden und abzulichten. Andere versuchen die mögliche Detailauflösung immer weiter hochzuschrauben. Manch einer hat auch Spaß dran aus Millionen von Einzelframes in den Filmen hochaufgelöste Einzelaufnahmen einzelner Regionen zu bilden und daraus dann wiederum ein hochauflösendes Mosaik des gesamten Mondes in verschiedenen Mondphasen zu schaffen

- Planeten, gern Leute, denen der Mond zu langweilig wurde, bzw. die für den Mond brennweitentechnisch zu weit aufgerüstet haben. Die schlagen sich ganze Nächte mit Brennweite im 2-stelligen Meter-Bereich um die Ohren, um dann aus den Filmen (so es denn geklappt hat) 600 x 600 Pixel große Bildchen zu erstellen. Die besten von den Jungs können sogar die Jupiterstürme und Veränderungen an den Saturnringen nachweisen. Die Planetenfotografie ist im Grudne auch das einzige feld, wo man nicht mit relativ geringen Kosten mal reinschnuppern kann. Man braucht zumindest eine lange Brennweite und eine geeignete Kamera. Meist sind das hochempfindliche Industrie-Kameras mit geringer Auflösung, die von den Astorläden dann als "Planetenkameras" angeboten werden.

- ISS-Jäger, kein Witz es gibt ein paar wenige, die es schaffen von Hand wahnwitzige Brennweiten auf die Weltraumstation zu halten, nachzuführen und davon dann Bilder ungefähr in der Größe wie die Planeten-Leute zu fertigen

Die drei Gruppen haben mit ganz anderen Problemem zu kämpfen als z. B.ein Deepsky-Fotograf . Die Objekte sind hell genug das sich Lichtverschmutzung nicht gar so dramtisch auswirkt, umso mehr aber Luftverschmutzung, Luftunruhe und ganz besonders Wind, denn die großen Tuben, die man dort einsetzt sind extrem windanfällig. D-SLR werden hier allerdings nur sehr selten und wenn dann für Übersichtsaufnahmen eingesetzt.

Kometen-Jäger wiederum arbeiten weniger mit Monster-Brennweiten, da ist das Problem das gewünschte Objekt erstmal zu finden. Lassen sich heutzutage die meisten kartierten Objekte dank GoTo-Steuerung an der Nachführung automatisch anfahren, so muß man einen Kometen selber suchen und finden.

Widefielder, bilden ganze Himmelsregionen ab und kombinieren die tlw. auch noch mit "richtiger" Landsschaft. Dafür haben wir hier im Forum ein super Besipiel, nämlich Daniel (dmachon). Der technisch-fotografische Aufwand ist bei diesen Bildern klar geringer, wenn man sich aber Daniels Berichte genau durchliest, mit welcher Akkribie er die Fotostandorte plant, um z. B. die Milchstrasse "aus" einem Vulkan irgendwo in den Anden wachsen zu lassen, dann ist der Vorfeld-Aufwand irre hoch. Mal ganz davon abgesehen, das es nicht jedermanns Sache ist mit Zelt und Rucksack frierend durch die Berge zu ziehen.

Da sind D-SLR (oder Spiegellose mit großem Sensor) in ihrem Element, Astromodifizieren muß man aber auch da noch nichts. Zusätzlich reicht meist ein normales Fotostativ.

Nun haben wir auch noch dei Deepsky-Fotografen, da gibt es dann die wildesten Ausprägungen. Von den Hobby-Astonomen, die normalerweise durchs Okular beobachten, davon oft fantastische Zeichnungen anfertigen und diese dann mit den Bildern der mitlaufenden Kamera vergelichen möchten, bis hin zu den reinen Fotografen, die mit Astronomie eigentlich gar nichts am Hut haben und "nur" schöne Bilder produzieren wollen. Das -wohl für die Meisten- faszinierende an der Deepsky-Fotografie ist Dinge, die man bis auf wenige Ausnahmen -im Gegensatz zu den bisher erwähnten Objekten- nicht mit dem freien Auge sehen kann, abzulichten.

Kosten lassen sich recht schön an Deepsky zeigen. Hier bestimmt der eigene Anspruch zu -fast- 100% die entstehenden Kosten. Ich kann zum Beispiel investieren was immer ich will, aus meinem Garten im Essener Süden komme ich nie z. B. an den seit 20 Jahren aktiven Astro-Fotografen ran, der auf einer Alm in den schweizer Alpen eine per WLAN zu öffnende Astrokuppel stehen hat, in der ein Astrograph im Gegenwert eines netten Kleinwagens auf einer Präzisionsnachführung zum Preis einer Mittelkllasselimousine in Verbindung mit einer Astromakera, die als "billigstes" Element den Gegenwert einer D5 reräsentiert..

Es gibt aber auch die Gegenbeispiele, wo sich Leute eine Ausrüstung im Gegenwert einer kleinen Eigentumswohnung- wie oben- in einen Vorstadt-Garten stellen liessen dort aber "dank" der Luftverschmutzung keine besseren Ergebnisse erreichen als der mobile Astrofotograf, der mit einer Ausrüstung für sagen wir mal 1/10 der Kosten mit dem Auto in dunkle Bergregionen fährt.

Man sollte bevor man anfängt Geld zu versenken in sich selber hineinhören. Wenn man den Anspruch hat die besten je gemachten Bilder der Sombrero-Galaxie zu toppen, aber nicht die Möglichkeiten ein Privat-Observatorium in der Atacama-Wüste einzurichten wird sich nur selbst frusten. Als ich vor gut 10 Jahren mit der Astro-Knipserei anfing habe ich auch viel zu schnell viel zu viel Geld für alles mögliche und unnötige ausgegeben und wurde von Fehleinsatz zu Fehleinsatz frustierter, sodaß das teure Zeugs auch sehr lang ungenutzt im Gartenhaus herumlag.

Inzwischen habe ich wieder viel Spaß an der Sache. Hauptsächlich weil ich massiv "abgerüstet" habe. Die große Ausrüstung habe ich immer noch, zusätzlich habe ich aber auch zwei kleine und recht günstige <300,- rein Fotomontierungen, die ich ohne großen Aufwand mitlaufen lassen kann. Auf die Art gehe ich dann nur noch viel seletner mit dem Gefühl die Nacht völlig verplempert zu haben ins Bett und ich finde es auch durchaus reizvoll zu versuchen was mit kleinem und günstigem "Besteck" so möglich ist. Mal ein Beispiel, das ich letzte Woche schonmal gezeigt hatte:

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Natürlich gibt es um Welten bessere Bilder der Andromeda-Galaxy aber für ein olles MF-Tele, das ich für 129,- geschossen habe an der ollen D5100 auf einer <300,- Nachführung find ich es durchaus respektabel. Ja ich habe den Focus nicht richtig getroffen (Sterne sind etwas zu dick), Ja das Objektiv hat mir massive Farbfehler um die Sterne gelegt, die sich nur begrenzt wegrechnen liessen, Ja ich hätte die Flat-Box nutzen sollen, um den Sensorschmutz rauszurechnen, Ja viel mehr Belichtungszeit und längere Eimnzelframes wären fürs Rauschen gut gewesen, aber es ist meine erste Herbstgalaxy diese Sasion und mir gefällts. Vor allem ist es viel besser, als mit dem großen Teleskop geworden, schlicht weil ich mit dem Ding gar kein Bild machen konnte, da wieder so ein paar technische Fehlerteufel zuschlugen, was bei der kleinen Reisemontierung fast nie passiert. So lange ich einen frischen Satz Eneloops dabei habe und halbwegs freie Sicht auf den Polarstern klappts mit dem kleinen Ding immer.
 
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ManfredE

Unterstützendes Mitglied
Ich hatte für mich mal folgende Montierungen ins Auge gefasst.



oder



Vorerst würde ich mein vorhandenes Kamera Equipment nutzen wollen.
So war jedenfalls mein Plan. Und ich denke, das wäre erst mal der richtige Weg, ohne unnötig viel Geld zu verbrennen.
 
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Stefan L.

NF-F Premium Mitglied
Laß mich raten, das Zauberwort hieß: GoTo :hehe:

Der Merlin (die Allview ist quasi nur ein Merlin mit Stativ) war und ist bei Time-Lapse-Fotografen sehr beliebt. Er war lange so ziemlich die günstigste Möglichkeiten Dreh-TL's mit halbwegs reproduzierbaren Abständen zwischen den Fotos hinzubekommen. Lies Dir aber mal die Produktbeschreibungen genau durch, da steht -sinngemäß- was von machen sie tolle Time-Lapse und Panorma-Fotos am Tag und nutzen sie nachte ein Teleskop für die Sternbeobachtung. Von Fotos bei Nacht ist da nichts zu lesen.

Ich mache mal eben einen kleinen Zusatzthread zur Montierung auf,
 
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Stefan L.

NF-F Premium Mitglied
Nun hat der Thread schon ein paar Posts, aber noch immer hat der Dödel nix zum Astromodifizieren geschrieben.

Ja stimmt, das hat auch seinen Grund, denn bevor man daran geht seine D-SLR zu zerpflücken oder zig tausende für eine Astro-Kamera ausgibt sollte man sich sicher sein, das einem das Hobby überhaupt liegt. Dazu muß man auch noch wissen, was man eigentlich fotografieren möchte. Gehe ich überwiegend auf Galaxien oder gar Kugelsternhaufen brauche ich gar nix spezielles, da tuts eine ganz normale D-SLR (oder Spiegellose)

Nur wenn ich gern die sogenannten "Nebel" und da auch noch die rot strahlenden Fotografieren möchte und einen relativ schlechten -im Sinne von Lichtverseuchten- Himmel hat macht die Modifikation aus meiner Sicht Sinn.

Der Umabu an sich ist eigentlich gar nicht so spektakulär, für einige Canons existieren sogar Do-It-Yourself Videos, man kann die Kamera aber auch zu darauf spezialisierten Firmen schicken. Dort wird dann der vor der Bayer-Matrix sitzende IR-Blockfilter entfernt. Dieser dient -verinfacht dargestellt- dazu den Rotanteil, den wir normalerweise nicht sehen können zu blocken, damit das Rot beim normalen fotografieren nicht zu schnell übersättigt. Wer schonmal bei hellem Sonenschein eine rote Rose, oder knallrotes Kleid fotografiert hat wird vielleicht gemerkt haben, das das rot z. T. schon übersättigt ist, während das restlich Bild eigentlich homogen belichtet war.

Diese Blockfilter wurden in den letzten Jahren auch immer etwas stärker, die Infrarotfotografen wissen davon ein Lied zu singen. Dort schraubt man ja meist einen Filter vor das Objektiv, der praktisch nur das IR-Licht durchläßt. gleichzeitig blockt aber der interne IR-Filter den Anteil weg. Mit der D70 ging es noch so halbwegs, mit den neueren D-SLR kommt man da am hellichten Tag auf Belichtungszeiten im Minutenbereich.

Eine astromodifizierte D-SLR (oder auch Spiegellose) ist nun also in der Lage zusätzlich zum für den Menschen sichtbaren Rot auch noch das Infrarot-Licht in die roten Linsen der Bayer-Matrix zu schicken. Was das bewirkt möche ich nun mal an zwei Beispielen zeigen, die sind zwar alles andere als perfekt sind, zeigen aber den Effekt denke ich ganz gut.

Wir betrachten also -bei mir aus dem Garten, somit ähnliche Voraussetzungen- eine Region im Sternbild Schwan nahe des Leitsterns Deneb. Dort findet sich nämlich der sogenannte Nordamerika-Nebel. Wer mag google mal danach oder einfacher nach NGC 7000, dort findet man ganz fantastische Aufnahmen davon.

Bei mir mit der unmodifizierten Canon 450d mit Kit-Optik bei 55mm sah es leider so aus

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Mit viel längeren Einzelbelichtungen wäre womöglich noch mehr drin gewesen, aber ich war schon bei maximal 4min Belichtungszeit, was bei meinem hellen Himmel grenzwertig wird und habe insgesamt 65 Minuten belichtet.

Nun werfen wir einen Blick auf die gleiche Region (leider in anderem Winkel, aber gleich kommen auch noch Crops) mit der astromodifizierten D5100 und dem Series E 100, allerdings statt 4min nur max. 1min belichtet und insgesamt auch nur 50min

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Das sieht doch schon um einiges schöner aus, noch besser sichtbar wird es, wenn wir enfach mal 100% Crops ziehen, erst die Canon

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Dann die modifizierte Nikon

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Ich denke der Unterschied ist nun gut zu sehen, bei der modifizierten Kamera konnte ich den Himmel auch noch problemlos auf ein natürlicheres Maß (auf 100% schwarz geht man nicht, das wirkt wieder unnatürlich) runterzeihen. Beim Foto der Canon wäre bei gleicher Hintergrundhelligkeit kaum noch was vom Nebel zu erkennen.

Ein versierter Astrofotograf mit hohen EBV-Skills und super-dunklem Fotostandort bekommt die untere Aufnahme auch mit eienr Standard D-SLR hin, mir fehlen diese Möglichkeiten aber und deswegen war für mich der Umbau die richtige Entscheidung.


Wichtig: Für den normalen Tageslichtgebrauch ist eine solche Kamera nur noch sehr eingeschränkt zu verwenden, am besten nutzt man dann einen UV/IR-Sperrfilter, muß aber regelmäßig mit dem Weißabgleich kämpfen. Wo sie natürlich nun prima verwendbar ist, ist bei der IR-Fotografie, den IR-Filter braucht man zwar immer noch, da sie in dem Spektrum aber nun viel empfindlicher ist, kommt man auf recht kurze Belichtungszeiten.
 
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andreasmax

Unterstützendes Mitglied
@ Stefan: Das mit dem Fokus muss nicht stimmen. Bei längeren Belichtungen gibt es ebenso eine Auswirkung des Seeings. Auch kann eine leichte Drift dabei sein. Oder auch chromatische Abberation. War das ein APO?

Bez. der Astrokameras: Ich habe meine D5100 selbst umgebaut (dauerte ca. 20 min) und bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Es kommt zwar der Sperrfilter raus, man muss aber dann doch wieder einen IR-Clip-Filter einbauen. Er blockt den IR-Bereich ab. Ansonsten werden die Sterne sehr schwammig.
Belichten tu ich bis 10 Minuten mit ISO800. Wobei man sagen muss, dass bei Astro die ISO eigentlich unerheblich sind. Hier geht es um das Verhältnis Rauschen zu Signal. Und da sind mehr Photonen immer wichtig. Eigener Test: 30 x 3 Minuten ISO 800 über Astrotrac nachgeführt bedeutet viel chromatisches Rauschen, welches man jedoch wieder wegbekommt. Mit der gleichen Kamera auf meiner CGEM nachgeführt erhalte ich das gleiche Ergebnis nach etwa 30 Minuten. Bei 10 Minuten sind das nur 3 Aufnahmen statt 30. Rauschen sehr gering. Dieses Rauschen bekommt man mit DARKS und BIAS in den Griff. Mit den FLATS bekommt man Staub, Dreck und Vignettierung weg.

Mein Vorteil bei der DSLR ist der, dass ich einfach 5 x 10 Minuten belichte (Beispiel) und gut ist. Bei Astro-Kam mach ich 5 x 10 Minuten in jeweils R, G, B und dann noch Luminanz und/oder H-Alpha oder andere Filter. Dauert die ganze Nacht. Und die hab ich in unseren Breiten selten.

Ansonsten sehr gute Zusammenstellung. Danke!
 
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