Unbekanntes Ligurien

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Wer Ligurien hört, der denkt fast automatisch an die Cinque Terre
und pittorske, aberwitzig an steiler Küste klebende Dörfer.

Ganz so malerisch ist die westlich zwischen Genua und San Remo
gelegene Riviera di Ponente mit ihren kilometerlangen Stränden
gewiss nicht. Außerordentlich dicht bebaut an der Küste und fast
nur von italienischen Touristen frequentiert, ist das hochaufragende
Hinterland ebenso unwirtlich wie vergleichsweise dünn besiedelt.


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Ein typischer Strand, hier in Porto Maurizio, wo Benito Mussolini
einst als Französisch-Lehrer tätig war, weshalb er als Duce dann
diesen Ort mit dem benachbarten Oneglia zu einer Stadt verband,
die er kurzerhand Imperia nannte.


Die Strände sind außerordentlich beliebt, weshalb die an der Küste
entlangführende Via Aurelia im Sommer ein einziger Parkplatz ist.
Glücklich, wer dort eine Lücke für sein Auto findet – alle anderen
müssen oft ewig suchen und dann bei Temperaturen um die 30° C
weite Wege ans Meer in Kauf nehmen.


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Wer auf große Kunst und Kultur aus ist, der wird an der Riviera di Ponente
kaum fündig werden und muß sich wohl (oder übel) nach Genua begeben,
das jahrhundertelang diesen Küstenstrich dominierte.


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Allerdings gibt es in Oneglia ein von den Olivenölproduzenten Fratelli Carli
privat betriebenes Museo dell' Olivo, das mit viel Liebe zum Detail und
einigem Multimedia-Aufwand die große Geschichte der Oliven und ihrer
Verarbeitung erzählt.


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Glasbilder im Treppenhaus des in einer ehemaligen Villa untergebrachten
Museums, das 1993 als "Europäisches Museum des Jahres" ausgezeichnet
wurde.

Auch wenn Reiseführer immer noch von freiem Eintritt berichten, so sind
diese Zeiten vorbei. Doch der Obulus ist selbst für Familien überschaubar,
und außerdem gibt es für Museumsbesucher im benachbarten "Emporio",
wo die gar nicht mal so preiswerten, aber leckeren Produkte in modernem
Ambiente angeboten werden, 8% Nachlass auf ihren Einkauf.


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Die Römer exportierten Olivenöl weiland in solchen Amphoren aus Ligurien
in alle Winkel der damals bekannten Welt. Heute dagegen nimmt man auch
bei den Fratelli Carli für größere Mengen Blechkanister, die vor allem bei
Italienern sehr beliebt sind, während Touristen doch lieber zu Glasflaschen
greifen.


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In den 50er Jahren war die Riviera die Ponente auch bei deutschen Touristen
sehr beliebt, was sich mancherorts bis heute im Straßenbild zeigt.


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Etwa in Finale Ligure, wo ich auch dieses Motiv vergnügt endeckte:


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Die meisten Hotels stammen aus der späteren Nachkriegszeit, als die Küste
massiv zugebaut wurde, sind in aller Regel gut in Schuß und versprühen
einen netten 60er-Jahre-Charme. Mit zunehmender Entfernung zum Strand
ändert sich jedoch häufig das Bild:


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Die Zeiten, wo dieses Hotel bella figura machte, dürften schon länger vorbei
sein – wobei man sich von dem heruntergekommenen Äußeren italienischer
Häuser nicht täuschen lassen sollte, denn oft sind die Wohnungen dort stilvoll
eingerichtet und beeindruckend picobello.


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Verläßt man die Küste, wird's zügig bergig und ziemlich waldig, wie hier
im Lerrone-Tal:


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Enge, kurvenreiche Straßen schrauben sich in die Berge des Hinterlandes,
wo winzige Dörfer unbeachtet von der Welt an den Hängen kleben:


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Touristen verirren sich so gut wie nicht hierher, weshalb ein vorbeifahrendes
Auto mit deutschem Nummernschild eigentlich immer mildes Erstaunen bei
den vor der örtlichen Bar hockenden Einheimischen hervorruft.

Ansonsten sieht man unterwegs in den Bergen neben Steineichen vor allem
terrassierte Olivenhaine. Die Gesamtlänge der dafür in Ligurien verbauten
Natursteinmauern beträgt übrigens unglaubliche 220.000 km …


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Und natürlich trifft man – merke: wo ein Berg, da ein Radfahrer – immer
wieder auf Pedalisti, wie hier am 677 Meter hohen Passo del Ginistro, die
mal allein, mal im Rudel mit erstaunlichem Tempo durch die hitzeflirrende
Gegend kurven.


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Unser Ausflug durch den ligurischen Appenin führt uns schließlich ins recht
beschauliche Pieve di Teco, das seinen einstigen Wohlstand seiner günstigen
Lage am Schnittpunkt mehrerer Salzstraßen verdankt.


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Unverhofft erwies sich dort die Kirche San Giovanni Battista (1782-1806)
als beeindruckendes Beispiel spätbarocker Zentralarchitektur:


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P300 mit 400 ISO, f2,8 bei 24 mm mit 1/4 sec aus der Hand


Der Kirchenraum wird von einer riesigen Kuppel mit Laterne überwölbt:


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Und natürlich findet man auch amüsante Beispiele früherer, typisch
italienischer Volksfrömmigkeit:


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Ob man den Heiligen Franciscus Serverius wohl heutzutage noch so
darstellen würde – oder dürfte?


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Die kulturhistorisch interessanteste Stadt der Riviera di Ponente dürfte wohl
Albenga sein, das in vorchristlicher Zeit von den Ingaunern, dem mächtigsten
aller ligurischen Stämme, als Albium Ingaunum im Mündungsgebiet der drei
Gebirgsbäche Lerrone, Arroscia und Neva gegründet wurde.


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Der gut erhaltene mittelalterliche Stadtbereich steht auf den Fundamenten
einer ehemaligen römischen Siedlung, verfügt über viele schöne kleine Plätze
und nicht zuletzt über einige hochaufragende Geschlechtertürme.

Sehenswert ist das leider ziemlich heruntergekommene, außen zehn- und
innenachteckige Baptisterium der Kathedrale San Michele sowie das kleine,
liebevoll betreute Diozösanmuseum, wo man nicht fotografieren durfte.


An der Piazza delle Erbe, wo man vor einer netten Bar schön sitzen kann,
fand ich dann dieses Paradebeispiel italienischer Werbeprosa:


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Der in der Gegend produzierte Wein ist übrigens überraschend teuer und
dabei nicht besonders gut. Macht aber nichts, denn das Piemont ist nicht
weit und das Angebot auch autochthoner Weine entsprechend vielfältig
und dabei deutlich preiswerter.


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Wer nicht gerade Spaß daran hat, die letztlich immergleichen Gassen der
verschiedenen Ortschaften abzulichten, der sollte seinen Blick lieber den
vielen versteckteren Motiven zuwenden:


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Den oft kunstvoll geschmückten Hauseingängen etwa oder Schildern
wie dem der schönen Lotta:


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Oder dem alten Kino von Albenga, das schon längst seine Pforten
geschlossen hat:


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Das unscheinbare Garlenda im Hinterland von Albenga, das immerhin über
einen 18-Loch-Golfplatz verfügt, begrüßt seine Gäste mit dieser Reklame,
die ich leider nie leuchten sah:


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Das mußte ich doch unbedingt für Jürgen ([MENTION=72367]jw500[/MENTION]) fotografieren, denn
offenbar ist dieses verschlafene Nest die Welthauptstadt des Fiat 500:


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Das "Museo Multmediale della 500" begann leider just an jenem Tage
seine Sommerferien, als ich es besuchen wollte. So blieb mir nur ein
wehmütiger Blick auf das imposante Schild des "Fiat 500 Club Italia":


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Und was gab es sonst noch für schöne Motive während meines Urlaubs?

Den Löschwasseranschluß am ehemaligen Augustinerinnenstift in Pieve
de Teco …


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Wäscheklammern in allen Regenbogenfarben eine Straße weiter …


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Aberwitzige Wasser- oder gar Gasleitungen in Albenga …


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Den Beistand der Mutter Gottes an einem Haus in Porto Maurizio …


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Und einen frommen Wunsch in der Nähe von Casanova Lerrone,
der in Erfüllung ging, denn wir sind gesund und munter wieder
nachhause gekommen:


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Danke fürs Gucken & beste Grüße,

Sven


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Hi
bin grad etwas wenig aktiv hier, wg Arbeit und Urlaub und so und hab den Beitrag nur zufaellig gesehen.
Garlenda ist quasi das Mekka der 500er Fahrer und dort findet alljaehrlich ein Fiat 500 Treffen statt. Teils mit ueber 1000 Autos.
War selbst nur einmal in 2007 dort, natuerlich auf eigener Achse angereist.
Hoehepunkt sind am Sonntag immer ein paar Runden auf der Pferderennbahn.
Das Museum ist auch fuer nicht 500er Fans sehenswert, weil es recht liebevoll eingerichtet ist. Meine Frau meinte das saehe geanauso aus wie bei mir im Buero, was ich masslos uebertrieben finde. Weder ein ganzer Motor, noch ein ganzes Auto stehen da rum. Bestenfalls ein Motorblock und ein Tret-500er...
:)
Ich such spaeter mal ein leuchtendes Leuchtenfoto, allerdings war ich nur mit ner Kompaktknipse unterwegs.
Gruss
Juergen

Nachtrag: das muss natuerlich über 1000 Autos heisen. 2007 hatten wir bereits Startnummer 1040.
 
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Zum Glück ging der Beitrag in die Highlight. Ich hätte die wunderschöne Reportage fast verpasst! Danke sehr für die Reise! :up::up::up:
 
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Deine Bilder gefallen mir deshalb, weil sie in Kombination mit den Texten meine Vorstellungskraft über das ländliche Leben
in Italien beflügeln und besser wie jeder Reiseführer mir ein Bild von einer Region zeigen, die ich noch nicht kenne.
Danke fürs Mitnehmen.
 
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Danke vor allem für die Einblicke in die wunderschön beobachteten kleinen Details, an denen man zumeist unbeachtet vorbei läuft.

Viele Grüße, Bernd
 
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