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Nachdem ich euch im letzten Teil das Herzstück der Triennale in der Halle für aktuelle Kunst vorgestellt habe, bleiben wir direkt vor Ort. In den Deichtorhallen wartet nämlich zeitgleich (vom 5. Juni bis zum 22. September 2026) eine Ausstellung auf uns, die mich beim Sichten der Materialien überrascht hat: „Cocktail Prolongé: F.C. Gundlach Special“.


Skulptural wirkende Schwarz-Weiß-Fotografie von Herb Ritts mit einem Mann, dessen Kopf und Schultern von einem Oktopus umhüllt werden.
Bild: Herb Ritts, Djimon with Octopus, Hollywood 1989 © Herb Ritts Foundation courtesy Camera Work Gallery

Viele kennen F.C. Gundlach vermutlich vor allem als den großen Meister der deutschen Modefotografie, der den weiblichen Körper über Jahrzehnte hinweg elegant stilisierte. Doch diese Schau zeigt uns eine völlig andere, herrlich unangepasste Seite seiner Leidenschaft. Als privater Sammler hatte Gundlach nämlich ein feines Gespür für das Schräge, Abgründige und Experimentelle. In dieser Ausstellung geht es um den Körper als Leinwand für Rollen, Fantasien, Sehnsüchte und queere Extravaganz.

Ein Who-is-Who der radikalen Körperinszenierung​

Diese Zusammenstellung aus rund 70 vertretenen Fotograf:innen ist absolut sehenswert. Gundlach hat Arbeiten gesammelt, die zu ihrer Entstehungszeit oft als provokant galten und auch heute noch eine enorme Wucht besitzen. Die Schau zeigt Meisterwerke von Ikonen wie Diane Arbus, Richard Avedon, Hans Bellmer, Larry Clark und Jürgen Klauke.

Beim Betrachten der Werkauswahl wird mir schnell klar, dass es hier nicht um gefällige Aktfotografie geht. Mich beeindruckt, wie verletzlich und gleichzeitig hochpolitisch diese Körper inszeniert sind. Die Bilder hinterfragen Schönheitsideale, brechen mit Geschlechterrollen und fordern gesellschaftliche Normen heraus.

Meine persönlichen Entdeckungen​

Besonders hängen geblieben bin ich an drei Positionen, die den Bogen von skulpturaler Ästhetik bis hin zur humorvollen und surrealen Inszenierung spannen:
  • Herb Ritts (Das Startbild in diesem Artikel): Seine Fotografie Djimon with Octopus aus dem Jahr 1989 ist für mich ein handwerkliches Meisterwerk des Licht- und Schattenspiels. Wie sich die organischen Formen des Oktopusses Djimon Hounsous Körper anschmiegen, besitzt eine fast surreale, zeitlose Eleganz.
  • Fergus Greer: Seine Porträts der legendären Performance-Ikone Leigh Bowery sind das pure Gegenteil von Zurückhaltung. Die oft grotesk verfremdeten Ganzkörperinszenierungen zeigen Identität als Performance – exzessiv, surreal und vollkommen unübersehbar.
Schwarz-Weiß-Porträt von Fergus Greer: Leigh Bowery steht in einer surrealen, gepolsterten Ganzkörperkostümierung mit verhülltem Kopf vor neutralem Studiohintergrund.
Bild: Fergus Greer, Leigh Bowery, Session III, Look 15, November 1991 © Fergus Greer
  • Joke Reichel: Einen augenzwinkernden Kontrast bildet für mich die Arbeit von Joke Reichel. Hier wird die Inszenierung des Körpers mit feinem Humor unterlaufen – es zeigt, dass die Auseinandersetzung mit Identität und Hülle neben aller Tiefe auch herrlich humorvoll, skurril und nahbar sein kann.
Schwarz-Weiß-Aufnahme eines skulptural zusammengerollten menschlichen Körpers aus der Vogelperspektive in einer minimalistischen Studioinszenierung.
Bild: © Joke Reichel

Mein Fazit​

„Cocktail Prolongé“ ist für mich das perfekte Beispiel dafür, wie eine gut kuratierte Sammlung unseren Blick auf einen berühmten Fotografen weiten kann. Wer Inspiration für die eigene Studio- oder Porträtarbeit sucht und sehen will, wie mutig Licht und Körper in der Fotogeschichte eingesetzt wurden, sollte diese Schau unbedingt ansehen.

Da die Ausstellung in der gleichen Halle wie „Alliance, Infinity, Love“ stattfindet, könnt ihr beide Highlights perfekt an einem Tag verbinden – am besten natürlich mit dem Triennale-Ticket!

Alle praktischen Infos zu Öffnungszeiten und Tickets findet ihr direkt auf der Webseite:

👉 Deichtorhallen Hamburg – Ausstellungsdetails

Alle Artikel zur Triennale der Photographie Hamburg 2026 auf einen Blick gibt es hier - ich freue mich dort auch auf euer Feedback!
 
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