Status
Für weitere Antworten geschlossen.

Nach unserem Abstecher zu den historischen Archiven im MARKK geht es weiter zu den Deichtorhallen, die gleich fünf Ausstellungen im Rahmen der Triennale der Photographie verantworten. In der Halle für aktuelle Kunst der Deichtorhallen wird das übergeordnete Festivalthema "Alliance, Infinity, Love – in the Face of the Other" unter der Regie des Londoner Kurators Mark Sealy aufgegriffen.


Inszenierte Farbfotografie im Stil privater Aufnahmen der 1950er-Jahre: Eine Frau im weißen Kleid lacht ausgelassen auf einem Sofa, während zwei Männer im Anzug neben ihr Tee oder Kaffee trinken und rauchen.
Bild: Lee Shulman und Omar Victor Diop, The Anonymous Project präsentiert Being There, 2023. © Courtesy the artists

Ich habe mir das Konzept angeschaut und denke: Wer die Fotografie nicht nur als dokumentarisches Medium, sondern als emotionalen und politischen Erfahrungsraum begreifen möchte, kommt an dieser Schau nicht vorbei. Rund 30 internationale künstlerische Positionen hinterfragen hier das klassische, oft westlich dominierte „Wir gegen die Anderen“. Die Ausstellung ist in Kapitel unterteilt, zu denen ich euch jeweils meine persönlichen Highlights herausgepickt habe:

1. Alliance: Wenn Kreativität Grenzen sprengt​

Im ersten Kapitel geht es um die Kraft der Verbundenheit bei gleichzeitiger Anerkennung unserer Unterschiede. Mich faszinieren hier vor allem die Allianzen, also Künstler, die im Kollektiv arbeiten.

Ein tolles Beispiel sind Matthew Thorne und Derik Lynch, die mit ihrer Arbeit Marungka tjalatjunu (Dipped in Black) eine visuelle Verbindung schaffen, die indigenes Wissen lebendig und fließend weitererzählt. Ebenso intensiv finde ich die legendären Arbeiten von Rotimi Fani-Kayode und Alex Hirst aus den 1980er-Jahren, die afrikanische Yoruba-Traditionen mit der europäischen Moderne verschmelzen ließen.

Eine stimmungsvolle, filmische Farbfotografie, die eine Person im Zwielicht in einer weiten, australischen Landschaft zeigt.
Bild: Matthew Thorne & Derik Lynch, 2019–2023. © Matthew Thorne & Derik Lynch

2. Infinity: Visuelle Räume ohne trennende Zäune​

Das Thema "Infinity" steht für mich für die unendlichen Möglichkeiten, wie marginalisierte Stimmen endlich zu einem festen Bestandteil unserer visuellen Kultur werden.

Zwei Künstlerinnen haben mich hierbei besonders beeindruckt: Hélène Amouzou und Sandra Brewster. Beiden gelingt es auf eine sehr feine, fast geisterhafte Art, Menschen so zu porträtieren, dass sie zeitlich kaum greifbar, aber im Raum physisch absolut präsent wirken. Besonders Hélène Amouzous Selbstporträt im geöffneten Koffer vermittelt für mich das Gefühl von Schutzsuche und Identitätswandel.

Eine melancholische Schwarz-Weiß-Fotografie im Doppelbelichtungs-Stil, die eine transparente Frauenfigur sitzend in einem großen, geöffneten Überseekoffer auf Holzdielen zeigt.

3. Love: Zärtlichkeit als radikaler Akt​

Besonders interessant wird die Ausstellung für mich im Kapitel "Love". In unserer heutigen, oft von Polarisierung geprägten Zeit neigen wir dazu, Liebe als kitschig abzutun. Hier wird sie – inspiriert von der Autorin bell hooks – als echte politische und transformative Kraft inszeniert.

Besonders der US-Amerikaner Tyler Mitchell schafft in seinen atmosphärisch dichten, warmen Arbeiten eine regelrechte ‚Sphäre der Zärtlichkeit‘. Seine Fotografien erzeugen dabei einen Raum, in dem Angst für einen Moment von unbeschwerter Freude verdrängt wird. Ebenso eindringlich sind die intimen Alltagsmomente, die Inuuteq Storch in Grönland festhält.

Ein nahes, farbiges Porträt im sanften Licht, das zwei eng umschlungene Menschen zeigt, wobei einer eine rosa Kapuze trägt und den Kopf an den Hals des anderen schmiegt.
Bild: © Courtesy of the artist and Wilson Saplana Gallery

Mein Tipp für deinen Besuch: Das Triennale-Ticket​

Weil das Programm mit rund 500 Werken allein in dieser Halle außergewöhnlich umfangreich ist, empfehle ich dir dringend, die Opening Days vom 4. bis 14. Juni 2026 zu nutzen. Da gibt es ein Triennale-Ticket für 35 Euro (regulär), mit dem du einmalig in alle elf Ausstellungen der Stadt reinkommst.

Alle Details zur Ausstellung und den Tickets findest du auf der offiziellen Seite der Deichtorhallen:

👉 Deichtorhallen Hamburg – Ausstellungsdetails

Alle Artikel zur Triennale der Photographie Hamburg 2026 auf einen Blick gibt es hier - ich freue mich dort auch auf euer Feedback!
 
Zuletzt bearbeitet:
Status
Für weitere Antworten geschlossen.
-Anzeige-
Zurück
Oben Unten