W
Weitwinkelkarli
Guest
Ich möchte euch heute eine weitere kurze Geschichte erzählen. Nichts Dramatisches wie zuletzt über den Flugzeugabsturz, aber doch ein wenig interessant wie ich meine. Die Geschichte handelt von zwei Fotografen in Singapur.
#1:
Siloso Beach
Als ich am 9 Jänner des Jahres 1992 zum ersten Mal in dem kleinen Land einreiste hatte ich absolut keine Ahnung was in Singapur auch nur 5 Stunden Aufenthalt rechtfertigen könnte. Doch die Väter Singapurs waren auch schon früher sehr clever und führten eine Kooperation mit der staatlichen Fluglinie und den besten Hotels eine kleine Stopover Broschüre ein. Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, konnte man damit Anfang der 90er Jahre bei einem Stopover Aufenthalt in Singapur ab 34 USD in einem beliebigen 5 Stern Hotel im Zentrum der Stadt (an der Orchard Rd.) übernachten.
Gut, 1992 waren andere Zeiten und Hotelpreise wie wir sie heute kennen (Zimmerpreise jenseits der 1000,00 Euro) waren damals völlig unbekannt, aber gute Hotelzimmer zB. in Tokyo kosteten auch 1992 schon jenseits der 300,00 USD.
Was ich damit sagen möchte ist folgendes:
Singapur schaffte es, trotz fehlender Attraktionen mehr und mehr Besucher anzulocken und baute mit dem Geld, das der Tourismus hereinbrachte in den darauffolgenden Jahrzehnten eine wirklich sehenswerte und reiche Stadt auf. Über all die überzogenen Gesetze und Verordnungen kann man denken wie man will, aber die Kriminalitätsrate ist gegen Indonesien oder Malaysien extrem niedrig und man kann sich dort auch als junge alleinstehende Frau in der Nacht gefahrlos auf der Straße bewegen ohne gleich angepöbelt oder vergewaltigt zu werden.
Mein erstes gelungenes Foto in Singapore war mit einer der Gründe wieso ich mich als damals junger Bursch (ich war gerade mal 25 Jahre alt) entschlossen hatte die Fotografie zu erlernen. Ich fotografierte damals mit einer Nikon F4 und der verwendete Film war ein Kodak Gold 100 Negativfilm der dritten Generation. Das Besondere an dem Foto war, oder besser gesagt ist, dass bereits das Negativ eine unglaubliche Farbenpracht aufwies und keine Nachbearbeitung nötig war um die Farben in einen ganz besonderen Licht erstrahlen zu lassen. Dies lag zum einen an den bunt bepinselten Drachen, zum anderen aber auch an dem guten Winkel den die Sonne in jenem Moment im Verhältnis zu meiner Kamera einnahm.
#2:
Sei es wie es sei, dies war eine der Aufnahmen die mich zur Fotografie brachte.
In den darauffolgenden Jahren kam ich immer wieder nach Singapur und verbrachte insgesamt fast ein ganzes Monat in der glühend heißen Metropole nahe dem Äquator, wenn auch mein letzter Besuch nun schon wieder 7 Jahre zurück liegt.
Und über genau diesen letzten Besuch im September 2005 möchte ich euch etwas erzählen.
Nachdem ich 2004 noch mit einer analogen 6x12 Horseman und meiner Nikon F5 in Kambodscha Vietnam und Thailand unterwegs gewesen war, zog ich 2005 aus um die Welt digital zu erobern. Es gab zu dieser Zeit schon die Nikon D2X und auch Objektive wie das Nikkor AF-S VR 200-400mm 1:4G waren mit in meinem Gepäck. Als besonderer Leckerbissen gönnte ich mir damals die bereits angestaubte Nikon D1 und ließ sie, nach Bjorn Rorslet, auf eine reine Infrarot Kamera umbauen. Als ich sie in die Praterstraße brachte und verlangte man möge den AA-Filter ausbauen brachte dies die dortigen Techniker leicht zum Staunen, aber gegen Einwurf kleiner Münzen wurde auch diesem seltsam anmutenden Wunsch entsprochen.
Gemeinsam mit dem sehr gut für IR geeigneten alten manuellen K Nikkor 28mm f/3.5 der dritten Generation (das mit dem kleinen Linsenelement) und einem entsprechenden IR Filter machte die Kamera/Objektivkombi bei Blende f/5,6 absolut geniale, wenn auch relativ kleine Bilder (2000x1312 Pixel). Das einzige Problem beim Fotografieren war, dass man blind unterwegs war, denn man sah erst Sekunden nach der Aufnahme am Monitor was man fotografiert hatte. Durch den Sucher brauchte man erst gar nicht sehen, denn da war alles schwarz.
Da ich nicht pausenlos das schwere Stativ herumschleppen wollte und auch mal Personen in IR dokumentieren wollte beschloss ich eine Blenden Zeitkombination herauszufinden die es mir erlaubte aus freier Hand quasi „blind“ zu fotografieren. Als praktikabel stelle sich 1/30sec bei F/5,6 und ISO 200 heraus. Die 30tel Sekunde kann man mit dem kleinen 28er noch problemlos „halten“ und wenn man sein Auge auf die fast Normal-Optik an der D1 gewöhnt hat (28mm x 1,5= 42mm) konnte man ohne etwas zu sehen nur durch anlegen der Kamera an das Auge den Bildausschnitt zu 90% festlegen.
Grund für den „Ausflug“ nach Singapur war damals im September 2005, dass ich einen Fotografen namens Chee Hong Peow den ich vom photo.net kannte, in seiner Heimatstadt treffen und mit ihm fotografieren wollte. Chips, so sein Spitzname, traf mich in Chinatown wo ich im altehrwürdigen Hotel 1929 an der Keong Saik Street abstieg.
#3:
Links ist das 1929 und ganz oben meine Terrasse
Das Zimmer im Dachgeschoß war sehr stylisch eingerichtet und hatte sogar eine hübsche Terrasse, welche aber leider unbenutzbar waren, da dort sogar die ansonsten unzerstörbaren Kunststoff Gartenstühle wehleidig in der aufgehenden Morgensonne dahinschmolzen.
#4:
Da es bereits zu spät zum Fotografieren war zeigte mir Chips ein gutes Restaurant und trotz brütender Temperaturen genossen wir das eine oder andere Bierchen bis spät in die Nacht. Dass dies keine besonders schlaue Idee war bemerkte ich früh morgens am darauffolgenden Tag, als Chips mich gegen 7:00 Uhr abholte.
Ich fühlte mich nicht nur Hundeelend, nein mein Kopf war drauf und dran jeden Moment zu explodieren. Das letzte Bier musste schlecht gewesen sein, soviel stand fest. Da flog ich extra nach Singapur um einen guten Freund und Fotografen zu treffen und dann war mir so speiübel, dass ich nicht einmal Frühstücken konnte, was für eine Schande, dachte ich mir insgeheim, warf ein Alka Selzer ein und schleppte mich die Stufen zur Rezeption hinunter. Dort wartete mein ebenso erledigter chinesischer Freund namens Chips auf mich.
Zusammen fuhren wir in seinem Minivan nach Sentosa, genauer gesagt nach Siloso Beach, wo ich nachdem ich ausgestiegen war erst mal 5 min gegen den sich ankündigenden Kreislaufkollaps und die furchtbare Übelkeit anzukämpfen hatte. Trotz all dieser Widrigkeiten ließ ich es mir nicht nehmen blindlings mit meiner Nikon D1-R ein paar Infrarot Aufnahmen zu machen, die ich euch heute hier zeigen möchte.
#5:
Unnötig zu sagen, dass wir an diesem extrem heißen und sehr schwülen Tag auf Sentosa mehr mit uns selbst, denn mit Motiven zu kämpfen hatten…..
In weitere Folge werde ich dann alte und neue Aufnahmen der wunderschönen Insel zeigen.
Liebe Grüße
Euer
Wolfgang Steiner
http://www.wolfgangsteiner.com
#1:
Siloso Beach
Als ich am 9 Jänner des Jahres 1992 zum ersten Mal in dem kleinen Land einreiste hatte ich absolut keine Ahnung was in Singapur auch nur 5 Stunden Aufenthalt rechtfertigen könnte. Doch die Väter Singapurs waren auch schon früher sehr clever und führten eine Kooperation mit der staatlichen Fluglinie und den besten Hotels eine kleine Stopover Broschüre ein. Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, konnte man damit Anfang der 90er Jahre bei einem Stopover Aufenthalt in Singapur ab 34 USD in einem beliebigen 5 Stern Hotel im Zentrum der Stadt (an der Orchard Rd.) übernachten.
Gut, 1992 waren andere Zeiten und Hotelpreise wie wir sie heute kennen (Zimmerpreise jenseits der 1000,00 Euro) waren damals völlig unbekannt, aber gute Hotelzimmer zB. in Tokyo kosteten auch 1992 schon jenseits der 300,00 USD.
Was ich damit sagen möchte ist folgendes:
Singapur schaffte es, trotz fehlender Attraktionen mehr und mehr Besucher anzulocken und baute mit dem Geld, das der Tourismus hereinbrachte in den darauffolgenden Jahrzehnten eine wirklich sehenswerte und reiche Stadt auf. Über all die überzogenen Gesetze und Verordnungen kann man denken wie man will, aber die Kriminalitätsrate ist gegen Indonesien oder Malaysien extrem niedrig und man kann sich dort auch als junge alleinstehende Frau in der Nacht gefahrlos auf der Straße bewegen ohne gleich angepöbelt oder vergewaltigt zu werden.
Mein erstes gelungenes Foto in Singapore war mit einer der Gründe wieso ich mich als damals junger Bursch (ich war gerade mal 25 Jahre alt) entschlossen hatte die Fotografie zu erlernen. Ich fotografierte damals mit einer Nikon F4 und der verwendete Film war ein Kodak Gold 100 Negativfilm der dritten Generation. Das Besondere an dem Foto war, oder besser gesagt ist, dass bereits das Negativ eine unglaubliche Farbenpracht aufwies und keine Nachbearbeitung nötig war um die Farben in einen ganz besonderen Licht erstrahlen zu lassen. Dies lag zum einen an den bunt bepinselten Drachen, zum anderen aber auch an dem guten Winkel den die Sonne in jenem Moment im Verhältnis zu meiner Kamera einnahm.
#2:
Sei es wie es sei, dies war eine der Aufnahmen die mich zur Fotografie brachte.
In den darauffolgenden Jahren kam ich immer wieder nach Singapur und verbrachte insgesamt fast ein ganzes Monat in der glühend heißen Metropole nahe dem Äquator, wenn auch mein letzter Besuch nun schon wieder 7 Jahre zurück liegt.
Und über genau diesen letzten Besuch im September 2005 möchte ich euch etwas erzählen.
Nachdem ich 2004 noch mit einer analogen 6x12 Horseman und meiner Nikon F5 in Kambodscha Vietnam und Thailand unterwegs gewesen war, zog ich 2005 aus um die Welt digital zu erobern. Es gab zu dieser Zeit schon die Nikon D2X und auch Objektive wie das Nikkor AF-S VR 200-400mm 1:4G waren mit in meinem Gepäck. Als besonderer Leckerbissen gönnte ich mir damals die bereits angestaubte Nikon D1 und ließ sie, nach Bjorn Rorslet, auf eine reine Infrarot Kamera umbauen. Als ich sie in die Praterstraße brachte und verlangte man möge den AA-Filter ausbauen brachte dies die dortigen Techniker leicht zum Staunen, aber gegen Einwurf kleiner Münzen wurde auch diesem seltsam anmutenden Wunsch entsprochen.
Gemeinsam mit dem sehr gut für IR geeigneten alten manuellen K Nikkor 28mm f/3.5 der dritten Generation (das mit dem kleinen Linsenelement) und einem entsprechenden IR Filter machte die Kamera/Objektivkombi bei Blende f/5,6 absolut geniale, wenn auch relativ kleine Bilder (2000x1312 Pixel). Das einzige Problem beim Fotografieren war, dass man blind unterwegs war, denn man sah erst Sekunden nach der Aufnahme am Monitor was man fotografiert hatte. Durch den Sucher brauchte man erst gar nicht sehen, denn da war alles schwarz.
Da ich nicht pausenlos das schwere Stativ herumschleppen wollte und auch mal Personen in IR dokumentieren wollte beschloss ich eine Blenden Zeitkombination herauszufinden die es mir erlaubte aus freier Hand quasi „blind“ zu fotografieren. Als praktikabel stelle sich 1/30sec bei F/5,6 und ISO 200 heraus. Die 30tel Sekunde kann man mit dem kleinen 28er noch problemlos „halten“ und wenn man sein Auge auf die fast Normal-Optik an der D1 gewöhnt hat (28mm x 1,5= 42mm) konnte man ohne etwas zu sehen nur durch anlegen der Kamera an das Auge den Bildausschnitt zu 90% festlegen.
Grund für den „Ausflug“ nach Singapur war damals im September 2005, dass ich einen Fotografen namens Chee Hong Peow den ich vom photo.net kannte, in seiner Heimatstadt treffen und mit ihm fotografieren wollte. Chips, so sein Spitzname, traf mich in Chinatown wo ich im altehrwürdigen Hotel 1929 an der Keong Saik Street abstieg.
#3:
Links ist das 1929 und ganz oben meine Terrasse
Das Zimmer im Dachgeschoß war sehr stylisch eingerichtet und hatte sogar eine hübsche Terrasse, welche aber leider unbenutzbar waren, da dort sogar die ansonsten unzerstörbaren Kunststoff Gartenstühle wehleidig in der aufgehenden Morgensonne dahinschmolzen.
#4:
Da es bereits zu spät zum Fotografieren war zeigte mir Chips ein gutes Restaurant und trotz brütender Temperaturen genossen wir das eine oder andere Bierchen bis spät in die Nacht. Dass dies keine besonders schlaue Idee war bemerkte ich früh morgens am darauffolgenden Tag, als Chips mich gegen 7:00 Uhr abholte.
Ich fühlte mich nicht nur Hundeelend, nein mein Kopf war drauf und dran jeden Moment zu explodieren. Das letzte Bier musste schlecht gewesen sein, soviel stand fest. Da flog ich extra nach Singapur um einen guten Freund und Fotografen zu treffen und dann war mir so speiübel, dass ich nicht einmal Frühstücken konnte, was für eine Schande, dachte ich mir insgeheim, warf ein Alka Selzer ein und schleppte mich die Stufen zur Rezeption hinunter. Dort wartete mein ebenso erledigter chinesischer Freund namens Chips auf mich.
Zusammen fuhren wir in seinem Minivan nach Sentosa, genauer gesagt nach Siloso Beach, wo ich nachdem ich ausgestiegen war erst mal 5 min gegen den sich ankündigenden Kreislaufkollaps und die furchtbare Übelkeit anzukämpfen hatte. Trotz all dieser Widrigkeiten ließ ich es mir nicht nehmen blindlings mit meiner Nikon D1-R ein paar Infrarot Aufnahmen zu machen, die ich euch heute hier zeigen möchte.
#5:
Unnötig zu sagen, dass wir an diesem extrem heißen und sehr schwülen Tag auf Sentosa mehr mit uns selbst, denn mit Motiven zu kämpfen hatten…..
In weitere Folge werde ich dann alte und neue Aufnahmen der wunderschönen Insel zeigen.
Liebe Grüße
Euer
Wolfgang Steiner
http://www.wolfgangsteiner.com