Ich nehme die letzte Nachricht auf von Dir. Und irgendwie überrascht mich der Hinschied deiner Mutter nicht. Du hast schon lange angedeutet, dass es ihr nicht gut geht.
Und doch. Wenn ich dieses Wochenende betrachte, und ich mit meinem 16mm unterwegs war, dann hatte ich Mühe, dass Weitwinkel und Fischauge mir die Nähe nehmen. Und doch spürte ich, dass sich etwas in Kiel bewegt hat. Und auch bei mir zuhause. Aber davon später.
Es sei Dir in deiner Trauer, liebe Sabine, dieses Bild geschenkt. Ein Tal, ein Seitental des Valle Verzasca, aus der Perspektive eines 16mm Objektiv. Lass Dich hineinziehen, geh' mit diesem Bild und in Begleitung mit mir diesen Weg ganz nach hinten. Und Du siehst die Facetten deines Lebens, deines Lebens mit deiner Mutter, mit den Höhen und Tiefen. Nimm' es an, so wie es war. Trotz Fischauge oder Weitwinkel .... ich bin über all die Distanz Dir nahe ....
danke für Deine Postkarte aus dem Valle Verzasca und Deine lieben Worte!
Das Foto hat mit den 16 mm schon eine Art Sogwirkung auf mich. Es erinnert mich außerdem an eine Wanderung zu einem Gletscher, die Sandra und ich vor Jahren mal in Norwegen gemacht haben. Wenn ich das Foto dazu finde, schicke ich es Dir. Eine schöne Erinnerung jedenfalls. Und Deine Postkarte ein wirklich symbolträchtiges Bild, genau wie Du es beschreibst. Danke dafür.
Im Gegensatz zu Deinem Weitwinkel habe ich in den letzten Tagen einige Fotos mit meinem Makro gemacht. Hier ein Mohnblütenblatt mit unfreiwilligem Besuch. Was aussieht wie ein Wassertropfen, ist eine klebrige Flüssigkeit, die das Tierchen dort festhält. Ich konnte es nicht mehr retten, weil die zarten Flügelchen schon komplett verklebt waren.
Momentan blüht es an allen Ecken und Enden in unserer Bünte. Nach den ergiebigen Regengüssen am Wochenende wächst alles nochmal schneller. Außerdem sind unsere zwei Regentonnen auch endlich mal wieder gefüllt.
Der Garten hat in jedem Fall wieder einmal etwas sehr Tröstliches für mich. So wie diesen Storchschnabel, hier ausnahmsweise mal hummelfrei fotografiert.
Gestern habe ich auch den Beinwell hinter unserer Gartenhütte mit dem Makro so hinbekommen, wie ich es mir vorgestellt habe. Vorherige Versuche letzte Woche mit dem Tele waren für die Tonne.
Für den Abschluss eine meiner Namensvetterinnen. Es könnte eine Biene aus einem der drei Bienenvölker von unseren Gartennachbar*innen sein.
So habe ich mich die letzten Tage immer mal wieder in die Gartenpracht versenkt und die Zeit dort sehr genossen.
Meine Mutter ist in Gedanken immer bei mir, mein Vater auch. Ich bin immer wieder froh, dass ich meine Mutter letzten Sommer, noch vor ihrer elenden Zeit im Krankenhaus und im Pflegeheim, für ein paar Tage zuhause besucht habe. So wie ich sie da erlebt habe, wird sie mir in Erinnerung bleiben.
Sam, mir geht es also im Großen und Ganzen ganz gut und ich bin schon sehr gespannt, was Du mir von zuhause zu erzählen hast! Ich hoffe, es ist nichts Schlimmes.
Vorab ganz herzlichen Dank für die tollen Postkarten. Ich liebe deine Makroansichten. Unsere Bünte haben wir etwas vernachlässigt die letzten Tage. Aber das kommt wieder ....
Wo soll ich beginnen? Die letzten Tage würden reichen ein Buch zu schreiben. Ich beginne irgendwo.
Die erste Nacht im Tessin habe ich kaum geschlafen. Eine Nebenhöhlenentzündung hat mich wach gehalten. Neocitran und Umschläge mit Zwiebeln und Ingwer haben dann geholfen. Und vielleicht auch die Faszination des 16mm und mein Philosophenweg ....
Und so begann ich zu schreiben. Ich schicke Dir den Text noch zum Lesen, bin gespannt was Du meinst. Über Beethoven. Und nach den vier Tagen habe ich gemerkt, dass ich wohl mehr über mich geschrieben habe....
Ich habe kein Buchstaben in einem Buch gelesen. Ich konnte nicht. Ich schlief wenn Ena schlief, ich stand auf, wenn Ena aufstand und ich ging fotografieren, wenn Ena raus wollte.
Am Freitag erhielt ich einen Anruf von der Nachbarin von zuhause. Unser ehemaliger Pflegesohn sei bei uns im Garten und schreie herum und spreche mit seinen Stimmen.
Ich wusste nichts von all dem und versuchte Claudia zu erreichen. Sie war weg. So telefonierte ich unserem Pflegekind, die Schwester des ehemaligen Pflegesohns, um sie davon abzuhalten, nach Hause zu gehen. Sie war zum Glück schon in der Bahn auf dem Weg zu seinem Onkel.
Kurz darauf rief mich Claudia an. Der ehemalige Pflegesohn, völlig psychotisch und hoch aggressiv, verlangte bei uns Einlass. Mittlerweile hat der ehemalige Pflegesohn die Haustüre demoliert. Claudia kam mit einem Freund von uns zurück und wies ihn weg. Was ich nicht wusste, dass unsere Pflegetochter (die Mutter des Kleinen), im Haus war und sich einschliessen musste. Sie bekam eine Panikattacke und konnte zum Glück mit ihrer Therapeutin telefonieren.
Der Spuk war vorbei. Vorerst. Ich war dreieinhalb Autostunden weg von zuhause und überlegte, ob ich zurück fahren soll. Aber Claudia hatte es im Griff.
Zuhause, Sonntagmittag. Lagebesprechung. Die neu bestellte Haustüre musste schneller her. Mail an den Schreiner. Bevor Claudia und ich anfangs Juli ins Tessin gehen, möchten wir die neue Haustüre montiert.
Zweitens: Formulierung eines Hausverbotes für den ehemaligen Pflegesohn. Keine einfache Sache für uns, emotional nicht. Schliesslich hat er fast sechs Jahre bei uns gelebt. Mittlerweile kam der Bruder noch vorbei. Auch ihn haben wir aufgefangen. Er benötigt dringend Therapie, hätte Prüfungen zu schreiben, ist blockiert.
Montagmorgen. Mailkontakt mit der Fachstelle für Gewaltprävention der Polizei. Unser Berater hat sofort reagiert. Montagabend. Formulierung des Hausverbotes, Informationen an den Beistand des ehemaligen Pflegesohnes.
Und heute geht es weiter .... was mich erwartet, weiss ich nicht. Ena war mit mir, die ganze Zeit. Hat auf Claudia's Seite mit mir zusammen die Nächte im Tessin verbracht. Eine schönes Gefühl, so eine tolle Persönlichkeit neben sich zu haben ....
danke für die vielen Postkarten und für die Info. Die Geschichte mit Eurem ehemaligen Pflegesohn tut mir sehr leid. Ich hatte schon so etwas in der Art befürchtet, aber doch gehofft, dass es das nicht sein würde, was Du zu berichten hättest ...
Eine sehr schwierige Situation und ich wünsche Euch weiterhin viel Kraft und Zusammenhalt und (professionelle) Hilfe von außen, um das alles zu meistern. Ich drücke Euch außerdem fest die Daumen, dass Ihr ganz bald die neue Haustür bekommt.
Liebe Grüße, auch an Claudia, und ein Extra-Knuddel für Ena
Sabine
Es sei Dir herzlich gedankt für die Blumenpostkarte. Wunderschön fotografiert, wunderschön die Farbe.
Nun ja, wir sind sehr am Rotieren, brauchen Nerven wie Stahlseile und Claudia und ich sind gesundheitlich im Moment erkältungsbedingt nicht gerade fit.
Im Geschäft haben wir gesundheits- und erschöpfungsbedingte Ausfälle, so dass noch mehr an den restlichen Mitarbeitern hängt...
Ich lebe im Moment wirklich von den Bildern aus dem Tessin. Sie sind gemischt, u.a. auch mit der Z50 .... sie hat sich sehr gut gemacht, auch bei Regen und zum Teil wirklich sehr unfreundlichen Wetterverhältnissen ...
In Sonogno hat es ein Forellenzucht und das Wochenende sass dieser Erpel alleine im Wasser ... irgendwie tat er mir leid ....
der Pfingstrose sich leichter zu öffnen.