Roberto Donetta....


sam25

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"...Das Leben

Es ist ein Traum, eine Seifenblase, eine Glasscherbe, ein Eisblock, eine Blume, ein Märchen;
es ist Heu, Schatten, Asche, es ist ein Punkt, eine Stimme, ein Klang, ein Lufthauch, ein Nichts ... "

Mit diesem Zitat beginnt eines der schönsten "Bilderbücher" über einen Samenhändler und Fotografen aus dem Bleniotal im Kanton Tessin. Geschenkt bekommen habe ich das Buch zu Weihnachten von einem guten Freund...

Nein, ich bin kein Freund von Büchern, welche mir sagen wie man "schöne Fotos" macht ... solche Bildbände, mit der Geschichte des Menschen hinter der Kamera, faszinieren mich, berühren mich, sind von unglaublicher Intensität und zeigen mir immer wieder, was ein Foto von einem Bild unterscheidet ....

Zeitlebens arm und verschuldet lebte Donetta im Bleniotal und war aktiv als Samenhändler und Fotograf. Seine Frau verliess ihn - nicht unbegründet - mit den meisten Kindern und er blieb am Schluss ganz alleine zurück. Man fand ihn 1932 im September zu Hause, nachdem der schon mehrere Wochen tot in seiner Behausung lag ...

Roberto Donetta's Vermächtnis ist eine Frau zu verdanken, welche die über 5'000 belichteten Glasplatten in einem Stall fand und zusammen mit der Gemeinde und entsprechenden Fachstellen alles daran setzte, die Fotografieren zu erhalten, zu archivieren und so zu lagern, dass sie noch lange eine Beständigkeit haben.

Wenn ein Buch über Fotografie, dann eines so wie dieses von Roberto Donetta, und nein, nicht weil ich ein Fan vom Tessin bin. Die Geschichte von ihm und seinen im Buch abgebildeten Bildern haben mich zu Tränen gerührt. Er hat Leben und Tod fotografiert. Kinder im Totenbett genau so wie Männer beim Brückenbau. Die Diskrepanz ist kaum auszuhalten, erschüttert, und stellt ein Vermächtnis, nicht nur aus dieser Zeit, dar, welches an Intensität kaum zu überbieten ist. Wenn Fotografie in Wirkung auf höchsten Niveau gezeigt wird, dann gehören Donetta's Bilder in diese Kategorie.

Viele seiner Fotografien sind Auftragsarbeiten. Als Einheimischer kannte er das arme Leben im Bleniotal, wusste was die Leute beschäftigte und fotografierte sie entsprechen. Manchmal - fast schon skurril - wirken die Bilder: die gestellten Aufnahmen mit irgend einem Tuch im Hintergrund, aber immer den Menschen dienlich ...

Und so mag es sein, dass der Grund, warum er so viele Kinder fotografierte, wie ein Kind fotografierte, der Phantasie mehr vertrauend als der Wirklichkeit. Letztere war mehr als bitter für ihn ...

"Sehr geehrter Herr", schrieb er an seine Vermieter, " Ich wollte Ihnen schon lange die Miete bezahlen, aber plötzlich löste sich das GEld in Luft auf.
Ich konnte nur kleine Arbeiten ergattern, und dann gingen die Sonntag-Photografien nicht gut. Heute muss ich Sie bitten, sich zu gedulden bis Februar, wenn das Samengeschäft beginnt."

Das Betreibungsamt hat ihm dann auch einmal seine Kameras zur Schuldentilgung weggenommen ... auf Pump, hat er sich dann Monate später eine neue organisiert ...

Ein Ziel von Claudia und mir ist, nächstes Jahr ins Bleniotal zu gehen ... auch auf die Spuren von Roberto Donetta ...

Ein Bild vom Bleniotal habe ich nicht. Aber vom Val die Lavizzaro mit Sicht ins Val die Prato... so weit weg ist das nicht ...





Das Buch ist erhältlich unter dem Titel: Roberto Donetta / Fotograf und Samenhändler aus dem Bleniotal. Erschienen ist es beim Limmatverlag in Zürich.
 
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