... warum sollten sich bei DX die Aberrationen stärker auswirken.
Aus den folgenden Gründen:
Die Abbildung eines Motivs auf dem Sensor einer DX-Kamera muss für einen gleichformatigen Ausdruck von z. B. 24 cm x 36 cm zum Beispiel 15-fach vergrößert werden, die Abbildungen des gleichen Motivs auf dem Sensor einer FX-Kamera hingegen nur 10-fach.
Soll beim vergleichenden Betrachten der beiden gleichformatigen Ausdrucke nun der subjektive Schärfeeindruck in Bezug auf alle auf den beiden Ausdrucken sichtbaren Bilddetails in etwa gleich sein, dann erfordert dies einen nahezu identischen Bildkontrast der beiden Ausdrucke bei allen Ortsfrequenzen der beiden Ausdrucke.
Eine Ortsfrequenz auf dem Ausdruck (24 cm x 36 cm) von zum Beispiel 2 Lp/mm resultiert nun zum Beispiel aus einer Ortsfrequenz von 2 x 15 = 30Lp/mm auf dem Sensor der DX-Kamera, und 2 x 10 = 20Lp/mm auf dem Sensor einer FX-Kamera.
Bei gleichem Motivkontrast ergäbe sich ein identischer Bildkontrast und damit auch ein identischer subjektiver Schärfeeindruck bei einer Ortsfrequenz von 2 Lp/mm auf dem Ausdruck also nur dann, wenn die Kombination aus DX-Objektiv und DX-Kamera bei 30 Lp/mm auf dem DX-Sensor die gleiche Kontrastübertragungsleistung (MTF) aufweisen würde, wie die Kombination aus FX-Objektiv und FX-Kamera bei 20 Lp/mm auf dem FX-Sensor.
Wenn Du Dir nun die von Nikon für bildwinkelähnliche DX- und FX-Objektive mit gleicher Anfangsöffnung veröffentlichten MTF ansiehst, so wirst Du feststellen, dass die MTF-Werte der DX-Objektive für 30 Lp/mm zumindest im mittleren Bereich des Bildfeldes meist nicht höher ausfallen, als die MTF-Werte für 30 Lp/mm der entsprechenden FX-Objektive. Da aber die MTF-Werte eines Objektivs bei niedrigeren Ortsfrequenzen immer höher ausfallen, als bei höheren Ortsfrequenzen, werden die (von Nikon nicht veröffentlichten) MTF-Werte der FX-Objektive für 20 Lp/mm also deutlich über den von Nikon für 30Lp/mm veröffentlichten liegen, und damit auch in großen Teilen des Bildfelds über denen der DX-Objektive für 30Lp/mm.
Selbst wenn man also unterstellt, dass die Übertragungsleistung (MTF) der DX-Kamera bei kleinen ISO-Einstellungen genau so hoch ist, wie die einer FX-Kamera mit einer ähnlichen Anzahl von Sensorelementen, so ergäbe sich bei der Kombination DX-Objektiv/DX-Kamera also zumindest für große Teile des Bildfelds eine niedrigere Gesamtübertragungsleistung (Objektiv-MTF x Kamera-MTF) für die Ortsfrequenz 30 Lp/mm als bei der Kombination FX-Objektiv/FX-Kamera für die Ortsfrequenz 20 Lp/mm.
Und daher wird bei gleichem Motivkontrast der Bildkontrast bei der Ortsfrequenz 2 Lp/mm auf dem Ausdruck der DX-Aufnahme geringer sein, als der Bildkontrast bei der Ortsfrequenz 2 Lp/mm auf dem Ausdruck der FX-Aufnahme. Und ein geringerer Bildkontrast bei gleicher Ortsfrequenz führt zu einem geringeren subjektiven Schärfeeindruck
Beispiel:
Nikkor AF-S DX Nikkor 35mm f/1.8G in Kombination mit D7000 mit 16,2 MP und mit Tiefpassfilter versus Nikkor AF-S NIKKOR 50mm f/1.8G in Kombination mit Nikon Df mit 16,6 MP und ebenfalls mit Tiefpassfilter ("Measurements" > "Sharpness" > "Profiles" auswählen):
http://www.dxomark.com/Lenses/Compa...ikkor-50mm-F18G-on-Nikon-Df___313_680_435_925
Wie man sieht, unterscheiden sich die Acutance-Profile der beiden Kombinationen - welche den subjektiven Schärfeeindruck beim Betrachten eines Ausdrucks aus einer Betrachtungsentfernung veranschaulichen, die in etwa der kurzen Seite des jeweiligen Ausdrucks entspricht – bei gleichen Blendenzahlen in großen Teilen des Bildfelds um mehr als 4%, also mehr als 1 JND (Just Noticeable Difference). Und Unterschiede der Acutance von mehr als 1 JND sind subjektiv als "Schärfeunterschied" wahrnehmbar.
Will man eine Annäherung des subjektiven Schärfeeindrucks beim vergleichenden Betrachten von gleichformatigen Ausdrucken erzielen, so muss man also versuchen, die Gesamt-MTF einer in Bezug auf die Anzahl der Sensorelemente ähnlichen Kombination aus DX-Objektiv und DX-Kamera für 1,5x höhere Ortsfrequenzen (z. B. 30 Lp/mm vs. 20 Lp/mm) auf ein möglichst gleiches Niveau anzuheben, wie das der Gesamt-MTF einer Kombination aus FX-Objektiv und FX-Kamera für die Ortsfrequenz 20 Lp/mm. Dies lässt sich - zumindest vom Grundsatz her - zum Beispiel auch dadurch erreichen, dass man versucht, die MTF der DX-Kamera durch einen Verzicht auf ein Tiefpassfilter zu erhöhen.
Beispiel:
Nikkor AF-S NIKKOR 50mm f/1.8G in Kombination mit einer D610 mit 24,7 MP und mit Tiefpassfilter versus Nikkor AF-S DX Nikkor 35mm f/1.8G in Kombination mit einer D7100 mit 24,1 MP, aber ohne Tiefpassfilter ("Measurements" > "Sharpness" > "Profiles" auswählen):
http://www.dxomark.com/Lenses/Compa...35-mm-f-1.8G-on-Nikon-D7100___435_915_313_865
Wie man sieht, unterscheiden, sich die Acutance-Profile für den subjektiven Schärfeeindruck trotz des Wegfalls des Tiefpassfilters bei der D7100 an vielen Stellen des Bildfelds nach wie vor um mehr als 1 JND, also in einem wahrnehmbaren Maße (Erläuterungen dazu, welche Differenzen der Acutance-Profile in % als "Schärfeunterschied" wahrnehmbar sind, findet man bei Interesse zum Beispiel hier:
http://www.nikon-fotografie.de/vbulletin/2280535-post286.html )
Die DX-Nikkore bilden also identische Motivstrukturen auf dem DX-Sensor bei gleichen Blendenzahlen in aller Regel zumindest in den mittleren Bereichen des Bildfelds mit einem im Verhältnis zum Motivkontrast etwas größeren Kontrastverlust ab, als die FX-Nikkore die identischen Motivstrukturen auf dem FX-Sensor. Und diese vergleichsweise etwas kontrastärmere Abbildung identischer Motivstrukturen auf dem DX-Sensor kann das Auftreten von Farbmoiré etwas unwahrscheinlicher machen, und in diesem Sinne das Fehlen eines Tiefpassfilters zumindest zu Teilen "ausgleichen".