Nahlinsen und ihre funktion

Thread Status
Hello, There was no answer in this thread for more than 30 days.
It can take a long time to get an up-to-date response or contact with relevant users.

shutter speed

Sehr aktives NF Mitglied
Registriert
Hallo Gemeinde,

folgendes:

Ich besitze eine Sigma 70-300 DG Makro mit einer Naheinstellungsgrenze im Makromodus von 950mm (0.95m). Ich erreiche damit einen Abbildungsmassstab von 1:2.

Das bedeutet, das die BILDWEITE 475mm sein muss. Da ja das Verhälnis Gegenstandsweite : Bildweite in "unendlich" einstellung = Abbildungsmassstab.

Also:

950mm : 475mm = 1:2


Wenn ich nun eine Nahlinse z.B. +4 dran drehe, dann gilt ja die Naheinstellungsgrenze der Brennweite der Linse (bei +4 sind das 250mm)

Das bedeutet ein Abbildungsmasstab von:

250mm : 475mm = 1,9:1


Ist das korreckt, was ich da zusammenrechne:nixweiss:

Bitte um Verbesserung bzw. Bestättigung

Danke
 
Anzeigen
Hallo!

Es ist ein Tick komplizierter, weil die Naheinstellgrenze (N=950mm) sich aus Gegenstandsweite g und Bildweite b zusammensetzt:

N =b+g.

Bei v= b/g = 1:2 ist also (z.B. nach b umgestellt: b = N - g)

0.5=g/(N-g) -> = N/1.5 = 633mm,
demnach b = 950 -633 =317mm.

So, daraus kann man jetzt die tatsächliche Brennweite des Objektivs bei Naheinstellgrenze errechnen:

1/f' = 1/b +1/g -> f' =211mm

Jetzt sagen wir mal, das sind alles "dünne Linsen" (vorher auch schon), dann gilt für die gesamt-Brennweite f (f'' ist die Nahlinse):

1/f = 1/f' + 1/f'' -> f = 114mm.

Bildweite bleibt gleich, also ist die neue Gegenstandsweite g' herausfindbar:
1/f = 1/b +1/g' -> g' = 179mm

Für den neuen Abbildungsmaßstab v' heißt es also

v' = b/g' = 1.77:1.

Wenn ich keinen Fehler gemacht habe... sollte das etwas besser hinkommen - ist aber nicht soo weit von 1.9:1 :dizzy:

Etwas hemdsärmliger: mal ein Lineal fotografieren und wissen, wie groß der Sensor ist :hehe:

Schöne Fotos noch!
Phillip
 
Kommentar
AW: Re: Nahlinsen und ihre funktion

polm schrieb:
Wenn ich keinen Fehler gemacht habe... sollte das etwas besser hinkommen - ist aber nicht soo weit von 1.9:1 :dizzy:

Phillip

Unter der Annahme "dünner Linsen" ist die Herleitung absolut korrekt! Der Tip mit dem Lineal ist aber praxisgerechter (und das Resultat wird wahrscheinlich von der Berechnung etwas abweichen).

Grüße

Uli
 
Kommentar
AW: Re: Nahlinsen und ihre funktion

polm schrieb:
...
1/f = 1/f' + 1/f'' -> f = 114mm.

Bildweite bleibt gleich, also ist die neue Gegenstandsweite g' herausfindbar:
1/f = 1/b +1/g' -> g' = 179mm
...
Wenn ich die zwei "Linsen" zusammenfasse, wandert dann nicht auch das Zentrum der "Gesamtlinse" und ändert so die Bildweite? :kopfkratz: :nixweiss:
 
Kommentar
Re: AW: Re: Nahlinsen und ihre funktion

Retina schrieb:
Wenn ich die zwei "Linsen" zusammenfasse, wandert dann nicht auch das Zentrum der "Gesamtlinse" und ändert so die Bildweite? :kopfkratz: :nixweiss:


In der Rechnung oben benutze ich die berüchtigten "dünne Linsen", die ich stillschweigend direkt aufeinandergelegt habe.

In "Echt" hast Du natürlich Recht, die Hauptebenen werden woanders liegen, die ganze Rechnung fängt an zu schwimmen. Am Ende wird wahrscheinlich wieder etwas zwischen 1:1 und 2:1 rauskommen :dizzy:

Schöne Fotos noch,
Phillip
 
Kommentar
AW: Re: Nahlinsen und ihre funktion

ulipl schrieb:
Der Tip mit dem Lineal ist aber praxisgerechter (und das Resultat wird wahrscheinlich von der Berechnung etwas abweichen).

...es wird vor allem "richtiger" sein, da sämtliche relevanten Einflüsse miteinberechnet werden... da kommst du mit der besten Rechnung nicht dagegen an. ;)

Markus
 
Kommentar
AW: Re: AW: Re: Nahlinsen und ihre funktion

polm schrieb:
In der Rechnung oben benutze ich die berüchtigten "dünne Linsen", die ich stillschweigend direkt aufeinandergelegt habe.
Phillip

Das ist der Punkt. Man müsste den Abstand der Hauptebenen des Zooms und der Nahlinse (d) wissen. Der geht ein mit
1/f = 1/f' + 1/f'' - 1/d .
Bei geeignet unpassendem d (und außer den Optikentwicklern kennt den wohl keiner) kann alles mögliche als Ergebnis herauskommen. Bei bestimmten Brennweiten auch, dass überhaupt kein Abbild zustande kommt.

Da ist die Linealmethode wirklich die exaktere.
Vielleicht erst einmal von einem Optiker einen +4dtr Rohling geben lassen und vor das Zoom setzen um herauszufinden, ob das überhaupt geht.

Gruß Wolfgang

Korrektur (14.9.2007) :
In meinem Bemühen, die Formel nicht zu kompliziert werden zu lassen, habe ich falsch umgeformt und vereinfacht. Wie sicherlich jeder schon bemerkt hat. Asche auf mein Haupt.
Die Formel (für dünne Linsen) lautet natürlich 1/f = 1/f' + 1/f'' - d/(f'*f'') .
Die daraus folgenden Aussagen (und Probleme) stimmen leider weiterhin.

Gruß Wolfgang
 
Kommentar
ach du sch...:eek:

So kompliziert! das hätte ich nicht gedacht.

Manche sagen, geb dich damit zufrieden, das ne Nahlinse alles näher holt.
Ha,Ha!!

Das reicht mir aber nicht. Ich muss den Hintergrund kennen.

Wenn die Gegenstandsweite = Bildweite dann 1:1

Eine Vergrößerung der Gegenstandsweite würde bedeuten, das das Bild im Maßstab schrumpft. Bei Vergrößerung der Bildweite, wir der Maßstab größer z.b 2:1 richtig?:nixweiss:

Die Bildebene ist der Abstand der HE zur Bildeben, oder?

Wo ist die Hauptebene? Bei einer Linse ist das klar, aber bei mehreren. Ich komme da nicht ganz nach.

Bei größeren Brennweiten entfernt sich die Hauptebene von der Bildeben.
erzeugt somit einen engeren Winkel. Was machen die anderen Konkaven/Konvexen Linsen? Wohin bewegen die sich?

:dizzy: :dizzy: :dizzy:

Da komme ich noch nicht so mit:D
 
Kommentar
Re: AW: Nahlinsen und ihre funktion

shutter speed schrieb:
ach du sch...:eek:

So kompliziert! das hätte ich nicht gedacht.
...

Es ist nicht kompliziert, nur nicht sehr zugänglich. Eigentlich schiebt man nur Buchstaben hin und her, und fügt neue hinzu :dizzy:

Im folgenden bitte ich ggf. den Dozenten-Ton zu entschluldigen, soll eigentlich alles locker und unterhaltsam wirken, geht aber nicht immer gut :hehe:

shutter speed schrieb:
Wenn die Gegenstandsweite = Bildweite dann 1:1

Eine Vergrößerung der Gegenstandsweite würde bedeuten, das das Bild im Maßstab schrumpft. Bei Vergrößerung der Bildweite, wir der Maßstab größer z.b 2:1 richtig?:nixweiss:

(ich bleibe mal bei den Buchstaben von #2)
(1) v = b / g
also sind bei v=1 die zwei Weiten gleich: b=g .

Große Bildweite bedeutet prinzipiell erst einmal auch eine hohe Vergrößerung. Recht anschaulich zeigt das der Diaprojektor: Gegenstand ist KB-Format, Gegenstandsweite ist so ca. 10cm, Bildweite ist mehrere Meter, also ist die Vergrößerung riesig (so im Bereich von 20:1 bis 100:1).

Jetzt ist es leider so, daß die Gegenstandsweite und die Bildweite aneinander hängen,

(2) 1/f = 1/b + 1/g,

man kann also nicht einfach das eine ändern, um v zu ändern. Vom Diaprojektor kennt man das: man rückt den Projektor näher an den Schirm (d.h. verkleinert die Bildweite) und muß nachfokussieren (ergo b ändern), also das o.a. Spiel von N, b und g so lösen, daß es ein scharfes Bild gibt.

shutter speed schrieb:
Die Bildebene ist der Abstand der HE zur Bildeben, oder?

Wo ist die Hauptebene? Bei einer Linse ist das klar, aber bei mehreren. Ich komme da nicht ganz nach.

Der erste Satz ist etwas unklar, aber ich kann ja mal über Hauptebenen schwadronieren:

Wenn man die Bildkonstruktion für dünne Linsen vor Augen hat [Fußnote1], ist die Hauptebenen-"Technik" ein Hilfsmittel, um Bildkonstruktionen für dicke Linsen vornehmen zu können.
Die Idee dabei: Die Strahlrichtung ändert sich nur an der Linsenoberfläche durch Brechung. Wenn mehrere mm Glas zwischen den Oberflächen sind, passiert erstmal nix, außer, daß das Bild ein bißchen woanders entsteht. Die Hauptebenen (es sind immer zwei, bei dünnen Linsen liegen sie aufeinander) sind also, unter Strahl-Konstruktions-Aspekten gesehen, die "vorne Licht rein"-Ebene und die "hinten Licht raus"-Ebene, und der Abstand zwischen den Hauptebenen, h, ist zunächst die Dicke der Linse.

Jetzt ist so ein Linsensystem, also zwei und mehr (u.U. "dicke") Linsen effektiv auch nur eine einzige, dünne Linse, mit Brennweite und Abbildungseigenschaften wie in Gleichung (2). Die Frage ist nur: wo setze ich die Stellvertreterlinse hin? Und in Kombination mit einer Vorsatzlinse (hier kommen wir zurück zur Eingangsfrage des Threads, bitte einen Tusch): wie dicht liegen diese Stellvertreterlinse und die Vorsatzlinse beieinander, um wolfileins Gleichung benutzen zu dürfen?

Die Hauptebenen eines Objektivs haben nichts mit seiner äußeren Geometrie zu tun, sie müssen nicht einmal innerhalb des Objektivtubus' liegen, und selbst ihre Reihenfolge ist nicht klar! Das macht es für unsere Sache nicht einfacher - aber interessanter!

shutter speed schrieb:
Bei größeren Brennweiten entfernt sich die Hauptebene von der Bildeben.
erzeugt somit einen engeren Winkel. Was machen die anderen Konkaven/Konvexen Linsen? Wohin bewegen die sich?
[...]

Bei einer dünnen Linse stimmt der erste Satz immer. Bei einer dicken Linse mit zwei "richtigen" Hauptebenen bedeutet eine größere Brennweite, daß die lediglich die "Ausgangs"-Hauptebene vom Bild weiter entfernt ist - Hauptebenen sind lustige Tiere.

Man kann sich so ein Objektivaufbau so vorstellen:
man nimmt eine dünne Linse mit der gewünschten Brennweite, Hauptebenen liegen in der Linse aufeinander.

Jetzt sagt sich der Optikingenieur "schön, aber ein flaches Bild gibt das nicht", und muß nun eine konkave Linse einbauen, um das Bild zu "planieren". Die Eingangs-HE wandert nach hinten, die Ausgangs-HE nach vorn.

Das negative Ding versaut aber die Gesamt-Brennweite, also muß der Optiker noch ein drittes Element mit positiver Brennweite einbauen, um wieder in die richtige Brennweiten-Region vorzudringen. Die HE wandern wieder aufeinander zu, allerdings haben wir schon drei Linsen gestapelt - die HE werden auf keinen Fall aufeinanderliegen!

"Fein", sagt sich Herr Niggon, "jetzt muß ich nur noch die CA in den Griff kriegen, sonst nimmt das NFF mich auseinander, wenn sie Bildelemente übertrieben liebhaben (tm)". Da gibt's 'nen alten Trick, nämlich die drei Linsen nochmal zu bauen und umgekehrt hinter die ersten drei zu setzten - das halbiert die Brennweite (muß man also vorher geahnt haben :p ), heißt "symmetrische Optik / Gauß" und sieht man bei den 50mm-Objektiven oder beim 85mm 1:1.8 sehr hübsch.

Es gibt noch viel mehr Tricks (lieber Optik-Ingenieure fragen), Anforderungen (Lichtstärke, Preis, Abmessungen usw.), weshalb ein popeliges 2x-Zoom (Zoom = Hauptebenen-Anarchie) mit AF-S (oh nein: ein Teil der Linsen wandert) und VR (ein Teil der Linsen erzeugt "Zentrierungsfehler", die aufgefangen werden müssen, am besten durch weitere Linsen) auf 30cm Länge 24 Linsen verteilt und 6kEUR kostet.

Im Physik-Praktikum der Uni gibt's oft ein, zwei, drei Versuche zum Thema Abbildung und vor allem Hauptebenen, da schwirren sicher Anleitungen im Netz. Mithilfe einer bekannten, dünnen Linse (z.B. 250mm;) ) kann man die HEs bestimmen...

So, genug geschwafelt, danke für's zulesen :dizzy:

Schöne Fotos trotzdem!
Phillip


Fußnote 1:
Paralleler Strahl wird durch Fokus gebogen, Fokalstrahl wird an Linse parallelisiert, schräger Strahl durch den (Fachbegriff vergessen: Fußpunkt?) geht einfach durch.
 
Kommentar
-Anzeige-
Zurück
Oben Unten