Monitorkalibrierung mit Verstand vs. Bauchgefühl

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Hans-Peter R.

Administrator
Platin
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Hallo liebe Profilierer und Profiliererinnen

nachlesen (und womöglich sogar verstehen) kann man ja vieles in der einschlägigen Literatur bzgl. Kalibrierung / Profilierung von Geräten in der fotografischen Bildkette. Aber manchmal gibt es Themen, die kann man mit dem Kopf verstanden haben, aber der Bauch rebelliert dennoch weiter.

Bei der Erstellung eines Monitorprofils messen wir ja gerne mal mit Geräten, die damit werben, bis in den Sub-Prozent-Bereich hinein genau zu sein. Dennoch gibt es den einen oder anderen Parameter, der einigermaßen willkürlich gewählt werden kann ... oder bei dem zumindest keine einhellige Meinung über die "richtige" Vorgehensweise existiert. Während man sich beim Gamma-Wert wohl allgemein auf 2,2 geeinigt hat, gehen die Meinungen bei der Farbtemperatur ziemlich auseinander.

Geschätzte 90% der Profilierer wählen die Lichtnorm D50 oder D65 (also ein Spektum mit der Betonung auf 5000 K bzw. 6500 K) sehr viel weniger wählen etwas dazwischen oder außerhalb. Dabei muss man allerdings wissen, dass sich die Differenz von 1500 Kelvin extrem auf die Farbgebung auswirkt. Sicher nicht im Sub-Prozentbereich, sondern eher tief im zweistelligen Bereich. Der Königsweg wäre wohl, die tatsächliche Umgebungs-Farbtemperatur zu messen und diese dann für die Monitorkalibrierung zu verwenden. Ich frage mich nur: Warum?

Wenn ich auf den Monitor sehe, dann sehe ich auf den Monitor ... und nicht auf eine Lichtquelle in der Umgebung. Zwar gewöhnt sich das Auge ein Stück weit an die herrschende Farbtemperatur der Umgebung und kann "weiß" auch unter widrigsten Lichtbedingungen erkennen (oder sagen wir besser "erahnen"), aber man gewöhnt sich nicht komplett daran. Warum macht man diese ungünstigen Bedingungen zur Wunsch-Methode?

Ich habe in jeder Lebenslage eine ziemlich konkrete Vorstellung von der Farbe "weiß". So kann ich (wie Ihr sicher auch) ein Blatt Papier als "weiß" erkennen, wenn ich es bei Kerzen-Schummerlicht in den Händen halte. Wirklich "weiß" ist es auch dann natürlich nicht, sondern eben stark gelbstichig. Auch nach einer gewissen Gewöhnungsphase an die herrschende Umgebungs-Farbtemperatur ändert sich daran nicht wirklich sehr viel. Wenn ich meinen Monitor auf die Lichtnorm D50 einstelle (was offensichtlich viele tun), dann wird mir irgend wann schlecht. Ich assoziiere diese Farbgebung mit Kerzenlicht, aber überhaupt nicht mit einem kalibrierten Monitor. D65 ist subjektiv sehr viel besser, aber nicht optimal, weil schon leicht blaustichig. Subjektiv optimal wäre vermutlich (ich hab es nicht ausprobiert) irgendwas um die 6300 K. Und zwar bei jedem Umgebungslicht. Hat von Euch jemand den Monitor auf 5000 K eingestellt? Und wen ja: warum? Und könnt Ihr damit Farben beurteilen?

Ähnliches gilt für die Helligkeit. Empfohlen wird (je nach Quelle) meist von 60-100 bis etwa 80-120 cd/qm. Ich frage mich auch hier: Was ist eigentlich das Ziel dieser Helligkeitseinstellung. Soll die Monitorhelligkeit der Umgebungshelligkeit angepasst werden? Und wenn ja ... warum? Warum darf der Monitor nicht heller sein als die Umgebung? 60 cd/qm halte ich persönlich für komplett untauglich an meinem Notebook. Viel zu dunkel. Da sehe ich gar nichts. 120 cd/qm empfinde ich bei normaler, abendlicher Raumbeleuchtung für gerade so okay, 160 cd/qm sind besser. Das gilt aber in der Szene als "viel zu hell". Welchen Sinn hat es, die Monitorhelligkeit so einzuschränken ... zumal es ja offensichtlich keine objektiven Gründe dafür gibt (oder zumindest keine genannt werden)?

Ciao
HaPe
 
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Beuteltier

Platin Mitglied - NF "proofed"
Platin
Registriert
Hallo Hans-Peter,

nachdem ich mich bis vor etwa 6 Jahren mit Röhrenmonitoren herum geplagt hatte, die tatsächlich nur so simple Grundeinstellungen der Farbwiedergabe beherrschten wie 5000°K, 6500°K und 8000°K, diese aber schon lange mit ColorVision Spyder2express kalibriert hatte,
habe ich mir einen DELL U2711 TFT gekauft. Der kann von sich aus sRGB zu 100% und auch den habe ich dann mit dem Spyder Version 2.3.6 kalibriert. Funktioniert einwandfrei.
Da ich meinen Arbeitsplatz und damit die Umgebungsbeleuchtung des Monitors (wie auch mein restliches Zimmer) mit Tageslicht-Energiesparlampen oder LED-Energiesparlampen 6500°K beleuchte, erscheint mir auch das weiße Blatt Papier auf meinem Arbeitstisch weiß.:fahne:
 
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soulbrother

Sehr aktives Mitglied
Registriert
Gut formuliert, genau diese Gedanken hatte ich schon öfter.
Meinen Eizo CG245W hab ich auf 5500k bei 110cd und 2,2 als Gamma.
Warum?
Hat sich bei meiner Raumbeleuchtung, dem grauen Schreibtisch, der weissen Wand und bei der grauen Sonnenjalousie am Fenster, das ich zum 20 bis 90 %igem Verdunkeln nutze, als der visuell passende Wert ergeben.
Empirisch ermittelt, da ich in der Eitzo SW recht praktisch auf versch. Werte kalibrieren und dann eben umschalten kann.

Mehr als 120cd möcht ich nicht einstellen um den Monitor zu schonen, lieber verdunkle ich dementsprechend.
Wie stark die Verdunklung jeweils sein muss/soll, zeigt mir das Testbild.
Z.B das:
http://www.simpelfilter.de/en/colorman/blackpoint.html
Bei dem sollte zumindest die 3 noch gut zu sehen sein, die 2 seh ich auch nur wenn ich stark verdunkle im Raum.
Die 1 wird dargestellt, ist aber nur sichtbar bei 100% Raumverdunklung.
 
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jazzmasterphoto

Erfahrenes Mitglied
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Mit wirklich normgerechten Foto-Arbeitsplätzen
ist es wie mit klangperfekten Ton-Studios …

Zum Arbeiten prima, aber so möchte man dann
doch nicht leben.


Wie ein Arbeitsplatz für Grafiker und Fotografen
aussehen sollte, ist in der ISO 3664 festgelegt.

Ausführliche Infos gibt es von Just Normlicht
und allgemeiner hier :lupe:



Ich halte es schlicht nach der guten alten Devise:
Entscheidend ist, was hinten rauskommt.

Ist der Druck okay, stimmt auch die Vorstufe … :cool:



 
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häuschen

NF-F "proofed"
Platin
Registriert
Ich dachte immer, diese z.B. 120 cd/qm schlägt mir der Kalibrator vor, weil er die Raumhelligkeit gemessen hat und wenn ich dann heller drehe, dann werden meine Bilder zu dunkel.

Dieses Spinnentier hat seinem Namen jedenfalls regelmäßig alle Ehre gemacht, denn es spinnt rum und kalibriert meinen Laptop sowas von schräg, dass ich später am echten Monitor immer wieder erschrecke. Was da am Ende rauskam, war immer irgendwie Mist, oder hat es zu viel Kippenqualm gesehen, das arme Wesen?
Seitdem ich diesen Eizo mit der nachts von selbst ausfahrenden Hand habe, habe ich immer das Gefühl auf der sicheren Seite zu sein und brauche auch nicht mehr nervös auf meine Saal-Päckchen zu warten.
 
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Christoph Blümer

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Ich habe mich auch damit rumgeschlagen, als ich vor längerer Zeit einen hardwarekalibrierbaren EIZO samt Spyder-Kalibrator kaufte. Ein nach Anleitung durchgeführter Kalibrierversuch ging mehrfach völlig in die Hose, denn das Bild war wahlweise stark gelb- oder grünstichig. Gebracht hat es letztlich die manuelle Farbabstimmung "pi mal Auge" anhand von 30x45cm-Abzügen meines bevorzugten Ausbelichters saal digital, die ich vor schwarzer Pappe neben den Bildschirm gehalten und den solange justiert habe, bis ich eine subjektive Übereinstimmung fand, die auch mit dem Eindruck auf dem Kameramonitor in Einklang zu bringen war. Kontrollversuch mit dem LensCal: Peng, völlig farbverzerrt verstellt. Ich habe die Funktionsweise vermutlich nicht verstanden, allerdings eins ist sicher: das präsentierte Ergebnis war reproduzierbar schlicht falsch... Mit meiner hemdsärmeligen Methode kommt jetzt bei allen benutzten Belichtern und auch bei Prospektdrucken für Vereinszwecke, in denen ich meine Bilder einsetze, subjektiv das raus, was ich auf dem Bildschirm wahrnehme. Mehr will ich gar nicht...

CB
 
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hjba

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Mein i1 Display Pro kalibriert meinen Eizo CG ganz tadellos; keine sichtbaren Farbunterschiede zu den Laborbildern. :)

Heinz
 
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1bildermacher1

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Ich habe mich auch damit rumgeschlagen, als ich vor längerer Zeit einen hardwarekalibrierbaren EIZO samt Spyder-Kalibrator kaufte. Ein nach Anleitung durchgeführter Kalibrierversuch ging mehrfach völlig in die Hose, denn das Bild war wahlweise stark gelb- oder grünstichig. Gebracht hat es letztlich die manuelle Farbabstimmung "pi mal Auge" anhand von 30x45cm-Abzügen meines bevorzugten Ausbelichters saal digital, die ich vor schwarzer Pappe neben den Bildschirm gehalten und den solange justiert habe, bis ich eine subjektive Übereinstimmung fand, die auch mit dem Eindruck auf dem Kameramonitor in Einklang zu bringen war. Kontrollversuch mit dem LensCal: Peng, völlig farbverzerrt verstellt. Ich habe die Funktionsweise vermutlich nicht verstanden, allerdings eins ist sicher: das präsentierte Ergebnis war reproduzierbar schlicht falsch... Mit meiner hemdsärmeligen Methode kommt jetzt bei allen benutzten Belichtern und auch bei Prospektdrucken für Vereinszwecke, in denen ich meine Bilder einsetze, subjektiv das raus, was ich auf dem Bildschirm wahrnehme. Mehr will ich gar nicht...

CB

Dann machst du ganz bestimmt was falsch oder der Monitor ist defekt. Ich würde bei EIZO anrufen

Gruss
Wolfgang
 
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scw2wi

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Ich denke mal, es kommt eigentlich nur darauf an, wie das Umgebungslicht (bezüglich Farbtemperatur und Helligkeit) ist.

Wenn das Umgebungslicht eher bei 5000K liegt, dann wird ein Monitor mit 5000K als weiß empfunden,
dasselbe gilt dann auch bei 6500K und in Folge davon dann auch für jeden Wert dazwischen.

Genauso ist es auch mit der Helligkeit.

In einem sehr dunklen Raum sind 160cd vermutlich rasch ermüdend,
wenn der Raum sehr hell ist, dann kann man bei 60cd nicht genug erkennen.

Am besten ist es vermutlich, wenn man zwei Kalibrierungen macht, eine bei Tageslicht
und eine bei Nacht mit einer möglichst gut definierten Raumhelligkeit und Lichtfarbe.

Walter
 
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jazzmasterphoto

Erfahrenes Mitglied
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… Am besten ist es vermutlich, wenn man zwei Kalibrierungen macht …


Das beste habe ich schon genannt. :cool:

Ein fensterloser Raum mit Normlicht,
grauen Wänden und auf D50 sauber
kalibriertem und justiertem Monitor.

Alles andere sind mehr oder minder
aufwendige Kompromisse, die aber
nichts mit 100%-Reproduzierbarkeit
zu tun haben.

Nach meiner Erfahrungen reichen ein
gut eingestellter Monitor und eigenes
Know-how hinsichtlich des Workflows
plus Bewertung des Outputs aus.

Für farbverbindliche Druckergebnisse
sind derart viele Faktoren – vom Papier
über Farben bis zur Druckmaschine –
im Spiel, daß man ein Fine-tuning als
Fotograf getrost und vertrauensvoll den
Experten der Druckvorstufe überlassen
sollte. Und danach anhand des Andrucks
ggf. Korrekturwünsche äußert …


Um mal ketzerische Fragen zu stellen:
Wer weiß denn, wie man Bilder korrekt in
ein druckfertiges PDF einbindet?
Oder überhaupt ein solches erstellt?

Aber damit schweife ich in interessantere
Themen-Bereiche ab … sorry.


.
 
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Christoph Blümer

NF-F Premium Mitglied
Premium
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Dann machst du ganz bestimmt was falsch oder der Monitor ist defekt. Ich würde bei EIZO anrufen
Da der Monitor mit ein wenug manueller Farbjustierung ein einwandfreies Bild zeigt, gehe ich einfach mal davon aus, dass ich zu dumm bin, die Anleitung und diverse Tutorials richtig umzusetzen. :p
Mich interessiert auch nur das Ergebnis, und da das über die automatische Rekalibrierung mit Hilfe des Monitor-Sensors stabil gehalten wird, hatte vielleicht auch der Spyder LensCal einen "Hau"...

CB
 
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Hans-Peter R.

Administrator
Platin
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Hallo,

Wenn das Umgebungslicht eher bei 5000K liegt, dann wird ein Monitor mit 5000K als weiß empfunden
genau das ist es, was ich sehr stark anzweifle. Es ist richtig, dass das Auge auf elektrisch-chemischen Wege (über den Sehfarbstoff), aber auch die Bildverarbeitung im Gehirn eine Art Weißabgleich durchführen kann. Aber (so meine Theorie) mindestens der Teil im Gehirn ist mit etwas Übung bewusst steuerbar. Man kann (!) vergessen, dass gerade die Farbtemperatur der Glühbirne sehr niedrig ist und ein weißes Papier als weiß sehen, wenn man sich aber darauf konzentriert, kommt der gelbe Farbstich wieder hervor. Und 5000 K liegt (zumindest für mich) so dermaßen weit von dem Bereich entfernt, den ich ohne Anstrengung als weiß akzeptieren könnte, dass ein auf diese Farbtemperatur kalibrierter Monitor völlig inakzeptabel wäre. Die Farbe des Umgebungslichts ist dabei gänzlich irrelevant.

Die Situation wird dann eine vollständig andere, Wenn Monitor- und Papierbilder gleichzeitig betrachtet werden müssen. Papierbilder leuchten nicht selbst, sondern müssen sich des Umgebungslichts bedienen. Und Glühbirnen und D65 Monitore passen nicht zusammen. Hier würde nur eine (6500 K) Normlichtquelle helfen.

Genauso ist es auch mit der Helligkeit. [...] In einem sehr dunklen Raum sind 160cd vermutlich rasch ermüdend,
[...]
Wenn ich auf einen 160 cd/qm Monitor sehe, dann ist das Licht in einem dunklen Zimmer ... und erst recht seine (Rest-) Farbtemperatur ... gänzlich irrelevant, weil sich meine Augen auf den hellen Monitor eingestellt haben. Sie sind dann in einer Art dreiviertel Tageslicht-Modus und sind deshalb völlig unangestrengt. Es ist eher so, dass ich mich bei einem dunklen Monitor mehr anstrengen muss um alles lesen und bearbeiten zu können. Im Tageslicht können sich Leuchtdichten von mehreren 1000 cd/qm einstellen. Warum sollten dann 160 cd/qm anstrengen?

Auch da widerspricht also die Theorie meiner Wahrnehmung. Und ich bin einfach nicht mehr gewillt Theorien zu akzeptieren, die nichts mit meiner Beobachtung zu tun haben. Deshalb der ganze Thread. Und ich finde es super, dass hier so viele unterschiedliche Erfahrungen zusammen kommen.

Ciao
HaPe
 
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hansolo22

Sehr aktives Mitglied
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Ich hab einen 24"EIZO mit dem eingebauten Kalibrierdoedel was da bei raus kam und wie die Standard Einstellungen Web, Foto etc. aussehen ist grauenvoll alles gelb getoent.
Also hab ich mir den Moni betreffs Weisspunkt manuell kalibriert.

Wie du schriebst auch ich habe ein gutes Auge was WEISS betrifft.
Und wenn jetzt jemand sagt jeder sieht anders - KORREKT - aber ich sehe das Referenzbild genauso anders wie den Monitor und darum geht es ja.

Die anderen Parameter wie Helligkeit und Kontrast habe ich mir nach Referenzbildern eingestellt.
Meine Helligkeit liegt bei 112cd.

Bisher kamen alle Ausdrucke von Saal perfekt zurueck Farben passen - Helligkeit passt.
Lediglich beim Exportieren fuers Web sind die Bilder immer einen Tick zu flau - aber das mag an den Browsern liegen.
Der Moni daneben ist ein 24 Zoll Eizo ohne Kalibriereinheit, den habe ich per Auge genauso gut hinbekommen wie den mit.

Mein Fazit:
Kalibrieren per eingebauter Hardware fuehrt leider NICHT zu korrektem Weisspunkt und auch nicht zur korrekten Helligkeit - BEI MIR.
Kalibriertools wuerde ich mir nicht mehr kaufen.
Mittels entsprechender Referenzbilder und Ausdrucke laesst sich der Monitor fuer meine Zwecke genauso gut einstellen.
 
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LuxStream

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Hallo zusammen,
ich bin der Meinung, dass die typischen Angaben von Kalibrierungszielen nur eine Orientierung für den „unerfahrenen“ Benutzer darstellen. Diese sind in vielen Fällen ein akzeptabler Kompromiss aus „ich mache es richtig“ und „ich mache Garnichts“.
Beim Gamma-Wert ist die Sache relativ einfach. Eigentlich spielt es keine Rolle, welchen Gamma-Wert man bei der Kalibrierung wählt, denn dieser ist im Monitorprofil hinterlegt und wird bei der Ausgabe berücksichtigt.
Trotzdem ergibt es Sinn, den Monitor auf den Gamma-Wert zu stellen, den auch das Farbprofil des Bildes hat. Bei AdobeRGB ist es 2,2. Bei eciRGB _v2 ist es L*, bei ProPhoto RGB ist es 1,8 und bei sRGB ist es die sRGB Kurve, die ungefähr 2,2 entspricht. Damit minimiert man, zumindest in der Theorie, Farbabrisse in den Tonwertabstufungen.
Eine durchaus vernünftige Überlegung ist es auch, den nativen Gamma-Wert des Monitors beizubehalten, denn hier steckt oft kein 2,2 drin, wo 2,2 draufsteht. So vermeidet man die sonst nötigen Anpassungen durch die Grafikarten LUT.

Was die Helligkeit angeht, empfinde ich die oft genannten 100-120cd/qm an einem durchschnittlichen Computerarbeitsplatz, bei Tag, ebenfalls als zu dunkel. Wenn nicht gerade ein Ausdruck neben den Monitor gehalten wird, ist die eingestellte Helligkeit vor allem eine Geschmacksfrage. Ich nutze zwei Profile. Ein Profil A für Glühlampenlicht am Abend und ein Profil B für Tageslicht.
Bei Profil A ist mein Monitor auf 120cd/qm eingestellt und bei Profil B auf 140cd/qm. Dies empfinde ich als passend/angenehm. Und nur darauf kommt es bei der Helligkeit an, außer man vergleicht einen Ausdruck mit dem Monitorbild.

Ich frage mich auch hier: Was ist eigentlich das Ziel dieser Helligkeitseinstellung.

Ziel ist es natürlich, die Helligkeit des Monitor-Weißpunktes an die Helligkeit einer rein weißen Oberfläche im Raum anzupassen. Nur so lässt sich die Helligkeit und der Kontrast eines gedruckten Bildes mit der Ausgabe am Monitor vergleichen. Vereinfacht gesagt: Passen Helligkeit und Farbtemperatur des Monitors zu Helligkeit und Farbtemperatur des Umgebungslichtes, sieht ein gedrucktes Bild exakt so aus, wie es auf dem Monitor im Softproof angezeigt wird.


Bei der Farbtemperatur ist die Sache komplizierter.
Der Königsweg wäre wohl, die tatsächliche Umgebungs-Farbtemperatur zu messen und diese dann für die Monitorkalibrierung zu verwenden.

Stimmt, soweit!

Zwar gewöhnt sich das Auge ein Stück weit an die herrschende Farbtemperatur der Umgebung und kann "weiß" auch unter widrigsten Lichtbedingungen erkennen (oder sagen wir besser "erahnen"), aber man gewöhnt sich nicht komplett daran. Warum macht man diese ungünstigen Bedingungen zur Wunsch-Methode?

Das macht die Sache so kompliziert. Die chromatische Adaption funktioniert bei sehr niedrigen Farbtemperaturen nur teilweise. Das ist, soweit ich weiß, der Grund dafür, dass ein auf 2800K kalibrierter Monitor auch bei Glühlampenlicht (ca. 2800K) viel zu gelbstichig wirkt. Bei niedrigen Farbtemperaturen ist es für den Farbeindruck besser bei der Kalibrierung etwa 1000K zum Umgebungslicht zu addieren. Bei Glühlampen also etwa 3800-4000K zu wählen. Bei hohen Farbtemperaturen, z.B. 6500K, funktioniert die chromatische Adaption besser. Hier würde man idealer Weise auf die korrelierte DXX Farbtemperatur des Umgebungslichtes kalibrieren.

Wenn ich auf den Monitor sehe, dann sehe ich auf den Monitor ... und nicht auf eine Lichtquelle in der Umgebung.
Wenn die Hauptlichtquelle eine vom Monitor verschiedenen Weißpunkt hat, wirkt das Monitorbild in der Regel Farbstichig. Ich finde dieses Problem lässt sich halbwegs kompensieren, wenn um das Bild herum ein neutral grauer oder weißer Rahmen ist. Dann hat das Auge eine Referenz. Ist aber keine neutrale Referenz zu sehen kann man doch gar nicht mehr beurteilen, ob der Farbstich tatsächlich im Bild ist, oder aus den unterschiedlichen Farbtemperaturen zwischen Monitor und Umgebungslicht resultiert.

Mir als Hobbyfotografen und Hobby Selbstdrucker reichen die oben genannten zwei Profile aus. Profil A nutze ich abends bei Glühlampenlicht. Dieses ist für einen Monitorweißpunkt von D50 erstellt. Das ist eigentlich zu kühl und das merke ich auch, wenn ich Fotos an den Monitor halte. Aber aufgrund der eher schlechten chromatischen Adaption der Augen (eigentlich des Gehirns) bei diesen niedrigen Farbtemperaturen sollten, meiner Meinung nach, sowieso keine farbkritischen Arbeiten unter diesen Bedingungen durchgeführt werden.

Bei Tageslicht nutze ich Profil B. Dies ist für einen Monitorweißpunkt von D65 erstellt. Tagsüber passt das oft ganz gut, manchmal auch sehr gut zum Umgebungslicht im Arbeitszimmer. Kann aber auch zu kühl sein, wenn die Sonne direkt hereinscheint. Übrigens fallen Unterschiede von sagen wir 100K in der Farbtemperatur bei niedrigen 3000K sehr viel stärker ins Gewicht als bei hohen 6500K. Dass eine Farbtemperatur, sagen wir 6300K, bei jedem Umgebungslicht optimal wäre, kann ich aus meiner Erfahrung nicht bestätigen. Die besseren Ergebnisse erziele ich, wenn der Monitorweißpunkt ans Umgebungslicht angepasst wird.
Eine Möglichkeit wäre vielleicht in einem abgedunkelten Raum zu arbeiten, in dem der Monitor die Hauptlichtquelle ist. So würden sich die Augen eher an den Weißpunkt des Monitors gewöhnen. Ausprobiert habe ich das bisher nicht. Finde ich eher unpraktisch.


Und 5000 K liegt (zumindest für mich) so dermaßen weit von dem Bereich entfernt, den ich ohne Anstrengung als weiß akzeptieren könnte, dass ein auf diese Farbtemperatur kalibrierter Monitor völlig inakzeptabel wäre. Die Farbe des Umgebungslichts ist dabei gänzlich irrelevant.
Das empfinde ich nicht so. Wie gesagt, bei Glühlampenlicht kommt mir ein Monitorweißpunkt von D50 neutraler vor als D65.
 
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Hans-Peter R.

Administrator
Platin
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Hallo,

Passen Helligkeit und Farbtemperatur des Monitors zu Helligkeit und Farbtemperatur des Umgebungslichtes, sieht ein gedrucktes Bild exakt so aus, wie es auf dem Monitor im Softproof angezeigt wird.
evtl. kommt mein "Verständnisproblem" daher, dass ich meist abends (bei wenig bis gar keinem Licht) am Rechner sitze und auch tagsüber das Zimmer stark abgedunkelt ist. Mein D65 kalibrierter Monitor tritt dann mit keiner anderen Lichtquelle in Konkurrenz. Ich überprüfe auch nie, ob ein Ausdruck zum Monitor passt, sondern ich überprüfe, ob mir der finale Ausdruck gefällt. Und er gefällt mir nur dann, wenn in umgekehrter Richtung (durch die Profilierung von Monitor und Drucker) vom Monitor zum Drucker keine Überraschungen passieren. Anhand eines (2800 K) Glühlampenlichts würde ich nie beurteilen, ob ein Print gelungen ist.

Das ist, soweit ich weiß, der Grund dafür, dass ein auf 2800K kalibrierter Monitor auch bei Glühlampenlicht (ca. 2800K) viel zu gelbstichig wirkt. Bei niedrigen Farbtemperaturen ist es für den Farbeindruck besser bei der Kalibrierung etwa 1000K zum Umgebungslicht zu addieren. Bei Glühlampen also etwa 3800-4000K zu wählen. Bei hohen Farbtemperaturen, z.B. 6500K, funktioniert die chromatische Adaption besser. Hier würde man idealer Weise auf die korrelierte DXX Farbtemperatur des Umgebungslichtes kalibrieren.
Sehr interessant. Habe ich so noch nie gelesen, scheint mir aber sehr sinnvoll zu sein. Was Du über 2800 K schreibst, hätte ich eher 5000 K zugeordnet. Evtl. ist bei meinen letzten Kalibrier-Versuchen ja auch ein Fehler aufgetreten. D50 ist ja auch so eine Art Industriestandard und anhand meiner letzten Versuche wäre mir das völlig unverständlich, was man damit anfangen kann.

Ciao
HaPe
 
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Mika

Sehr aktives Mitglied
Registriert
Jetzt mal unabhängig von der Kalibrierung:

Lightroom Hauptfenster Füllfarbe Weiß schafft zusätzlich zur Kalibrierung eine Farbreferenzfläche direkt ums Bild herum die mir schon oft geholfen hat. Vor allem im Winter, wenn es darum geht, bei Schnee den Weißabgleich korrekt zu treffen. (In der Regel etwas kälter / bläulicher als Weiß). Muß aber auch oft ausser Haus unter schwierigen Lichtbedingungen arbeiten.
 
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micha14

NF Mitglied
Registriert
Auch die Fogra bietet zu dieser Thematik nützliche Infos an (Stichwort "Softproof").

https://www.fogra.org/fogra-forschung/medienvorstufe/10047-softproof/downloads/downloads-softproof.html

Ich nutze an meinem Eizo CS240 "D65", weil ich es als praxisgerechter empfinde als "D50" (Kalibrierung alle 2 Monate mit dem Spyder4pro). Der tatsächlichen – vielleicht täglich mehrmals wechselnden – Umgebungs-Farbtemperatur "hinterher zu rennen", sehe ich als nicht praxisgerecht und übertrieben an. Hat bei mir in Tests auch nie geklappt. :rolleyes:

Mein workflow bis hin zum Druck, der einwandfrei funktioniert:
Photoshop CS6: Korrekturen im RGB-Farbraum. Konvertierung der Adobe-RGB-Bilder in ISO Coated v2 300. Wenn notwendig, abschliessende Korrekturen im 4c-Farbraum.
Indesign CS6: Einbauen der 4c-Bilder ins Layout, exportieren in PDF nach Angaben der Druckerei (PDF_X4.joboptions).
Acrobat X: Kontrolle, preflight – und ab mit den Daten in die Druckerei.
Druckerei: Ab eines bestimmten Auftragsvolumens gibt es vor dem Auflagendruck einen farbverbindlichen Probedruck gratis.​

Da dies gut funktioniert, kontrolliere ich nicht jedes Bild vor, während und nach der Korrektur penibel am Monitor.
Beim späteren Vergleich von Druckergebnis und Monitorbild würde ich von einem "hohen Grad der Übereinstimmung" sprechen.
100% gibt es nie..
 
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Nicname

Sehr aktives Mitglied
Registriert
Ich habe noch in letzter Minute beim Spyder 5 Elite Sonderangebot bis 28.02. für 129 EUR zugeschlagen und meinen bald 8 Jahre alten Spyder 3 upgedatet. Dessen ältere Software läuft ja nicht mehr unter Windows 10.

Zur Überprüfung der Kalibrierung und für den direkten Vergleich zwischen "Wirklichkeit" und Monitorbild nehme ich eine Kodak "Color Separation and Gray Scale" Tafel zur Hand, die ich mir auch eingescannt habe.

So gesehen kommt hier meine subjektive Wahrnehmung mit ins Spiel.

Die Ergebnisse der Kalibrierung waren und sind nach meinen Erfahrungen auch mit der neuen Version auf verschiedenen PCs/Notebooks und Monitoren sehr zuverlässig und konstant richtig.

Herzliche Grüße

Nic
 
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LuxStream

Aktives NF Mitglied
Registriert
Mein D65 kalibrierter Monitor tritt dann mit keiner anderen Lichtquelle in Konkurrenz.

Ja, das wird der Grund dafür sein, dass dir D50 als viel zu gelbstichig vorkommt. Die Adaption an das warme Licht ist nötig. Wenn ich jetzt (bei Tageslicht) von D65 auf D50 umstelle, erscheint der Gelbstich völlig inakzeptabel.

Ich überprüfe auch nie, ob ein Ausdruck zum Monitor passt

Das ist es doch, was Spaß macht :hehe:

Sehr interessant. Habe ich so noch nie gelesen, scheint mir aber sehr sinnvoll zu sein. <

Die Sache mit der unvollständigen chromatischen Adaption bei niedrigen Farbtemperaturen ist wohl noch nicht wirklich verstanden. Diese traurige Wahrheit habe ich inzwischen an mehreren Stellen gelesen. So steht das auch in dem von micha14 verlinkten fogra Artikel: „Die Ursachen für die teils unterschiedliche Farbwahrnehmung eines beleuchteten Papiers und dessen Reproduktion auf einem Monitor sind zur Zeit noch nicht vollständig erforscht.“
Den Vorschlag den Monitorweißpunkt gegenüber dem (warmen) Umgebungslicht um 1000K zu erhöhen habe ich irgendwo mal aufgeschnappt. Persönlich finde ich, dass diese Vorgehensweise durchaus zielführend ist, wenn auch nicht zu 100%.


Was Du über 2800 K schreibst, hätte ich eher 5000 K zugeordnet.

Vielleicht gilt das auch für 5000K? Testen kann ich es leider nicht, weil mir kein D50 Normlicht zur Verfügung steht.
Hmm, glaube ich muss aufrüsten :rolleyes:

Gruß
Egor
 
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