Meine Zauberflöte in Bildern ...

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Ich ging gestern Abend auf die Wiese gegenüber und fotografierte. Und ich bin immer noch beim Prinzen, bei Tamina, über den Nikolaus Harnoncourt einmal gesagt hat, dass Tamino kein Held sei, ein Held schreie nicht schon zu Beginn nach Hilfe ...

Ich kehre innerlich immer wieder zurück zu Mozarts Leben, seinen Empfindungen, welche in seinen Briefen schön zum Ausdruck kommen. Und letztlich, so merke ich, befasse ich mich mehr mit den für mich spürbaren Emotionen, welche die Zauberflöte in mir auslöst ...


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Die Faszination einer Blumenwiese ist auch eine Faszination der Zauberflöte. Der Mensch hinter der Musik wird ein Geheimnis bleiben, wie auch ein Stück weit der Mensch hinter der Kamera.

Mozart hat seiner Constanze, welche in der Kur weilte geschrieben, dass es ihm Mühe machen würde, an der Zauberflöte zu arbeiten. Und ich kann das gut verstehen...


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Vielleicht ist das Geheimnis der Zauberflöte simpel: es ist Sehnsucht und Realität in einem. Jede Figur spielt seine Rolle, so wie sie es Mozart auch immer gespielt hat: oder vielmehr musste.

Das Leben, ein einziges Spiel, unberechenbar und unzuverlässig. Das einzige was bleibt sind die innersten Sehnsüchte nach Konstanz, Ruhe, Sicherheit und Würde ...

Aber auch das wusste Mozart: nebst unzuverlässigen Partnern hat er auch vieles selbst versaut, nicht mit böse Absicht, sondern weil auch er an seine eigenen Grenzen stiess....

Papgeno kann nicht Tamino werden und umgekehrt auch nicht....


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Die drei Damen räumen das Feld und lassen Tamino erwachen und sich umschauen. Und da kündigt sich der Papageno an, frivol und unbeschwert.... auch das war Mozart....

Ich mag die einzelnen Samen an diesem verblühten Löwenzahn. Aber facettenreich ist sie allemal. Und für als Aussenstehender undurchsichtig ...

Auch Mozart hatte viele Facetten, offenkundige und hintergründige. Und vielleicht - aber spielt keine Rolle ob ich recht habe oder nicht - legt Mozart mit seiner Zauberflöte ein Zeugnis von sich selbst ab. Aber was für eines ...


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Während ich hin und her pendle zwischen einem Roman über Constanze Mozart und dem "alten Biographie-Schunken" über Mozart aus dem Jahre 1922, trage ich die Zauberflöte in mir ...

Es war eines meiner Lieblingslieder, jenes "Ein Vogelfänger bin ich ja ..." und als Kind versuchte ich mir immer wieder vorzustellen, wie Papageno seine Vögel wohl fängt und fragte mich, ob das dann auch ein Beruf sei ...

Der Sonntag war schön und ich ging zu den Farben, in die Welt der Orchideen, aber auch anderen Pflanzen ...


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Vielleicht ist es jene Unbeschwertheit Papagenos, welcher ich mich hingezogen fühle. Vielleicht war es auch der Wunsch von Mozart. Seine permanente Unruhe, seine dauernde Suche nach Anerkennung liessen ihm nur wenig Ruhe ...


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Orchideen passen gut zur Zauberflöte. Überhaupt die Stimmung in diesem kleinen Naturschutzgebiet. Aber es gibt immer wieder Leute, welche durch die Wiesen trampen, um den seltenen Blumen nahe zu sein. Und nehmen in Kauf, dass sie andere zertrampeln...

Ich genoss meine langen Brennweiten an der Kamera. Als stiller Betrachter der Pflanzenwelt holte ich die Blumen zu mir. Und ich kam mir vor, als ob ich ihnen ein Stück weit auch zuhörte ...


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Ich sah einige Menschen an diesem Morgen. Sie gingen des Weges, bückten sich, fotografierten und alles ganz nah. Der eine mit Blitz, der andere wohl mit einem Makro.

Es gibt viele Herangehensweisen an die Musik. Je mehr ich ihr aber meine Sinne öffne, desto intensiver wird sie. Sie wird bunt und schwarz-weiss, sie schmeckt und riecht, sie ist laut und leise, so wie Motive, welche ich mit den Augen erfasse ...


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Die Glückseligkeit mit dem Papageno seine Arie hinlegt dauert nicht sehr lange. Mozart hat klare Vorstellungen über Lebenslügen. Er setzt moralische Massstäbe, welche er wiederum in Frage stellte.
Statt Wein und Brot erhält er bei der Übergabe seiner Vögel an die drei Damen Wasser und Steine, für das Lügen erhält er ein Schloss vor den Mund ...

Auf Distanz erblickte ich vieles, nicht nur Orchideen....


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Während Tamino ein Bild von Pamina ausgehändigt wird und er diese wunderschöne Liebesarie singt, steht Papageno ziemlich hilflos daneben.

"Dies Bildnis ist bezaubernd schön..." und ich habe mich immer wieder gefragt, ob ich mich auf Grund eines Bildes in jemanden verlieben könnte. Als Kind war mir das fremd und ob ich es heute könnte, wüsste ich nicht.

Verlieben kann ich mich in die Musik, aber auch in die Motive. Immer einen kurzen Moment....


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Ja, die Liebe ... sie findet immer wieder Platz in der Musik und ist vermutlich das Thema in der Musik überhaupt.

Ich hatte oft ein Durcheinander mit Pamina und Papagena. Die Papagena war nach meinem Geschmack immer eine schönere Frau als die Pamina. Dass sie nur gerade eine Arie in der Zauberflöte hat, dünkte mich immer schade ...

Aber das Aussehen ist ja bekanntlich Geschmacksache, und Tamino hat sich nun mal in Pamina verliebt.

Ja, ein Bildnis. Eine wunderschöne Arie über eine Frau, die die Götter für Tamino bestimmt haben. Und bei dieser Blume ist mir in den Sinn gekommen, dass es aber noch ein steiniger Weg sein wird, bis sie dann in die heiligen Hallen einziehen dürfen ...


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Doch bevor dann Papageno das Schloss vor seinem Mund weghat, ist der Auftritt der Königin der Nacht.
Ihr Auftritt, ihre Arie braucht Raum und ich stellte sie mir immer vor, als sei sie unsichtbar und singe von irgend wo her und wenn sie "abrauscht" oder abtaucht, dann hinterlässt sie einfach nur Spuren.

Frau sein ist nicht das gleiche wie Mutter sein. Das ist eine Doppelrolle, welche nicht immer einfach ist. Und Partnerliebe ist auch nicht das gleiche wie Liebe zu den eigenen Kindern ...

Und so bittet sie Tamino um die Rettung ihrer Tochter ... welch' schöne Arie ...


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Irgendwann landet man dann schon wieder auf dem Boden. Nach den letzten Tönen der Königin der Nacht, beginnt für die beiden Reisende der Alltag wieder. Papageno ist es nicht wohl und ich erinnere mich, dass ich mich manchmal extrem bockig anstellte, wenn es als Kind hiess, wir würden eine Wanderung machen ... :D

Einer der schönsten Momente ist ja die Übergabe der Zauberflöte an Tamino und die Silberglöckchen für Papageno. Wie manchmal hätte ich mir das eine oder andere gewünscht ...

Auch ohne Zauberinstrumente suche ich immer wieder zauberhafte Momente. Auch nur für ein paar Sekunden ...


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Die drei Knaben. Ich finde ihre Weisheit und ihr Auftreten noch heute sehr rührend. Und irgendwie habe immer gedacht, warum sie denn klüger als die Erwachsenen sind...

Und sie haben etwas Engelhaftes. Ein Begleitschutz, Schutzengel. Drei Kinder, welche einem auf der Reise begleiten. Auf der Reise durchs Leben... Ein schöner Gedanke ...

Ich schaute den Tropfen an der Lehne des Gartenstuhl lange zu. Sie kommen und gehen. Der Stuhl bleibt...


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Mozart ist mehr als ein Drittel seines zu kurzen Lebens gereist. Nicht vornehm, wie ich das immer als Kind geglaubt habe. In grossen Kutschen mehrheitlich, Sommer und Winter. Sein Vater schleppte ihn nach Italien, schickte ihn nach Frankreich, nach Deutschland.

Die drei Knaben standen in einem Ballon, als ich die erste Aufführung der Zauberflöte sah. Sie schienen so daher zu schweben, aus dem Nichts, plötzlich waren sie da ...

Die Sonne reist auch, die Wolken reisen und ich reise. Nach dem Morgenspaziergang zur Arbeit. Aber ich reise auch mit der Zauberflöte: innere Reisen, nennt man das und irgendwie kommt mir immer wieder eine Verbindung zur Zauberflöte ...


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Die Zauberflöte provoziert und bringt Themen in ein Singspiel, welche wir heute noch haben. Schwarz und Weiss und Papageno erschrickt zwar ab dem schwarzen Sklaven, findet doch aber, dass wenn es schwarze Vögel gibt, es auch schwarze Menschen geben muss ...

Der Mohn ist auch eine Fremde in dieser Gerste, habe ich gedacht. Und erst noch andersfarbig ... Wenn es grüne Gerste gibt, dann auch roten Mohn ...


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Wenn Mozart jeweils nach Hause kam, stehe ich bereits wieder auf, habe ich heute Morgen gedacht.

Ich freute mich schon gestern Abend auf den Morgenspaziergang und als ich vor dem Klingeln des Wecker erwachte, aufstand und zum Fenster hinaus schaute, freute ich mich auf umso mehr auf den Morgenspaziergang....

Unsere Enten erhielten heute Morgen eingeweichtes Brot, ich trank einen Kaffee und machte mich auf die Morgenrunde...

Moll und Dur kann man nicht sehen, aber man kann es fühlen. Moll und Dur sind Gegensätzlichkeiten oder je nach Betrachtungsweise auch Ergänzungen. Ich empfand Dur heute Morgen und ich reiste einmal mehr mit den Tönen der Zauberflöte...


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Mozart bedient sich in der Zauberflöte einfacher menschlicher Dinge. Menschen sind stark und schwach, unvollkommen, flexibel und starr. Papageno möchte nicht mit irgendwelchen Obrigkeiten und Göttern belästigt werden. Höhere Ziele als ein Weib und gutes Essen hat er keine, seine Ansprüche beschränken sich auf das menschliche, das irdische ist im fremd...

Was gescheite Menschen an Rauch in gen oben ablassen vereint sich mit den Wolken. Aber vieles verpufft, habe ich heute Morgen gedacht.

"Bei Männer, welche Liebe fühlen ...": Pamina und Papageno singen sich in mein Herz ...


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Das Finale im ersten Akt endet mit den Worten:

"Zum Ziele führt dich diese Bahn"

In wie weit Mozart selbst ins Libretto eingegriffen hat weiss ich nicht. Dokumentiert ist nicht aber es herrscht eine grosse Vermutung, dass er nicht nur die Musik sondern auch grosse Teile des Textes (mit)verfasst hat.

Je mehr ich mich mit Mozart befasse, desto mehr empfinde ich ihn in dieser Zauberflöte. Manchmal Dur, manchmal Moll.

Es ist wie in der Fotografie: Ich bleibe auf meinen Morgenspaziergängen oft stehen und frage mich, was ich nun sehe. Und weiter frage ich mich, was ich nun fühle ...

Ein Werk wie die Zauberflöte, kann man nur fühlen ...


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Reisen mit Noten, reisen in Motiven. Mozart stand jeweils plötzlich vom Essen auf und komponierte. Irgendwo musste Notenpapier und Schreibzeug immer erreichbar sein für ihn...

Hier habe ich etwas gemeinsam mit Mozart. Eine Kamera muss immer griffbereit sein....

Es gibt nicht nur vier Himmelsrichtungen. Es gibt noch ein Oben und Unten. Und so nehme ich das Bild in den Tag, reise mit den Vögeln in meinen Tag ...


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