Die Daemmerung setzt jetzt im Dezember früh ein.
Für die Fotografen ist es die "blaue Stunde", der nahezu unmerkliche Uebergang vom Tag zur Nacht, der Magisches, Unergruendbares hat. Nach und nach gehen im inneren Theater die ersten Lichter an, Erinnerungen treten aus dem Dunkel hervor, flackern leise und undeutlich auf wie Irrlichter vor schwarzem Samt, Bilder formen sich, gehen ineinander über und wieder auseinander, lautloses Kaleidoskop, so vertraut und doch immer wieder neu.
Ein scharfer Nordwind wirbelt Schneeflocken vor meinem Fenster, tolles Treiben tausender winziger Eiskristalle, die unhörbar gegen das kalte Glas stieben. Wie damals in der warm geheizten Gaststube in Weistrach.
Ein Schneesturm trieb Reiter und Pferde in den Stall des Gasthofes, heißer Tee wärmte die halberfrorene Reiterschar, die sich nach und nach in der Stube einfand. Draußen flogen Schneewolken tief über den Boden, im Daemmerlicht war das weite Mostland mit seinen knorrigen Obstbaeumen und langen Alleen nur in Schemen, wie im grauen Aquarell, angedeutet.
Die Reiter lebten langsam auf, die Pferde waren nach dem langen Ritt über winterstarre Felder und schneeschlafene, eisige Wiesen und Gruende müde. Versorgt standen die Island Ponys in ihren Boxen und träumten wohl von der Fruehlingssonne und den fruehen Gaesten aus der Stadt, die ihre Kinder zum ersten Reiturlaub brachten.
Eine Kamera wurde vorsichtig unter einer Jacke hervorgeholt, schwarz und klein. Aus Gravuren leuchtete es eigentümlich hellgrün, orange und strahlend weiss. Ein kleines Schild vorne zeigte in Silber "MPS", fein gepraegtes Waffelmuster am Griff, vorne auf dem flach gesetzten Prisma der Schriftzug "Minolta".
Ich hatte diese Kamera schon einmal gesehen, es war im Schaufenster des ersten Fotogeschaefts in Steyr. Das Neueste aus Japan, computergesteuerte Elektronik, Schalt- und Ablaufdiagramme erläuterten den staunenden Betrachtern, wie die Kamera mit ihrem reichhaltigen Zubehoer im "Multi Program System" zusammenarbeitete. Ich stand oft vor diesem Schaufenster und rechnete immer und immer wieder nach, wann mein Erspartes ausreichen würde, um diese neue, faszinierende Kamera mit zu mir nach Hause nehmen zu können. Es würde noch lange dauern, und so kam ich jede Woche, um meinem Wunsch wenigstens möglichst nahe sein zu koennen.
Weistrach, die Reiter und Pferde, die Minolta X-700, Steyr - wie lange liegt das alles schon zurück.
Ich schalte meine Schreibtischleuchte an und beginne, mit den Augen mein Buecherregal abzugehen. Und da steht es, eng zwischen anderen Buechern, aus dem Laterna Magica Verlag Muenchen. Mein erstes Kamerabuch, das ich 1985 gekauft hatte: "Minolta X-700", geschrieben von Gunter Lothert.
Und alle Erinnerungen sind wieder vereint, fast greifbar, wie damals, als ob die Zeit nur eine ängstliche Vorstellung waere - oder eine sinngebend, versöhnende, zusammenführende.
Ich nehme das Buch zur Hand, schlage es vorsichtig auf, die Bindung ist nicht mehr so gut, der Umschlag leicht angegilbt.
Aber die Seiten hell, wie neu, gerade erst gedruckt.
Und die Zeit ist eine versöhnende, wärmende, tief staerkende Idee.
Für die Fotografen ist es die "blaue Stunde", der nahezu unmerkliche Uebergang vom Tag zur Nacht, der Magisches, Unergruendbares hat. Nach und nach gehen im inneren Theater die ersten Lichter an, Erinnerungen treten aus dem Dunkel hervor, flackern leise und undeutlich auf wie Irrlichter vor schwarzem Samt, Bilder formen sich, gehen ineinander über und wieder auseinander, lautloses Kaleidoskop, so vertraut und doch immer wieder neu.
Ein scharfer Nordwind wirbelt Schneeflocken vor meinem Fenster, tolles Treiben tausender winziger Eiskristalle, die unhörbar gegen das kalte Glas stieben. Wie damals in der warm geheizten Gaststube in Weistrach.
Ein Schneesturm trieb Reiter und Pferde in den Stall des Gasthofes, heißer Tee wärmte die halberfrorene Reiterschar, die sich nach und nach in der Stube einfand. Draußen flogen Schneewolken tief über den Boden, im Daemmerlicht war das weite Mostland mit seinen knorrigen Obstbaeumen und langen Alleen nur in Schemen, wie im grauen Aquarell, angedeutet.
Die Reiter lebten langsam auf, die Pferde waren nach dem langen Ritt über winterstarre Felder und schneeschlafene, eisige Wiesen und Gruende müde. Versorgt standen die Island Ponys in ihren Boxen und träumten wohl von der Fruehlingssonne und den fruehen Gaesten aus der Stadt, die ihre Kinder zum ersten Reiturlaub brachten.
Eine Kamera wurde vorsichtig unter einer Jacke hervorgeholt, schwarz und klein. Aus Gravuren leuchtete es eigentümlich hellgrün, orange und strahlend weiss. Ein kleines Schild vorne zeigte in Silber "MPS", fein gepraegtes Waffelmuster am Griff, vorne auf dem flach gesetzten Prisma der Schriftzug "Minolta".
Ich hatte diese Kamera schon einmal gesehen, es war im Schaufenster des ersten Fotogeschaefts in Steyr. Das Neueste aus Japan, computergesteuerte Elektronik, Schalt- und Ablaufdiagramme erläuterten den staunenden Betrachtern, wie die Kamera mit ihrem reichhaltigen Zubehoer im "Multi Program System" zusammenarbeitete. Ich stand oft vor diesem Schaufenster und rechnete immer und immer wieder nach, wann mein Erspartes ausreichen würde, um diese neue, faszinierende Kamera mit zu mir nach Hause nehmen zu können. Es würde noch lange dauern, und so kam ich jede Woche, um meinem Wunsch wenigstens möglichst nahe sein zu koennen.
Weistrach, die Reiter und Pferde, die Minolta X-700, Steyr - wie lange liegt das alles schon zurück.
Ich schalte meine Schreibtischleuchte an und beginne, mit den Augen mein Buecherregal abzugehen. Und da steht es, eng zwischen anderen Buechern, aus dem Laterna Magica Verlag Muenchen. Mein erstes Kamerabuch, das ich 1985 gekauft hatte: "Minolta X-700", geschrieben von Gunter Lothert.
Und alle Erinnerungen sind wieder vereint, fast greifbar, wie damals, als ob die Zeit nur eine ängstliche Vorstellung waere - oder eine sinngebend, versöhnende, zusammenführende.
Ich nehme das Buch zur Hand, schlage es vorsichtig auf, die Bindung ist nicht mehr so gut, der Umschlag leicht angegilbt.
Aber die Seiten hell, wie neu, gerade erst gedruckt.
Und die Zeit ist eine versöhnende, wärmende, tief staerkende Idee.



