Bei solchen Fragen spielt immer viel individueller Geschmack eine große Rolle. Wahr oder falsch gibt es hier nicht.
Zu 1:
Auch jedes Weitwinkel-Objektiv stößt irgendwann einmal an seine Grenzen. Dann liegen solche Perspektiven nahe. Das Ergebnis ist auch nicht unattraktiv und arbeitet nach dem Motto "Wenn schon kippen, dann richtig!" den Charakter der Fassade auch schön heraus. Wie von Horst schon angemerkt, kann man es noch gerade zupfen, um die Symmetrie ganz perfekt zu machen. Ich würde auch leicht abdunkeln und den Kontrast etwas erhöhen.
Mein wesentlicher Punkt bezieht sich aber auf die Art der Bildauswahl bzw. des Beschnitts. Gezeigt wird aus dieser Perspektive vom höchsten sichtbaren Punkt bis unten. Fast. Was fehlt ist die "Erdung", also auch noch der letzte Rest bis zum Boden. Um ein Beispiel zu bringen: beim Menschen kann man ein Porträt machen, sogar angeschnitten. Man kann ein Halbporträt machen, dann fehlt der Unterleib. Man kann den Menschen auch ganz zeigen von Kopf bis Fuß. Aber wie sieht es aus, wenn der Mensch ganz auf dem Bild drauf ist, aber gerade die Füße und ein bißchen vom Unterschenkel fehlen? Verunglückt. So geht es mir hier auch. Die letzten Zentimeter nach unten fehlen mir.
Die Wahl des Querformats bei dieser Aufnahme kann ich durchaus nachvollziehen, denn der obere Teil dieser Fassade wird dadurch schön in Szene gesetzt. Wenn dadurch aber der untere Teil dann zwangsläufig so beschnitten werden muß, würde ich mich wohl eher für Hochformat entscheiden.
Zu 2:
Hier würde ich auch eher für die blaue Stunde plädieren, der Kontrast mit der tiefschwarzen Nacht ist mir zu hart.
Gruß
Suermel