Gute Fotos machen: 4 Tipps für Einsteiger:innen

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AnjaC

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Fotografiesprüche und ihre Berechtigung​

Mit einer guten Kamera und etwas Wissen kannst du auch als Einsteiger gute Fotos erstellen. Ein wichtiges Thema dabei: die wichtigsten Grundregeln kennen. Hier kommen vier Tipps, die dir dabei helfen – und ein paar Sprüche als Eselsbrücken.

Comiczeichnung: 9 Esel laufen über eine Brücke
Bild: ©pixabay

Die richtige Blendeneinstellung​

Bei einem automatischen Belichtungsprogramm werden die Farben der Bilder häufig verfälscht. Besser ist es, wenn du darauf verzichten und die Einstellungen selbst vornehmen kannst. "Sonne lacht - Blende acht!" - Diesen Spruch kennen nahezu alle Fotograf:innen in Deutschland. Mit dieser Blendeneinstellung bleiben bei Fotografien mit hellem Licht viele Details originalgetreu erhalten und es sind große Bereiche des Bildes scharf.

Für bewegliche Motive solltest du hingegen eine möglichst offene Blende verwenden. Auf diese Weise können Bewegungen quasi "eingefroren" werden und du erhältst scharfe Motive dort, wo dein Fokus sitzt.

American Football: Ballträger springt über gegnerischen Abwehrspieler
Nikon D850, 122mm f/3.5, 1/2000, ISO 100

Allerdings verschwimmt bei einer offenen Blende der Hintergrund des Bildes. Das ist manchmal von Vorteil, z.B. wenn der Fußballplatz deines Regionalteams rund um den Rasen optisch nicht sonderlich ansprechend ist 😉 Wenn der Hintergrund für dein Motiv nicht wichtig ist, kann es sehr vorteilhaft sein, ihn verschwimmen zu lassen. Ist der Effekt nicht gewünscht, du brauchst aber trotzdem eine offene Blende, lässt er sich durch die Erhöhung der Verschlusszeit oder der ISO-Empfindlichkeit ausgleichen.

Den Zusammenhang zwischen Blende, Verschlusszeit und ISO findest du hier gut erklärt.

Noch ein Merksatz: „Bei Mensch und Tier nimm Blende vier“. Das passt erstaunlich oft.

Drei junge Katzen liegen hintereinander auf einem Kratzbaum
Nikon D300S, 26mm, f/4.0, 1/125 , ISO 2800

Speichern im RAW-Format​

Die meisten Digitalkameras ermöglichen das Speichern von Bildern im RAW-Format. Dabei werden sämtliche aufgenommenen Licht- und Farbwerte unverändert in der Bilddatei gespeichert. Das Speichern in diesem Format erfordert zwar mehr Platz, dafür büßen die Bilder jedoch nichts von ihrer Qualität ein. Das Speichern im RAW-Format macht allerdings in jedem Fall eine Nachbearbeitung der Bilder mit einer speziellen Software notwendig.

Im Gegensatz dazu werden im JPG-Format die gewählten Kameraeinstellungen übernommen und das Bild komprimiert gespeichert. Du erhältst hier zwar ein Format, in dem du die Fotos sofort zeigen oder teilen kannst. Willst du sie aber nachträglich bearbeiten, ist das durch die Komprimierung nur noch eingeschränkt ohne Qualitätsverlust möglich. Außerdem ist ein JPG immer schon ein von der Kamera interpretiertes Bild.

Es streiten sich von jeher die Geister, ob das nun so schlimm ist oder nicht. Meiner Meinung nach kommt es entscheidend darauf an, was du mit den Bildern machen willst: sind es Momentaufnahmen, die schnell und ohne großen Aufwand zu den Beteiligten sollen und sind sie gut gelungen, nimm das JPG. Ist dir ein perfekteres Bild wichtig und du hast entsprechend Zeit für die Bildbearbeitung eingeplant, nimm ein RAW.

Aber – noch ein wahrer Spruch: „Ist das Bild nicht wirklich top, hilft dir auch kein Photoshop.😉 Also lieber noch ein paar andere Dinge berücksichtigen, damit deine Fotos schon richtig gutes Ausgangsmaterial sind oder am Ende gar keine Bearbeitung benötigen.

Lichtbedingungen richtig nutzen​

Die Zeit kurz nach dem Sonnenaufgang und kurz vor dem Sonnenuntergang wird "Goldene Stunde" genannt. In dieser Zeit zaubert die tiefstehende Sonne eine wundervolle Atmosphäre, da alles in ein rötlich-goldenes und weiches Licht getaucht wird.

Wunderschöne Bilder der goldenen Stunde kannst du hier in der Community sehen:


Mittags sind die Bedingungen zum Fotografieren meist weniger günstig, da zu viel direktes Sonnenlicht für starke Kontraste zwischen den hellen und den schattigen Bereichen sorgt. Sofern es nicht bewölkt ist, ist das Licht um diese Zeit sehr hart und hat wenig Atmosphäre. Der passende Spruch dazu heißt: „Von elf bis drei hat der Fotograf frei“ 😊

Starke Farb- und Lichtkontraste bei hartem Sonnenlicht: American Footballspieler in rotem Trikot, dunklem Helm von unten gegen strahlend blauen Himmel fotografiert
Nikon D500, 38mm, f/5.6, 1/1000, ISO 100

Die "Blaue Stunde" hingegen beginnt in der Dämmerung, also z.B., wenn die Sonne untergeht. Der Himmel ist dann von einem intensiven Blau. Kontraste werden optisch abgemildert, was für eine ganz besondere Stimmung sorgt. Im Gegensatz zur Goldenen Stunde funktioniert das auch bei bewölktem Himmel – und sehr oft kannst du den Effekt erst im fertigen Bild sehen. Deine Augen nehmen ihn so intensiv häufig nicht wahr.

Tolle Bildbeispiele gibt es hier in der Community:

Perspektive und Hintergrund​

Nahezu unverzichtbar für das Erstellen guter Fotos: Die Wahl der richtigen Perspektive sowie des Hintergrunds. Bevor du Fotos machst, ist es eine gute Idee, mehrere Perspektiven auszuprobieren. Auch wenn das etwas anstrengend sein kann, lohnt sich der Mehraufwand, da du so deinen Blickwinkel änderst und die perfekte Perspektive für dein Motiv finden kannst. Einsteiger:innen fotografieren oft von oben nach unten. Diese „Draufsicht“ ist längst nicht immer vorteilhaft. Versuche doch einmal, in die Knie zu gehen, dein Motiv in Augenhöhe zu fotografieren oder gar aus der Froschpersektive von unten nach oben.

Katze auf einem Dach aus der Froschperspektive von unten fotografiert.
Nikon D300S, 62mm, f/7.1, 1/640, ISO 200

Und bitte dran denken: „Schneide nie unterm Knie.“ – abgeschnittene Füße oder Tierpfoten wirken meist äußerst ungünstig. Im Eifer des Gefechts vergisst man das gerne beim Blick durch den Sucher und ärgert sich dann hinterher zu Hause beim Betrachten des Fotos. Das ist wie beim Friseur: was abgeschnitten ist, ist weg und lässt sich nicht mehr herzaubern. Lieber ein bisschen mehr „Gegend“ drumherum lassen – was zu viel ist, lässt sich durch einen einfachen Beschnitt des Bildes später in der Bildbearbeitung wegnehmen.

Auch die Wahl des Hintergrunds trägt wesentlich zum Gelingen deiner Fotos bei. Der Hintergrund soll einerseits nicht zu sehr vom eigentlichen Motiv ablenken, ist andererseits jedoch auch ein wichtiger Bestandteil des Gesamtbilds und kann dabei helfen, eine bestimmte Atmosphäre zu erzeugen. Merke: „Hintergrund nicht kunterbunt.“ Will heißen: nicht zu unruhig in der Bildwirkung.

Ja, ich weiß – es gibt auch gute Merksätze zu Vordergrund und Mittelgrund. Aber dat krieje mer später. Und selbstverständlich ist keine der hier genannten Eselsbrücken ein unumstößliches Sakrileg. Für den Anfang deiner Fotografie ist es aber gut, sie zu kennen. Davon in bestimmten Situationen mit mehr Erfahrung später abzuweichen, wirst du dann bewusst und mit gutem Grund tun.

Fazit​

Eindrucksvolle Bilder lassen sich mit einer guten Kamera auch dann erstellen, wenn du noch nicht so viel Übung hast. Dabei solltest du beim Fotografieren jedoch auf bestimmte Dinge achten, um genau das Ergebnis zu erzielen, das du dir wünschst. Die Wahl der Belichtungseinstellungen sowie der Fokus auf die Lichtverhältnisse, die Perspektive und den Hintergrund deiner Bilder sind ausschlaggebend für das Gelingen deiner Fotos.

Mehr Infos​

Feedback und Hilfestellung bekommst du hier in der Community. Besonders für Einsteiger:innen geeignet sind diese Kategorien:
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