Die hier geschliffenen Diamanten werden an Großhändler, Einzelhändler und Schmuckhersteller
verkauft, ein Teil davon in Indien, aber auch in die USA. Wichtig für den Verkauf sind die
Zertifikate des Gemological Institute of America (GIA). Alle Diamanten ab 1 ct. werden an das
New Yorker Labor des GIA zur Zertifizierung geschickt. Dort werden sie geprüft und erhalten den
GIA- Laser–Code für Diamanten auf der Rundiste eingraviert. Dieser Code wird in das Zertifikat
übernommen und ist ihm so immer eindeutig zuzuordnen und der Stein immer eindeutig
identifizierbar. Sanjay Bhalla erklärt: „Ein Diamant mit GIA–Lasercode wird auf diese Weise mit
einem Schutz versehen, der beim Kunden noch mehr Vertrauen schafft.”
Endkontrolle unter dem Mikroskop
„Vertrauen ist gut, Kontrolle aber besser“ passt bei Firmen, die mit Diamanten arbeiten, sehr
gut. Bei der Firma Hari Krishna Exports, erklärt mir mein freundlicher Begleiter, Herr Gaurav
Duggal, hat man das Problem der Kontrolle folgendermaßen gelöst: Jeder Diamant, der einem
Mitarbeiter zur Bearbeitung ausgehändigt wird, wird registriert. Verlässt der Mitarbeiter seinen
Arbeitsplatz, muss er den oder die Diamanten wieder abgeben, wobei dies wieder registriert wird
– so weiß man immer über den Verbleib der Diamanten Bescheid.
Endkontrolle auf der Waage
Die Durchschnittslöhne der Arbeiter von Diamantfirmen hängen natürlich von ihren Fähigkeiten ab,
aber auch von der Größe der Diamanten, die sie bearbeiten. Ein Diamantenschleifer, der Diamanten
unter 3 Karat schleift, verdient einen durchschnittlichen Monatslohn von 18.000 bis 20.000 INR
(5/2015: zw. 250 € und 280 €). Natürlich muss man diese Zahlen im Verhältnis zu anderen Löhnen
und allgemeinen Lebenshaltungskosten in Surat sehen, so ist es ein durchschnittlich guter
Monatslohn.
Vor allem die Mieten sind deutlich niedriger als z.B. in Mumbai, von wo in den letzten Jahren
große Teile des Diamantengeschäfts nach Surat abgewandert sind. Zudem gibt es, zumindest in den
von mir besuchten Firmen, gute Sozialleistungen und auch großartige Boni.
GIA-Zertifikat
GIA-Code auf der Rundiste
Die größten Boni in ganz Indien gab es bei Hari Krishna Exports im Jahr 2014 zu Diwali, dem
indischen Lichterfest, ein bedeutendes, mehrtägiges hinduistisches Fest, das man vielleicht
wegen seines spirituellen und sozialen Bezugs mit dem christlichen Weihnachten vergleichen kann.
1.200 Angestellte der Firma, die sich für das firmeneigene „Loyalitätsprogramm“ qualifiziert
hatten, konnten als Bonus zwischen drei Geschenken auswählen: einem Fiat Punto, einer Anzahlung
für eine 2-Zimmer-Wohnung oder Gold- und Diamantenschmuck.