FOTOGRAFIEREN IN FARBE. Teil 2: Sigmas DP2.


Guydamerio

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Sigmas DP2 kann außer einem großen (Foveon-)Sensor und einem Objektiv mit fixer Brennweite (41mm KB-Äquivalent) praktisch keine "Features" vorweisen und hat mit anderen Kompaktkameras außer den Abmessungen nicht viel gemein. Statt Allround-Tauglichkeit will sie Bildqualität auf DSLR-Niveau bieten. Ich will nach jetzt ca. 5 Wochen mit der DP2 das Thema anreißen, ob bzw. inwieweit ihr das gelingt.

Die DP2 ist -

- klein. Sie passt in die Hemdtasche bzw. Damenhandtasche, obwohl das Objektiv auch im eingefahrenen Zustand recht weit vorsteht und dem eleganten schwarzen Kästchen viel von seiner Handlichkeit nimmt.

- langsam. Das betrifft sämtliche Aspekte, angefangen vom Einschalten, dem nicht schnappschuss-tauglichen Autofokus, über das Abspeichern (7-8 sec pro Bild, max. 3 Bilder in Serie) bis zur Software zum Umwandeln der RAW-Files, die beinahe so langsam ist wie ihr Pendant von Fuji.

- in manchem ein wenig altmodisch-schrullig wirkend, so z.B. das Rädchen für den manuellen Fokus; oder das graphische Design der Menüs, das mich irgendwie an James-Bond-Filme aus den 80ern erinnert.

In der Handhabung hinterlässt die DP2 einen zwiespältigen Eindruck. Manches ist wirklich intelligent/praxisgerecht gelöst, etwa der direkte Zugriff auf wichtige Einstellungen, oder die Aufteilung der Funktionen auf die Tasten.

Andererseits sind der fehlende integrierte Sucher sowie das irritierend langsame Tempo bei AF und Abspeicherung wirklich behindernde Faktoren und grenzen das Feld der möglichen Anwendungen erheblich ein - nämlich im Grunde auf unbewegte Motive. Das ist insofern schade, als das Objektiv bereits bei Offenblende extrem scharf ist und ein durchaus brauchbares Bokeh erzeugt - die Kamera könnte also bis zu einem bestimmten Punkt auch für Porträtfotografie genutzt werden. Könnte, denn ohne schnellen und sicheren Autofokus geht das nun mal nicht.

(Hier muss ich einfügen, dass es einen gewissen Ausweg gibt in Form des manuellen Fokus. Ich habe diesen erst in den letzten Tagen ausprobiert, und er ist erstaunlicherweise recht brauchbar. Man schätzt die Entfernung, die man dann mit Hilfe eines mit einer Skala versehenen Daumen-Rädchens einstellt. In diesem Modus löst die Kamera ohne Verzögerung aus, und ist so etwa für Street-Fotografie ganz gut geeignet. Weniger praktikabel hingegen ist das manuelle Fokussieren mit Hilfe des Displays.)

Insgesamt empfinde ich das Fotografiererlebnis mit dieser Kamera alles andere als berauschend. Das Ding wirkt eher wie ein Spielzeug, liegt nicht gut in der Hand, und die Fotos sind auf dem Kameradisplay nichts, womit man Bewunderung erregt.

Ganz anders der Eindruck nach dem Ausarbeiten der RAW-Files. Ich will hier nicht die Vor- und Nachteile verschiedener Technologien diskutieren, aber für mich ist es ein Faktum, dass die DP2 unter den richtigen Voraussetzungen Top-Ergebnisse liefert - und ich beziehe mich hier nicht auf Kompaktkamera-Niveau. Die Bilder sind nur 4.6 MP, dennoch nimmt es die DP2 in punkto Detailzeichnung mit jeder Mittelklasse-DSLR auf. Besonders auffallend ist dabei die Klarheit, Sauberkeit und feine Abstufung der Farben. Die Bilder sind auch für Ausdrucke in Poster-Größe problemlos geeignet.

Die Bilder zeigen übrigens nur in RAW ihre wirklichen Qualitäten, sodass ich nie in JPG fotografiere. Den Hoch-ISO-Bereich benütze ich nicht, da er in der Farbwiedergabe deutlich abfällt. Die Video-Funktion ist ihren Namen nicht wert.

Mein persönliches Fazit: Die DP2 ist mit mehr Mängeln behaftet als mir lieb wäre. Sie ist kein Ersatz für eine DSLR. Dennoch ist sie für mich als zweite Schiene neben einem DSLR-System interessant. Ihre Stärken: Landschaft, Natur, Architektur, Stilleben, große Tableaus, Genrebilder. In diesen Bereichen erreicht sie das Niveau einer guten DSLR-Objektiv-Kombination oder übertrifft diese. Der Stil der Fotos ist, vor allem in der 100%-Ansicht, anders als gewohnt; jeder Bildpunkt ist eindeutig, genau definiert, wie festgenagelt. In ihrer Wirkung erinnern mich die Bilder gelegentlich an sauber ausgearbeitete Gemälde.

Lifestyle: Aufgrund ihrer Größe und ihres Aussehens ist die DP2 für Fotografen, die gerne mit ihrer Ausrüstung protzen, absolut ungeeignet. Umso besser steht sie Typen mit einer Neigung zum Understatement an.

- Wie immer, handelt es sich bei alledem um meine persönliche, rein subjektive Meinung.
Diejenigen, die's interessiert, können hier einige Beispiele (aus RAW entwickelt, ansonsten unbearbeitet und nicht nachgeschärft) in Originalgröße herunterladen:
 

Fernauslöser

Sehr aktives Mitglied
Ein sehr praxisgerechter Erfahrungsbericht.
 
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