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Stefan L.

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... meines 3-wöchigen Urlaubs wollte ich keinen Bagger sehen, nicht ganze Wälder Häckseln, keinen Pferdemist schaufeln, keine Regale aufhängen, oder Schränke zusammenbauen und weder Hand- noch Gartenwerkzeug in die Hand nehmen.

Einen Tag konnte ich meiner Frau abringen, an dem wir wirklich mal einen Ausflug machen würden. Wir entschieden uns recht kurzentschlossen zur documenta zu fahren. Meine Frau hat durchaus eine künstlerische Ader und ich war -als gebürtiger Nordhesse- schon ewig nicht mehr in unserer "Großstadt" gewesen. Meine letzte documenta lag nun 30 Jahre zurück und ich vermutete stark, das sich an meinem nicht vorhandenen Kunstgeschmack nicht viel verändert haben würde, mich reizte ein anderes Thema.

Meine Frau war besonders gespannt auf die Werke von Joseph Beuys die immer noch in einen eigenen Ausstellungsraum in der Neuen Galerie präsentiert werden. Leider war dieser Raum wegen Wartungsarbeiten :confused: nicht zugänglich, wir konnten nur vom Nebenraum einen Blick auf die Installation "the pack - Das Rudel" werfen.

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Wie gesagt meine eigenen Kunstkenntnisse sind eher rudimentären Natur und so hätte ich auch nicht zu sagen vermocht, ob dieses Werk direkt unterhalb der documenta-Halle

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Nun -womöglich zusammen mit den Fahrrädern- ein "echtes" Kunstwerk, oder ein schnödes Graffiti darstellt. Schön bunt war es jedenfalls und deshalb gefiel es mir.

Mein Augenmerk lag aber auf etwas anderem. Angeregt durch einige Diskussionen hier im Forum rund um das Thema Fotografieren - Equipment-Erfordernisse - Kameragrößen wollte ich einfach mal beobachten wie die Realität außerhalb von Foto-Foren so aussieht.

Das einige Leute fotografieren würden war mir klar, aber was würden sie nutzen Handy, Kompaktkamera, Systemkameras (mit oder ohne Spiegel)? Meine gemachten Beobachtungen -natürlich nicht wissenschaftlich - mathematisch exakt- möchte ich im Folgenden mitlaufen lassen.
 
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Wer sich etwas intensiver damit beschäftigen möchte, wer oder was die documenta ist verlinke ich der Einfachheit halber zu Wikipedia. In Kurzform ausgedrückt ist die documenta eine, wenn nicht die, wichtigste Ausstellung für zeitgenössische Kunst und findet alle 5 Jahre in Kassel statt.

Wichtig für unsere weiteren Betrachtungen ist nun, das es im Grunde gar nicht "die" documenta -im Sinne von einer Sammlung in einem Gebäude gibt- Zur Verdeutlichung werfen wir einfach mal einen Blick auf den Friedrichsplatz in der Innenstadt von Kassel.

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Wir sehen am rechten Bildrand den gläsernen Säulenbau der documenta-Halle, durch die Säulen im Hintergrund das Fridericianum, ziemlich mittig das Partheon der Bücher und links einen Röhrenstapel. Die beiden zuletzt genannten sind frei besuchbare Aussenexponate der documenta 14. Das Metallkosntrukt, durch das ich die Aufnahme gemacht habe war Bestandteil der documenta 6 steht nun also schon seit 40 Jahren dort. Auch diese Werke sind kostenlos zu besichtigen, oder in diesem Fall zu besteigen.

Für die Objekte in den verschiedenen -über die Kassler Innenstadt verteilten- Ausstellungsgebäuden muß man hingegen Eintritt zahlen (22,-€ für eine Tageskarte)
 
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Es wurde viel fotografiert, sehr viel sogar und wie nicht anders zu vermuten war das Smartphone das am häufigsten eingesetzte Mittel der Wahl. Das ging sogar so weit, das eine Teenagerin, die wohl mit ihren Eltern da war durch die Ausstellungsräume ging, jedes Objekt mit dem Handy abfotografierte und sich dann alles auf dem Bildschirm ansah (oder in irgendwelche sozialen Netzwerke schob)

Es gab aber einen großen Unterschied bei den Handy-Fotografen. Draussen überwogen ganz klar die Selfie-Künstler. Besonders begehrt waren die bereits im vorigen Bild gezeigten Röhren. In diesen hat der Künstler kleine Lebensräume gestaltet, um die Beengtheit während einer Flucht darzustellen.

Es war praktisch unmöglich eine Aufnahme davon zu machen, ohne das jemand davorstand, der sich das Handy vors Gesicht hielt, oder eine kleine Gruppe sich fürs nächste Handyfoto drappierte. Wie gesagt, es war ein Ausflug mit meiner Frau, keine Foto-Exkursion, somit war warten auf den einen Moment, wo vielleicht mal niemand davor stand keine Option. Ich entschied mich dann für einen Überkopfschuß, über die Selfiisten hinweg.

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In den kostenpflichtigen Austellungsgebäuden verschob sich das Bild etwas. Auch hier blieb das Smartphone das häufigste Bild-Einfang-Medium, aber nun verschon sich das Interesse weg vom Selbstdarstellungsdrang hin zum Kunstobjekt. Auch in den Hallen wurden noch ein paar Selfies gemacht, oder die Liebsten vor einem Objekt drappiert, aber die Mehrheit lichtete nun doch eher die Austellungsstücke ab. Oft waren die Räume auch hinreichend beleuchtet, das es mit einem modernen Smartphone kein Problem sein sollte ansprechende Aufnahmen hinzubekommen. Manche der Exponate kamen den eher etwas bunt darstellenden Smartphones durchaus entgegen.

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Positiv überrascht war ich darüber, das doch recht viele Handy-Fotografen bemüht waren einen vernünftigen Bildaufbau hinzubekommen, warteten, wenn jemand ins Bild gelaufen war und recht oft das Turnschuh-Zoom anstelle des Digitalen einsetzten.Zudem war mir noch nie so bewußt geworden, das die Handy-Fotografie kein reines Jugendphänomen mehr ist, es waren alle Alterklassen mit Handys fotografierend unterwegs.
 
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Für einen Aussenstehenden ist es bei moderner Kunst oft sehr schwierig die Werke für sich selbst zu erarbeiten. Wenn überhaupt Beschreibungen an den Objekten waren, dann beschränkten sich diese auf Nennung des Künstlers, des Titels, sowie die eingesetzten Materialien.

Ich betrat einen mit einem Vorhang abgedunkelten quadratischen Raum innerhalb einer Ausstellungshalle. Die Beschreibung sprach von: For my brother name1 (hier stand ein richtiger Name den ich mir aber nicht gemerkt habe), For my brother name2, For my brother name3, for my sister name4. Als Materialien waren Metall, Lack und Licht angegeben, als fotografierender Ingenieur also genau etwas für mich.

Drinnen ereignete sich dann eine nette Anekdote. In der Mitte des Raumes stand ein Mann mit zwei jüngeren Begleiterinnen und sie versuchten mit den Handys die drei Brüder und die Schwester abzulichten. Etwas abseits am Rand befand sich eine Dame, offensichtlich eine 4-köpfige Familie.

Die Installation bestand aus 4 quadratischen Metallplatten, die sehr dunkel anthrazit grundiert waren und mit schwarzen Pinselstrichen wiederum in kleiner Quadrate unterteilt waren. Jedes der Werke hing mittig an einer der quadratischen Wände in dem quadratischen Raum und war mit verschiedenen Farben hinterleuchtet.

Der Vater und die Töchter standen nun in der Mitte des Raumes und versuchten die einzelnen Quadrate mit ihren Handys abzulichten. Dabei zeigten sie sich gegenseitig die Ergebnisse und verwarfen diese kopfschüttelnd wieder. Es war zwar dank der bunten Hinterleuchtungen der Quadrate hinreichend hell in dem Raum, aber bei Frontalaufahmen hätte ich auch mit dem riesigen Dynamikbereich meiner Kamera wohl Probleme bekommen. Mit einem Handy war es komplett hoffnungslos, wenn man nicht auf komplett schwarzes Quadrat auf buntem Hintergrund gehen wollte.

Zudem finde ich es immer recht gewöhnungbedürftig, wenn man quadratische Objekte auf ein rechteckiges Format bringen will. Trotzdem hatte diese Installation etwas (ich habe nicht den Hauch einer Ahnung, was der Künstler eigentlich aussagen wollte, aber es war schön anzusehen) und ich überlegte, wie sich wohl ein Foto gestalten liesse.

Recht schnell war klar, das ein ansprechendes Foto nur möglich wäre, wenn ich nicht frontal, sondern in einem Winkel an eine der Tafeln ginge und die an der nächsten Wand als Spiegelung einbünde. Ich brauchte eine Weile, bis ich zufrieden war und probierte verschiedene Positionen aus. Dies war wohl auch der etwas abseits stehenden Mutter aufgefallen, denn sie ging in die Mitte zum Rest der Familie und flüsterte mit ihnen. Anschließend sah ich aus dem Augenwinkel, wie vier Augenpaare auf mein Display schauten, während ich das Bild gestaltete.

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Die Treppenbildung im Blauen bitte ich zu entschuldigen, das sind keine JPEG-Tonwertabrisse, sondern entstehen schon beim Verkleinern auf Forengröße, es sind einfach zu viele unterschiedlich farbige Pixel vorhanden um die sauber auf 600PX "eindampfen" zu können

Als ich das Foto "im Kasten" hatte und den Raum wieder verließ, sah ich wie die Familie sich im Raum verteilte und nun ebenfalls versuchte mit den Winkeln und Spiegelungen zu spielen.
 
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Viele Exponaten liessen mich fragend zurück. Zumindest mit meinem nicht vorhandenen Kunstverständnis war es nichtmal möglich einen eigenen Interpretationsversuch zu starten und nur wenige waren wenigstens optisch ansprechend, wie das zuvor gezeigte.

In der neuen Galerie ärgerte ich mich dann mächtig, Tags zuvor hatten wir ein paar Betonsäcke, die mir leider nass geworden waren für viel Geld als Bauschutt entsorgt, hätte ich sie mal besser mitgenommen und neben den Gips gestellt, dem das gleiche Schicksal widerfahren ist?

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Anscheinend ging es nicht nur mir so, denn zur documenta 14 werden -wohl zum ersten Mal in der langen Geschichte- sog. Spaziergänge angeboten. Dabei handelt es sich um verschiedene Führungen, aus denen man wählen kann, tlw. beschränkt auf einen Austellungsort wie das Fridericianum, andere sind echte Spaziergänge, da sie mehrere Standorte verbinden.

Ich hatte ein paar Mal das Vergnügen just in dem Moment an mir besonders unerklärlichen Exponaten vorbeizukommen, als dort auch Spaziergänge hielten. Ich lauschte dann kurz den Ausführungen und mußte jedes Mal an diverse Fernsehsendungen denken.

Bestimmt habt ihr auch schonmal solche Persiflagen gesehen, wo der Kurator vor einer weissen Wand steht und über die unfassbaren Qualen des Künstlers, der in diesem Werk allen Schmerz der Welt auf sich genommen habe berichtet und die diversen Zuhörer dies nun auch sehen, voll des Lobes sind und vor Rührung in Tränen ausbrechen.

Tja nun weiß ich, das sind keine Persiflagen, sowas gibt es wirklich. Ich hielt es da lieber mit einem auch nicht ganz unbekannten zeitgenössischem Künstler und dachte mir "Ja nee is klar!" (Atze Schröder).


Etwas anders fiel mir bei den Führungen aber auch noch auf. Die Teilnehmer waren nicht nur dtl. älter als der Gesamtschnitt, hier war auch die zweithäufigste Kamergattung sehr stark vertreten: Die Point ' Shoot. Hierunter verstehe ich diese kleinen Kompaktkameras bei denen das Objektiv bei Nichtgebrauch, komplett im Gehäuse verschwindet.

Totgesagte leben länger, hier und in anderen Foren finden diese Kameras nicht mehr statt, sie sind angeblich komplett durch Smart-Phones (die ja die gleichen Sensoren haben) verdrängt und auch die ständig fallenden Produktions- und Verkaufszahlen belegen das. Auch ich gehörte immer zu diesen Rufern, aber die Realität außerhalb von Foto-Foren sieht doch manchmal etwas anders aus.

Dafür waren die Nutzer(innen) dieser Kameras schon sehr darauf bedacht ein Vorurteil voll und ganz zu erfüllen. Sie bauten sich möglichst mittig vor dem Objekt auf, streckten die Arme weit von sich und versuchten dann mit Hilfe der Zoomwippe das Kunstwerk, so formatfüllend wie nur irgend möglich, abzulichten.

Versuche einer Bildgestaltung, wie ich sie zuvor häufiger bei den Handy-Fotografen gesehen hatte fanden bei dieser Gruppe praktisch nicht statt.
 
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Man würde der documenta allerdings nicht gerecht, wenn man sie nur auf die -sich nur einem kleinen Kennerkreis erschliessenden- Werke reduzierte. Es gibt auch sehr beeindruckende und nachdenklich machende Exponate. Hier ist natürlich zuerst der Parthenon of Books zu nennen, da er gleich mehrere symbolträchtige Dinge in sich beherbergt.

Zum Einen stellt er natürlich eine direkte Verbindung zu Athen, der Partnerstadt der documenta dar. Zum ersten Mal überhaupt findet die documenta nicht nur in Kassel, sondern gleichzeitig auch in einer zweiten Stadt nämlich Athen statt. Dort finden sich dann weitere Kunstobjekte.

Zum Anderen ist eine documenta auch immer eine politische Veranstaltung und die Wiege der Demokratie liegt bekanntermassen im alten Griechenland, bzw. der Akropolis. Als solche wird ja oft der Parthenon bezeichnet, auch wenn er nur ein Teil der kompletten Anlage der Akropolis ist.

Zu guter Letzt befinden wir uns für dieses Kunstprojekt auch noch auf einem ganz speziellen Grund, denn genau hier fand eine der großen Bücherverbrennungen der Nazis statt.


Was genau ist nun der Parthenon of Books? Die Gesamtübersicht hatte ich weiter oben ja schonmal gezeigt. Mittels eines Metallgerüstes wurden die Säulen und Giebel des Originals 1 : 1 nachgebaut. Als Verkleidung der Säulen und Giebel wurden und werden nun in Kunststoffolie eingeschweißte Bücher an dem Metallgerippe befestigt. Es handelt sich aber nicht um x-beliebige Bücher, sondern solche, die irgendwo auf der Welt mal verboten waren, oder es noch sind. Die Kunsthochschule Kassel hat mit der argentinischen Künstlerin eine Liste mit 60.000 !!! Büchern, die für das Projekt geeignet sind festgelegt.

Betrachtet man sich nun die einzelnen Säulen kommt man schon ins Grübeln

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Das ich dort George Orwell, Erich Maria Remarque oder Stefan Zweig finden würde, war mir klar. Es findert sich dort aber auch der kleine Prinz (stand nicht selbst auf dem Index, sondern einfach alle Bücher von Saint-Exupery), Gullivers Reisen, Winnetou und sogar Micky-Maus-Hefte habe ich dort gefunden.

Wer noch hin möchte, das Ganze ist übrigens ein Mitmach-Projekt jeder der ein auf der Liste befindliches Buch hat darf es mitbringen und in bereitgestellte Container werfen. Die Bücher werden dann einzeln eingeschweißt und an den Säulen angebracht. Als wir Donnerstag da waren die Säulen auf der Rückseite noch ziemlich leer, es werden also noch Bücher gebraucht.


Fototechnisch hätte ich jetzt eigentlich vorgehabt eine Abhandlung über die vielen Edelkompakten, die ich gesehen habe zu schreiben. Doch auch hier lag die aus Foto-Foren gewonnene Erwartung recht weit neben dem wahren Leben. Ich sah schlicht keine Canon G 3/5/7/9, keine Fuji XT100, keine Pana LX100, keine Sony RX100. Gefühlt hat hier im Forum jeder 2. User eine der genannten Kameras, letzten Donnerstag in Kassel war die Einzige, die ich sah sowas wie die Urmutter des Segments: eine Canon G1X.


Ein ganz ähnliches Bild bei den Bridges und Superbridges (demit meine ich die Kameras mit festverbauten Objektv, die dank Sucherbuckel wie eine "richtige" Kamera aussehen). Ich hätte jetzt vermehrt mit den 1" Boliden von Canon und Sony gerechnet, weit gefehlt die einzige aus der Klasse, die ich sah war eine Pana FZ1000. Überhaupt scheint Panasonic auf dem Bridge-Markt etwas richtig zu machen, bei den Kameras wo ich einen Blick auf den Hersteller erhaschen konnte handelte es sich -ohne Witz- zu 100% um Lumixe, FZ100/200/300 in durchaus großen Stückzahlen waren da unterwegs. Die sind bekannt dafür in Relation zu dem kleinen Chip gute Ergebnisse zu liefern, aber das die so beliebt sind hätte ich nicht gedacht.
 
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Viele der Installationen, die ich verstand drehten sich um die Themen Krieg, Gewalt, Flucht und Vertreibung. Es waren oft recht große Exponate, die sich für Offenblenden-Aufnahmen anboten.

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Das führt uns auch zur nächsten Kameragattung, denn wirkliche Freistellung schaffen nunmal Kameras mit Wechseloptiken am Besten. Werfen wir zuerst einen Blick auf die sogenannten spiegellosen Kameras.

Schon wieder wurde eine Diskrepanz zwischen Forenmeinungen (mit denen ich oft konform gehe) und realem Leben deutlich. Beginnen wir mit dem kleinsten Sensor, der derzeit in Wechselobjektiv-Kameras angeboten wird (Die Pentax Q mit dem Handy-Sensor unterschlage ich einfach mal) nämlich den Nikon 1ern. Was ich als ehemaliger J1 Besitzer nicht für möglich gehalten hätte: Die Kleinen waren relativ häufig vertreten, zwar immer aus der J-Serie und bis auf eine, die ein 10-100 montiert hatte, alle mit dem Kit-Zoom 10-30 bestückt, aber immerhin sie wurden wohl wirklich verkauft und eigentlich noch wichtiger auch benutzt. Allerdings konnte ich bei keinem der 1er Nutzer eine irgendwie geartete Kameratasche erkennen, Objektivwechsel und Offenblenden-Spielereien waren bei denen wohl eher nicht geplant.

Das gleiche Bild ergab sich eine Sensorgröße drüber bei den µFT. Die waren für mich überraschend wenig vorhanden, wenn überhaupt sah ich ein paar Lumixe mit dem 14-42er Kitzoom, nicht eine OM-D oder PEN.

Hier im Forum sind ja inzwischen recht viele mit APS-C bei Fuji gelandet, nennen eine X-T oder X-Pro ihr eigen und bei einigen haben die inzwischen die D-SLR komplett ersetzt. Auf der documenta ergab sich wieder ein völlig anderes Bild, ich sah eine einzige Fuji und das war eine X-A (also das Einsteigermodell) mit Kit-Zoom, von den großen Schwestern war überhaupt keine zu sehen.

Der D-SLR Marktführer mit dem C im Namen hat inzwischen ja auch eine ganze Reihe DX-Spiegellose am Markt, von denen war nicht eine zu erspähen.

Mit ganz großem Abstand führten die Sonies die Zählung der Kameras ohne Spiegel an. Die ganz kleinen NEX waren gar nicht vertreten, dafür einige aus der 6000er Serie (DX) und recht viele A7 (FX). Allerdings waren auch auf diesen fast ausschließlich Zooms zu erkennen und kaum jemand hatte eine Kameratasche dabei. Man sollte an dieser Stelle zwar erwähnen, das allzu große Taschen in den Austellungsgebäuden verboten waren, aber kleinere Kamerataschen / Rucksäcke problemlos durchgingen. Nur auf einer weiteren A7 (neben meiner mit dem FE 50) konnte ich eine FB in Form des 55 1.8 erspähen. Ansonsten waren überall Standardzooms (16-50/70 und 24/28-70) montiert. Die neuen 2.8er Zooms konnte ich nicht entdecken, dafür sah ich das erste Mal in freier Wildbahn das 28-135 F4 Videozoom. Das ist schon ein heftiger Brocken.

Was mich auch überraschte war, das ich einer der wenigen Display-Fotografen war, die meisten nutzten nur die elektronischen Sucher, machten aber alle Aufnahmen im Stehen ohne die Möglichkeiten des Klappdisplays zu nutzen oder wenigstens die Aufnahmehöhe zu variieren.
 
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Werfen wir nun noch einen Blick auf die Krone der (bezahlbaren) Kamerabaukunst die D-SLR. Wie nicht anders zu erwarten dominierten zwei Marken aus Japan (immerhin sah ich auch eine Sony SLT) mit einem leichten Überhang an Canons.

Meine Reise durch die Abweichungen zwischen Foto-Foren-Befindlichkeit und Realität ging nun munter weiter. Liest man hier und auch in anderen einschlägigen Foren mit hat gefühlt jeder 2. -3. min.eine einstellige D im Einsatz. Real draussen gesehen habe ich keine einzige. Das Gleiche galt auch fast für das Pendant von Canon, die einzige 1D, die ich sah gehörte zu einem der Kunstprojekte, läuft also außer Konkurrenz.

Na gut, die 1-stelligen sind ja auch eigentlich Sportkameras, für solche eher ruhigen Events sind die 3-stelligen Nikons und 1-2stelligen Canons mit ihren oft sehr hohen Auflösungen prädestiniert. Am Besten natürlich gleich als FX.

Ja die sah ich auch ....

























... genau zwei Stück eine D800 mit 28-300 und eine 6d wohl mit dem 24-105. Das wars, mit der schönen "Semiprowelt". Insgesamt sah ich immer noch mehr D-SLR als Systemkameras aber das waren durch die Bank D3xxx, D5xxx oder die kleinen Canonen ohne Schulterdisplay.

Die überwiegende Mehrheit mit den Kitzooms, gern auch mit Streulichtblende in Transportstellung. Ein paar wenige, kleinere Foto-Taschen konnte ich entdecken die meisten Knipsen hingen aber einfach so locker über die Schulter geschwungen.

Größere Transportutensilien blieben den Kunstobjekten vorbehalten

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Moin lieber Stefan, vielen Dank für diesen aus mehrerlei Hinsicht lesenswerten und mit großer Sorgfalt erstellten Bericht. Zum einen habe ich viel über die documenta gelernt (dass Kassel Partnerstadt von Athen ist, wusste ich auch nicht), zum zweiten sind erstklassige Bilder dabei und zum dritten bestätigst Du hinsichtlich Kameranutzung "im wahren Leben" (d.h. bezogen auf die Masse der nicht professionellen Fotografen) genau meine Beobachtung, die ich in einem der letzten Diskussionen beschrieb - meine letzte Afrika-Gruppenreise betreffend. Vor allem Deine Beobachtung zu den Panasonic-"Point-and-shoot" und den Bridgekamaras mit kleinem Sensor (auch überwiegend von Panasonic) decken sich mit meinen Beobachtungen. Interessant auch Deine Analysen zur jeweiligen Altersgruppe und zum Nutzungsverhalten.

Eine Nachfrage habe ich noch: Wie international war das Publikum? Konntest Du da noch signifikante Unterschiede feststellen? So eine Busladung chinesischer Touristen hat ja eine ziemliche Eigendynamik. Aber die findet man wohl eher nicht auf der Dokumenta, sondern am Eiffelturm.
 
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Danke für diesen informativen Kunstausflug.
Vor allem die ausführlichen, kunstunabhängigen Beobachtungen, die deine Bilder ergänzen, sind klasse. Ich hätte beim Fotografieren nicht die Muße, das so genau zu protokollieren ;-)
 
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Freut mich, wenn meine kleine Doppel-Reportage gefällt. Setzen wir uns doch noch kurz gemeinsam vor die Orangerie und lassen den Tag Revue passieren

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Ja, das ist absichtlich so brutal mittig

Beginnen wir mal mit der theoretisch ganz simplen Frage: Lohnt sich die documenta?

Tja leider kann ich diese Frage überhaupt nicht beantworten. Für Freunde zeitgenössischer Kunst stellt sich die Frage eh nicht, da sie Pflicht ist. Für jemanden, der sich in dieses Thema einarbaiten möchte ist sie bestimmt recht gut geeignet, da sollte man aber unbedingt einen der bereits angesprochenen Spaziergänge buchen, sonst wird man von den Künstlern und den Machern der documenta einfach zu sehr allein gelassen. Problematisch könnte es bei den Spaziergängen allerdings mit dem Fotografieren sein, da dann halt immer um das gerade besprochene Objekt eine große Menschentraube steht.

Ein anderer Ansatz kann sein, einfach nur zum Fotografieren hinzugehen, da man vielleicht gerade eine "Motivfindehemmung" hat. Dafür ist die documenta -so man nicht viele hundert km anreisen muß- durchaus spamnend. Bitte dabei aber dran denken, das es eine Taschengrößenbeschränkung (WIMRE 30 x 20 x 10 cm) gibt. Die wird zwar bei Fototaschen nicht ganz so streng ausgelegt, aber mit einem Photo-Trekker käme man bestimmt in keine der Ausstellungen. Braucht man aber auch gar nicht, da ich nicht wüßte wofür man das ganz große Besteck einsetzen sollte. Die hier gezeigten Aufnahmen sind alle mit einem 24-70, bzw. einem komplett offenen 50 1.8 entstanden. Ich hatte mich bereits im Vorfeld darauf festgelgt nicht einfach draufloszuballern und am Rechner die besten Fotos rauszusuchen, sondern wenige Fotos zu machen, die ich dafür aber so sorgsam wie möglich gestalten wollte. Wie geschrieben, war es der einzige Tag, den sich meine Frau und ich frei gemacht hatten und den wollte ich nicht durch ständiges fotografieren "zerstören". Insgesamt entstanden so über den ganzen Tag verteilt "nur" 31 Aufnahmen und -bis auf eine Ausnahme- von jeder Aufnahmeposition auch nur ein einziges Bild.

Einschub: Eigentlich wollte ich noch ein paar mehr Fotos machen, und hatte dafür extra das 18er mitgenommen, aber Kassel hat auch sowas wie einen nordhessischen BER. Der Herkules, zu dem wir als Tagesabschluß hochfuhren ist komplett eingerüstet und mit hübschen gelben Kränen drappiert. Die aufgestellten Schilder sprachen von einer Grundsanierung von 2006-2011, ist ja nur eine Verdopplung der Bauzeit, also alles kein Problem. Leider waren auch die Kaskaden und sogar die Löwenburg mit ebenjenen gelben Kränen verschönert worden, sodaß das WW an dem Tag gar nicht an die Kamera kam.


Eine starke Analogie zwischen Kunstliebhabern und Foto-Forenten fand ich schon sher spannend. Wenn ich den Erläuterungen der Führungen und den Reaktionen der Zuhörer lauschte konnte ich oft nur mit dem Kopf schütteln. Man muß wohl, schon sehr tief in den Zirkeln drinstecken um da mitzukommen. Ganz ähnlich wird es aber wohl auch "Otto-Normal-Knipser" gehen wenn hier jemand nach Kaufberatung für D3400/D5600 fragt und ihm spätestens im 3. Psoting empfohlen wird: "Nimm lieber gleich die D500, sonst ärgerst Du dich hinterher eh nur". Ich kann mich nicht entsinnen auf einem der diversen Foren-Treffen, die ich besuchen durfte, jemals eine D3xxx gesehen zu haben und eine D5xxx höchstens in Händen der Tochter oder Gattin.

Klar, meine Beobachtungen waren rein statisitsch natürlich wertlos und nur auf einen einzigen Tag beschränkt, aber es wurde viel, sogar sehr viel fotografiert und gefühlt ärgerte sich niemand darüber keine D5/D500 dabei zu haben.


Das Einzige, was sich mit meinen Erwartungen deckte war, das die meisten der hochwertigen Spiegellosen (Sony A6xxx, A7) eher bei älteren Semestern (mit knapp 50 darf ich das schreiben ohne despektierlich zu sein) zu finden waren. Das könnten dann so Leute wie ich sein, die ja auch recht häufig hier im Forum unterwegs sind oder leider waren, die aufgrund "Altersgebrechen" der D-SLR in des Wortes tiefster Bedeutung den Rücken kehrten.

Die kleinen Kit-Zoom D-SLR traf ich recht häufig bei eher jungen Leuten an. Womöglich fiel bei denen die Entscheidung pro Einsteiger-D-SLR überhaupt nicht aufgrund der technischen Eigenschaften (EVF vs. OVF) sondern schlicht darüber, das eine D3300/D3400 mit Kitzoom nur einen Bruchteil von z. B. einer A6000 oder X-T10 kostet.

Das könnte auch die relativ hohe Anzahl der 1er J erklären. Ich bin mir grad nicht mehr sichter ob beim Wechsel von 3 auf 4, oder 4 auf 5 wurde der Vorgänger als Kit für 250,- versemmelt, da bekommt man ja keine gescheite Kompakte für.



Für mich viel wichtiger war aber eine im Grunde völlig banale Erkenntnis, die man einfach zu schnell selbst verdrängt. Bei aller Technik- und Equpmentverliebtheit kommt oft die Auseinandersetzung mit dem Motiv viel zu kurz. Bei den wenigen Fotos die ich gemacht habe bin ich oft mehrfach um das Objekt herumgeschlichen, habe quasi im Kopf das "framing" gemacht (allerdings nicht ohne das dann doch sicherheitshalber mit Kamera und Display mit der Realität abzugleichen) und jedes Foto, das ich gemacht habe "wollte" ich auch machen. Es war keines dabei, wo ich einfach mal draufhielt, um dann später am Rechner zu schauen, was man wohl damit anfangen könne.

Die Technik trat dabei eigentlich völlig in den Hintergrund, alle Fotos hätte ich auch mit dem grottenschlechten Kontrast-AF meiner D5300 machen können. Auch die -für meine Verhältnisse- extreme Beschränkung des Brennweitenbereichs, bzw. der oft nötige Einsatz des Turnschuhzooms tat mir selbst und meinen Fotos gut. Besonders der Herr mit der D800 und dem 28-300 erinnerte mich stark an meine "normalen" Fotogrfiergewohnheiten. Der stand oft an einer Stelle vor dem Objekt und nutzte die 28-300 auch leidlich aus. Mir bleib nichts anderes übrig, als mir zu überlegen mache ich eine Detailaufnahme, wenn ich nicht weit genug vom -zu großen- Objekt wegkonnte, oder lasse ich es gleich. Bei anderen Objekten kam ich für eine Detailaufnahme mit dem 50er nicht dicht genug ran. Tja Pech, dann konnte ich die Aufnahme halt nicht machen.

Klar die Mit-Forenten die oft oder nur mit FB lsoziehen werden nun müde lächeln, aber für mich war es schon eine "Überwindung" meine mit (KB) 25-400, bzw. 24-300mm Zooms bestückten Backup-Kameras zu Hause zu lassen. Normalerweise ist eine davon immer dabei.


Meine durchaus kunstinteressierte Frau empfand den Tag als reine Zeitverschwendung und auch bei mir wird die zweite documenta meine letzte sein, aber für mich war es doch ein recht schöner Tag, als ich am Abend die Fotos auf den Rechner zog und sie -bis auf eines, da hatte ich den AF blöderweise noch auf AF-C und sie pumpte und die ersten beiden waren auch noch eher uninspirierte Rumknipserei- alle genau so waren, wie ich das im Kopf und auf dem Display geplant hatte.
 
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Sorry, ich bin ja noch die Antwort auf Christians Frage nach der Internationalität schuldig.

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Genaueres läßt sich dazu natürlich schlecht sagen, dafür sehen wir Europäer und Nordamerikaner uns einfach zu ähnlich. Gefühlt (anhand der mitgehörten Spaziergänge) war die überwiegende Mehrheit schon Deutsch.

Asiaten waren auch da, allerdings nicht in den "typischen" Busladungsansammlungen, eher in kleineren (Familien)-Gruppen. Ein junges Mädel (ich schätze mal in den 20ern) war mir besonders aufgefallen. Die war offensichtlich allein unterwegs und fotografierte recht viel mit einer Sony A6xxx und dem 16-50er Kit. Allerdings machte die von jedem Motiv auch noch einen Nachschuß mit dem Handy, Ich tippe mal, um es sofort ins Internet zu schiessen.

Die Sony hat zwar auch W-Lan und allen TraLaLa, aber mit dem Handy ists dann wohl doch einfacher und schneller.
 
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