OK - es besteht, wie wir in einem parallelen Thread gelesen haben, Interesse an Portraitphotographie - dann gebe ich hier gern ein paar Tips, was sich mit einem Model und einem Fenster machen lässt. Die Idee ist, euch Lust zu machen, es selbst zu versuchen. Alle Aufnahmen entstanden bei Tageslicht und es wurde nirgendwo ein Aufhellblitz oder Deckenlicht oder Dergleichen dazugemischt. Ein Model, ein Fenster. Punkt.
1.) Fangen wir mal da an, wo ihr jetzt eher nicht hin wolltet: im Badezimmer
Bäder sind ziemlich coole Locations. Meist sind sie eher hell und die Wandkacheln lassen sich zu einem gleichmässigen Hintergrund verschmelzen. Ausserdem haben Badezimmer meist nur Fenster an einer Wand. Unsere Tochter Leoni steht hier in der Dusche, von rechts fällt Licht durch Glasbausteine, die wir als Duschwand haben. Den Duschvorhang habe ich nach links verschoben und ein wenig in die Dusche hinein gedreht. So wirkt er hier als (ausgesprochen effektiver) Reflektor. Erste Versuche haben mir schon auf dem Display gezeigt, dass das Licht links zu schnell absäuft; den Duschvorhang zu nehmen ging schneller, als einen "echten" Reflektor zu holen.
70 mm, f/2.8, 1/45 s, ISO 800. Aus der Hand (beim Auslösen ausatmen, nicht Luft anhalten. Dankt mir später). Es ist die schärfste Aufnahme einer Serie von acht oder zehn Belichtungen. Ich arbeite immer im "Burst Mode". Ja, die ganz grossen Photographen lösen nur einmal aus. Und wissen nicht, ob sie wirklich DEN Moment erwischt haben. Ich bin sicher, ich habe den Spiegel schön klappern lassen und zeige die beste Aufnahme der Serie.

2.) Frontales Fensterlicht (der Photograph steht mit dem Rücken zum Fenster)
Viel zu viel zu selten wird versucht, sich so aufzubauen. Ein Fenster offen, alle anderen Fenster habe ich geschlossen und die Jalousien herunter gelassen. Der Raum ist also im Zwielicht und wer genau hin sieht, kann im Hintergrund die Dartscheibe an der Wand erkennen. Der Trick ist, das Model so nah wie möglich ans Fenster zu bringen. Je mehr Licht auf das Model fällt, desto dunkler säuft der Hintergrund ab. Eigentlich ist das eine Lichtsituation, wie man sie oft im Studio aufbaut: grosse frontale Softbox und dunkler Hintergrund. Tatsächlich sind die Wände in diesem Raum sehr hell, dunkel wird der Hintergrund, weil das Model in sehr hellem Licht steht und ich deshalb knapp belichten kann - zu knapp für den tiefen Raum.
70 mm, f/2.8, 1/180 s, ISO 800. Schaut mal auf die Haare oder die Schultern - irre, wie schnell das Licht abfällt, oder?

3.) Am Fensterrahmen
Hier kann man ein komplettes Portfolio schiessen. Der mit Abstand interessanteste Ort, das beste Set für Portraits. Nah an der Lichtquelle (dem Fenster) ist der Kontrast (und der Lichtabfall) am stärksten
70 mm, f/2.8, 1/350 s, ISO 400 - knapp rechts ausserhalb des Bildes steht eine Haushaltsleiter über die ich ein weisses Bettlaken als Aufheller/Reflektor geworfen habe. Mein runder Silberreflektor war zu harsch, streute nicht breit genug.

50 mm, f/2, 1/500 s, ISO 800 - Ich habe den Vorhang vor dem Fenster weitestgehend geschlossen (es wird meist bei viel zu viel Licht photographiert). Hannah steht vor einem etwa 30 cm breiten Lichtspalt, den sie mit dem anderen Vorhang noch selbst schliessen kann

50 mm, f/1.4, 1/500, ISO 800 - gleiches Fenster, gleicher Tag, ich stehe sogar fast an der gleichen Stelle, schaue aber in die andere Richtung. Und der Vorhang ist auch wieder ziemlich zu ...

50 mm, f/2.8, 1/500 s, ISO 800 - Aya ist eine austrainierte Athletin, und das seitliche Streiflicht Am Fensterrahmen ist ideal, um ihren (oder jeden anderen) Körper zu modellieren. Weil der Raum Tiefe hat und hinten auch weiteres Licht einfällt, habe ich die Blende auf 2.8 geschlossen.

4.) Im Raum
Je weiter wir uns von der Lichtquelle entfernen, desto weicher fällt das Licht ab. desto gleichmässiger wird das Model beleuchtet
17 mm, f/3.5, 1/90 s, ISO 400 - Alice sitzt nicht zufällig da. Wir haben den Sessel genau dahin geschoben, wo das Licht am konzentriertesten hinfiel.

50 mm, f/1.4, 1/180 s, ISO 400 - relativ schwierige Situation: das Fensterlicht fällt schnell ab, der Rücken des Drehsessels ist glänzend weiss, die Flipperautomaten weiter hinten sind recht finster. Einfach trotzdem machen ;o)

50 mm, f/2, 1/500 s, ISO 800 - Olivia ist ein Model, dass mir nur schwer aus dem Kopf ging. Als wir miteinander gearbeitet haben, war sie gerade mit ihrem Master in Informatik fertig und begann kaum sechs Wochen später ein Physik-Studium ... sie steht vor einer weissen Wand, etwa zwei Meter von einem Raumhohen Fenster entfernt. Ideale Bedingungen für ein High-Key

50 mm, f/2, 1/500 s, ISO 400 - manchmal kommt es anders als gedacht. Ein starker Sonnenstrahl/Sonnenreflex fällt im Moment der Aufnahme durch das etwa 2 Meter links befindliche Fenster ....

5.) Gegenlicht
Ganz einfach, ganz interessant - und viel zu selten gemacht. Ich mag Aufnahmen bei Gegenlicht. Auf's Model belichten und dann gern noch ein bisschen mehr. Unterbelichten kann die Kamera von Allein - ich empfehle dringend einen Lichtwert als Zugabe.
85 mm, f/2, 1/180 s, ISO 400 - ich mag halt den Lichtsaum, der sich um die Haare und den Körper legt
50 mm, f/2, 1/750, ISO 800 - Khiara steht in einem Türrahmen zwischen zwei Räumen. Das stärkere Licht kommt von hinten, daher helle ich ihr Gesicht mit einem billigen Rundreflektor auf

50 mm, f/2, 1/500 s, ISO 400 - was man auf dem Bild jetzt nicht sieht: im Haus gegenüber ist aufgefallen, was wir so am Fenster getrieben haben und wir - genauer Sabrina - hatten johlende Fans

6.) JFF - Just For Fun
50 mm, f/3.3, 1/350 s, ISO 400 - einfach weil ich es für ein scharfes Portrait halte ;o)

70 mm, f/2.8, 1/500 s, ISO 1600 - mir gefallen die Grautöne .... überall in diesem Photo und besonders an Hemd und Fensterrahmen

70 mm, f/4, 1/350 s, ISO 2200 - zum Schluss noch ein Klassiker

Ich hoffe ich habe euch Lust gemacht, es selbst auszuprobieren. Küche, Wohnzimmer, Bad - irgendwo habt ihr ein Fenster, vor dem ihr arbeiten könnt. Bittet eure/n Mann, Frau, Freund/in, Sohn, Tochter oder Nachbar/in um eine Viertelstunde Model stehen und zeigt eure Aufnahmen hier. Idealerweise gleich mit der Bemerkung, zu welcher Themengruppe (1 bis 5) das Bild gehört.
Viel Spass
1.) Fangen wir mal da an, wo ihr jetzt eher nicht hin wolltet: im Badezimmer
Bäder sind ziemlich coole Locations. Meist sind sie eher hell und die Wandkacheln lassen sich zu einem gleichmässigen Hintergrund verschmelzen. Ausserdem haben Badezimmer meist nur Fenster an einer Wand. Unsere Tochter Leoni steht hier in der Dusche, von rechts fällt Licht durch Glasbausteine, die wir als Duschwand haben. Den Duschvorhang habe ich nach links verschoben und ein wenig in die Dusche hinein gedreht. So wirkt er hier als (ausgesprochen effektiver) Reflektor. Erste Versuche haben mir schon auf dem Display gezeigt, dass das Licht links zu schnell absäuft; den Duschvorhang zu nehmen ging schneller, als einen "echten" Reflektor zu holen.
70 mm, f/2.8, 1/45 s, ISO 800. Aus der Hand (beim Auslösen ausatmen, nicht Luft anhalten. Dankt mir später). Es ist die schärfste Aufnahme einer Serie von acht oder zehn Belichtungen. Ich arbeite immer im "Burst Mode". Ja, die ganz grossen Photographen lösen nur einmal aus. Und wissen nicht, ob sie wirklich DEN Moment erwischt haben. Ich bin sicher, ich habe den Spiegel schön klappern lassen und zeige die beste Aufnahme der Serie.

2.) Frontales Fensterlicht (der Photograph steht mit dem Rücken zum Fenster)
Viel zu viel zu selten wird versucht, sich so aufzubauen. Ein Fenster offen, alle anderen Fenster habe ich geschlossen und die Jalousien herunter gelassen. Der Raum ist also im Zwielicht und wer genau hin sieht, kann im Hintergrund die Dartscheibe an der Wand erkennen. Der Trick ist, das Model so nah wie möglich ans Fenster zu bringen. Je mehr Licht auf das Model fällt, desto dunkler säuft der Hintergrund ab. Eigentlich ist das eine Lichtsituation, wie man sie oft im Studio aufbaut: grosse frontale Softbox und dunkler Hintergrund. Tatsächlich sind die Wände in diesem Raum sehr hell, dunkel wird der Hintergrund, weil das Model in sehr hellem Licht steht und ich deshalb knapp belichten kann - zu knapp für den tiefen Raum.
70 mm, f/2.8, 1/180 s, ISO 800. Schaut mal auf die Haare oder die Schultern - irre, wie schnell das Licht abfällt, oder?

3.) Am Fensterrahmen
Hier kann man ein komplettes Portfolio schiessen. Der mit Abstand interessanteste Ort, das beste Set für Portraits. Nah an der Lichtquelle (dem Fenster) ist der Kontrast (und der Lichtabfall) am stärksten
70 mm, f/2.8, 1/350 s, ISO 400 - knapp rechts ausserhalb des Bildes steht eine Haushaltsleiter über die ich ein weisses Bettlaken als Aufheller/Reflektor geworfen habe. Mein runder Silberreflektor war zu harsch, streute nicht breit genug.

50 mm, f/2, 1/500 s, ISO 800 - Ich habe den Vorhang vor dem Fenster weitestgehend geschlossen (es wird meist bei viel zu viel Licht photographiert). Hannah steht vor einem etwa 30 cm breiten Lichtspalt, den sie mit dem anderen Vorhang noch selbst schliessen kann

50 mm, f/1.4, 1/500, ISO 800 - gleiches Fenster, gleicher Tag, ich stehe sogar fast an der gleichen Stelle, schaue aber in die andere Richtung. Und der Vorhang ist auch wieder ziemlich zu ...

50 mm, f/2.8, 1/500 s, ISO 800 - Aya ist eine austrainierte Athletin, und das seitliche Streiflicht Am Fensterrahmen ist ideal, um ihren (oder jeden anderen) Körper zu modellieren. Weil der Raum Tiefe hat und hinten auch weiteres Licht einfällt, habe ich die Blende auf 2.8 geschlossen.

4.) Im Raum
Je weiter wir uns von der Lichtquelle entfernen, desto weicher fällt das Licht ab. desto gleichmässiger wird das Model beleuchtet
17 mm, f/3.5, 1/90 s, ISO 400 - Alice sitzt nicht zufällig da. Wir haben den Sessel genau dahin geschoben, wo das Licht am konzentriertesten hinfiel.

50 mm, f/1.4, 1/180 s, ISO 400 - relativ schwierige Situation: das Fensterlicht fällt schnell ab, der Rücken des Drehsessels ist glänzend weiss, die Flipperautomaten weiter hinten sind recht finster. Einfach trotzdem machen ;o)

50 mm, f/2, 1/500 s, ISO 800 - Olivia ist ein Model, dass mir nur schwer aus dem Kopf ging. Als wir miteinander gearbeitet haben, war sie gerade mit ihrem Master in Informatik fertig und begann kaum sechs Wochen später ein Physik-Studium ... sie steht vor einer weissen Wand, etwa zwei Meter von einem Raumhohen Fenster entfernt. Ideale Bedingungen für ein High-Key

50 mm, f/2, 1/500 s, ISO 400 - manchmal kommt es anders als gedacht. Ein starker Sonnenstrahl/Sonnenreflex fällt im Moment der Aufnahme durch das etwa 2 Meter links befindliche Fenster ....

5.) Gegenlicht
Ganz einfach, ganz interessant - und viel zu selten gemacht. Ich mag Aufnahmen bei Gegenlicht. Auf's Model belichten und dann gern noch ein bisschen mehr. Unterbelichten kann die Kamera von Allein - ich empfehle dringend einen Lichtwert als Zugabe.
85 mm, f/2, 1/180 s, ISO 400 - ich mag halt den Lichtsaum, der sich um die Haare und den Körper legt
50 mm, f/2, 1/750, ISO 800 - Khiara steht in einem Türrahmen zwischen zwei Räumen. Das stärkere Licht kommt von hinten, daher helle ich ihr Gesicht mit einem billigen Rundreflektor auf

50 mm, f/2, 1/500 s, ISO 400 - was man auf dem Bild jetzt nicht sieht: im Haus gegenüber ist aufgefallen, was wir so am Fenster getrieben haben und wir - genauer Sabrina - hatten johlende Fans

6.) JFF - Just For Fun
50 mm, f/3.3, 1/350 s, ISO 400 - einfach weil ich es für ein scharfes Portrait halte ;o)

70 mm, f/2.8, 1/500 s, ISO 1600 - mir gefallen die Grautöne .... überall in diesem Photo und besonders an Hemd und Fensterrahmen

70 mm, f/4, 1/350 s, ISO 2200 - zum Schluss noch ein Klassiker

Ich hoffe ich habe euch Lust gemacht, es selbst auszuprobieren. Küche, Wohnzimmer, Bad - irgendwo habt ihr ein Fenster, vor dem ihr arbeiten könnt. Bittet eure/n Mann, Frau, Freund/in, Sohn, Tochter oder Nachbar/in um eine Viertelstunde Model stehen und zeigt eure Aufnahmen hier. Idealerweise gleich mit der Bemerkung, zu welcher Themengruppe (1 bis 5) das Bild gehört.
Viel Spass
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