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Am Canon RF 20–50mm F4L IS USM PZ zeigt DxO, wie unterschiedlich RAW-Konverter mit starker Verzeichnung umgehen​

20 Millimeter sind 20 Millimeter. Sollte man zumindest meinen. Oder? Etwas komplizierter wird es allerdings bei einem stark digital korrigierten Weitwinkelobjektiv: die Korrektur von Verzeichnung kann dazu führen, dass am Rand ein Teil des ursprünglich aufgenommenen Bildes verloren geht. Wie groß dieser Unterschied sein kann, zeigt DxO aktuell am Canon RF 20–50mm F4L IS USM PZ. Nach Messungen von DxO bleibt bei 20 mm mit einem DxO-Modul bis zu 14,6 Prozent mehr vom Bildfeld erhalten als bei der Entwicklung derselben RAW-Datei in Adobe Lightroom.

Canon RF 20–50mm bei 20 mm nach Objektivkorrektur mit DxO
DxO: Entwicklung der RAW-Datei bei 20 mm mit dem DxO-Modul. © Julien Cinquin, DxO


Canon RF 20–50mm bei 20 mm nach Objektivkorrektur mit Adobe Lightroom
Adobe Lightroom: Dieselbe RAW-Datei nach der Objektivkorrektur. Im direkten Vergleich ist der engere Bildausschnitt insbesondere an den Bildrändern zu erkennen. © Julien Cinquin, DxO

Dieselbe RAW-Datei, unterschiedlich korrigiert: Nach Angaben von DxO bleibt bei 20 mm mit dem DxO-Modul bis zu 14,6 Prozent mehr vom aufgenommenen Bildfeld erhalten als in Lightroom.

Warum eine Objektivkorrektur Bildfläche kostet​

Vor allem Weitwinkelobjektive können eine deutliche geometrische Verzeichnung aufweisen. Gerade Linien werden dann z.B. nach außen gewölbt dargestellt. Ein RAW-Konverter kann diese Verzeichnung korrigieren, indem er das Bild geometrisch entzerrt.

Dabei entsteht allerdings ein Problem: Durch das Verschieben und Strecken der Bildbereiche reicht das ursprüngliche Bild anschließend nicht mehr überall bis an die Kanten des neuen rechteckigen Bildes. Die Software muss deshalb entscheiden, welcher Bereich nach der Korrektur noch genutzt werden kann.

Wird anschließend so beschnitten, dass keine leeren Randbereiche übrigbleiben, geht zwangsläufig etwas vom ursprünglich aufgenommenen Bildfeld verloren.

Das Prinzip gibt es auch in Lightroom. Adobe beschreibt für seine Objektivkorrektur Profile, die anhand der verwendeten Kamera und des Objektivs ausgewählt werden und unter anderem Verzeichnung und Vignettierung korrigieren. Bei geometrischen Korrekturen sorgt die Funktion „Zuschnitt beschränken“ dafür, dass Bereiche außerhalb der nutzbaren Bildfläche nicht im fertigen Bild erscheinen.

Wie viel muss abgeschnitten werden?​

Hier setzt der aktuelle Vergleich von DxO an. Die DxO-Module basieren auf Labormessungen konkreter Kamera-Objektiv-Kombinationen. Dabei werden unter anderem Verzeichnung, Vignettierung, chromatische Aberration und Schärfeverteilung erfasst.

Beim Canon RF 20–50mm F4L IS USM PZ berücksichtigt DxO nach eigenen Angaben Messungen über unterschiedliche Brennweiten, Blenden und Fokusdistanzen. Dadurch soll die Software genauer bestimmen können, wo die tatsächlich noch nutzbare Bildfläche endet.

Hinzu kommt bei starken Weitwinkelkonstruktionen die mechanische Vignettierung: In den äußersten Bereichen kann die Konstruktion des Objektivs selbst beginnen, das Bild abzuschatten. Auch diese Bereiche können nach der geometrischen Korrektur darüber entscheiden, wie weit ein RAW-Konverter das Bild beschneiden muss.

DxO kommt bei seinem Vergleich zu einem deutlich sichtbaren Unterschied: Bei 20 mm sollen mit dem eigenen Modul bis zu 14,6 Prozent mehr der aufgenommenen Szene erhalten bleiben als in Lightroom.

Warum das gerade bei Ultraweitwinkel interessant ist​

Ein paar Prozent Beschnitt fallen bei vielen Motiven kaum auf. Bei einem 20-mm-Weitwinkel kann das deutlich anders sein. Außerdem entscheiden wir uns ja gerade wegen des großen Bildwinkels für eine solche Brennweite – wer mag davon am Ende schon etwas einbüßen? Bei Architektur, Innenräumen oder Landschaftsaufnahmen kann ein zusätzlicher Beschnitt darüber entscheiden, ob ein Motivteil noch vollständig im Bild bleibt.

Das Beispiel zeigt deshalb auch etwas Grundsätzlicheres: Das Bildfeld, das der Sensor ursprünglich aufgenommen hat, muss nicht exakt dem entsprechen, was nach Objektivkorrektur und automatischem Beschnitt im fertigen Bild übrigbleibt. Und: Zwei RAW-Konverter können aus derselben Aufnahme durchaus unterschiedliche Ergebnisse erzeugen.

DxO erweitert gleichzeitig die Objektivunterstützung​

DxO erweitert die Unterstützung um 271 neue Kamera-Objektiv-Module

Der Vergleich ist Teil des aktuellen August-Updates der DxO-Module. Neu unterstützt werden unter anderem die Sony RX10 V und die DJI Osmo Pocket 4. Bei den Objektiven kommen unter anderem das Samyang AF 60–180mm F2.8 FE, das Sigma 300–600mm F4 DG OS S sowie mehrere Leica-M-Objektive hinzu. Insgesamt umfasst der DxO-Katalog nach Herstellerangaben inzwischen mehr als 116.000 Kamera-Objektiv-Kombinationen. Die neuen Module stehen für aktuelle Versionen von DxO PhotoLab, PureRAW, FilmPack und ViewPoint zur Verfügung.

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Welche Rolle spielt die RAW-Software überhaupt?​

Objektivkorrekturen sind nur ein Teil dessen, was während der RAW-Entwicklung passiert. Rauschreduzierung, Schärfung, Farbverarbeitung und die Organisation der eigenen Bilder werden je nach Software ganz unterschiedlich gelöst.

Wenn ihr wissen möchtet, wo sich Lightroom, DxO PhotoLab, Excire und andere Programme im fotografischen Workflow einordnen, findet ihr hier unseren ausführlichen Überblick:

👉 Lightroom, Excire, DxO & Co.: Welche Software übernimmt welche Aufgabe?

Bildnachweis: ©Julien Cinquin, DxO
 
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