Ist das "in der Praxis" auch so?
Die diesbezüglich mit den Mitteln der Psychophysik gewonnenen Erkenntnisse legen es nahe, dass die Resultate einer mathematischen Gewichtung der Modulationsübertragungsfunktion (MTF) mit den Werten der Kontrastempfindlichkeitsfunktion unserer visuellen Wahrnehmung (CSF) in einem statistisch signifikanten Zusammenhang mit dem subjektiven Wahrnehmungseindruck „scharf, schärfer, am schärfsten“ stehen.
In der Psychophysik ist nun die Maßeinheit, in der man „scharf, schärfer, am schärfsten“ misst und ausdrückt, die Maßeinheit JND (Just Noticeable Difference). Ein solcher subjektiv gerade so eben wahrnehmbarer Unterschied ist in der Psychophysik nun so definiert, dass er bei 100 (Forced-Choice) Versuchen 75-mal als wahrgenommen angegeben wird. Dies liegt daran, dass man bei reiner Raterei der Versuchspersonen erwarten würde, dass bei 100 Versuchen der Unterschied nur 50-mal als wahrgenommen angegeben würde.
So lassen sich also vom Grundsatz her tatsächlich aus MTF und CSF statistisch signifikante Vorhersagen darüber herleiten, ob und gegebenenfalls um wie viele JND schärfer/unschärfer die mit dem Gesamtsystem A aufgenommenen Fotos im Vergleich zu dem mit dem Gesamtsystem B aufgenommenen Fotos wahrgenommen werden.
Die Krux dabei ist jedoch die, dass die CSF, mit der die MTF gewichtet wird, vom Sehwinkel abhängig ist, unter welchem das jeweilige Foto betrachtet wird. Denn die Ortsfrequenz der CSF ist eine, die nicht in Perioden (Linienpaaren) pro mm oder Bildhöhe etc. ausgedrückt wird, wie die MTF, sondern in Perioden pro 1° Sehwinkel.
Insofern basiert also jede aus der CSF abgeleitete Vorhersage bezüglich quantitiver Unterschiede des subjektiven Schärfeeindrucks auf einer (oder mehreren) Annahme

zum Betrachtungsabstand und zum Format des betrachteten Fotos, aus denen sich der Betrachtungswinkel ergibt. Und nur für diesen Betrachtungswinkel gelten dann die Ergebnisse.
Außerdem kann die CSF verschiedener Personen auch höchst unterschiedlich ausfallen und sie ist auch von weiteren Faktoren, wie zum Beispiel den bei der Bildbetrachtung herrschenden Beleuchtungsverhältnissen und der jeweiligen MTF des jeweiligen Druckers/Displays, abhängig.
Den von DxO veröffentlichten Ergebnissen für „Sharpness“ und „Acutance“ liegen also durchaus vom Grundsatz her nachvollziehbare Überlegungen zugrunde.
Eine Vorhersage in Bezug auf die subjektiven Schärfeeindruck eines einzelnen bestimmten Betrachters, der ein bestimmtes Foto bei bestimmten Beleuchtungsverhältnissen und unter einem bestimmten Sehwinkel etc. betrachtet, lässt sich aus diesen von DxO veröffentlichten Ergebnissen hingegen nicht herleiten.
Dies vorausgeschickt, hier nun einige Links mit Erläuterungen zum Zustandekommen und der Interpretation dieser von DxO veröffentlichten Ergebnisse:
Einige Erläuterungen von DxO:
http://www.dxomark.com/Reviews/Look...r-DxOMark-s-Perceptual-Megapixel-can-help-you
Zitat daraus:
DxOMark’s new Perceptual MPix measurements are based on acutance and human contrast sensitivity function (CSF) published in recently-released image quality standards from the International Standards Organization (ISO) and the International Imaging Industry Association (I3A). A member of the working groups involved in image quality, DxO Labs has been working diligently with giants in the digital imaging industry such as AMD, Nokia, Kodak, Nvidia, Fujifilm, HP, RIM, Intel, Microsoft, Google, and others
Die Mathematik zu diesem Thema findet man daher bei Interesse in der 12-seitigen Publikation “Development of the I3A CPIQ spatial metrics“, die bei dem folgendem Link zum kostenlosen Download bereitsteht:
http://www.dxo.com/us/image-quality-evaluation/scientific-publications
Auszug aus der Einleitung zu dieser Publikation:
... a set of subjectively correlated image quality metrics has been developed. This paper describes the development of a specific group within this set of metrics, the spatial metrics. Contained in this group are the edge acutance, visual noise and texture acutance metrics. A common feature is that they are all dependent on the spatial content of the specific scene being analyzed. Therefore, the measurement results of the metrics are weighted by a contrast sensitivity function (CSF) and, thus, the conditions under which a particular image is viewed must be specified. This leads to the establishment of a common framework consisting of three components shared by all spatial metrics. First, the RGB image is transformed to a color opponent space, separating the luminance channel from two chrominance channels. Second, associated with this color space are three contrast sensitivity functions for each individual opponent channel. Finally, the specific viewing conditions, comprising both digital displays as well as printouts, are supported through two distinct MTFs.
Weiter Erläuterungen von DxO (auch zum Thema D800 vs. D800E):
http://www.dxomark.com/About/Lens-scores/Metric-Scores
http://www.dxomark.com/About/Lens-scores
http://www.dxomark.com/Reviews/DxOMark-Score
http://www.dxomark.com/Reviews/Best...er-measured/Sharpness-analysis-D800E-vs.-D800
Erläuterungen zum Thema "Acutance" von Imatest:
http://www.imatest.com/docs/sqf/
Erläuterungen zu den von DxO veröffentlichten Acutance-Pofiles von mir:
http://www.nikon-fotografie.de/vbulletin/2465990-post69.html