Interessanter "Nebenkriegsschauplatz", aber einer, der m.E. nach weniger relevant ist, als das Thema KI allgemein. Seien wir doch mal ehrlich: Die meisten Menschen sind doch heute schon nicht in der Lage, die gezeigten Tiere mehr als grob einzuordnen. Wenn ein Kind von 10 Jahren alle Tiere einigermaßen benennen kann, ohne die Untergattung zu benennen, dann ist es in der Allgemeinbildung schon ganz weit vorne. Da mache ich mir als Vater von Kids im Alter von 10 sowie 13 Jahren ganz große Sorgen um die generellen Auswirkungen der KI - und die Lehrer, mit denen ich mich darüber austausche, sehen das ziemlich genauso.
KI wird in Teilbereichen Fotobusiness vernichten, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. In der Naturwissenschaft wird sich das befürchtete Problem ganz schnell durch die fortschreitende Qualität der KI-Bilder entschärfen. Ausserdem sollte ein Hinweispflicht besonders in Fachpublikationen schnell für Ordnung sorgen. Soweit kein Problem. In manchen Branchen befürworte ich KI sogar. Auch wenn's Heidi Klum wilder Truppe nicht gefällt: Wenn diese "Jobs"durch KI wegfallen, ist das volkswirtschaftlich unerheblich. Wenn sich aber Traum von der Model-Karriere für viele junge Mädels erledigt, dürften damit manche Bulimie-Erkrankungen und Depressionen erspart bleiben. Wobei der Fummel ja immer noch live auf den Laufsteg muss... ganz platt geht die Branche vermutlich nicht.
Ich werde demnächst KI für Bilder nutzen, an die ich so nicht drankomme. Als Facherrichter für Alarmsysteme (meinem eigentlichen Beruf neben der bildjournalistischen Arbeit) kriege ich seit Jahren keine vernünftigen Werbematerialien zusammen, weil mir aussagekräftige Fotos fehlen. Das ist ein großes Problem, weil die Arbeit natürlich sehr diskret ist. Kein Problem ist das für Sat-Anlagen oder Telefontechnik, aber eben für Alarmanlagen. Die Bilder, die die Hersteller einfach nicht auf die Kette kriegen (und ich als kleiner Handwerker noch viel weniger) bastele ich demnächst mit KI.
Letztlich lässt sich bei Fotos mit Kennzeichnungspflichten viel entschärfen. Fotomontagen hat es schon immer gegeben, die sind heute nun eben weit ausgefeilter und leichter verfügbar. Wir werden damit leben müssen. Mehr Sorgen macht mir das beim Allgemeinwissen und vor alle dem beim Lernen. KI kann richtig eingesetzt extrem nützlich sein, weil Wissen blitzschnell gebündelt präsentiert wird. Wer dabei faul wird, bleibt doof. Wer das als mächtiges Lern-Instrument sieht, um sich weiterzuentwickeln, profitiert davon. Fakt ist aber in den meisten Berufen: Nur wer einen Fachbereich von der Pike auf lernt, bekommt den vollen Durchblick. Eine KI kann in Nullkommanix die gesamte SPS-Steuerung einer Fertigungsanlage programmieren. Vielleicht nicht heute, aber bald. Wer sich darauf verlässt, kann die Anlage vielleicht bauen. Aber nur der erfahrene Techniker, der noch mit dem Lötkolben gelernt hat, kennt seine Maschine und findet mit ein paar Handgriffen und langer Erfahrung den Kabelbruch oder gestörten Sensor. Leider ist die heutige Jugend eher so semi motiviert, sich das entsprechende Wissen anzueignen. Wenn ich mir meine Kids und ihre Kumpels so ansehe, zweifele ich an jeder Einzahlung in die Rentenkasse.