TJA schrieb:
Ich wuerde den Zusammenhang ja auch einfach nur gerne verstehen
Tatsächlich besteht ein einfacher linearer Zusammenhang zwischen Brennweite, Blickwinkel und Chipgröße. Ein Objektiv mit Xmm Brennweite erzeugt auf einem Chip mit dem Crop-Faktor Y genau dann den gleichen Bildausschnitt (Bildwinkel), wenn die Brennweite X/Crop-Faktor ist.
50mm auf KB Film erfordern also 50/1.5=33mm Brennweite an einem Chip mit Crop-Faktor 1.5 (Nikon), der 50/1.6=31mm an einem Chip mit Faktor 1.6 (Canon) um die gleiche Abbildungs-Geometrie zu erzeugen.
Warum sich bei KB Film das 50er gegenüber dem 45er oder dem 55er durchgesetzt hat liegt nicht an dem dramatisch "natürlicherem" Bild, sondern eher daran, dass bei ~50mm mit den verfügbaren Glassorten ein Optimum an Leistung/Kosten ein Objektiv herstellbar war, das in den "neutralen" Bereich fällt.
Die gleichen Überlegungen gelten für "das neue Normalobjektiv" an Kameras mit Crop Faktor. Die Objektiv Hersteller müssen ein Objektiv konstruieren, das in den veränderten "Neutral-Bereich" fällt, ansprechende optische Qualität liefert, mit den verfügbaren Glassorten produzierbar ist und einen Preis erzielt, der konkurrenzfähig ist. Bei Marken neutralen Herstellern wie
Sigma, Tamron oder Tokina sollte das Ergebnis auf möglichst vielen Kameramodellen unterschiedlicher Hersteller mit unterschiedlichen Crop-Faktoren passen.
Dass bei Sigma ein 30mm daraus geworden ist anstelle eines 33 oder 31mm, daran waren sicher ebenso viele ökonomische wie technische Gründe verantwortlich. Möglicherweise hat dazu auch beigetragen, dass 30 so eine schöne, runde Zahl ist. 50 an der Film Kamera, 30 an der DSLR. Leicht zu merken.
Wer weiß, vielleicht sind es in Wirklichkeit sowieso 30.7mm oder irgendwas krummes. mir ist nicht bekannt, dass das mal jemand nachgemessen hätte.
Bei der Konstruktion eines optischen Systems sind viele verschiedene Parameter beteiligt, die sich gegenseitig behindern. Da kann es leicht sein, dass die ursprünglich vielleicht angepeilten 33mm bei einer Optik mit f/1.4 zwei zusätzliche Linsen erfordert hätten oder eine stärkere Verzerrung ergeben, alternativ eine Verschlechterung der Schärfe bei Offenblende, eine größere Naheinstellgrenze, eine empfindlichere Glassorte als Frontlinse, ...
Es hat einen Grund, warum gute Linsen Designs sich Jahrzehnte lang halten und nicht wie Computer kontinuierlich verbessert werden. Neue Entwicklungen in der Optik erfordern meist radikale Änderungen um geringfügige Verbesserungen zu erzielen.
Sigma hat mit dem 30/1.4 den Eröffnungs Zug gemacht und die Latte gelegt an der sich die anderen messen müssen. Wenn dafür ein Markt existiert, werden die anderen wohl nachziehen müssen. Ob und wie sie das machen, wird die Zukunft zeigen. Kann sein, dass das 30mm Objektiv in ein paar Jahren eine Kuriosität ist, weil alle anderen 33mm Objektive bauen.