Hallo Werner,
ich denke mal, dass es auch sehr darauf ankommt, "aus welcher Fotografie-Vergangenheit" man stammt. Jemand, der lange Jahre, vielleicht sogar auch noch intensiv, Dias fotografiert hat und tolle Projektionsmöglichkeiten sein eigen nennt, wird sich erstmal schwer für (jetzt verfügbare und preislich interessante) Beamer begeistern können.
Jemand, der "sein/ihr" Vergnügen aus der Dunkelkammer- Laborarbeit ziehen kann, mag sich vielleicht nicht mit der Photoshop-Schiene anfreunden.
Manch einer hat sich sicher mit seinen Gewohnheiten einen "Workflow" mit vorhersehbaren Ergebnissen zugelegt, den er nun nicht schon wieder mit neuen Umgebungen ersetzen will. Dazu gab es vor einigen Wochen/Monaten hier im Forum einen interessanten Artikel, ich finde ihn jetzt allerdings nicht ad hoc. Darin ging es um das Thema selbst drucken versus Fachlabor.
Eine ganze Reihe "heutiger" digital hantierender, oft auch junger Fotografen, ich beschränke es allerdings auf diejenigen mit DSLR, kommen aber eher schon aus der technisch interessierten und vor allen Dingen technisch versierten Ecke. ich brauche bloss meinen jüngeren Sohn angucken, der mit seinen 18 Jahren mittlerweile in der EDV so firm ist, wie ich es wahrscheinlich gar nicht mehr werde, obwohl sie eins meiner beruflichen Aufgabengebiete ist.
Hierbei beobachte ich manchmal etwas befremdlich, wie sich das Hobby darstellt. Siehe einige Beiträge im Forum: "Habe mir jetzt endlich die DXXX zugelebt! Wahnsinnsteil! Welches Objektiv empfehlt Ihr?" "Wie geht man eigentlich mit der Blende um?" - Soll jetzt natürlich nicht heißen, dass man sich irgendwie "hocharbeiten" muss, aber es fehlt mir manchmal der Bezug zur Fotografie (OK, auch zur Knipserei...) an sich. Über die Technik haben wir vor 30-35 jahren auch Diskussionen geführt, erst war es Arbeits- gegen Offenblendmessung, dann Blenden- gegen Zeitautomatik usw. Aber das waren kleine, wenige Punkte, die Wahl war lange nicht so groß wie heute, das Zeigen der Ergebnisse hatte absoluten Vorrang.
Und irgendwie fehlt mir das bei den "Digitalen" heute etwas, die technischen Aspekte werden bis zum kleinsten Pixel ausdiskutiert, und das zu Geräten, die noch nicht lieferbar sind. Irgendwie fühle ich mich eher zu den "Analogen" hingezogen, es geht öfter und ausführlicher um das Foto als um die Technik.
Auch hier möchte ich einen Beitrag hier im Forum verweisen:
http://www.nikon-fotografie.de/vbulletin/showthread.php?t=43220 .
Ich nutze sehr gern meine DSLR sowie die Hemdtaschen-Digi mit allen ihren Vorteilen, ich freue mich aber auch mächtig darüber, wenn ich meine Diafilme abhole und sehe, dass sie nicht nur "was geworden sind" sondern auch darüber, dass sie so geworden sind, wie ich es mir vorgestellt habe. Und dazu schalte ich meist sämtliche Automatiken bis auf den nicht anders verfügbaren Filmtransport aus. Es zwingt mich mehr zur Ruhe, und das ist etwas, was ich durch meine Art der Fotografie/Knipserei für mich haben möchte.
edit, da ich gerade Krischans Beitrag gelesen habe: Alles, was ich geschrieben habe, bezieht sich auf Hobby-/Amateurfotografen, jemand, der einen finanziellen Nutzen aus der Fotografie zieht, kann an der digitalen Schiene eigentlich nur vorbeigehen, wenn es ein Norbert Rosing oder Michael Martin ist. Es gibt eher keinen Grund mehr, Pferde einzuspannen, wenn nebenan der Mercedes Sprinter steht.