Der Countdown für Immerath läuft unaufhaltsam – Garzweiler 2 rückt immer näher

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AngelikaP

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Angeregt durch Michaels Thread habe ich meinen Weihnachtsausflug genutzt, um mich in Immerath (Ortsteil von Erkelenz) und dessen Umgebung umzusehen.
Für den Abbau der rheinischen Braunkohle westlich von Köln werden offenbar keinerlei Kosten und Mühen gescheut. Für die Erschaffung von Mondlandschaften werden sogar Autobahnteilstücke verlegt und eben auch Dörfer wie Immerath umgesiedelt.

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Die Dimensionen dieses Männerspielplatzes kommen wahrscheinlich durch meine Fotos nicht wirklich rüber. Kleiner Anhaltspunkt: Das Schaufelrad des nachfolgenden Baggers hat einen Durchmesser von 22 m, das entspricht etwa der Höhe eines siebenstöckigen Hauses.

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Spätestens 2018 wird es dort aussehen, als habe es (Alt-)Immerath nie gegeben.

Momentan sind noch acht Häuser bewohnt. Bei den meisten geräumten Häusern sind Fenster und Türen gegen unerwünschte Eindringlinge so gut wie möglich geschützt. Ein Sicherheitsdienst fährt dort tagsüber permanent Patrouille. Mir wurde aber geraten, mich spätestens bei Anbruch der Dunkelheit wieder aus dem Dorf zu entfernen. Oft versuchen nächtliche Besucher, in die leeren Häuser einzudringen bzw. nach verwertbarem Material zu suchen. Auch für die verbliebenen Bewohner ist das alles andere als heimelig.

Aber für manchen Haus- und Grundbesitz ist es halt auch besonders schwierig bzw. ja eigentlich unmöglich, passenden Ersatz zu finden.

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Auch der Umzug eines landwirtschaftlichen Betriebes ist sicherlich alles andere als einfach. Dieser steht übrigens eigentlich unter Denkmalschutz. Ich hätte dort noch Cilena- oder Secura-Kartoffeln kaufen können.

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Geschäfte oder Institutionen können sich in Immerath schon seit einigen Jahren nicht mehr halten, die Umsiedelei läuft immerhin schon seit 2006.
Über dem Eingang des Ladens auf dem nächsten Bild hing ursprünglich eine Agfa Foto-Leuchtreklame, die hoffentlich nicht irgendwelchen Vandalen, sondern einem Liebhaber unseres Hobbys in die Hände gefallen ist.

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Die Beleuchtung des Parkplatzes für die Bankkunden hat sich erübrigt.

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Der Busbahnhof liegt zwar meistens menschenleer in der Ortsmitte, der Bus fährt aber immerhin noch mehrmals am Tag.

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Ein Schulbus ist dagegen sicher nicht mehr unterwegs, auch der Kindergarten ist geräumt. Der Bär war bestimmt nicht immer lieb und wurde mit kindlicher Konsequenz seinem Schicksal überlassen.

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Der Müll wird noch ordnungsgemäß abtransportiert.

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Auch ein Postauto habe ich gesehen. Ob der ehemalige Besitzer dieses Briefkastens sich dort noch über Post freut, schien mir allerdings fraglich.

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Und immer wieder sah ich den Sicherheitsdienst, der dort mit einem kleinen Auto seine Runden drehte.

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Aus der Ferne ist ständig das Rumoren des Tagebaus zu hören. Ansonsten war es dort wie erwartet sehr still, als ich durchs Dorf ging.
Die Verstorbenen wurden zum größten Teil bereits umgebettet, einige wenige harren noch aus oder werden eliminiert, wenn die Bagger Immerath in die Vergangenheit befördern.

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Der Friedhof von Neu-Immerath ist ebenfalls komplett ummauert.

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Faellt uns wirklich nichts besseres ein?

Naja, schon - bald wird doch alles grün. ;) Im Zuge des Atomausstiegs steht weniger gelber Strom zur Verfügung, auf das Gas der Russen ist kein Verlass und bis zur "Energiewende" muss eben etwas anders herhalten.

Finde den Bericht allerdings auch verstörend, ich hätte ebenfalls nicht gedacht, dass in dieser Zeit noch Dörfer für Kohle plattgemacht werden. Hier im Leipziger Raum sind die alten Tagebauten zugewachsen bzw. haben sich in wunderschöne Seen gewandelt...
 
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Angeregt durch Michaels Thread habe ich meinen Weihnachtsausflug genutzt, um mich in Immerath (Ortsteil von Erkelenz) und dessen Umgebung umzusehen.
Für den Abbau der rheinischen Braunkohle westlich von Köln werden offenbar keinerlei Kosten und Mühen gescheut. Für die Erschaffung von Mondlandschaften werden sogar Autobahnteilstücke verlegt und eben auch Dörfer wie Immerath umgesiedelt.

Ach wie niedlich. Du müsstest mal Urlaub in der Niederlausitz rund um Cottbus machen.
Dort sind die richtigen Männerspielplätze. Deine Fotos oben sind übrigens toll.

Angenehmen Rest vom Jahr
Herbert
 
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Oft muss man genau hinsehen, um zu sehen, ob ein Haus bereits geräumt ist oder noch bewohnt wird und je nach Perspektive könnte man auch denken, gerade an einem irgendwie verschlafenen Tag unterwegs zu sein.

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Das Haus auf dem nächsten Foto machte z. B. auch einen geleerten Eindruck, die Katzennäpfe vor der Haustür waren allerdings frisch befüllt.

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Hallo Angelika!

Furchtbar! Nicht mal vor solchen "Antiquitäten" hat man Respekt!

Ich habe nie verstanden, und verstehe es heute immer noch nicht, wieso man nicht einfach um die Dörfer herum baggert. Es ist doch noch genug Kohle drum herum im Boden! :confused:

Um die Braunkohle abzubaggern muss mit riesigem Aufwand das Grundwasser abgepumpt
werden. Wenn man das Abpumpen einstellt, laufen die Löcher voll und verwandeln sich in Seen. Die Dörfer lägen dann auf einer Insel...
Beispiele für die Seenbildung findet man auch bei Senftenberg.
Eben gerade bei Wikipedia gelernt: Man nennt das Verfahren Devastierung – auch Devastation.

Viele Grüße
Herbert
 
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Nach meinem Ausflug habe ich auch kreuz und quer gegoogelt - und ja, das Thema ist mehr als komplex!

Ich möchte mir nichtmals vorstellen müssen, wie schwierig und langwierig und lästig für jeden einzelnen Umsiedler die Verhandlungen mit Rheinbraun gewesen sind bzw. noch sind und dabei trotz der emotionalen Belastung am besten einen kühlen Kopf zu bewahren. Abgesehen davon, dass „Dinge“ zurückgelassen werden mussten, die mit Geld nicht ausgleichbar sind, finde ich besonders speziell dabei, dass Rheinbraun ja für viele Umsiedler auch Arbeitgeber war und ist.
Aber sicherlich waren auch etliche froh, ein altes gegen ein neues Gebäude tauschen zu können, und empfinden die Umsiedlung als Verbesserung ihrer Lebenssituation.

Einige neuere Bauten, die am Ortsrand standen, sind bereits dem Erdboden gleich gemacht. Die Gärtnerei, die Michael noch fotografiert hatte, ist inzwischen übrigens ebenfalls beseitigt.

Diese noch recht neu aussehenden Häuser stehen am Ortsausgang, der zum Bahnhof führte:

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Neben dem Bahnhof, der schon vor langer Zeit ausrangiert wurde, steht die vor ca. 400 Jahren erbaute Immerather Windmühle, sie ist seit 1936 außer Betrieb. Auch sie wird nicht verschont bleiben, eine Kopie wird vielleicht in Neu-Immerath aufgebaut mit Teilen des alten Bauwerkes, ein Heimatmuseum soll dann u. U. darin untergebracht werden.

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Auf dem Schlussbild dieses Threads sind die neuen Blöcke eines der nahegelegenen Braunkohle-Heizkraftwerke zu sehen: Neurath.
Sie profitieren vom geplanten Ausstieg aus der Atomenergie und warten auf Auslastung durch die Kohle, die noch unter Immerath und anderen Orten liegt. Garzweiler 2 soll noch 30 Jahre lang abgebaut und die Rekultivierung in diesem Jahrhundert abgeschlossen werden. Wie Heinz schon geschrieben hat, soll die Stelle, wo jetzt noch Immerath ist, dann geflutet sein.


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Gruß,
Angelika
 
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Eine beklemmende Geschichte mit beklemmenden Bildern. Zum leidigen Thema kann ich nichts sagen, aber deine fotografische Umsetzung der Situation finde ich sehr einnehmend und berührend, Angelika...:up::up::up:
 
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Auf dem Schlussbild dieses Threads sind die neuen Blöcke eines der nahegelegenen Braunkohle-Heizkraftwerke zu sehen: Neurath.
Sie profitieren vom geplanten Ausstieg aus der Atomenergie und warten auf Auslastung durch die Kohle, die noch unter Immerath und anderen Orten liegt. Garzweiler 2 soll noch 30 Jahre lang abgebaut und die Rekultivierung in diesem Jahrhundert abgeschlossen werden. Wie Heinz schon geschrieben hat, soll die Stelle, wo jetzt noch Immerath ist, dann geflutet sein.

Gruß,
Angelika

Liebe Angelika,

Ohne Deinen einfühlsamen Thread zerstören oder politisieren zu wollen: Neurath profitiert nicht vom Atomausstieg und es ist auch kein Heizkraftwerk. Die Kraftwerke warten auch nicht auf die Auslastung durch die Kohle.


Tolle Bilder, Angelika, die eine bedrückende Atmosphäre ausstrahlen.

Und auf diesen Gedanken bin ich auch gekommen:

Vor allem, wenn ich mir Bild #4 anschaue, wo der Gegensatz sehr schön sichtbar wird. Hier der Tagebau und im Hintergrund die grüne Energie ...

Wenn die "grüne" Energie auch nur annähernd in der Lage wäre unsere Energieversorgung zu gewährleisten, dann gäbe es diese Diskussionen nicht mehr. Aber weder Windkraft, Wasserkraft und erst recht die Solarenergie werden in naher Zukunft dazu in der Lage sein.

@All: Ich kann diese schmerzlichen Empfindungen der umgesiedelten Menschen sehr gut nachvollziehen. Auch meine Familie wurde damals umgesiedelt. Aber 90% der Diskussionen, denen ich mich einmal gestellt habe (ich habe es aufgegeben) wurden durch absolutes Halbwissen der Diskutanten ad acta gelegt. Fossile Energieerzeugung ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Man muss mit Hochdruck an Lösungen arbeiten. Allerdings wird es realistisch gesehen noch Jahrzehnte dauern. Eine sofortige Einstellung der Braunkohleförderung würde uns innerhalb 1 Woche in die Steinzeit katapultieren.

Damit möchte ich mich aktiv aus dem Thread wieder ausklinken und bitte die anderen Foristi, Angelikas Thread jetzt nicht zu zerstören.

[MENTION=15596]AngelikaP[/MENTION]:

Ich bitte meinen Einwurf zu Entschuldigen :pray:
 
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