Das Foto-Paradoxon

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Moin,
kommt mir persönlich nicht bekannt vor. Meine Lösung: Von 1000 Bildern einer Themenserie sind ca. 200 Bilder "gut", gefallen mir also aus Gründen auch immer sehr, haben ggf. Seltenheitswert. Der Rest kann in den Müll. Und diese Bilder werden in komplexen Diashows à max. 50 Minuten zusammengefasst. Angeschaut werden die Werke über einen Luxus-TV.
 
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peterkdos kommentierte
Was ist ein Luxus-TV?

Eine riesige Diagonale mit OLED und xxx K Auflösung?

Keine Haptik eines Fotopapiers, ohne Tonabstufungen nur Schärfe und Glanz.

Das Ganze, na sagen wir mal aus 5 m betrachtet.

Das ist zwar subjektiv, aber so wird es nicht zum Foto.
 
Das mag so sein, aber wenn ich mir meine Fotos der letzten Jahre anschaue, so spielen sie bei meinen Erinnerungen sehr wohl eine Rolle. Das betrifft insbesondere die Fotos von unseren Reisen, die mehr als nur Pool- und Strandurlaube waren. Allein bei der Nachbearbeitung war ich nochmal da, und so geht mir das immer noch, wenn ich durchschaue. Vielleicht hängt das auch genau mit dem aktiven Fotografieren zusammen, d.h. ich knipse nicht einfach ein paar Urlaubsbildchen, sondern bearbeite die Fotos nachher als Erinnerungen.
 
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Ich reise immer wieder neu an den Ort, wenn ich selbst nach Jahren die Bilder nochmal ansehe. Das sind meine Blickwinkel (manche logischerweise sehr ähnlich zu tausenden anderen), und es kommen meine Erinnerungen hoch. Also: nein.
 
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Es gibt real nur ca. 20 Bilder der letzten gut 50 Jahre, die ich mir auch ohne Ansicht in Erinnerung rufen kann. Das waren die persönlich besonders ansprechenden Bilder.

Dann gibt es Aufnahmen, die mich beim Ansehen zu den Momenten zurück bringen, die ich einmal erlebt habe und die mich somit wieder erreichen. Auch sind sie gelegentlich die Möglichkeit, ein Erlebnis zeitlich zuordnen zu. können.

Statt des Foto-Paradoxon habe ich schon vor längerer Zeit einen anderen Begriff gewählt: Die digitale Demenz. Die Bilderflut führt recht früh dazu, dass das meiste an Bildern aus den Gedanken verschwindet. Des Weiteren sehe ich den Verlust des Erinnerns, wenn die Bilder nicht haptisch verfügbar sind. Wer von potenziellen Nachfahren wird sich wirklich die Mühe machen und TB-Festplatten nach interessanten Bildern zu durchsuchen?

Ach ja, was so garnicht relevant bei den geschätzten Bildern ist, das ist die Technik, mit der die Bilder entstanden sind. Oftmals sind gerade die analogen Bilder die erinnerungsreichsten...
 
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Die Pressemeldung hab ich auch bekommen und wollte sie noch für euch aufbereiten, hatte aber noch keinen Kopf dafür. Wird nachgeholt.
 
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Nach wie vor werden meine Erinnerungen zu einem ganz wesentlichen Teil von Fotos lebendig gehalten. Ich war schon immer von Fotos umgeben da sich meine Eltern auf der Fotoschule kennenlernten. Mein Gedächtnis ist wohl visuell geprägt. Ich kann Fotos, die ich viele Jahre lang nicht gesehen habe, quasi im Gehirn projizieren. Und wenn ich Fotos -ob analog oder digital - nach Jahrzehnten wieder betrachte, kommen unweigerlich Erinnerungen hoch.

Wer von potenziellen Nachfahren wird sich wirklich die Mühe machen und TB-Festplatten nach interessanten Bildern zu durchsuchen?
Niemand. Aber das trifft auch für Negative und Dias zu, höchstwahrscheinlich auch für Fotoalben. Das ist also grundsätzlich kein Merkmal der digitalen Fotografie. Mein Versuch, Fotos auch für Nachfahren interessant und haptisch verfügbar zu machen sind Fotobücher. Aber auch hier: Wenn es um Urlaubsreisen geht, wird das kaum jemanden interessieren. Da braucht es schon etwas außergewöhnliches. Und ich hoffe, dass ich einen wichtigen Teil des fotografischen Werks meiner Eltern den nachfolgenden Generationen zugänglich gemacht habe.
 
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Die Pressemeldung hab ich auch bekommen und wollte sie noch für euch aufbereiten, hatte aber noch keinen Kopf dafür. Wird nachgeholt.
Ich hab da mal was geschrieben:
 
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Das Fotos eine Brücke sind um Erinnerungen wieder zu beleben und reflektieren ist doch außer Frage.

Ich meine der Knackpunkt ist der Umgang mit den digitalen Archiven. Hatte man "früher" sich ein Fotoalbum angeschaut ging das Seite für Seite und mit den Erinnerungen und den dazugehörigen Geschichten.
Heute wischt man sich durchs Smartphone, Tablet, so schnell, da kommt nichts auf, bzw. man läßt es so garnicht zu. Schnelllebigkeit und Hast sind m.M. die Barriere, das Hinderniss und der Umgang mit der oberflächlichen Wahrnehmung, die bereits so verinnerlicht ist, möglichst nicht zu verweilen und so zur Verarmung beitragen. Immer schnell weiter zum nächsten Bildchen.
Ich schaue mein Archiv oft mal wieder durch, lasse Erinnerungen aufleben, lösche auch mal was oder sehe nach Jahren die Bilder unter neuen Aspekten und finde welche gut, die ich früher wenige beachtet habe. Meine "Bildauffassung" verändert sich fortlaufend.
Oft sitzen wir zu zweit vor dem Bildschirm, nicht so wirklich befriedigend. Hier müßte man ggf. Proritäten markieren um nicht alles anzuschauen. Da nutze ich meine Zeit besser anders.
Themen oder Reisen, davon mache ich gerne Bücher mit so 60-80 Seiten und die kann man gemütlich mit mehreren auf der Sitzgruppe durchschauen, weil hier bereits ein Extrakt des Themas stattgefunden hat und es ist etwas haptisches, was dadurch eine erweiterte Wertschätzung erhält.
Dazu kommt, dass mir auch e-books zuwieder sind und mir kein Lesevergnügen vermitteln.
Und wenn jemand den Stecker zieht ist halt alles weg - dumm gelaufen. Bücher kann ich auch ohne Strom anschauen oder einfach verschenken, wenn es passt und es ist eine sinnvolle Verbindung beider Welten, der digitalen und analogen Welt.
 
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Es ist sicher auch von Vorteil nicht in die Social Media Falle zu tappen.
Auf Smartphone oder Tablet speichere ich keine Bilder und sehe mir auch keine an.
Ein paar Doku Fotos auf dem Smartphone und das war's.
Ich muss mir nicht jedes drittklassige Foto angesehen haben.
 
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Fotos sind mein Tagebuch.
Werden Zeit für Zeit entmüllt.
Da kommt es nicht drauf an 35x ähnliche Beispiele zu behalten. Ein zwei drei Eindrücke verbleiben.
Man schreibt ja auch nicht mehrmals den gleichen Satz nieder.
Ich unterscheide nach Privat, geschichtlich unwiederbringlich, Hobbys, besonders getroffene Ergebnisse.
Da ich zu faul bin ein Tagebuch zu führen,
leiten mich meine Fotografien zu den Erinnerungen die verblasst sind.
Somit wühlt man und erfrischt alles wieder auf.
Familiäre Themen sind für die unmittelbaren Nachfahren interessant.
Meine Blümchen und Gräser Landschaften wandern mal in die Tonne.
Das interessiert niemanden mehr, wie und durch welche Technik und Einstellungen man zu zeigenswerten Ergebnissen gekommen ist.
Ob in 30 Jahren überhaupt noch klassisch fotografiert wird……?
Geschichtlich relevante Fotografien sollte man bewahren und weitervererben.
 
Reaktionen: dhm
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Das ist ein interessantes Thema.
Auch für mich sind Fotos gleichzeitig Tagebuch.

Da gibt es Fotos, bei denen mir bereits beim Blick durch den Sucher klar war, dass das was Besonderes ist. Die sind auch in meinem Kopf gespeichert. Das sind dann Kandidaten für *****.

Dann gibt es die, die über einen längeren Zeitraum entstanden. Zu eine. Thema, das mich auch weiter interessiert. Da schaue ich immer mal wieder rein und ergänze auch heute bei Gelegenheit noch. Zu so einem Thema entstand auch ein FotoBuch.


Anderes wird wieder wach, wenn ich im LR da einfach zufallsgesteuert an irgendeinem Punkt der Zeitleiste reinklicke.

Und bei Wenigen staune ich, dass ich auch dazu Fotos habe.
Vor allem Serien, die auf Dauerfeuer entstanden finde ich dann mühsam, auszusortieren.... Von daher gibt es auch heute durchaus Vorteile von Cl mit nur 3B/sec.
 
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Meine Aufnahmen sind ein ganz wesentliches Element meiner Erinnerungen. Machmal (denn das Gedächtnis wird ja leider nicht besser) sind die Fotos sogar das dominierende Element der Erinnerung.

Wichtig iat allerdings das editieren. (Wie @Emc2 schon in #2 schrieb.)

Ich suche 5% der Fotos aus.
Unsere Alben sind die iPads (Tablets).
Die besten 5% Bilder von (z.B.) einer Reise kommen in ein Album und dann schaut man sich das auch immer wieder an und freut sich dran.
(OK, ein paar Fotobücher gibt es auch.)

Interessant:
Sollte ich dann Jahre später noch einmal in die 100% Sammlung hineinschauen dann finde ich dort immer wieder gute Bilder, die ich praktisch vergessen habe weil ich immer nur die 5% angesehen habe. Das ist cool. Verborgene Schätze quasi, in denen man später noch mal schürfen kann.
 
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Unsere Alben sind die iPads (Tablets).
Das wäre mir zu wenig. Für mich lebt ein gutes Foto in wesentlichem Maß von der physischen Größe. Ich fahre da zweigleisig: Bisher habe ich ca. 25 Fotobücher erstellt, von Reisen in den 70ern in meiner Kindheit bis zu aktuellen Urlaubsreisen mit meiner Frau. Wenn wir gemeinsam Fotos schauen, ob zu zweit, mit unseren Kindern oder mit Freunden, tun wir dies auf dem 65-Zoll TV. Natürlich muss da zuvor nach strengen Maßstäben aussortiert werden. Und leider dreht sich der TV bei Aufnahmen im Hochformat nicht …. Da vermisse ich gelegentlich doch die quadratische Leinwand aus Dia-Zeiten.
 
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3 Kommentare
Wuxi kommentierte
Es ist alles eine Frage von Zeit und Motivation.
Bücher sind toll.

Bilderschauen sind toll.
Habe schon mehrfach Videos aus Bildern erstellt, die man dann natürlich problemlos „überall“ zeigen kann (also auf jedem TV).
Hierbei empfinde ich den Ken-Burns-Effekt (minmale Bildbewegung) als Gold-Standard, noch besser mit Video-Sprengseln und vertont.
(Keine nervigen Effekt-Überblendungen sondern einfach nur 0,5s Überblendung und am Tagesende viellecht über Schwarz oder über Weiß.)

Aber es ist eine Höllen-Arbeit.

Wenn man es sich leicht machen will kann man die automatische Bilderschau vom iPad als Video ausgeben. Das Ergebnis ist verdammt gut, aber man hat natürlich nichts mehr im Griff sondern muss die Fotos-App machen lassen.
 
Lydian kommentierte
Ein Video aus Fotos zu erstellen kommt für mich nicht in Frage. Ich will selbst entscheiden wann das nächste Foto kommt. Und den KB-Effekt mag ich auch nicht. Im Prinzip mache ich es immer noch so wie früher mit den Dias.
 
E
Emc2 kommentierte
Ich bin vom Erstellen von Videos aus Photos ganz begeistert. Die vielen Überblendmöglichkeiten und vieles andere mehr ist viel abwechslungsreicher als der Dia-Standard "schwarzer Hintergrund, Bilderhältnis immer 3:2", immer nur ein Bild. Meine Standardzeit für ein Einzelbild sind 20 Sekunden (kürzer ist für mich nicht sinnvoll). Anhalten und länger verweilen geht immer. Bildformat am TV 16:9, da lässt sich einiges Kreatives entwickeln! Schmale Bilder spiegeln, bis zu vier schmale Bilder über die Bildschirmbreite - Du glaubst gar nicht, wie kreativ Du dich da austoben kannst.
 
Es ist sicher auch von Vorteil nicht in die Social Media Falle zu tappen.
Flickr ist für mich kein Social Media, weil ich es nur zum Zeigen meiner Bilder benutze, aber das Gedöns außenrum ignoriere.

Auf Smartphone oder Tablet speichere ich keine Bilder und sehe mir auch keine an. Ein paar Doku Fotos auf dem Smartphone und das war's.
Die benutze ich nicht mal als Fotoapparat, ansonsten halte ich es auch so: Ein paar Bilder sind zum schnellen Zeigen sind drauf, mehr nicht. Immerhin gibt es eine Flickr-App, auch wenn die nicht wirklich komfortabel ist.

Wenn ich nochmal über das Thema sinniere, so unterstelle ich, daß die meisten hier mit ihrer Art des Fotografierens nicht gemeint sind. Es geht vor allem um die Millionen Fotos, die täglich als „Selfies“ vor irgendwelchen Sehenswürdigkeiten geknipst werden. „Guck mal, ich/wir war/en hier!“. Da wird die Sehenswürdigkeit zur Kulisse, also Nebensache, vorrangig ist die Selbstinszenierung. Das ist als solches nicht sonderlich neu, weil das schon früher™ mit der Agfa Ritschratsch so gemacht wurde: „Geh da mal so her, wenn ich fotografiere, damit man sieht, daß wir da waren. Ich habe es gehaßt, und dann erst die matschigen Abzüge 7x10 seidenmatt (die waren am billigsten), oft mit dem dicken Finger links unten im Bild... Das Zeug landete dann in einem Schuhkarton, der heute durch die Cloud ersetzt wird. Angeschaut wird beides nie wieder, weil es eh alles eine Soße ist. In dieser Form war Fotografie noch nie eine Erinnerung, weil die Fotos nur entstanden, weil man das halt so macht und ein paar Bilder als Beweis aus dem Urlaub oder vom Ausflug mitbringt.
 
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Ich dokumentiere viel, vor allem seit ich vor mehr als 20 Jahren meine Mauleselin bekommen habe. Ich suche immer wieder Bilder von bestimmten Ereignissen heraus und bleibe dann in den Bilderordnern aus der Zeit hängen. Ich schaue nicht alle Bilder wieder an, aber ich würde sehr viel vermissen wenn ich sie nicht hätte.
 
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Bücher sind toll.

Aber es ist eine Höllen-Arbeit.
Ja, meine Frau macht schöne CEWE Bücher aus unseren Reisebildern, schon über 30 Stück. Layout und Texte wie in unseren Reisebildbänden. Ich stelle ähnliches ins Netz auf meiner HP unter "Reiseberichte". Früher zwischen 1994 und 2010 haben wir noch Reisebildbände beim Umschau Verlag, Frankfurt oder beim CJ Bucher-Verlag München gemacht. Nachdrucke bei "Weltbild" und zwei Naturreiseführer bei Kosmos und BLV mit Zweitauflage publiziert. Alles in allem, zusammen mit einigen Wissenschaftlichen Büchern so etwa 20 Stück. Aber seit 2010 sind die Verlage entweder pleite oder von Amerikanern aufgekauft und dürfen deren Mist ins Deutsche transferieren...
 
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