Testbericht Canon EOS R


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VisualPursuit

Well-known member
Ich hatte jetzt Gelegenheit ein paar Tage mit einer geliehenen R zu spielen.
Viele meiner Einsätze laufen unter Bedingungen mit mehr als suboptimalem Licht.

Einiges davon kann man mit geschicktem Blitzeinsatz kontern, aber ich wollte
wissen was wirklich rauskommt aus der Knipse.

In die Tasche wanderte also ein Samyang Cine T1.5/24mm, und die Sigma
ART-Objektive 1,4/50mm, 1,4/105mm und 1.8/135mm.

Es ging los in der alten Tuchfabrik Müller in Euskirchen. Nachtführung/Fotoabend.
Das liebevoll restaurierte Gebäude ist schummrigst beleuchtet, mit kleinen, harten
LED-Filamentlampen. Form und Leistung wie 25 Watt Glühbirnen, bescheidene
Farbwiedergabeindizes. Dunkles, öliges Metall in hartem Schlagschatten gegen
direkte Reflexe auf blankgeriebenem Metall. Maximale Kontraste, sehr hartes Licht.

Danach ein wenig Nebel in der Düsseldorfer Innenstadt, Laternen im Bild und
die Promenadenmauer im Schatten. Wieder sehr hohe Kontraste, wieder sehr
wenig Licht.

Zum Schluss noch in meinen Lieblingsclub. Remy-Dany, vom Plumsi nur mit
einem Feuerzeug beleuchtet. Schrillbunte LEDs, und nicht die hellsten.

Es wurde bewusst kein Stativ verwendet, weil das bei vielen meiner Einsätze
eh nicht geht. Einige wenige Bilder mit ISO 250, 640, 800 - aber die meisten
mit ISO 2500 oder ISO 5000. Am Ende sind knapp 800 Bilder gemacht.

Eine kleine Auswahl daraus ist über den Link am Ende dieses Beitrags
zu finden.

Am Tag nach den Aufnahmen sitzt ein Kumpel neben mir und lässt sich die
Bilder zeigen. Er hat Sony rauf und runter, macht verdammt schicke
Street-Nachtaufnahmen auf seinen diversen Dienstreisen durch die Welt.
"Das kann ich mit meiner Ausrüstung nicht".

Heute befummelt der nächste die R. Er hat selbst Nikon und Fuji, hat aber
auch regelmäßig Zugang zu vielen aktuellen anderen Kameras aller
Preisklassen. "Das ist die erste Canon, die ich benutzen würde".

Mir selbst ist die Knipse noch zu klein, mir fehlt das hintere Kontrollrad und
die freie Fläche auf der Rückseite der 5D MkIV. Das klappbare Display
verwende ich zwar gelegentlich - mir wäre jedoch lieber gewesen die Knipse
hätte ein starres Display. Ein paar Direkzugriffstasten wären mir lieber statt
dem gigantischen Hauptschalter oben links, und die Einstellräder liegen
nicht natürlich unter Daumen und Fingern.

Die Touchbar ignoriere ich - ist mir zu schwammig in der Bedienung.
Knapp 15 Minuten nach dem Auspacken habe ich noch keinen Blick
in das Handbuch geworfen, aber ich habe auch keine Fragen mehr.
Jeden Menüpunkt angesehen, alles verstanden. Die Knipse ist
selbsterklärend. Nur für einen einzigen Punkt musste ich ein zweites
Mal in das Menü: Ich hatte Back Button Focus eingestellt, aber nicht
gemerkt daß ich das für den Videomodus getan hatte. Da man Tasten
für Videomodus und Fotomodus unterschiedlich belegen kann,
funktionierte das für den Fotomodus dann natürlich nicht.

Der Sucher ist das beste was ich bis jetzt an elektronischen Suchern
gesehen habe. Erst bei ISO 10.000 und langen Belichtungszeiten
erinnert man sich daran, daß das doch ein elektronischer Sucher ist.

Der Single Point AF trifft gnadenlos gut selbst dunkelste Maschinenteile
im Schatten. AF Servo geht noch nicht so gut, aber Canon hat bereits
Firmware-Updates in Aussicht gestellt.

Die Knipse ist sehr gut gedämpft, auch vergleichsweise lange Zeiten
aus der Hand sind problemlos möglich. Einen IBIS möchte ich eh nicht
(nein, das ist kein Fall von Aesop/sauren Trauben), und gegen
Motivbewegung würde der ohnehin nicht helfen.

Die Farben wissen selbst bei den beschissensten Lichtsituationen zu
begeistern, und alle Objektive laufen am Adapter mindestens so rund
wie an der 5D MkIV. Manuelle Fokussierung ist bei dem wirklich
hervorragenden Sucher ein Traum, so gut ist das analog nie gegangen.
Die Kontrastbewältigung lässt keine Wünsche offen, das EOS Utility
verarbeitet die Daten genau so schnell wie die der 5D MkIV.
Akkustandzeit ist gut, die rund 800 Aufnahmen habe ich mit einem
Akku gemacht.

Mein Fazit? Was an Bildqualität rauskommt ist toll. Der Servo-AF
hat noch ein paar Schwächen, der Single Shot AF ist saugut.
Die Ergonomie bleibt mein einziger echter Schmerzpunkt.
Die Touchscreenbedienung ist vorbildlich, ersetzt aber nicht die
nötigen Direktzugriffstasten. Der Body ist zu klein und nicht mehr
so auf meine Hand passend wie die früheren Gehäuse.

Die Bilder und der wirklich tolle Sucher schreien
"Kauf mich! Sofort! Mach schon!", aber das kleine Gehäuse und
das Wissen daß es zur Photokina im Mai vermutlich eine größere,
schnellere R geben wird, lassen mich zögern. Vermutlich werde
ich sie dennoch kaufen. Aber nicht mehr an diesem Wochenende.

Und hier geht es zu den Bildern:

http://www.visualpursuit.de/_no/EOSR/The_R.html

Klick auf ein Thumbnail führt zur Vollauflösung.
Nur leichte Helligkeits- und Tonwertkorrekturen in DPP,
gelegentlich Beschnitt. Keinerlei partielle oder weitergehende
Bearbeitung. Ihr wollt ja auch sehen was die Knipse kann,
und nicht wie gut ich bearbeiten kann.
 
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