Buchprojekt: Reisen im Orient der 70er Jahre

Cham, lebendiges Freilichtmuseum der altpersischen Religion

Das Dorf Cham liegt in der Provinz Yazd nahe des Städtchens Taft und gehört zu den faszinierendsten Orten im Iran. Seine Geschichte ist eng verwoben mit der jahrtausendealten Kultur- und Siedlungsgeschichte der Oasenregion rund um Yazd. Die Rolle als kontinuierlicher Rückzugsort des Zoroastrismus macht den Ort bis heute bedeutsam. Cham gilt als eines der besterhaltenen Zentren der zoroastrischen Kultur und wirkt heute noch wie ein lebendiges Freilichtmuseum der altpersischen Traditionen.

Die prägendste Epoche für die Geschichte Chams begann mit dem Niedergang des Sassanidenreichs und der arabisch-islamischen Eroberung im 7. Jahrhundert. Während in weiten Teilen des Landes die Bevölkerung zum Islam konvertierte, zogen sich viele Zoroastrier in der Region um Yazd in die schwerer zugänglichen Randgebiete der zentraliranischen Wüste zurück. Cham wurde zu einer Enklave, in der die zoroastrische Lebensweise über die Jahrhunderte hinweg bewahrt wurde.

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Blick über die Dächer von Cham. Die Berge des Kuhrud sind Ursprung vieler Flüsse (Kuh = Berg, Rud = Fluss). Vom hier sichtbaren 4076 m hohen Shir Kuh wird das Wasser auch für Yazd herangeführt.


Etwas außerhalb von Cham erhebt sich auf einer Hügelkuppe ein runder, dachloser Steinturm – ein imposanter Turm des Schweigens (Dakhmeh). Die Anhänger des Propheten Zarathustra verehren die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft. Diese Urelemente müssen vor Verunreinigung geschützt werden. Aus der Pflicht der Reinhaltung ergibt sich ihr besonderer Totenkult. Weil Leichen als unrein gelten, dürfen sie weder in der Erde noch im Wasser bestattet und auch nicht verbrannt werden. Man setzte sie nach umfangreichen kultischen Zeremonien auf Türmen außerhalb der Dörfer oder Städte den Geiern aus. Die Ummauerungen der Türme sollten verhindern, dass die Toten von Raubtieren gefressen wurden. Erwünscht war der Verzehr durch Vögel. Sie sollten die Seelen der Verstorbenen in den Himmel tragen.


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Wir sind damals doch tatsächlich bis an die Treppe des Turms gefahren. Kein Zeichen der Totenehrung ...
Obiges Foto wurde aus zwei Aufnahmen der Rolleiflex zusammengesetzt. Anhand der Berge im Hintergrund konnte ich über 50 Jahre nach unserer Reise nachvollziehen, wo dieser Turm liegt. Als 10jähriger hatte ich damals natürlich überhaupt keine Ahnung.


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Hier blicke ich von der Treppe zum Turm auf die darunter liegenden Gebäude.

Sobald ein Leichnam auf die Plattform des Turms gebracht wurde, unterhielt man im Feuerhaus drei Nächte lang ununterbrochen ein heiliges Feuer. Durch ein kleines Fenster schien sein Licht in Richtung des Turms um der Seele des Verstorbenen im Dunkeln symbolisch Schutz und Beistand zu spenden. Nach der zoroastrischen Lehre verbleibt die Seele des Verstorbenen in den ersten drei Tagen und Nächten nach dem Tod noch in der Nähe der Erde. Während dieser Zeit wohnten die Angehörigen in den Kheylehs am Fuß des Turms um zu beten, rituale Speisen zuzubereiten und die Se-Ruz-Gedenkzeremonie abzuhalten. Personen, die direkten Kontakt mit Leichnamen hatten, galten vorübergehend als unrein. Sie durften das Dorf während ihrer Tätigkeit nicht betreten und wohnten in Unterkünften am Fuß der Dakhmeh.
 
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Arg-e Bam, größter Lehmbau der Welt

Bam hat seinen gebührenden Platz im Buch erhalten. Das folgende Foto jedoch hatte ich nicht verwendet. Zu zahlreich waren die Beschädigungen des Negativs. Jetzt ist es restauriert, auch wenn ich dabei fast einen Krampf in der rechten Hand bekam ...

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Unter der Dynastie der Safawiden (16. + 17. Jh.) erlebte die Region eine längere Phase des inneren Friedens was zu Wohlstand und einem großen Aufschwung auch in Bam führte. Die Gouverneure der Safawiden bauten die Festung zu einem überregionalen Verwaltungs- und Militärstützpunkt aus. Viele Bereiche der Zitadelle, wie das Haupttor und große Teile der Wehranlagen, wurden erneuert, erweitert und verfeinert. Aus dieser Epoche stammen viele der heute bekannten repräsentativen Gebäude im inneren Bereich der Zitadelle. Das architektonische Highlight ist der sogenannte Palast der vier Jahreszeiten, ein dreistöckiges Gebäude mit Sommer- und Winterflügeln. Sein Name leitet sich von seiner durchdachten Bauweise ab, die auf das herrschende extreme Klima - heiß im Sommer, kalt im Winter - ausgerichtet war. Durch offene Iwane, Kuppelstrukturen und eine differenzierte Ausrichtung von Fenstern und Windtürmen erreichte man in den verschiedenen Jahreszeiten jeweils möglichst angenehme Innentemperaturen.
 
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