Auch eine zweite Koranschule besuchen wir - offen gesagt nur, weil wir auf dem Weg zum Basar zufällig daran vorbei kommen.
Diese Jungs wollen Mullah werden.
Nach Abraham gehen die Überlieferungen teilweise getrennte Wege. Während der eine Sohn Isaak als Stammvater der Juden gilt, sehen die Muslime im anderen Sohn Ismael den ihren. Eine der zentralen Pflichten jedes gläubigen Muslims, die Wallfahrt nach Mekka, geht auf Ismael und seine Mutter Hagar, Abrahams zweite Frau, zurück:
Als Ismael und seine Mutter in der Wüste dem Verdursten nahe waren und Hagar zwischen zwei Hügeln siebenmal hin und her gelaufen sei, um Wasser zu finden, sah sie das Wasser zu Füßen ihres Sohnes sprudeln. An dieser neuen Quelle siedelten sich Menschen in dem sonst dürren Tal an, was den Anfang der Stadt Mekka dargestellt haben soll. Hier baute Ismael die Kaaba, das erste Gotteshaus, erbaut vom ersten Propheten Adam, neu auf. In Erinnerung an die Suche und Anstrengung laufen auch heute noch die Pilger während der Hadsch siebenmal zwischen den beiden Hügeln - die sich heute im Inneren der großen Moschee befinden - hin und her.
Den Schiiten sind auch Pilgerfahrten an weitere Stätten sehr wichtig. Hier das zweitwichtigste Heiligtum im Iran, das Grabmal von Fatima Masumeh, einer Schwester des 8. Imam Reza. Bei unserer Besichtigung erklärt uns ein Wächter voller Inbrunst mehrmals, dass Muslime, Juden und Christen sich auf dem gleichen Weg befänden. Wir sollen nach Deutschland zurückkehren und von der Freundlichkeit der Iraner berichten.
Ich bin der festen Überzeugung, dass den Iranern die Gemeinsamkeiten von Christentum und Islam viel bewusster sind als es hierzulande der Fall ist.
Eine weitere Grundpflicht der Muslime ist das „Zakat“, die Gabe von Almosen an Bedürftige.
Hier sieht man einen Jungen, der in eine der vielen tausend Behälter, die überall in den Städten stehen, Geldscheine steckt.
Zwei weitere Details, die die gegenseitige Beeinflussung der Religionen illustrieren:
Maria
Maryam ist die einzige Frau, die der Koran namentlich erwähnt und nach der eine Sure – die 19. – benannt ist. Auch im Islam wird Maria als Mutter des Propheten Jesus (Isa) verehrt und im Koran als reinste Frau beschrieben. Auch die Muslime glauben an die jungfräuliche Empfängnis Jesu.
Mitra – die Kopfbedeckung katholischer Bischöfe
Ursprünglich ein Kennzeichen persischer Herrscher, wurde die Mitra im 11. Jahrhundert zur Kopfbedeckung hoher christlicher Würdenträger. Etymologisch ist der Begriff nicht vollständig geklärt, die Mehrzahl der Wissenschaftler jedoch geht davon aus, dass er auf die altiranische Gottheit Mithra zurück zu führen ist. Sowohl im Sanskrit wie der altpersischen Sprache heißt „mitra“ Freund.