Hallo und herzlichen Dank für Eure Bildkritiken.
Dieses Foto ist am Ostersonntag in Saintes Maries de la Mer an der Rhônemündung (Südfrankreich) entstanden. Es herrschte lausiges, kaltes Frühjahrswetter -in der Nachbarschaft kamen Graupelschauer runter- deshalb gab es reichlich Bewegungsraum für
die Zuschauer, denn die Touristen hielten sich mit dem Besuch sehr zurück.
Es war unsere erste Begegnung mit derartigen Spielen. Instinktiv hatten wir eine günstige Fotoposition gewählt, mit der Option auf Gegenlicht, damit der aufgewirbelte Staub auch zu sehen sei. (Der Monsieur mit dem langen Schlauch ließ derartiges ahnen). Kurz vor Beginn wurde die Platzwahl durch mehrere Fotografen bestätigt, die sich mit Stühlchen, Notizblock, weißen und schwarzen Objektiven in der Nachbarschaft niederließen. Eine freundliche Dame ließ sich von meinen mangelhaften Sprachkenntnissen nicht abschrecken und erklärte mir, was wir nun zu erwarten hätten.
Nach der Musik käme ein wilder Stier mit Bändern und Kokarden an den spitzen Hörnern in die
Arena. Nach einem weiteren Tonsignal erschienen weiß gekleidete Männer, die Rasedeure . Sie gehörten zwei Mannschaften an, unterscheidbar an den Farben ihre Namen auf den Trikots. Die Männer tragen keinerlei Schutzkleidung. Ihre einzige Chance ist es, schneller als der Stier zu sein und hinter der hölzernen Wand zu verschwinden. Gewonnen hat die Mannschaft, die dem Stier die meisten Bändchen und Kokarden von den Hörnern geklaubt hat. Dem Stier wird keinerlei willentliche Verletzung zugefügt. Verletzt er sich dennoch, weil der beispielsweise gegen die Bande gebrettert ist, wird das Spiel abgebrochen, der Stier nach draußen zum Transporter gebracht. (Vor der Arena parkt der Rettungswagen und der Arzt nimmt einen Ehrenplatz auf der Tribüne ein...)
Jeder Lauf dauert 15 Minuten, dann ist der nächste Stier dran.
Den "Kämpfen" mit der Kamera zu folgen, war ein starkes Erlebnis. Die Raseteurs erschienen in der Gruppe, reizten den Stier zum Angriff, rannten einzeln an ihm vorbei und versuchten, mit einer Art Kralle sich der farbigen Bändchen zu bemächtigen. Blitzschnell sprangen sie danach über die rote Bande, hoch zu den Zuschauerrängen und krallten sich erst einmal in sicherer Höhe irgendwo fest. Nicht nur einmal folgte der Stier den Männern im Sprung über die Bande und wütete dort herum.
Eigentlich ist eine D70 mit AFS 18-70 und AF 80-400 VR nicht gerade für extrem dynamische Bildmotive prädestiniert. Dennoch hat es mich gewundert, wie die auch von mir oft als "lahm" empfundene Kamera -Telezoom-Combi die Herausforderungen gemeistert hat. Völlig unerfahren mit Sportfotografie und den nicht durchschaubaren Spielzügen der Mannschaften und der Reaktion des Tieres habe ich anfangs den Bildausschnitt viel zu eng genommen.
Erheblich besser kam ich nach dem Entschluss zurecht, nicht die volle Tele-Einstellung zu nutzen um Raum für Ausschnitte zu schaffen.
So habe ich auch das vorliegende Bild erst am Bildschirm beschnitten. Zuvor musste es ausgerichtet werden. Verlockend war, den Ausschnitt enger zu fassen um den Blick stärker auf Stier und Raseteur zu fokussieren. Dabei hätte ich aber viele Zuschauer geköpft, was ich
so aber auch nicht wollte, um den Informationswert des Bildes nicht zu schmälern.
Über den VR war ich heilfroh, denn ich hatte mein Einbeinstativ im Auto zurückgelassen.
Für mögliche Nachahmer: Ideal wäre ein schnelles 70/80-200 (VR) Zoom an der Halbformatknipse und eine zweite mit Weitwinkel-Normalzoom; alternativ ein 18-200, das den Vorzug besitzt, nicht in einer Staubwolke beim Optikwechseln spannende Spielsekunden zu verlieren. Die benachbarten Profis hatten in der Regel ein 70/80-200 vor der Kamera, einer war mit weißem 100-400 IS unterwegs. Leider hatte ich auf der Speicherkarte nicht ausreichend Platz und musste später von NEF auf JEPG Fine umschalten.
Viele Grüße
Herbert
Hier ist die volle Bild-Reportage:
http://www.nikon-fotografie.de/vbulletin/showthread.php?t=61407