Wir sind in der überwiegenden Masse Amateure hier; das heisst aber nicht, dass wir nicht dennoch gute Qualität anstreben würden.
Meiner Meinung nach soll ein Konzertphoto ebensoviel über die Musik wie über den Musiker aussagen; es soll schon irgendwo eine Klimax eingefangen werden, denn ein reines abbilden der Person auf der Bühne ist eben nur das: ein Bild mit Irgendwem auf irgendeiner Bühne. Ich denke, dass man einen Musiker nur gut portraitieren kann, wenn man die Musik kennt, wenn das Photo "in einem musikalischen Kontext" steht.
Um ein gutes Bild vom Fussball zu machen, musst du den Sport kennen; du musst wissen, dass die Action am Tor stattfindet, dass die packendsten Zweikämpfe aber nicht direkt vor'm Tor sondern erfahrungsgemäss etwas ausserhalb des 5-m Raumes stattfinden, und die schönsten Flüge an der 16 Meter Linie eingefangen werden können. All dies klingt logisch für uns, weil wir den Sport und seine Regeln kennen, weil wir wissen, dass sich aus den Regeln bestimmte Situationen ergeben werden (Schwalbe in den Strafraum hinein etc.). Ohne dieses Wissen wird die Bildausbeute am Platz eher mager werden. Wir wenden also unser Wissen über den Sport an, um bessere Bilder zu knipsen.
Genau SO macht man ein gutes Bild von Musikern beim Konzert; zuerst sieht man sich das Spielfeld an (die Bühne) und wählt vielversprechende Positionen für die Aufnahmen (der "Strafraum" ist sicherlich die Position des Sängers oder Solisten - hier findet die Action statt). Es hilft, die Songs zu kennen, und Soli oder Breaks schon zu erwarten und Schlagzeuger machen bei Synkopen die unglaublichsten Gesichter!
Die aller-aller-allerunterste Anforderung ist allerdings das beherrschen eines soliden Handwerks. Unschärfe kann drei Gründe haben:
- - falsch oder schlampig fokussiert (bei AF kann auch ein Bauteil kaputt sein)
- - durch extrem schlechte Lichtverhälnisse muss dermassen viel nachverstärkt werden, dass die Bildqualität darunter leidet
- - verwackelt
Da die Lichtsituation auf deinen Bildern meist OK scheint, bleiben 1 oder 3. Sollte dein Autofokus korrekt arbeiten, wäre es sicherlich wünschenswert, mal etwas an der persönlichen Technik zu arbeiten: Auslösen beim Ausatmen hilft ganz ungemein, aber auch die Einstellung einer knappen, aber noch ausreichenden Belichtung kann viel helfen. Meist sind die Musiker ohnehin angestrahlt und heben sich bei knapper Belichtung noch besser vom Hintergrund ab.
Es gibt noch endlos weitere Dinge, die man beachten kann oder auch nicht, aber wenn du mal alle Bilder löscht, die weder scharf sind, noch den Musiker wirklich portraitieren, dann geht die Auswahl schon ganz richtig los. Solltest du jetzt noch mehr als 20% deiner Bilder behalten, war's geschummelt!
Von den paar übriggebliebenen technisch einwandfreien Bildern, sind nur Die von Interesse, die sofort Musik im Kopf entstehen lassen; Zeigt das Bild wirklich einen intimen Moment? "Höre" ich ein getragen-langsames, melodiöses Solo, wenn ich das Bild des Klarinettisten anschaue? Oder ist das halt Irgendwer mit so 'ner Tröte, leider aber gerade mit Augen zu?
Knallt mit ein brachialer Powerchord vor die Fresse, wenn ich das verzerrte Gesicht und den weit ausgestreckten Arm des Gitarristen sehe? Oder Tut da Jemandem der Popo weh, und er hat zufällig gerade eine Gitarre um?
Sollte deine Auswahl jetzt noch mehr als 2 Bilder von 100 Aufnahmen zeigen, bist du entweder irrwitzig talentiert oder du fängst mit dem Sortieren nochmal von vorn an.
Echt!
stefan