30 aus 1000 Bildauswahl


Toplander

Sehr aktives Mitglied
Hallo,

Ich stehe vor einer für mich rießen Aufgabe für die ich noch keine Lösung habe.

Ich muss (darf) für die Klinik in der ich arbeite Bilder für deren Wände anfertigen lassen.

Weiße Stellen gibt es genügend, wir haben in etwa ein Budget für ca. 30 Bilder und vielleicht 5 bis 6 Panoramen. Die Anzahl hängt ja so stark von der Größe und dem vorhandenen Budget (5000€) ab.

Wie gehe ich am besten vor?
Aus meinem Bilderpool habe ich die Klinik-tauglichen herausgefiltert und habe immer noch gut 1000 Bilder. Von dieser Menge bin ich schier erschlagen. Die Auswahl fällt mir schwer, welches soll ich abwählen? Es sind doch alles meine "Babys"!

Dieses Dilemma ahnend und Selbstsicherheitstechnisch bin ich eh nicht der Held habe ich noch drei Kolleginnen, die mich bei der Bildauswahl unterstützen können. Doch ich habe hier ein MacBook und LR, die Bilder in einer Sammlung (inzwischen Sammlungssatz mit Unterkategorien) und die Kolleginnen haben Windows Rechner ohne jegliche Foto Software.
Ich fürchte dass auch die von 1000 Bildern einfach so in nem Ordner zusammengewürfelt auch überfordert sein könnten.

Bezüglich der Bildausführung dachte ich an mattes Acryl auf Alu.
Von der Größe her an min. ca. 90x60 weil es soll schon was hermachen. Aber auch da bin ich noch unsicher, ob die Größe reicht.

Ich habe hier jetzt versucht das Problem zu beschreiben.
Kann mir jemand von Euch Tipps geben?
Ich bin recht blank bzgl. solch eines Projektes und für jeden Rat dankbar.

Ha ich weis ja noch nicht mal ob dies hier die richtige Kategorie im Forum ist. Drum liebe Admins, verschieben ist ok.

Danke schon mal
Gerhard
 

mhensche

Sehr aktives Mitglied
Moin,

das macht ja jeder anders... ich verlinke dir mal einen Vortrag (englisch), der sich mit Kreativität beschäftigt und dass man diese ja leider nicht schulen könne.
Was man aber sehr wohl schulen könne, sei eine Herangehensweise mit einer "Frageliste", die sich der Fotograf zu seinem Bild stelle.
Der Vortrag ist etwas länger, ich fand ihn sehr interessant.
Die "Frageliste" zeige ich hier mal (Screenshot). Die hervorgehobenen Punkte sind die für Anfänger :)
Tenor des Vortrags ist so ungefähr, dass das Bild schon viele Qualitäten mitbringt, es sehenswert zu machen, wenn diese Fragen klar beantwortet werden können.
Sie sind nur teilweise selbsterklärend, deshalb hier auch das Video, wenn du kein Problem mit der Sprache hast. Als Beispiel, mit "Point of view" ist der inhaltliche Standpunkt gemeint, also, was will ich als Fotograf zeigen (Intention), nicht, von wo gucke ich (Standort). Das wäre eher 17.
Tatsächlich stelle ich mir einige dieser Fragen jetzt, wenn ich Fotos "für andere" oder "zum Zeigen" zu bewerten versuche.
Vielleicht hilft dir das ja auch.

Ich teile übrigens unbedingt deine Meinung, die Kollegen nicht mit 1000 Bildern zu überschwemmen. Ich denke, "30 aus 100" wäre schon viel.

Viel Erfolg



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jazzmasterphoto

Erfahrenes Mitglied
… Aus meinem Bilderpool habe ich die Klinik-tauglichen herausgefiltert und habe immer noch gut 1000 Bilder. Von dieser Menge bin ich schier erschlagen. Die Auswahl fällt mir schwer, welches soll ich abwählen? Es sind doch alles meine "Babys"! …

Manno, watt für'n Pathos … :heul:

Mangels natürlicher Selektion mußt Du
die "Babys" halt selbst meucheln! :crash:



… Wie gehe ich am besten vor?…

Systematisch – mit angewandter Intelligenz! :cool:


A. Planung:

1. Wo genau sollen die Bilder hängen?
Kinderstation und Onkologie fordern andere Motive
als Kardiologie, Röntgen, Urologie oder Wartezonen …

2. Farb- und Motiv-Konzepte erstellen!
Für Onkologie z.B. sanfte Farben und dezente Motive,
die Hoffnung und Zuversicht symbolisieren …
Für Neugeborenenstation fröhliche, frische Farben und
Motive, die künftiges Leben zeigen …

3. Bildfolgen zusammenstellen!
Korrespondierende Motive in 3er, 4er- oder 5er Gruppen.
Dabei auf Zusammenspiel von Hoch- und Querformaten
achten.

4. Für kleine Wandflächen Einzelmotive wählen, die
zu den in 3. konzipierten Bildfolgen passen.


B. Praktische Umsetzung:

1. und 2. erledigt man mit Papier und Bleistift.
Wobei sich für 1. empfiehlt, maßstabgerechte Grundrisse
mit Vermaßung der Wandflächen zu haben, die später
noch nützlich werden. Kluger Mensch mißt übrigens
zumindest probeweise nach – ich habe da schon mal
böse Überraschungen erlebt.

3. erledigt man am Bildschirm mit sorgfältigem Gucken
für jeden Themenbereich einzeln.
Danach sollte sich die Bildmenge bereits drastisch auf
maximal 300 Motive reduziert haben.

Diese läßt Du in 10x15 ausbelichten (kostet ca 50 €),
sortierst sie auf die Themenbereiche und spielst die
Bildfolgen auf dem Tisch durch, was die Bildmengen
weiter reduzieren wird.
Nebeneffekt: Wenn Du bei dem Dienstleister für die
großen Prints fertigen läßt, kannst Du so schon vorab
die technische Qualität und Farben prüfen!

Frühestens in dieser Phase kannst Du die Kolleginnen
hinzuziehen, um die Auswahl zu verdichten und für
die Endauswahl zu konkretisieren.


Jetzt kommen die Grundrisse digital zum Einsatz!
Dafür rechnet man alle Bilder superklein und platziert
sie im Grundriß an den gedachten Stellen:


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So lassen sich ohne große Arbeit die Bildfolgen auf
konsistente Wirkung überprüfen und ggf. die Hängung
ändern bzw. optimieren.

Bei kritischer Würdigung sollten nun die angestrebten
30 Motive übrigbleiben.

Wenn Du ganz perfekt arbeiten willst, fertigst Du obendrein
Ansichten der Wände und platziert auch dort die Bilder, um
ihre Wirkung zu überprüfen.


Der folgende Hinweis kommt spät, ist aber wichtig:

Es ist nicht entscheidend, welche Deiner Bilder Du toll
findest, sondern welche Motive die größtmögliche Zahl
der Krankenhausbesucher bzw. Patienten ansprechen!

Du bist nämlich nicht als Selbstdarsteller gefragt, wie bei
einer Ausstellung, sondern allein und ausschließlich als
visueller Dienstleister.


Ich wünsche viel Erfolg bei Konzeption und Auswahl!


.
 
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AnjaC

Administrator
Teammitglied
Hallo Gerhard,

erstmal: Gratulation, dass Deine Bilder bald die Krankenhausflure zieren werden!

Ich finde die Tipps von Sven sehr gut. Hinzufügen möchte ich meine Erfahrungen mit Bildern in Krankenhäusern als Besucherin, besorgte Angehörige oder Patientin:

Ein Aufenthalt in welcher Rolle auch immer in einem Krankenhaus ist normalerweise nichts schönes, es sei denn, man darf einen neuen Erdenbürger begrüßen :) Überall da, wo ich warten musste - und das scheint inzwischen mehr und mehr auf Fluren mit ein paar Stühlen stattzufinden - habe ich versucht, mich abzulenken, um meine Gedanken nicht kreisen zu lassen. Wenn da Bilder hängen, hilft mir das. Wenn ich mich also länger mit einem Bild beschäftigen kann, ist das gut. Ein paar Details zum Entdecken, interessante Strukturen, mutmachende Farbkombinationen (nicht zu dunkel). Möglicherweise kann ich eine Geschichte in dem Bild entdecken - obwohl das bei der Auswahl vielleicht nicht weiterhilft, denn da ist ja jeder Betrachter anders.

Ganz fürchterlich finde ich diese typischen Krankenhausbilder à la "Blumenstrauß in Vase" - häufig gemalt. Die Blumen hab ich selbst dabei und sie stehen zuhauf auf den Nachttischen der Patienten. Oder auch oft zu sehen und noch schrecklicher: lächelnde Halbgötter in weiß, die lächelnden Patienten die Hand schütteln - klar aus der Imagebroschüre der Institution entliehen.

Was bei mir gut ankommt: symbolische Bildsprache. Ein Weg, der ins Bild führt. Ein Sonnenaufgang. Eine Küstenlandschaft am Meer. Sowas in der Art. Lenkt die Gedanken auf eigene schöne Erlebnisse oder auf Dinge, die man gerne wieder einmal machen möchte.

Keine Ahnung, ob Dir das weiterhilft ;)
 
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goodyhundini

Nikon-Community VIP Member
Ich bin in den letzten Jahren mindestens 2-3 x die Woche durch Krankenhausflure zur Cafeteria gelatscht, beruflich.
Dort hängen Acrylglasfotos, ich glaube 60 x 90 ;-)

Die Motive sind ausgesprochen ansprechend, viele Makroaufnahmen von sehr gut guter Qualität und harmonischen Farben, Schmetterlinge, Marienkäfer, Libellen, hübsche Blüten.
In einem anderen Stockwerk hängen ruhige, harmonische Landschaften in schönem Licht.
Mich hat das sehr angesprochen und ich sah oft Besucher, die stehen blieben und sich die Bilder anschauten.
Aus hygienischen Gründen finde ich Acrylglas im Krankenhaus auch eine sehr gute Wahl.
Ausgesucht haben die Bilder, so meine ich, die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, zusammen mit der Geschäftsführung, ich glaube eine Innenarchitektin war da auch mit im Boot.
 
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Toplander

Sehr aktives Mitglied
Hallo,

Vielen, vielen Dank schon mal für die vielen Antworten.

Ich werde das Meiste beherzigen können. Auch wenn ich es heute nicht geschafft habe die Flure auszumessen. Kommt dann Montag dran.

Ich arbeite in einer Fachklinik für alkoholkranke Männer und Pathologische Glücksspieler.
Ich bin mir nicht sicher, aber der Bedarf an Blumenbildern hält sich da eher in Grenzen.
Die Klinik ist im Allgäu, kurz vor Oberstdorf, also da, wo auch die Vier Schanzen Tournee beginnt.
Wir haben jede Menge schöner Gegend vor der Türe und aus dieser werden der Großteil wenn nicht gar alle Bilder kommen.
Einen Leitgedanken bei der Bildauswahl hatte ich bereits, dank Anja kommt nun noch ein spezieller Fokus auf eine symbolische Bildsprache mit dazu.
Wenn unsere Männer nun nicht mehr trinken oder den ganzen Tag im Spielcasinos sind Haben Sie ja jede Menge Zeit welche Sie möglichst konsumarm füllen sollen.
Deshalb möchte ich, dass nach Möglichkeit alle Bilder ein lohnendes Ziel einer Wanderung beschreiben, also Lust machen raus zu gehen.

Sven sei dank werde ich tatsächlich erst mal zum einen Papp dummies basteln und die exemplarisch an die Wand hängen, und dann später mal Miniaturen für den Überblick aufkleben. Naja eigentlich ist Sven's kompletter Workflow derart durchdacht, wahrscheinlich werde ich den beinahe eins zu eins übernehmen können.
Einzig, die Kolleginnen kommen doch schon jetzt mit ins Boot, denn zum einen nörgeln sie schon, dass sie endlich Bilder sehen wollen und zum Anderen können wir zumindest schon mal die konkreten Themen festlegen. (a la: EG. rechts Skiflugschanze, EG links Freibergsee, Treppenhaus: Heißluftballon, ...)
Dann kommen sie später bei der Feinauwahl wieder mit ins Boot. Bei wesentlich weniger Bildern.

Hab ich jetzt da wieder Lust drauf, hier zu Pötte zu kommen.
Danke Euch allen.

Gute Nacht
Gerhard
 
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