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Ein Ultraweitwinkel, das uns nachhaltig beeindruckt hat​



Mit dem TAMRON 12-20mm F2.8 (Modell A084) erweitert Tamron sein Angebot an lichtstarken Ultraweitwinkelzooms für spiegellose Vollformatkameras. Schon die technischen Daten versprechen einiges: 12 Millimeter Bildwinkel am unteren Ende, eine durchgängige Lichtstärke von F2.8 und ein überraschend kompaktes Design.

Wir konnten das Objektiv bereits vor der offiziellen Markteinführung an einer Nikon Z6 II ausgiebig ausprobieren. Statt uns auf Messwerte zu konzentrieren, haben wir es dort eingesetzt, wo ein Ultraweitwinkel überzeugen muss: in engen Innenräumen, bei Architekturaufnahmen, in der Landschaft und bei Motiven mit kurzer Aufnahmedistanz.

Wie sich das neue Objektiv im fotografischen Alltag schlägt, zeigen wir in diesem Praxistest. Alle Beispielaufnahmen wurden – sofern nicht anders angegeben – als JPEG direkt aus der Kamera übernommen.

Verarbeitung und Bedienung​

Schon beim Auspacken hinterlässt das TAMRON 12-20mm F2.8 einen überraschend kompakten Eindruck. Gemessen am Brennweitenbereich und der durchgängigen Lichtstärke von F2.8 fällt das Objektiv vergleichsweise handlich aus. Es misst rund 121 mm von der Spitze der integrierten Gegenlichtblende bis zum Bajonett beziehungsweise etwa 115 mm von der Frontlinse bis zur Sensorebene. Das Gewicht unseres Testexemplars lag ohne Objektivdeckel bei 584 Gramm.

An der Nikon Z6 II wirkt die Kombination gut ausbalanciert. Es lässt sich damit auch längere Zeit problemlos aus der Hand fotografieren. Selbst wenn die Kamera kurzzeitig nur mit einer Hand gehalten werden muss, bleibt das Objektiv problemlos kontrollierbar.

Bereits nach den ersten Minuten entsteht der Eindruck, dass Tamron besonderen Wert auf eine ausgewogene Balance zwischen Lichtstärke, Bildwinkel und Alltagstauglichkeit gelegt hat.


Die Bedienelemente im Detail​

Die drei Einstellringe sind logisch angeordnet. Direkt hinter der fest integrierten Gegenlichtblende befindet sich der breite Fokusring, der sich leichtgängig und präzise mit einem Finger bedienen lässt. Dahinter folgen der Zoomring und schließlich der frei belegbare Einstellring, der in der Grundeinstellung als Blendenring arbeitet. An der Z6II lassen sich alternativ Belichtungskorrektur oder ISO-Einstellung als Funktionen zuweisen.

Besonders auffällig ist die ungewöhnlich umfangreiche Ausstattung. Zwischen Zoom- und Einstellring hat Tamron insgesamt acht zusätzliche Bedienelemente untergebracht. Das unterstreicht den professionellen Anspruch des Objektivs und eröffnet zahlreiche Möglichkeiten zur individuellen Anpassung.


Bild: ©TAMRON

Funktionstasten
Das Objektiv besitzt zwei identische Funktionstasten – eine an der linken Seite und eine auf der Oberseite. Beide erfüllen dieselbe Aufgabe. Die doppelte Anordnung sorgt dafür, dass die Taste sowohl im Quer- als auch im Hochformat bequem mit dem linken Daumen erreichbar bleibt.

Custom-Schalter
Über den Schalter Custom 1 / 2 / 3 lassen sich bis zu drei verschiedene Funktionsprofile auswählen. Je nach Konfiguration können den Funktionstasten klassische L-Fn-Funktionen der Kamera oder spezielle Objektivfunktionen wie Fokusvoreinstellung, A-B-Fokus, Fokus-Stopper oder Astro FC-L zugewiesen werden. Die Einrichtung erfolgt komfortabel über die Tamron Lens Utility per USB-C-Anschluss direkt am Objektiv.

AF/MF- und MF-Lock-Schalter
Der AF/MF-Schalter arbeitet wie erwartet. Im AF-Modus übernimmt der Autofokus die Scharfstellung, wobei jederzeit manuell eingegriffen werden kann. Im MF-Modus erfolgt die Fokussierung ausschließlich von Hand.

Mit dem MF-Lock-Schalter lässt sich der Fokusring vollständig deaktivieren. Unbeabsichtigte Veränderungen der Schärfe werden dadurch sowohl im AF- als auch im MF-Modus zuverlässig verhindert.

Click- und Control-Lock-Schalter
Der Click-On/Off-Schalter bestimmt, ob der Einstellring mit spürbaren Rastungen (on) oder vollkommen stufenlos (off) arbeitet. Dadurch lässt sich der Einstellring auf Wunsch wie ein klassischer Blendenring mit Raststufen verwenden. Andererseits dürften gerade Videograf:innen die Möglichkeit zu schätzen wissen, den Ring lautlos und ohne Rastpunkte bedienen zu können.

Der Control-Lock-Schalter deaktiviert den Einstellring vollständig. Er lässt sich anschließend zwar weiterhin drehen, löst jedoch keine Funktion mehr aus.

Zoom-Lock
Eine interessante Lösung hat Tamron beim Zoom-Lock gewählt. Der Schalter kann sowohl bei 12 als auch bei 20 Millimetern aktiviert werden. Anders als klassische Zoom-Sperren blockiert er den Zoomring jedoch nicht vollständig, sondern erzeugt lediglich einen spürbaren Rastpunkt. Beim Überwinden dieses Widerstands springt der Schalter automatisch wieder in seine Ausgangsstellung zurück. Dadurch dient er weniger als Transportsicherung, sondern vielmehr als haptische Orientierung an den beiden Endstellungen des Zoombereichs.

In der Praxis wirkt die Vielzahl der Schalter zunächst ungewohnt. Nach kurzer Eingewöhnung zeigt sich jedoch, dass die Anordnung durchdacht ist und viele Funktionen direkt am Objektiv erreichbar sind, ohne Umwege über das Kameramenü.

Ausstattung​

Aufwendiger optischer Aufbau



Ein Ultraweitwinkel mit 12 Millimetern Brennweite und einer durchgängigen Lichtstärke von F2.8 stellt hohe Anforderungen an die optische Konstruktion. Das TAMRON 12-20mm F2.8 besteht aus 17 Linsen in 12 Gruppen. Zum Einsatz kommen ein XGM-Element (eXpanded Glass Molded Aspherical), drei GM-Elemente (Glass Molded Aspherical), ein XLD-Element (eXtra Low Dispersion) sowie drei LD-Elemente (Low Dispersion). Die verschiedenen Spezialgläser dienen dazu, typische Abbildungsfehler eines Ultraweitwinkelobjektivs möglichst gering zu halten.

Wettergeschützte Konstruktion



Für den Einsatz außerhalb des Studios verfügt das TAMRON 12-20mm F2.8 über eine wettergeschützte Gehäusekonstruktion. Dichtungen an den besonders beanspruchten Stellen sollen das Eindringen von Feuchtigkeit reduzieren und so den Einsatz bei wechselnden Witterungsbedingungen erleichtern. Zusätzlich ist die Frontlinse mit einer Fluorvergütung versehen, die Wasser und Schmutz besser abweisen soll und die Reinigung erleichtert.

Während unseres Tests geriet versehentlich eine Fingerkuppe kurz gegen die Frontlinse. Ein Fleck danach war nicht erkennbar. Später beim kurzen Putzen der Linse fiel auf, wie leicht ein Mikrofasertuch über die Linse gleitet. Falls dies dem Aufwand der Beschichtung zu verdanken ist, ist dieser in der Praxis durchaus zu bemerken.

Technische Daten​

MerkmalTAMRON 12-20mm F2.8
ModellA084
Brennweite12–20 mm
LichtstärkeF2.8
Bildwinkel121°58′ bis 94°30′ (Vollformat)
Optischer Aufbau17 Linsen in 12 Gruppen
Naheinstellgrenze0,18 m (12 mm) / 0,28 m (20 mm)
Max. Abbildungsmaßstab1:5,8 (12 mm) / 1:9,1 (20 mm)
Blendenlamellen12 (kreisrunde Blende)
Kleinste BlendeF16
Filterintegrierter rückseitiger Filterhalter
AbmessungenØ 90 mm × 119,3 mm (Sony) / 121,3 mm (Nikon)
Gewicht570 g (Sony) / 585 g (Nikon)
BajonetteSony E, Nikon Z
MarktstartSony: 30.07.2026 · Nikon: 27.08.2026

12 Millimeter in der Praxis​

12 Millimeter eröffnen Perspektiven, die mit klassischen Weitwinkelobjektiven kaum möglich sind. Um einen Eindruck vom Bildwinkel und der Wirkung des Objektivs zu vermitteln, haben wir es an verschiedenen Motiven ausprobiert und widmen der Brennweite von 12mm ein eigenes Kapitel in unserem Review:


12mm, f/2.8, 1/2500s, ISO 100


12mm, f/2.8, 1/2000s, ISO 100


12mm, f/2.8, 1/2000s, ISO 100


12mm, f/2.8, 1/2000s, ISO 100


12mm, f/2.8, 1/2000s, ISO 100


12mm, f/8, 1/200s, ISO 100


12mm, f/7.1, 1/125s, ISO 100


12mm, f/2.8, 1/25s, ISO 320


12mm, f/2.8, 1/25s, ISO 320


12mm, f/2.8, 1/25s, ISO 360

Bei dem folgenden Motiv helfen die 12mm, dass das Motiv ohne die Absperrung dargestellt werden kann, die sonst den Vordergrund eines Fotos mit höherer Brennweite unschön dominiert hätte:


12mm, f/2.8, 1/40s, ISO 720


Hier die Absperrung - 12mm, f/2.8, 1/25s, ISO 250

Naheinstellgrenze​


12mm, f/2.8, 1/400s, ISO 100

Hier wollen wir einmal zeigen, dass dieses Ultraweitwinkel sich auch sehr gut für Nahaufnahmen eignet. Durch die unterschiedlichen Mindestabstände bei 12mm und 20mm ergibt sich ein etwa gleicher Abbildungsmaßstab mit entsprechend unterschiedlichen Bildwinkeln des Hintergrundes. Die hier gewollte Unschärfe durch die offene Blende 2.8 ergibt ein sehr weiches, angenehmes Bokeh.


20mm, f/2.8, 1/400s, ISO 100

Gerade bei Weitwinkelobjektiven wird die Naheinstellgrenze häufig unterschätzt. Das 12-20 mm lädt regelrecht dazu ein, sehr nah an Motive heranzugehen und sie dennoch in ihrer Umgebung zu zeigen.

Bildqualität​

Allgemein kommt uns die Farbübertragung des Objektivs recht neutral vor, so dass die Anmutung der in-camera Nikon-Picture Settings nicht beeinflusst wird. Wer gerne Jpegs direkt aus der Kamera verwendet, wird dies sicherlich schätzen.

Wir zeigen hier unseren Waldrand vom Balkon aus, die Aufnahmen sind vom Stativ mit unveränderter Position des Kugelkopfes. Als Referenzfoto dient uns die 35mm-Perspektive, aufgenommen mit dem Tamron 2.8/28-75:


35mm, f/8, 1/100s, ISO 100


12mm, f/2.8, 1/1600s, ISO 100


20mm, f/2.8, 1/1600s, ISO 100

Auf einem Motiv dieser Art einzelne Blätter oder feine Ästelungen auf ca. 100m Entfernung auflösen zu wollen, ist eine Aufgabe, die man einer Brennweite von 12-20mm nicht stellen kann. Wir wollen hier die Weite der Blickwinkel zeigen. Dennoch liefert das Objektiv auch in der 100%-Ansicht der 24MP der Z6II Details der Birke erstaunlich überzeugend ab! Auffällig ist, dass auch in dieser Ansicht mit bloßem Auge auf unseren Monitoren kein Auflösungsabfall zum Bildrand hin auszumachen ist. Abblenden von Offen auf Blende 8 ändert an diesem visuellen Eindruck bei diesem Motiv nichts. Das bedeutet: Bereits bei Offenblende liefert das Objektiv eine überzeugende Abbildungsleistung!


19mm, f/2.8, 1/40s, ISO 1000

Dieses Motiv mit den Gebetbüchern in Reihe ist mit nur sehr geringer Neigung der Kamera zum Motiv aufgenommen. Es sind keine nennenswerten Verzeichnungen erkennbar und die Randschärfe sieht im Vergleich zur Bildmitte auch in der 100%-Ansicht tadellos aus.


16mm, f/7.1, 1/50s, ISO 100

Immer wieder sehr praktisch, auch ohne spezielle WW-Gestaltung 16mm und weniger einzusetzen: Straßenszenen oder Geschäfte, bei denen man so nah ran ans Motiv kann, dass Passanten hinter dem Fotografen und nicht vor der Linse vorbeigehen.

Die Aufnahmen der Motive mit direkter Sonne im Gegenlicht zeigen eine sehr souveräne Abbildungsleistung. Offenblendig sind keine Blendenflecken zu erkennen, bei Blende 8 und 16 nur sehr dezent und in direkter Linie mit einem sehr schönen Sterneffekt der Sonne durch die aufwändig konstruierte Blende:


12mm, f/2.8, 1/4000s, ISO 100


12mm, f/8, 1/500s, ISO 100


12mm, f/16, 1/125s, ISO 100

Autofokus​

Für den Autofokus setzt Tamron auf den hauseigenen VXD-Linearmotor (Voice-coil eXtreme-torque Drive). Im Praxiseinsatz an unserer Nikon Z6 II arbeitete der Autofokus schnell, präzise und zuverlässig. Sowohl bei Architektur- und Landschaftsaufnahmen als auch bei Nahaufnahmen stellte das Objektiv sicher scharf.

Auch bei den Innenaufnahmen in der Kirche, wo deutlich weniger Licht zur Verfügung stand als im Freien, zeigte der Autofokus keine Schwächen und war nahezu unhörbar. Während unseres gesamten Testzeitraums kam es zu keinen Fehlfokussierungen oder auffälligen Pumpbewegungen.

Beim Fokussieren blieb der Bildausschnitt zudem nahezu unverändert. Ein nennenswertes Focus Breathing konnten wir während unseres Tests nicht feststellen.

Lieferumfang​


Bild: ©TAMRON

Zum Lieferumfang gehört neben Front- und Rückdeckel ein hochwertiges Einschlagtuch, das das Objektiv beim Transport vor Kratzern schützen soll. Anders als ein klassischer Objektivbeutel lässt es sich flexibel um das Objektiv legen. Bei Bedarf kann es auch als saubere Unterlage oder zum Reinigen der Frontlinse genutzt werden.

Durch die fest integrierte Gegenlichtblende besitzt das TAMRON 12-20mm F2.8 einen speziell geformten Frontdeckel, der sicher auf der Gegenlichtblende sitzt und sich bei unserem Test problemlos aufsetzen und abnehmen ließ.

MTF-Kurven (Herstellerangaben)​




Tamron veröffentlicht für das 12-20mm F2.8 MTF-Kurven sowohl für die kürzeste Brennweite von 12 Millimetern als auch für 20 Millimeter. Sie geben Aufschluss darüber, wie gut das Objektiv feine Strukturen und Kontraste vom Bildzentrum bis in die Randbereiche übertragen kann.

Wie bei allen MTF-Diagrammen handelt es sich um Herstellerangaben unter definierten Messbedingungen. Wie sich das Objektiv in der fotografischen Praxis schlägt, zeigen die Beispielaufnahmen und unsere Eindrücke in den vorherigen Abschnitten.

Fazit​

Schon direkt nach dem ersten Augenschein und erst recht nach dem weiteren Kennenlernen hatten wir den Eindruck, dass Tamron den Schwerpunkt dieses Objektivs klar auf anspruchsvolle Fotograf:innen gelegt hat. Die Kombination aus außergewöhnlichem Bildwinkel, hoher Lichtstärke und der umfangreichen Ausstattung hebt das 12-20mm F2.8 deutlich von klassischen Ultraweitwinkelzooms ab. Zahlreiche frei konfigurierbare Bedienelemente und Sonderfunktionen unterstreichen diesen Anspruch.

Größe, Gewicht und Austarierung harmonieren an der Nikon Z6 II hervorragend. Auch bei längeren Fototouren trägt sich die Kombination unauffällig am Kameragurt und benötigt im Fotorucksack oder in der Fototasche vergleichsweise wenig Platz. Es lässt sich damit auch über längere Zeit entspannt aus der Hand fotografieren. Tatsächlich kaum zu beschreiben ist das Gefühl beim Blick durch den Sucher, wenn die 12-Millimeter-Brennweite Räume öffnet und Perspektiven ermöglicht, die mit längeren Brennweiten schlicht nicht einzufangen sind.

Auch bei Verarbeitung und Haptik hinterlässt das Objektiv einen ausgezeichneten Eindruck. Viele Details wirken durchdacht, und die Bildqualität entsprach in unserem Praxistest den hohen Erwartungen an ein Objektiv dieser Klasse. Das TAMRON 12-20mm F2.8 hat uns während des gesamten Testzeitraums begeistert.

Wer häufig Landschaften, Architektur oder Innenräume fotografiert, bekommt mit dem TAMRON 12-20mm F2.8 ein außergewöhnliches Ultraweitwinkelzoom, das trotz seiner hohen Lichtstärke erstaunlich kompakt ausfällt. Auch das Preis-/Leistungsverhältnis überzeugt: Mit einer UVP von 1.799 € für die hier getestete Nikon-Version positioniert sich das Objektiv angesichts seiner Ausstattung, Leistung und des einzigartigen Brennweitenbereichs sehr attraktiv gegenüber der Konkurrenz, deren Objektive zumeist erst bei 14 Millimetern beginnen.

Bewertung​



Mehr Informationen gibt es hier bei TAMRON:

© Netzwerk Fotografie. Jedwede Art der Veröffentlichung, auch auszugsweise, bedarf der Genehmigung. Text: Anja Anton-Hoenen, Fotos: Frank-Michael Anton, Hersteller.

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