Update 21. November 2020
Germany
New Cases 20.11.2020: 22593
Weekly average: 18432
7 day incidence: 155,4
Rt: 1,01 (0,92 - 1,10)
Forecast 18.12: 18359 (9165 - 36778)
Alert Value A: 1,36 very high risk
Oberflächlich betrachtet hat sich der aktuelle Ausbruch auf einem hohen Pleateau einer Inzidenz von 150 "stabilisiert".
Allerdings spricht eine genauere Betrachtung eine andere Sprache: Seit letzten Freitag, also einer Woche, steigt der Alertvalue wieder (um 0.07), zuvor war er den ganzen November stetig gefallen. Seit ca. 1 Woche arbeitet sich auch Rt wieder hoch von leicht unter 1 (ca. 0.95) auf leicht über 1 (ca. 1.03) mit weiter steigender Tendenz. Trotz des Lockdown-Light ziehen die Fallzahlen "gaaaanz langsam" wieder an

Dieser Effekt ist auch in den Zahlen des RKI erkennbar.
Die Bundesregierung hat auch Physiker - daher gehe ich davon aus, dass die Maßnahmen auf der MP-Konferenz nächste Woche verschärft und nicht gelockert werden.
Zur weiteren Lage: Aktuell gibt es 216 Todesfälle im 7-Tagesmittel (Höchststand im Frühjahr: 248), mit Covid belegte Intensivbetten 3615 (Höchststand im Frühjahr: 2922), Die Inzidenzen steigen bis 19J und ab 70J, besonders um 80-90J, dazwischen fallen sie; das Durchschnittsalter ist erneut um 1J gestiegen. Scheinbar nimmt also das Infektionsgeschehen in Schulen und Pflegeeinrichtungen überproportional zu. Die Positivenrate hat sich von 7.86% auf 9.00% deutlich erhöht und liegt nun im Bereich des ersten Ausbruchs, allerdings sank die Zahl der Testungen. Ohne diesen Effekt hätten wir möglicherweise ca. 7% mehr Fälle in der Statistik, also ein um ca. 0.04 erhöhten Wert von Rt.
Eine Anmerkung zur weiteren Prognose: Ohne weitere Maßnahmen wird muMn Rt
nicht in der Nähe von 1 verweilen. Was wir sehen, ist eine trügerische Ruhe vor einem erneuten Anstieg (auch wenn Prof. Dirk Brockmann sagt, man könne aktuell nicht sagen, wie es weitergeht). Warum? Weil das jetzige flache Tal der Rt-Kurve klassisch ist für den Übergang von einer Subpopulation in eine andere. Oder anders ausgedrückt: es ändert sich das Verhalten der Bevölkerung vermutlich nicht (was man mit Mobilitätsdaten belegen könnte), aber ein Teil der Bevölkerung infiziert schon die ganze Zeit mit Rt>1 und dieser Teil macht sich nun bei relativ rückläufigen Zahlen bei der Restbevölkerung in der Gesamtstatistik stärker bemerkbar. Asymptotisch steigt Rt weiter an, bis es den Wert von Rt bei dieser Subpopulation erreicht, bzw. bis diese sich komplett infiziert hat.
Daher wäre es jetzt muMn dringend geboten, mit möglichst vielen Schnitten durch die Population (Alter, Bildung, Region, Siedlungsdichte, Branche, Familienstand, etc.) die Subpopulation zu identifizieren, deren Rt aktuell eher hoch liegt. Jeder Schnitt muss dabei aber eine grosse Population enthalten (10%+), sonst ist die Berechnung von Rt statistisch nicht sinnvoll. Für die so gefundene[n] Subpopulation(en) wären dann gezielte Maßnahmen zu verfügen. Dies würde ich als zielführender erachten als eine breite Maßnahmenverschärfung. Allerdings konnte ich bisher keine Bemühungen der Statistiker in dieser Richtung erkennen.
Es wäre ein Anfang, das Geld für die Pflege zu sanieren. nur das allein reicht nicht.
Es gibt in großen Städten - da ist Hamburg nicht allein - immer wieder Ecken, die aus den oder den Gründen, die hier nicht diskutiert werden können, abrutschen, in denen sich Arbeitslose, Arbeitsunwillige, und alle anderen sammeln, die in den sogenannten besseren Wohnvierteln keine Bleibe finden.
Wenig Grünzeug, enge und kleine Wohnungen ohne viel Komfort und schon hat man nicht gerade die Oberschicht versammelt. Für die Vermieter lohnt es sich kaum noch Geld zu investieren und der Kreislauf setzt sich fort, Arzt, Apotheker ziehen um und zum Schluß landet dann in Stadtteilen wie der Veddel ein bestimmtes Klientel,
das auch noch den Rest der sozial besser gestellten an die Nachbarbezirke abgibt.
Um so einen Stadtteil wieder " nach vorne " zu bringen, müssen städtebauliche Maßnahmen, schulpolitische Verbesserungen und und und eingesetzt werden.
Für die Veddel gab es schon Imagekampagnen mit Zeitungsberichten wie " Ich wohne jetzt gern multikulti in ... " und der Weg nach oben war vorgezeichnet
und da finde ich es eben bedauerlich, wenn es gerade die Menschen in diesem Stadtteil erwischt, die es eh überall schwer haben.
Und da könnte man gleichermaßen über die Lebensumstände der dort lebenden infizierten wie nichtinfizierten Mitbürger nachdenken.
Es wäre ein Anfang, das Geld für die Pflege zu sanieren. nur das allein reicht nicht.