Neue alte Leidenschaft

Objektive von Leica, Minolta und anderen Herstellern, welche bereits vor 70 Jahren Objektive produziert haben, waren bis vor wenigen Jahren nur im Besitz von Liebhabern. Doch spätestens mit Erscheinen der spiegellosen Systemkameras haben auch Nicht-Sammler die Liebe zu alten Objektiven entdeckt.
An Systemkameras mit Spiegel war das Adaptieren je nach Objektiv problematisch. Doch seit Vorstellung der Nikon Z6 und Z7 erfreuen sich immer mehr Nikon Nutzer am Altglas.
Als Altglas bezeichnen wir – zugegebenermaßen etwas respektlos – jene Objektive, die früher, vor der Zeit der Digitalkameras, an Kleinbildkameras verwendet wurden. Entsprechend verfügen diese nicht über einen Autofokus. Der Fokus muss manuell eingestellt werden; die Blende wird am Objektiv gewählt, nicht an der Kamera.
Viele assoziieren mit alten Objektiven eine schlechte Abbildungsleistung. Dabei sind viele von ihnen teilweise schärfer als ihre modernen Verwandten und die entstandenen Bilder können problemlos auf eine große Fotoleinwand gedruckt werden.
Das Besondere am Altglas
Doch warum sind die alten Objektive eigentlich so beliebt, wo es doch hervorragende Objektive für das Nikon Z System gibt?
Ist es der Preis? Teilweise. Objektive wie ein Minolta 50mm f/1.4 bekommt man mit einem Preis von unter 100 € bereits sehr günstig. Bei Offenblende ist es in der Bildmitte bereits sehr scharf und braucht sich kaum hinter aktuellen Objektiven verstecken. Dafür ist es – zugegeben – am Rand etwas schwächer und bei Gegenlichtsituationen kontrastloser. Früher war die Vergütung noch nicht auf einem so hohen Niveau wie heute.

Mit spiegellosen Kameras ist das manuelle Fokussieren aufgrund der Focus Peaking Funktion sowie der Fokuslupe kein Problem mehr, sofern sich das Objekt nicht bewegt. Beim Fokussieren muss man sich somit Zeit lassen und kann sich mehr auf das Motiv konzentrieren, was ungemein entschleunigt. Bis auf Sport und bewegende Tiere ist alles problemlos möglich.
Exkurs: Focus Peaking ist eine Funktion der spiegellosen Systemkameras, die sich Konstrastkanten zu Nutze macht und diese mit farbigen Punkten markiert. So ist trotz manuellem Fokussieren sofort ersichtlich, welcher Bereich gerade scharf ist und welcher außerhalb des Fokus liegt.
Aber es gibt auch sehr teures Altglas. So sind teilweise 85mm f/1.5 Objektive auf dem Markt, die um die 1.000 € kosten. Der Preis ist identisch mit den aktuellen AF-Äquivalenten. Warum finden auch diese Objektive ihre Abnehmer? Zum einen ist es die Größe: Durch den fehlenden Autofokus kann das Objektiv sowohl kleiner als auch leichter gebaut werden. Primär auf Reisen sind viele über jedes gesparte Gramm froh. Das ist aber nicht der einzige Grund. Altglas ist auch wegen des Bokehs so beliebt.
Aktuelle Objektive bilden oft ungemein scharf ab, haben aber ein sehr steriles Bokeh. Bei Altglas hingegen besitzt jedes Objektiv einen komplett anderen Charakter. Von traumhaft weich bis hin den beliebten „Bubbles“ ist alles dabei.
Die schönsten Fotos drucken lassen
Wer all die Vorteile des Fotografierens mit alten Objektiven schätzt, sollte die so entstandenen Bilder auch zu genießen wissen. Wie oft schauen wir uns tatsächlich unsere Fotografien auf dem Computermonitor an? Hängen die schönsten Motive aus dem Urlaub jedoch an der Wand, können wir uns täglich an ihnen erfreuen.
Bereits für kleines Geld können sie auf eine große Fotoleinwand gedruckt werden und kommen an den Wänden Ihrer Wohnung hervorragend zur Geltung.
Teilweise ist Altglas sogar so gut, dass es auch die 45 Megapixel der Nikon Z7 bedienen kann. Ein Druck auf eine Fotoleinwand stellt somit kein Problem dar.
Wichtig dabei: Damit die Farben auf der Leinwand auch so aussehen wie auf dem Monitor, stellen die meisten Druckanbieter Farbprofile bereit, damit die Fotografien für den Druck angepasst werden können. Die entsprechenden Hinweise sollten Sie unbedingt beachten!
