Just Look Don’t Taste: das Making Of zum Bild der Woche

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Gelungenes Kopfkino

Wöchentlich küren wir in unserem NF-Club* das Bild der Woche. Seit vielen Jahren ist dieser „Mini-Wettbewerb“, bei dem es außer Ruhm und Ehre nichts zu gewinnen gibt, ein Highlight für alle Clubmitglieder. Und die Siegerbilder können sich sehen lassen!

In der Kalenderwoche 11 gewann unser Club-Mitglied Roland Ondra mit dem Bild „Just Look Don’t Taste“ diesen Wettbewerb. Seine außergewöhnliche Bildidee hat uns so begeistert, dass wir unbedingt wissen wollten, wie dieses Bild entstanden ist.

Der NF-Club ist ein Service für unsere Club-, Premium- und Platin-Abonnenten. Die Beiträge sind demnach auch nur mit Zugangsberechtigung sichtbar. Roland hat uns aber auf Nachfrage freundlicherweise gestattet, seine Erläuterungen zum Making Of für alle Interessierten zu veröffentlichen. Langer Rede kurzer Sinn: schaut und lest selbst. Und vielleicht lasst Ihr Euch ja zu ähnlichen Bildern inspirieren:

Dies ist das Siegerbild

Just Look Don't Taste: das Making Of zum Bild der Woche

Roland schreibt:

Die Bildidee hatte ich schon lange im Kopf, nur an der Umsetzung und einer Dame, die das mitmacht, scheiterte es bisher. Da ich keine Aktfotografie betreibe war es mir wichtig, dass absolut nichts, aber auch gar nichts zu sehen ist und nur das Kopfkino angesprochen wird.

Das Model ist Cornelia aus Nürnberg, mit der ich den Bildaufbau im Vorfeld bis ins Detail abgesprochen hatte.

Ausgangspunkt zum Bild war eine Lichtsimulation mit dem Programm „Set a Light“.

Als Hintergrund habe meinen schwarzen Vinylhintergrund verwendet, der mit Manfrotto Autopoles gegen die Decke gespannt war. Als Studio diente einfach das Wohnzimmer.

Zur Lichtsetzung

Just Look Don't Taste: das Making Of zum Bild der Woche
Lichtsimulation mit der Software „Set a light“

Die Position ist stets aus der Sicht des Models.

Ich habe einen Beautydish 50 cm mit Wabe auf einem FL500 Blitz von rechts oben (hoch-frontal etwa 45/45°) auf das Gesicht gerichtet. Damit wollte ich die Gesichtskonturen und deren Schatten etwas härter und deutlicher zeichnen.

Von vorne habe ich quasi horizontal ein frontales Zangenlicht mit etwa 30° Öffnungswinkel gesetzt. Dabei war der rechte Lichtformer der Para90 komplett dezentralisiert und von der anderen Seite eine K90 Softbox von Jinbei gesetzt (Ich besitze leider nur einen Para). Der Para90 war auch mit einem FL500 bestückt und der K90 mit dem Goddox AD600BM. Alle Generatoren sind rein manuell.

Die Kamera war auf 1/200 mit Blende 11 eingestellt, um eine ordentliche Tiefenschärfe zu erreichen und um das Umgebungslicht komplett auszuschalten.

Als Objektiv habe ich das Sigma 35/1.4 Art an der D800 verwendet. Fokuspunkt war praktisch am Auge. Die Kamera war auf meinem Sachtler-Stativ montiert, um auch Verwacklungen beim Auslösen zu vermeiden.

Die Blitzleistung habe ich vorher für jeden Blitz mit einem Belichtungsmesser einjustiert.

Mein Model war vorher schon instruiert, wie das Bild aussehen soll und sie war auch voll motiviert und mit Spaß bei der Sache.

Wichtig für den Bildaufbau war die Einrichtung und Ausrichtung von Kamera und Model, so dass das Bild möglichst symmetrisch aufgebaut wird und dass von den „Spaßbereichen im Freizeitpark“ nichts zu sehen ist.

Um die Flüssigkeit im Glas undurchsichtig zu bekommen, wollte ich zunächst Wasser mit Zeichentusche mischen. Letztendlich ist es aber Sojasoße geworden.

Wie ich erst später beim näheren Betrachten der Bilder gemerkt habe, war die Sojasoße doch nicht die richtige Wahl. Aufgrund der Kameraeinstellung von 1/200 und Blende 11 waren alle drei Blitze nahezu auf voller Leistung, insgesamt also etwa 1200 Ws. Dadurch ist trotzdem etwas Licht durch die Sojasoße gelangt und hat im Schambereich leichte braune Schatten auf die Oberschenkel geworfen.

Das musste ich in der Bearbeitung mit etwas Dodge’ n Burn korrigieren.

Zur Bildbearbeitung

Ich habe zunächst in Lightroom eine grobe Entwicklung vorgenommen und die Lichter, die Tiefen, den Kontrast und die Dynamik eingestellt. Anschließend ging es in Photoshop weiter. Dort habe ich über eine Frequenztrennung die wesentlichen Hautunreinheiten, die Blinddarmnarbe und eine Piercingnarbe am Bauchnabel entfernt. Danach galt es über Abpudern nochmals die Haut etwas zu glätten. Darauf mit Verflüssigen die Körperform ein wenig angepasst, ein ganz klein wenig Dodge’ n Burn und zuletzt habe ich einen leichten Farbverlauf über das Bild gelegt.

Von dort aus ging es noch kurz in ON1-Effects, um einen Warmfilter mit etwa 50% Deckung über das gesamte Bild zu legen

Das war es auch schon mit der Bearbeitung.

Aus der Serie mit etwa 50 aufgenommenen Bildern wird es nur dieses eine Bild geben, allerdings in zweierlei Beschnitten.

Den zweiten Beschnitt möchte ich Euch nicht vorenthalten. Die Bildaussage wird dadurch nochmals verstärkt, aber leider geht das bezaubernde Lächeln des Models dabei verloren:

Just Look Don't Taste: das Making Of zum Bild der Woche

Roland, vielen Dank für die Erlaubnis, diesen Artikel zu veröffentlichen und herzlichen Glückwunsch zum verdienten Sieg!

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Über Anja Hoenen 1297 Artikel
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.