Am nächsten, eher ereignislosen Tag vergammelten wir den Morgen in Xi’an. Dann aber ging unsere eigentliche Reise überhaupt erst los. Unser wahres Ziel waren schließlich nicht die großen Städte Chinas, sondern die Weiten Tibets und des Himalayas.
Dazu mussten wir zunächst eine weitere Fahrt im Hochgeschwindigkeitszug absolvieren, nämlich von Xi’an nach Xining.
Mit ihren 2,5 Millionen Einwohnern ist Xining die letzte Großstadt vor dem immer noch weit entfernten Lhasa. Der Bahnhof der Stadt, in dem wir etliche Stunden Wartezeit verbrachten, bot wirklich nichts Berichtenswertes. Kurz vor unserer Weiterfahrt wurden wir aber von einer Gruppe von Leuten, die mit viel Gepäck unterwegs waren, ungeniert angestarrt, angelächelt und fotografiert.
Ich habe einfach das Gleiche gemacht.
Und dann ging es endlich los Richtung Tibet.
Mittlerweile war es schon Abend geworden. Wir bereiteten uns also gleich auf die Nacht vor – und auf eine der spannendsten Fahrten unseres Lebens, quer über die tibetische Hochebene.
Am nächsten Morgen waren wir schon ein ordentliches Stück gefahren. Allerdings dauert die Zugfahrt von Xining nach Lhasa insgesamt 21 Stunden, auf einer Strecke von etwa 2.000 Kilometern. Zur Erinnerung hier nochmal die Karte:
Wir hatten also noch viele Stunden Zeit, den Zug und die Aussicht zu geniessen.
Die Waggons des Zuges sind nicht nur klimatisiert, sondern haben auch einen Druckausgleich mit erhöhtem Sauerstoffgehalt. Zudem gibt es in jeder Kabine Schläuche und Anschlüsse, mittels derer man unmittelbar ‚Sauerstoff tanken’ kann, falls die zunehmende Höhe Probleme macht. (Der höchste Punkt der Strecke liegt auf 5.072 Metern.) Das haben wir aber nicht in Anspruch genommen.
Für uns Fünf hatten wir zwei komplette sogenannte Soft Sleeper gebucht, halbwegs komfortable, mit Schiebetür abgeschlossene Abteile mit jeweils vier Stockbetten.
Die ebenfalls angebotenen Hard Sleeper umfassen dagegen auf beiden Seiten jeweils drei Stockbetten übereinander und waren zudem zum Gang hin offen. Nichts für Weicheier wie uns.
Was hier aussieht wie Schnee, ist zum Teil keiner: Es ist oft Salz, oder Schnee mit Salz durchmischt. Tatsächlich ist die Hochebene von Tibet zum Teil eine Salzwüste.
Diese eingleisige Zugstrecke, die höchste der Welt, ist ein Meisterstück der Ingenieurskunst. Die Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter sind gewaltig, was bedeutet, dass die nach fast 30 Jahren Bauzeit 2005 fertiggestellte Strecke sowohl auf steinhart gefrorenem Boden als auch in im Sommer sumpfigen Bereichen stabil bleiben muss.