Hier meine Rezension zu einem Buch, das mir in der Fülle der neu erscheinenden Bücher aufgefallen ist. Durch Vermittlung von Anja hat mir der Verlag dieses berührende und uns alle auch ganz persönlich betreffende Buch zur Besprechung zugesendet.
Ein Bildband mit Porträts älterer Menschen in Krankenhaus und Seniorenheim unter dem Titel „Gesichter erzählen vom Abend des Lebens“ fällt auf, vor allem weil das Thema in schnelllebigen Zeiten von Jugendkult und Schönheitswahn ein Zeichen setzt.
Alter assoziieren wir zwar auch mit Lebenserfahrung, Wissen und Gelassenheit, in Krankenhäusern und Seniorenheimen aber vor allem mit Vergänglichkeit und Verfall.
Dem Fotografen Hartmut Wortmann, seit mehr als 25 Jahren Seelsorger in Krankenhäusern und Altenheimen, geht es nicht um die Frage, was Alter an sich ausmacht, sondern um das ganz persönliche individuelle Altsein. So zeigen seine Porträts die Verbindung von Lebenserfahrung und Lebenseinstellung in Bildern und beigefügten Texten, die zum Teil von den abgelichteten Menschen selbst stammen oder als ihre literarischen Lieblingstexte erinnert wurden.
Alle Porträtierten haben den längsten Teil ihres Lebens gelebt, sie sind zwischen 66 und 103 Jahren alt, ihre Bilder sind ausdrucksstarke Annäherungen an die Persönlichkeit dieser Menschen und die Würde des Alters, sie spiegeln nicht allein die Spuren gelebten Lebens, sondern sind ungeschminkte charaktervolle Abbilder. Es finden sich in den Bildern keine Kulissen oder präparierte Bildhintergründe sondern allein die Konzentration auf den Gesichtsausdruck vor der gerade vorhandenen in mehr oder weniger Unschärfe verschwindenden Umgebung. Freude und Leid, Verschmitztes und Ernsthaftes, Nachdenkliches und Gelassenes werden dabei sichtbar.
Sämtliche Portraits wurden in Sepiatönung entwickelt, um das erklärte Ziel des Fotografen, die Konzentration auf Wesentliches und die Hervorhebung des erzählerischen Moments, zu unterstützen. Bei manchen Fotos liegt die Schärfe nicht auf dem Auge, noch nicht einmal auf dem Gesicht der porträtierten Person sondern auf der Schulter, der Hand vor dem Kinn oder auch mal nirgendwo im Bild. Da der Fotograf in vielen Bildern aber unter Beweis stellt, mit Schärfe und Unschärfe umgehen zu können, hält der Rezensent es mit Henri Cartier-Bresson: „Schärfe ist ein bourgeoises Konzept“. Außerdem: Die eigene Erfahrung mit Menschen in Altenheimen und Krankenhäusern und der Familie lehrt, dass im Alter so manche Erinnerung verschwimmt, so mancher Gedanke unscharf wird. Vielleicht zu viel der Interpretation, es mag aber sein, dass die Unschärfe in manchen Porträts auch die fotografische Umsetzung der Erfahrung ist, dass „manchmal die körperlichen und geistigen Einschränkungen massiv erscheinen.“
Für noch nicht einmal 20 Euro ein empfehlenswerter Bildband für alle, die sich dem „Abend des Lebens“ von fotografischer Seite her nähern wollen.
Hartmut Wortmann
Gesichter erzählen
vom Abend des Lebens
208 Seiten, gebunden, Bildband
Format 20,0 x 29,5 cm
ISBN 978-3-7858-0666-1
Bewertung:
Ein Bildband mit Porträts älterer Menschen in Krankenhaus und Seniorenheim unter dem Titel „Gesichter erzählen vom Abend des Lebens“ fällt auf, vor allem weil das Thema in schnelllebigen Zeiten von Jugendkult und Schönheitswahn ein Zeichen setzt.
Alter assoziieren wir zwar auch mit Lebenserfahrung, Wissen und Gelassenheit, in Krankenhäusern und Seniorenheimen aber vor allem mit Vergänglichkeit und Verfall.
Dem Fotografen Hartmut Wortmann, seit mehr als 25 Jahren Seelsorger in Krankenhäusern und Altenheimen, geht es nicht um die Frage, was Alter an sich ausmacht, sondern um das ganz persönliche individuelle Altsein. So zeigen seine Porträts die Verbindung von Lebenserfahrung und Lebenseinstellung in Bildern und beigefügten Texten, die zum Teil von den abgelichteten Menschen selbst stammen oder als ihre literarischen Lieblingstexte erinnert wurden.
Alle Porträtierten haben den längsten Teil ihres Lebens gelebt, sie sind zwischen 66 und 103 Jahren alt, ihre Bilder sind ausdrucksstarke Annäherungen an die Persönlichkeit dieser Menschen und die Würde des Alters, sie spiegeln nicht allein die Spuren gelebten Lebens, sondern sind ungeschminkte charaktervolle Abbilder. Es finden sich in den Bildern keine Kulissen oder präparierte Bildhintergründe sondern allein die Konzentration auf den Gesichtsausdruck vor der gerade vorhandenen in mehr oder weniger Unschärfe verschwindenden Umgebung. Freude und Leid, Verschmitztes und Ernsthaftes, Nachdenkliches und Gelassenes werden dabei sichtbar.
Sämtliche Portraits wurden in Sepiatönung entwickelt, um das erklärte Ziel des Fotografen, die Konzentration auf Wesentliches und die Hervorhebung des erzählerischen Moments, zu unterstützen. Bei manchen Fotos liegt die Schärfe nicht auf dem Auge, noch nicht einmal auf dem Gesicht der porträtierten Person sondern auf der Schulter, der Hand vor dem Kinn oder auch mal nirgendwo im Bild. Da der Fotograf in vielen Bildern aber unter Beweis stellt, mit Schärfe und Unschärfe umgehen zu können, hält der Rezensent es mit Henri Cartier-Bresson: „Schärfe ist ein bourgeoises Konzept“. Außerdem: Die eigene Erfahrung mit Menschen in Altenheimen und Krankenhäusern und der Familie lehrt, dass im Alter so manche Erinnerung verschwimmt, so mancher Gedanke unscharf wird. Vielleicht zu viel der Interpretation, es mag aber sein, dass die Unschärfe in manchen Porträts auch die fotografische Umsetzung der Erfahrung ist, dass „manchmal die körperlichen und geistigen Einschränkungen massiv erscheinen.“
Für noch nicht einmal 20 Euro ein empfehlenswerter Bildband für alle, die sich dem „Abend des Lebens“ von fotografischer Seite her nähern wollen.
Hartmut Wortmann
Gesichter erzählen
vom Abend des Lebens
208 Seiten, gebunden, Bildband
Format 20,0 x 29,5 cm
ISBN 978-3-7858-0666-1
Bewertung:
| ISBN: 3785806663 |