Mit dem Rad durch den Südwesten Europas

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8.Tag

Da die Rezeption am Abend schon geschlossen hatte, konnte ich erst am nächsten Morgen bezahlen. Habe noch nie so viel für eine Nacht auf einem Campingplatz bezahlt, aber wenigstens frisch geduscht. Das Wetter war wieder optimal, viel Sonne, kaum Wind. Auf dieser Tagesetappe gab es wieder keine besonderen Vorkommnisse. Nach einer Woche hat man seinen Rhythmus gefunden. Stundenlanges vor sich hin radeln auf ruhigen Straßen und Wegen in herrlicher Landschaft. So könnte es wochenlang, ja sogar monatelang weitergehen. Am Abend kam ich durch La Rachelle. 2 Km hinter dem Ort, 50 m abseits des Radweges schlug ich mein Zelt am Atlantischen Ozean auf. Die Nächte in der freien Natur sind 1000-mal schöner als ein belebter Campingplatz. Da verzichtet man gerne auf die Dusche.


8. Tag 159 km, 852 Höhenmeter, 28 km bergauf, 9:38 Std Fahrzeit.


33: ?


34: nicht jeder schafft es wieder bis nach Hause.

Gruß
Haryboo
 
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9.Tag

Am Morgen ging es wieder wie gewohnt in aller Herrgottsfrühe weiter. Für einige Tage folgte ich nun dem 11300 km langen EuroVelo 1 – Atlantikküstenradweg. Nach ca. 3 Std erreichte ich den Fluss La Charente. Den Fluss überquert man mit Hilfe einer Schwebefähre, die schon seit 1900 in Betrieb ist. Wenig später ging es durch die Sümpfe von Poitou-Charentes.Bei km 80 sah ich mal wieder den Ozean. Über viele km führt ein asphaltierter Radweg direkt durch die Dünen. Der Unterschied zu Straßen ist vor allem, dass der Asphalt genauso über die Dünen geschüttet wird wie Gott und der Wind sie geschaffen haben. Da wurde nichts eingeebnet mit der Folge dass es ständig für einige Meter steil auf und ab ging. Wenn der Schwung vom Ab nicht ganz für das Auf reichte, musste man heftigst in die Pedale treten. Bei so einem Auf ist es dann passiert. Ich trat plötzlich mit voller Kraft ins Leere und wäre fast über den Lenker gegangen. Was war passiert? Vor 3000 km hatte ich mir bei einer Alpentour ein Kieselstein zwischen Riemen und Riemenscheibe eingefangen. Erst nach 3 Kurbelumdrehungen fand ich die Ursache für den Drehwiederstand. Nach so einem Ereignis, spätestes nach 20000 km sollte man den Riemen wechseln. Da ich aber äußerlich keinerlei Beschädigungen feststellen konnte, ließ ich ihn bis zu dem Tag drauf. Eine Gruppe von Radfahrern meinte da könne man so nichts machen. Bis Royan wären es noch 10 km und vielleicht gäbe es dort mit viel Glück einen Laden der so einen Riemen auf Lager hat. Ich packte indes meinen Ersatzriemen, den ich immer dabei habe, aus. Somit hatte ich zwar für die nächsten 5500 km keinen Ersatzriemen mehr, ich machte mir deswegen aber keine Sorgen. Am Rennstahl Fahrrad hält der Riemen schon 44000 km ohne das man nennenswerten verschleiß sichtbar ist. Eine Kette ist nach spätestes 10000 km fällig. Schon nach 20 Minuten ging es weiter. In Royan musste ich fasst eine Std auf die Fähre warten. Die 6,8 km über den La Gironde dauerten nur 20 Minuten. Auf der anderen Seite kurz hinter Le Verdon-sur-Mer ging es weiter über einen sehr gut ausgebauten Radweg. Am Lac de Hourtin et de Carcans schlug ich mein Zelt auf.


9.Tag 151 km ohne Fähren, 420 Höhenmeter, 14 km bergauf, 9:33 Std Fahrzeit


35: Die Schwebefähre war von 1900 bis 1967 in Betrieb und wurde dann durch eine Hubbrücke ersetzt, die 1991 selbst zerstört wurde. Die Schwebefähre wurde wieder in Betrieb genommen und ermöglicht nun Fußgängern und Radfahrern die Überquerung für 2 oder 3 € pro Strecke.


36: Die Sümpfe von Poitou-Charentes sind ein außergewöhnliches Vogelparadies.


37: Blick auf die Puits de l'Auture mit ihren Fischerhütten.


38: Auf der Fähre Royan - Le Verdon Sur Mer.



Haryboo wüscht allen einen guten Rutsch ins neue Jahr.
 
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10. Tag

An diesem Tag ging es den ganzen Tag durch Pinienwälder. Zwar sind die Radwege sehr gut ausgebaut, aber oft geht es über mehr als 10 km immer nur grade aus, was dann auch schon mal sehr monoton werden kann. Vom Ozean bekommt man auch nichts zu sehen. Um doch noch einen Blick aufs Meer zu bekommen machte ich einen Umweg zur Dune du Pilat. Die Düne ist 500 Meter breit, 2,7 km lang und mit bis zu 110 Metern Höhe die höchste in ganz Europa. Die geschätzten 60 Millionen KubikmeterSand liegen in einem Naturschutzgebiet an der Meeresöffnung des Bassin d’Arcachon, südlich des Städtchens Arcachon und des Vorortes Pyla sur Mer, gegenüber von Cap Ferret. Zum Glück führen Stufen zum höchsten Punkt. Da sie aber immer wieder vom Sand zugeweht werde, geht es doch nicht ganz Sand hochstapfen. Der größte Teil der Sandmassen wird mit dem Wind von der vorgelagerten Sandbank Banc d’Arguin abgetragen oder vom Atlantik angespült. Und da es sich um eine Wanderdüne handelt bahnt sie sich ihren Weg ins Landesinnere und begräbt den östlich angrenzenden Wald mit bis zu 5 Metern pro Jahr nach und nach unter sich.
Ich verweilte nur kurz und saß schon bald wieder auf dem Rad. Den Etang de Biscarrosse auf der Ostseite umrundend ging es auf dem EuroVelo 1 weiter Richtung Süden. Um nicht mitten in der Nacht von einem Waldbrand überrascht zu werden, die es hier immer mal wieder gibt, mied ich die Pinienwälder und bevorzugte für mein Zelt einen Platz zwischen Heidesträuchern.


10 Tag: 180 km, 399 Höhenmeter, 12 km bergauf, 10:32 Std Fahrzeit.


39: Der EuroVelo 1 Highway durch endlose Pinenwälder.


40: Auf der Wanderdüne Dune du Pilat.


41: Zwischen Heidesträuchern verbrachte ich die Nacht.

Gruß
Haryboo
 
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11. Tag



Am anderen Morgen ging es wieder sehr früh los. Ich wollte das schöne Wetter ausnutzen, denn für den Nachmittag war schlechteres Wetter gemeldet. Ausgerechnet wenn ich Spanien erreichen sollte. Zunächst ging es noch durch Pinienwälder. Erst in Le Penon bekam ich den Ozean wieder zu sehen. Wenig später erreichte ich Bayonne, von wo es immer an der Küste entlang ging. Ab Saint-Jean-de-Luz gab es nur die stark befahrene Route de la Corniche. Das Wort Corniche stammt aus dem Französischen und beschreibt eine Küsten-, Ufer- oder Klippenstraße, meist mit besonderem Panorama. Trotz des regen Verkehrs genieße ich die schönen Aussichten. In Hendaye ging es mit einer kleinen Fähre über den La Bidassoa und die Grenze. Ohne fremde Hilfe hätte ich das Rad mitsamt Gepäck (ca. 50 kg) nicht an Bord bekommen. So erreichte ich nach 1840 km Spanien. Kaum in Spanien angelangt, hatte ich den ersten nennenswerten 455 Meter hohen Jaizkibel Bergoass vor mir. Das Wetter hatte sich einigermaßen gehalten, so dass ich doch eine schöne Aussicht hatte. In Pasaia kam die nächste Fährfahrt. Die Fähre war ein etwas größeres Ruderboot mit Außenmotor ohne Ruder. Zum Glück gab es außer mir keine weiteren Fahrgäste. Der Fährmann half mir das Rad auf das Boot zu stemmen. An der anderen Uferseite wartete ein junger Mann auf die Fähre. Er half mir das Rad wieder vom Boot zu wuchten. Wie von mir gewünscht griff er den Bügel von dem vorderen Gepäckträger. Mit Schwung ballerte er sich bei der Gelegenheit die Pedale, die man wegen der Speiks auch Bärentatzen nennt, gegen sein Schienbein. Trotz schmerzverzehrtem Gesicht meinte er es sei alles ok. Ich es mir den doch verkniffen von dem Boot noch ein Foto zu machen. Gleich hinter San Sebastian wartete der nächste Anstieg auf mich. Am höchsten Punkt fand ich ein schönes Plätzchen für mein Zelt.


11. Tag 130 km, 1396 Höhenmeter, 28 km bergauf, 9:25: Std Fahrzeit.


42. Das Klippen erstreckt sich von Saint-Jean-de-Luz bis Hendaye über mehr als 10 km. Das Bild entstand vor 4 Jahren. Inzwischen verhindert ein Zaun sein Fahrrad so zu positionieren.


43. Die Küste kurz vor Hendaye.


44. Mit der Fähre über die Grenze nach Spanien.


45. Über den 455 m hohen Bergpass Jaizkibel nach San Sebastian.


46. In Pasaia warten auf die Fähre.

Gruß
Haryboo
 
asaerdna kommentierte
622mm? Das nennt man dann Felgenbremse, wenn die Felge direkt als Bremsscheibe verwendet wird…

 
Lydian kommentierte
Ja klar. An meinen Rennrädern habe ich Felgenbremsen, am MTB und am Gravel Scheibe (180 bzw. 160 mm). Sehr lange Abfahrten (Stelvio, Giau, Nufenen, Izoard, Galibier ...) bin ich bisher nur mit Felgenbremsen runter.
 
G
Gianty kommentierte
Wer ( auch als Leichtgewicht ) mal in den Alpen eine längere Abfahrt runtergefahren ist, weiß die Vorteile einer großen Bremsscheibe zu schätzen.

Auf Trails hat man oftmals keine Möglichkeit, die Bremse auch nur kurz zu öffnen, damit sie sich abkühlen kann.

Fading, knallharter Druckpunkt ohne Bremswirkung, blockierte Bremsen durch Überhitzung und zu kleinen Ausgleichskammern im Bremshebel bzw. Überfüllung beim entlüften, abgeschmolzene Anschlüsse am Bremssattel....alles schon erlebt. Da bleibt nur noch die Lösung, das Bike schnellstmöglich und kontrolliert zur Seite zu legen.

Und bei Rennräder sind Latexschläuche tabu. Damit hatten wir 2004 in einer Abfahrt einen tödlichen Unfall eines 17jährigen Vereinskollegen, dem der Latexschlauch durch die Hitzeeinwirkung geplatzt und er duch das Schlingern des Rades anschließend in den Gegenverkehr geraten ist. War nicht schön. . . Ähnlich kritisch sind Carbonfelgen in langen Abfahrten.

Wer mit Gepäck in alpinem Gelände und steilen Straßen/Wegen/Trails unterwegs ist, sollte die größte Scheibe wählen die vom Rahmen-/Gabelhersteller zugelassen ist. Ansonsten gibt es tellergroße Augen und Schweißperlen auf der Stirn.

Ach so....und nach der Abfahrt mit dem MTB niemals das Hinterrad zwischen die Beine klemmen, um den Sattel wieder hochzustellen ( verstellbare Stütze ist damals zu schwer und uncool gewesen.. ).

Die Scheibe brennt sich sehr schmerzhaft in die Wade. Zuerst wunderte ich mich über den Schmerz, dachte ich würde in Brennnesseln stehen. Auch den Geruch konnte ich zunächst nicht einordnen. . . War ein schönes Gefühl als der Schmerz tags darauf weniger wurde. Das Branding blieb incl. dem Abbild des Lochbildes der Bremsscheibe länger erhalten.
 
waxman kommentierte
Das ist jetzt, sorry, zwar etwas off topic, aber bei „engagierten“ Passabfahrten kann man auch mit den Doppelscheibenbremsen am Motorrad an deren Grenzen kommen. Ein Grund, warum ich bei meiner Bandit auf Sechskolbensättel von Tociko umgerüstet hatte.
Mann, bei diesem grenzgeilen Reisebericht würde ich mir wünschen noch mal ein paar Jährchen jünger zu sein und so etwas selbst noch mal mit der Tretobratze auszuprobieren!
 
Haryboo kommentierte

Ich bin 62 Jahre alt. Vor 2 Jahren bin ich auf der Nordkaptour einem 75 jährigen Holländer begegnet. Er ist jeden Tag 100 km durch Schweden hochgefahren und an der Norwegischen Küste wieder runter.
Es gibt nichts gutes, außer man tut es.
 
12. Tag

In der Nacht hatte es viel geregnet der zum Glück morgens aufhörte. Der Plan war möglichst immer entlang der Atlantikküste bis nach Santiago de Compostela und dann weiter nach Portugal zu fahren. Das Problem in Spanien ist das gefühlte 80 % der Bevölkerung entlang der Küste leben. Dadurch ist der Küstenstreifen sehr dicht besiedelt was wiederum stark befahrene Straßen zur Folge hat. Komoot ist zwar immer bemüht auf Nebenstraßen auszuweichen, aber wenn es keine gibt, müssen unwegsamste Trampelpfade herhalten. Zwar zeigt das Programm neben dem Höhenprofiel auch Art und Beschaffenheit der Strecke an, aber dass es so schlimm kommen würde, hätte ich mir nicht in den kühnsten Träumen vorstellen können. In einem ständigen steilen rauf und runter ging es über unfahrbarste Wald- und Feldwege durch Weinberge usw. Wegen der Regenfälle der letzten Tage war alles ziemlich nass und rutschig. Zu allen Überfluss fing es wieder an zu regnen. Bei einem verschlammten Waldweg, wo ich wegen der Sträucher nicht ausweichen konnte, drehten sogar die Stollenreifen durch. Zwangsläufig musste ich absteigen und die 20 m durch 15 cm tiefen Schlamm schieben. Alles in allem ist das mit einem beladenen Reiserad einfach nur eine Plackerei, wo der Spaß Faktor definitiv zu kurz kommt. Im Nachhinein tut es mir Leid kaum Fotos von der Weg Situation gemacht zu haben, aber meine Stimmung war weit unter dem Nullpunkt. In Getaria entschied ich mich nach einer längeren Pause für eine Planänderung. Statt der Küste weiter zu folgen, wollte ich nun erst einmal Richtung Burgos fahren und dann durch das Landesinnere weiter Richtung Portugal. Zwar ging es weiterhin bergauf und ab, schließlich fuhr ich ja durch die Ausläufer der Pyrenäen. Aber man hatte wieder festen Untergrund, fuhr durch herrliche Landschaften und die Sonne ließ sich auch wieder sehen. Schlagartig stieg meine Stimmung wieder in höchste Bereiche. Auf Wolke 7 schwebte ich über den 550 m hohen Mandubia Pass. In Beasain wechselte ich noch einmal die Richtung, was einen Umweg von 5 km zur Folge hatte. Am späten Nachmittag fing es wieder an zu regnen. Es ist nicht so gut wenn man sein Zelt bei strömenden Regen aufbaut. Da kam mir die Marienkapelle mit dem breiten Vordach grade recht. Das rechts und lings noch reichlich Straßenverkehr unterwegs war, störte mich nicht im geringsten.


12. Tag 113 km, 1774 Höhenmeter, 40 km bergauf, 8:39 Std Fahrzeit.


47. Auf rutschigen Gras und Lehmpfaden durch Weinberge.


48. Getaria.


49. Nachmittags kam die Sonne wieder raus.


50. Über den 550 m hohen Alto de Mandubia. Blick auf den Arriaran Stausee.


51. Unter dem Dach einer Marienkapelle fand ich bei strömenden Regen Unterschlupf für die Nacht.

Gruß
Haryboo
 
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1 Kommentar
rollertilly kommentierte
Das ist schon eine ziemlich verrückte Art zu reisen. Faszinierend, was du da er"fährst".
Bei #48 dachte ich schon, du hast Schnee
 
13. Tag

Am anderen Morgen war alles Wolkenverhangen und dichter Nebel bescherte einem Sichtweiten unter 50 Meter. Schon nach 3km kamen die ersten 220 Höhenmeter mit stellenweise über 18 % Steigung, die meinen Puls auf höchste Drehzahl jagte. Den ganzen Tag ging es über einsame und einsamste Nebenstraßen und Feldwege durch bergige Landschaft. Vitoria-Gasteiz war der einzige etwas größere Ort an dem Tag. Das ständige bergauf und ab ist kein Problem, der teilweise kräftige Gegenwind schon eher. Der EuroVelo 1 Atlantikküstenradweg, der über 11150 km vom Nordkap bis nach Portugal durch 6 Länder führt, hält sich immer möglichst dicht an der Atlantikküste. Ich hatte mich immer gefragt warum er die Spanische Küste meidet wie die Pest und stattdessen 1460 km mitten durchs Landesinnere führt. Mit der Erfahrung vom Vortag weiß ich jetzt warum das wohl so ist. Die Wolken hatten sich im Laufe des Tages mit Hilfe des kräftigen Windes vollständig verzogen. Den nächsten Regenschauer hatte ich erst wieder nach 2000 km. Eigentlich wollte ich es bis kurz vor Burgos schaffen, aber bei dem Gegenwind war das nicht möglich. So bog ich rechts in einem Feldweg ein und schlug mein Zelt hinter einem Gebüsch auf.


130 km, 1659 Höhenmeter, 45 km bergauf, 9:19 Std Fahrzeit


52. Der beeindruckender Stausee Embalse Ullíbarri-Gamboa inmitten einer Berglandschaft im Herzen des Baskenlandes.


53. Landschaftlich herrliches Baskenland,


54. mit vielen einsamen Straßen.


55. So könnte ich über viele Monate, wenn nicht Jahre unterwegs sein.


56. Nur wenige kleine Ortschaften, die man nutzt seine Vorräte wieder aufzufüllen.


57. Trevana.

Gruß
Haryboo
 
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ich bin wirklich sprachlos. Ich verneige mich vor Deiner Leistung. Früher bin ich viel Rad gefahren. Aber solche Touren wären mir niemals in den Sinn gekommen. Dass so etwas Spaß macht kann ich mir vorstellen.

Ich bleibe dabei und freue mich auf den Rest der Tour.
 
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Heide 2 kommentierte
Was für ein Abenteuer- und was für Strapazen Du da auf Dich nimmst...... Respekt auf der ganzen Linie!!!
 
Zuletzt bearbeitet:
14. Tag

Wieder lag ein Tag mit viel Sonne und Gegenwind vor mir. Ab jetzt fuhr ich bis Portugal immer in 700 bis 1000 Meter Höhe, wodurch der Wind leichteres Spiel hat. Das Garmin fand zwar nie den kürzesten Weg, dafür mit erstaunlicher Treffsicherheit die einsamsten Straßen. Die Metropole Burgos umfuhr ich südlich wo ich den größten Supermarkt der letzten 10 Tage antraf. Ich versorgte mich unter anderem auch mit reichlich frisch zubereiteten Hähnchenkeulen und Bratkartoffeln, die auch noch am nächsten Tag kalt schmeckten. Als ich schon durch Presencio durch war sah ich im Rückspiegel ein Storchennest auf einem Kirchturm. Also noch einmal 500 m zurück und Foto gemacht. Im Laufe des Tages ging es noch durch ein paar kleine und kleinste Ortschaften. Als ich die Stadt Palencia erreichte, hätte ich von der Zeit her noch eine Std weiterfahren können. Seit der letzten Dusche waren aber schon wieder 7 Tage vergangen, so hielt ich Ausschau nach einer Unterkunft. Blöd war, dass sich der hintere Reifen plötzlich schwammig anfüllte. Die erste Reifenpanne kündigte sich an. Wenn auch der eine oder andere Plattfuß zu jeder Tour dazugehört, in dem Moment an einer stark befahrenen Straße mitten in einer Stadt konnte ich ihn gar nicht gebrauchen. Aber wie das Schicksal so spielt. Genau da wo ich anhielt, befand sich der Eingang zum Hostal Becares. Für 30 € bekam ich ein Zimmer mit Dusche ohne Frühstück. Es dauerte etwas bis die junge Dame verstand dass mein Fahrrad immer genau da übernachtet wo ich die Nacht verbringe. Wenig später war ich mit dem Rad auf dem Zimmer und flickte erst einmal den Schlauch.


14. Tag 139 Km, 1237 Höhenmeter, 34 km bergauf, 9:25 Std Fahrzeit.


58. Morgens die ersten Sonnenstrahlen.


59. Den ganzen Tag ging es wieder rauf und runter.


60. Kirche in Presencio mit Untermietern.


61. Man sah oft lange im Voraus wo wo man eine Std später sein würde.


62. Nach der 2ten Wochen diesmal eine Dusche mit fester Unterkunft.

Gruß
Haryboo
 
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... Es dauerte etwas bis die junge Dame verstand dass mein Fahrrad immer genau da übernachtet wo ich die Nacht verbringe. ...
Gruß
Haryboo
Bei dem Preis deines Fahrrades kann ich das gut verstehen.
 
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asaerdna kommentierte
Bis alleine das ganze Gepäck abmontiert wäre, und morgens wieder drauf. 3-4 Tage war ich auch schon am Stück unterwegs, aber ohne Zeit (ich Weichei), da reicht dann auch eine kleine Satteltasche.
 
asaerdna kommentierte
Ohne Zeit? ... "ohne Zelt" sollte das natürlich heißen
 
15. Tag

Die letzte Nacht war nicht so berauschend. Wenn ich irgendwo nächtige, reichen mir eine Isomatte und ein Schlafsack in einem Zelt. Dazu die Geräusche der Natur und ich kann Schlummern wie ein Bär im Winterschlaf. Bei einer viel zu weichen Matratze und Totenstille in einem Hotelzimmer krieg ich kein Auge zu. Ich war froh endlich wieder auf dem Rad zu sitzen. Im Schnitt habe ich alle 3000 km einen Plattfuß. Als nach 30 km schon wieder die Luft entwich, entsprach also nicht ganz der Statistik. Erst dachte ich der Flicken von gestern Abend hätte nicht gehalten, es war aber doch ein neues Loch im Reifen. Unterwegs begegnete mir ein Radreisender mit seinem Hund. Er kam von Madrid und wollte zunächst nach Santiago de Compostela um dann weiter bis nach Tokio zu radeln. Wenn ich einmal genügend Zeit für so lange Touren habe, werde ich auf jeden Fall die Panamericana durch Nord- und Südamerika favorisieren. In der Großstadt Valladolid füllte ich meine Vorräte wieder auf. Die Zeit Verschiebung machte sich nach über 2400 km bemerkbar. So war es schon weit nach 20 Uhr als ich hinter den Mauern eines kleinen Friedhofs mein Zelt aufschlug. Ein Storch hielt wache und lullte mich mit seinem Geklapper in den Schlaf.


15. Tag 150 km, 1020 Höhenmeter, 32 km bergauf, 10:05 Std


63. Kirche von Fuente.


64. Er wollte mit seinem Hund von Madrid bis nach Tokio radeln.


65. Großstädte wie Valladolid gehören natürlich auch zu so einer Tour.


66. Aber lieber radle ich stundenlang durch einsame Landschaften.


67. Mein Schlafplatz hinter den Mauern eines kleinen Friedhofs.


68. Er hielt Wache.

Gruß
Haryboo
 
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16. Tag

Die letzte Nacht war doch deutlich angenehmer. Mit den ersten Sonnenstrahlen kroch ich aus dem Zelt. Wegen der Zeitverschiebung war das mittlerweile ca. eine Std später als gewohnt. Dafür saß ich abends eine Std länger auf dem Sattel. . Ich folgte den ersten 115 km der Nebenstraße, die mal direkt, mal im Abstand von 500 m parallel der A 62 folgte. Um Salamanca machte ich einen großen Bogen, wobei ich mich verfranzt habe und eine extra Runde von 3,7 km fuhr. In der Nähe von Aldehuela de la Boveda sah ich eine alte Kirchenruine mit einigen Storchnestern als Untermieter. Auch das Kircheninnere versprach einige schöne Motive. Die Türen waren verbarrikadiert aber die nicht mehr vorhandenen Fenster gewährten Einlass. Die ca. 2 Meter bis zur Fensteröffnung rauf waren kein Problem. Auf der anderen Seite wieder runter war wegen der hohen Brennnesseln schon problematischer. Ich meine aber es hat sich gelohnt. Ab Ciudad Rodrigo führte die Autobahn in westlicher Richtung. Ab jetzt ging es über einsame schmale Straßen bis nach Portugal. Portugal ist unter Radreisenden bekannt dafür, dass man nur schwer einen geeigneten Übernachtungsplatz findet. Alles ist mit endlos langen Umzäunungen abgegrenzt. Es waren bis zur Grenze noch bestimmt 25 km, aber schon jetzt war jede Wiese, Feld und Wäldchen von Zäunen umgeben. Nach 2558 km erreichte ich endlich Portugal. Direkt hinter dem Grenzschild führte links ein kleiner Weg in ein Wäldchen. So konnte ich mein Zelt direkt auf der Grenze aufbauen.


16. Tag 153 km, 891 Höhenmeter, 28 km bergauf, 9:45 Std Fahrzeit.


67. Die ersten Sonnenstrahlen am Morgen.


68. Kirchenruine in der Nähe von Aldehuela de la Boveda.


69. Kirchenruine von innen.


70. Blick auf Ciudad Rodrigo und dem Rio Águeda.


71. Die letzten km bis Portugal durch weite Landschaft.


72. Nach 2558 km endlich an der Grenze.

Gruß
Haryboo
 
1 Kommentar
waxman kommentierte
Das Morgenbild mit den Mohnblüten ist ja der Hammer!
 
17. Tag

Der erste Tag durch Portugal war aus fotografischer Sicht nicht so ertragreich. Landschaftlich durchaus schön, aber halt nichts Spektakuläres. Wie jeden Morgen gab ich in mein Navi einen Zielort ein, der in Luftlinie ungefähr 150 km entfernt war. Das Garmin errechnete dann eine für ein Reiserad passende Route. Als ich 10 km in die falsche Richtung fuhr, wurde ich misstrauisch. Tatsächlich gab es den Ortsnamen zwei Mal und mein Navi hatte sich die falsche Alternative ausgesucht. So habe ich auf insgesamt 20 km mit 200 Höhenmetern zusätzliche Eindrücke sammeln können. Bis Castelo Branco ging es über die N233. Danach ging es auf der N3 weiter. Die einstelligen Hauptstraßen sind vom Rang her deutlich höher als die dreistelligen. Weil die Autobahn aber in unmittelbarer Nähe parallel zur Nationalstraße verlief, hatte ich nur sehr wenig mit Verkehr zu tun. Der breite Seitenstreifen machte das Radeln noch angenehmer. Kurz vor Alteza nutzte ich die Abfahrt von der Nationalstraße. Gleich hinter der Unterführung ging es auf einem Trampelpfad einen kleinen Berghang hinauf. Hinter der Kuppe hatte ich genügend Sichtschutz, so dass ich am Wegesrand unbesorgt mein Zelt aufstellen konnte. Ich lag noch keine halbe Std als in der Dämmerung ein Schäfer mit Schafherde an meinem Zelt vorbeitrampelte. Ich hatte die Schafe nicht gezählt, ich war auch so müde genug. Der Rest der Nacht verlief in absoluter Ruhe.


164 km, 1657 Höhenmeter, 48 km bergauf, 9:47 Std Fahrzeit.


73. Zeltplatz auf der Spanisch-Portugiesischen Grenze.


74. Was von weitem wie Fassadenmalerei aussah, entpuppte sich als Mosaik.


75. Ob da wohl auch Glasfaser mit dabei ist?


76. Es ging durch weite hügelige Landschaften. Nichts sensationelles, sondern einfach nur schön.

Gruß
Haryboo
 
4 Kommentare
of51 kommentierte
Dein Bild mit den Strommasten würde ich gern an meine ehemaligen Kollegen weitergeben.
Darf ich?
 
Haryboo kommentierte
Wenn es nicht kommerziell ist, selbstverständlich.
 
of51 kommentierte
Danke, da können die Elektriker noch was lernen
 
Eine Frage bitte, Haryboo: Die Karten mit den Tracks, hast Du die aus den Garmin-Daten erstellt oder stammen die von Komoot?
Schönen Dank für eine Info.
 
3 Kommentare
Haryboo kommentierte
Die Tracks sind original Aufzeichnungen vom Garmin 1040 während der Tour.
 
waxman kommentierte
Haryboo kommentierte

Noch eine kleine Anmerkung. Die Daten sind von Garmin aufgezeichnet und dann mit Komoot wiedergegeben. In der Reportage "Über die höchsten Alpenpässe" hatte ich keine Aufzeichnungen mehr. Die Strecken werden aber wegen kaum vorhandener Alternativen annähern passen. Lediglich Start- und Zielpunkt können von der tatsächlich gemachten Tour um einige 100 m abweichen.
 
Coole Bilder. Die lassen erahnen, was Du alles gesehen hast.
Dein Zelt empfinde ich als etwas groß? Ist das ein MSR Zwei-Personen-Zelt?
 
2 Kommentare
Haryboo kommentierte
Es ist sogar ein 3 Personen Zelt. Bei den Alpenpässen hatte ich noch das Ein Mann Zelt. das ist mir aber zu ungemütlich geworden.
 
huckabuck kommentierte
Drei Personen ist natürlich ein Platzluxus. Ich persönlich nutze das MSR Hubba für eine Person, mit dem Vordach reicht mir das gut und es wiegt halt nur 1,3 Kg. Großen Rucksack mit hinein nehmen ist da natürlich nicht.
 
18. Tag

Auch der zweite Tag in Portugal war aus fotografischer Sicht nicht so spannend. Die ersten 55 km ging es immer noch auf der Nationalstraße 3 weiter. Vom Verkehr her und von der Straßenführung hatte man das Gefühl, man würde über irgendeine Nebenstraße fahren. Im ständigen auf und ab ging es auf kurvenreiche Strecke durch die weite Landschaft und viele kleine Ortschaften. Hinter Casal das Mansas erreichte ich den Fluss Rio Tejo, durch dessen Tal die weitere Strecke über die EN118 bis Santarem verlief. Unterwegs schickte ein Hinweisschild mich zum Aussichtspunkt Miradouro do Almourol. In der Hoffnung auf ein Fotomotiv nahm ich die 1000 m Umweg gerne in Kauf. Ich habe zwar das Castelo de Almourol am Rio Tajo fotografiert, zeigenswert ist es hier aber nicht. Ab Santarem ging es wieder auf der N3 weiter. Bei Vale da Pedra schlug ich mich auf der Suche nach einem Nachtlager in einen lichten Wald und wurde bald fündig. Bis zum Westlichsten Punkt Europas war es nun nicht mehr weit.


151 km, 1399 Höhenmeter, 34 km bergauf, 9:43 Std Fahrzeit.


77. Eine typisch portugiesische Behausung.


78. Richtige Kampfstiere?


79. Es ging durch viele kleine Dörfer.


80. In den Mittagsstunden sah man deutlich mehr Störche als Menschen.


81. Mein Nachtlager auf einer Waldlichtung.

Gruß
Haryboo
 
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19. Tag

Wenn nichts dazwischen kommen würde, sollte ich heute den westlichsten Punkt Europas erreichen. Die ersten 35 km bis Alverca do Ribatejo führten wieder über Nationalstraßen ohne nennenswerte Steigungen. Ab dort wollte ich mich möglichst diagonal bis zur Atlantikküste durchschlagen. Da es jetzt wieder einige Steigungen zu bewältigen galt, wich ich auf Nebenstraßen aus und nahm dafür gerne auch einige km mehr in Kauf. Nach fast 100 km und vielen Höhenmetern im auf und ab erreichte ich endlich bei Azenhas do Mar den Ozean. Azenhas do Mar ist ein unglaublich malerisches kleines Dorf, dass auf steilen Klippen direkt am Ozean gebaut wurde. Da ich nun wieder auf dem EuroVelo 1 war, wollte ich diesen bis zum Cabo da Roca folgen. Wegen der schlechten, bzw. nicht vorhandenen Beschilderung geriet ich auf kaum befahrbare Trampelpfade mit bis zu 15 % Steigung. Alle Schinderei war vergessen als ich endlich am 19ten Tag um 17:00 Uhr am westlichsten Punkt des Eurasischen Kontinents stand. Bis hierher zum Cabo da Roca waren es insgesamt 2977 km, davon 532 km bergauf mit 19782 Höhenmeter und 187 Std. Fahrzeit. Was das für ein Gefühl ist, wenn man so etwas geschafft hat, vermag ich nicht in Worte fassen. Dazu fehlt mir jegliches Talent und ich bin kein Poet. Auch wenn hier zur Hauptsaison Bus weise Touristen hierher angekarrt werden, trotzdem ist der Ort magisch. Der 140 Meter über dem Meeresspiegel ragende Leuchtturm wurde schon 1722 erbaut.
Mein ursprünglicher Plan war ja entlang der spanischen Küste, Santiago de Compostela und portugiesischen Küste anzureisen. Durch den direkten Weg hatte ich nun einige Tage Zeit eingespart. Statt nun die Heimreise auf den kürzesten Weg anzutreten, wollte ich nun erst einmal auf dem EuroVelo 1 weiter Richtung Süden fahren. Das hieß erst einmal Richtung Lissabon zu fahren. Da es sich in einer Hauptstadt schlecht wild Campen lässt, wollte ich mir eine feste Unterkunft suchen. Auch wenn die 7 Tage noch nicht rum waren, an so einem Tag hatte ich mir eine heiße Dusche verdient. Ich hatte bei einigen Unterkünften direkt angefragt, aber alles war irgendwie ausgebucht. Bei mehreren telefonischen Versuchen bekam ich endlich eine Zusage. Bis dorthin waren es noch 8 km. Im Straßengewirr hatte ich mich dann auch noch total verfranzt. Als ich an einem Park vorbei kam war es mir dann auch egal. Ich fand ein ruhiges Plätzchen und baute mein Zelt bei fast völliger Dunkelheit auf.


146 km, 1621 Höhenmeter, 36 km bergauf, 9:50 Std Fahrzeit.


82. Auf fast jeden dritten Telegrafenmast saß ein Storch.


83. Azenhas Do Mar an der Atlantikküste.


84. Kakteen am Wegesrand


85. Cabo da Roca. Westlichster Punkt des europäischen Festlandes.


86. Wie erwartet von vielen Touristen umlagert, dass Denkmal am Cabo da Roca.

Gruß
Haryboo
 
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20. Tag

Kaum fing es an zu dämmern packte ich mein Zelt zusammen. Als die ersten Jogger durch den Park liefen, saß ich schon wieder auf meinem Fahrrad. Nach 2 km war ich auf dem Uferradweg des Tejo. Auf ihm blieb ich bis zum Fährhafen in Lisabon. Mit der Rushhour der Hauptstadt Lissabon hatte ich quasi nichts zu tun. Direkt am Weg lag das Padrão dos Descobrimentos (deutsch Denkmal der Entdeckungen). Es steht im Stadtteil Belém und wurde 1960 zum 500. Todestag von Heinrich dem Seefahrer errichtet. Das Denkmal hat eine Höhe von 56 Metern. Im Inneren gibt es ein Auditorium für 101 Menschen mit einer Bühne, im zweiten Stock eine Ausstellungshalle. Vom zweiten Stock aus gibt es eine Treppe, die zum Aussichtspunkt führt. Leider war noch geschlossen. Wenig später fuhr ich unter der Ponte 25 de Abril (deutsch Brücke des 25. April) her. Ich wäre gerne über den 3,2 Kilometer langen Brückenzug gefahren, aber für Radfahrer ist sie gesperrt. Nach 10 km war ich am Fährhafen. Das innere der Halle glich der eines mittelgroßen Bahnhofs. Es gab 3 verschiedene Fährverbindungen. Der Schalter war geschlossen und die Kartenautomaten verstanden nur portugiesisch. So musste ich bis 9:00 Uhr warten bis der Schalter öffnete. Die Fährfahrt nach Cacilhas dauerte nur 6 Minuten. Nach 50 km kam ich in Setubal an den nächsten Fährhafen. Hier traf ich einen Landsmann der mit ähnlich bepacktem Reiserad an der Portugiesischen Küste von Porto bis Lagos unterwegs war. Da gab es natürlich jede Menge Gesprächsstoff. Ab Troia fuhren wir noch einige km gemeinsam weiter. In Carvalhel, wo er eine Unterkunft hatte, trennten sich die Wege wieder. Ich wollte eigentlich dem EuroVelo1 folgen, aber er ist so gut wie gar nicht ausgeschildert und er führt immer wieder über unbefestigte Strecken, die man bestenfalls mit einem Mountainbike ohne Gepäck bewältigen kann. So hielt ich mich dann doch meistens an asphaltierte Straßen. Erst hinter Sines war der EV1 auch für mein Rad über längere Strecken befahrbar. Dort führte er immer dicht am Ozean entlang. Um 21:00 Uhr baute ich mein Zelt am Rand eines Naturschutzgebietes auf.


147km ohne Fähren, 1057 Höhenmeter, 31,51 km bergauf, 9:47 Std Fahrzeit


87. Auf dem Uferradweg des Tejo.


88. Padrão dos Descobrimentos. (Denkmal der Enddeckung)


89. Ponte 25 de Abril. Eine Golden Gate Brücke in Lissabon.


90. Auf der Fähre Setubal-Troia.


91. Frachter auf dem Canal da Comporta.


92. Sines


93. Von den schlechteren Strecken war diese eine von den besseren.


94. Sandpisten können noch schlimmer sein.


95. Am Atlantischen Ozean.


96. Hafenanlage von Sines

Gruß
Haryboo
 
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21. Tag

Heute war Halbzeit meiner Tour. Ich wollte den südwestlichsten Punkt Portugals erreichen und eine feste Unterkunft stand auch auf dem Programm. Schließlich war schon wieder eine Woche seit der letzten Dusche vergangen. Es ging erst einmal über Sandpisten weiter. Der Staub blieb am Kondenswasser der letzten Nacht kleben. Wenn immer möglich folgte ich dem EuroVelo 1. Nur hin und wieder verlief er mit fantastischen Ausblicken direkt an der Atlantikküste. Meist verlief er abseits der Küste aber fast ausschließlich Sandpisten. Oft genug waren diese in einem äußerst schlechten und erbärmlichen Zustand. Schlaglöcher sind dann das kleinere Übel. Tiefer Sand und grober Schotter rauben einem auf Dauer die letzte Kraft. So wich ich immer wieder mal auf die Nationalstraßen aus, auf denen aber kaum Verkehr unterwegs war. So erreichte ich nach 115 km um 17:40 Uhr am südwestlichster Punkt Portugals den Leuchtturm am Cabo de São Vicente. Eigentlich war es erst 16:40 Uhr Ortszeit, aber bei so vielen Touristen (von denen ich ja auch einer bin) hält es mich nicht lange. Aber für die letzte Bratwurst vor Amerika nahm ich mir dann doch die Zeit. Alle die mit dem Rad angereist kommen, bekommen noch eine Urkunde überreicht. Der nächste größere Ort war Lagos. Da sollte es doch wohl eine Unterkunft für mich geben. Ab Vila do Bispo hielt ich mich an die N 125. Hier war der Verkehr schon reichlicher, aber es gab zum Glück oft parallele Seitenstraßen. 3 Stunden später war ich in Lagos. Ich steuerte mehrere Unterkünfte an, aber immer war alles ausgebucht. Es war wohl irgendein besonderer Tag in Portugal. Nach dem 4ten vergeblichen Versuch, es war 20:40 Uhr Ortszeit, sprach mich jemand von der anderen Straßenseite im reinsten Hochdeutsch an. „Er hätte hier auch nichts mehr frei, aber ein paar 100 m weiter könnte er mir was anbieten“. Ich hatte mich schon wieder im Zelt übernachten sehen, manchmal braucht man einfach Glück. Statt die Adresse in mein Navi einzugeben sollte ich einfach hinterher fahren. Gute Idee fand ich, was ich nicht bedacht hatte war das es ständig bergauf ging. Bei jedem Kreisverkehr fuhr er so lange in der Runde bis ich nachkam. Nach dem 4ten Kreisverkehr und gefühlt 4 km waren wir endlich am Ziel. Das Fahrrad wurde in einer Wäscherei, die er auch betrieb, eingeschlossen. Bis aufs Zelt und Isomatte nahm ich alles mit in die Ferienwohnung. Es war eine der exquisitsten Wohnungen in der ich genächtigt habe und das für 60 €. In der Küche gab es eine Waschmaschine. Kaffeekocher und Kaffee war auch vorhanden. Während die Waschmaschine lief kochte ich erst einmal Kaffee. In der Nacht tat ich wieder kein Auge zu. Diesmal war wohl nicht nur die ungewohnte Umgebung Schuld, sondern auch der reichliche Kaffee.


156 km, 1274 Höhenmeter, 39 km bergauf, 10:10 Std Fahrzeit.


90. Der Staub der Sandpiste blieb am Kondenswasser kleben.


91. Der Strand von Zambujeira ist wunderschön, vor allem in der Nebensaison.


92. Odeceixe


93. Der Leuchtturm am Cabo de São Vicente. Südwestlichster Punkt Portugals.


94. Die 60 m hohe Steilküste am Cabo de São Vicente.


95. An dieser Bratwurst kommt niemand vorbei.


96. Fortaleza do Beliche.

Gruß
Haryboo
 
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22. Tag

Nach relativ schlafloser Nacht genoss ich auf dem Balkon mein Frühstück mit richtigem Kaffee. Ich lauschte dem treiben auf der Straße der langsam aus dem Schlaf erwachenden Stadt Lagos. Die Sonne ging über dem Ozean auf. Schöner habe ich selten gefrühstückt. Um 8:30 Uhr wollten wir uns an der Wäscherei treffen. Diesmal musste ich die Fahrradtaschen alleine schleppen. Simano war auf die Sekunde Pünktlich. Noch eben die E-Mail Adressen ausgetauscht und es ging los. Heute wollte ich unbedingt noch Spanien erreichen. Vom Ozean sollte ich an dem Tag nicht viel zu sehen bekommen. Der EuroVelo1 verlief meist einige km im Landesinneren. Überhaupt ist er gar nicht bis schlecht ausgeschildert. So bin ich oft auf der EN 125 gefahren. Der Verkehr war durchaus erträglich und es gab fast immer einen breiten Seitenstreifen. Kurz vor Faro wurde aus der EN 125 eine für Radfahrer nicht erlaubte Schnellstraße. Ich umfuhr die Stadt weiträumig durch das gebirgigere Landesinnere und gelangte hinter Olhao wieder auf die EN 125. Um 18:00 Uhr erreichte ich in Vila Real de Santo Antonio den Fährhafen. Am Kartenhäuschen habe ich die Erklärungen der Dame so verstanden, dass an dem Tag wohl keine Fähre mehr fuhr. Wieder ein ärgerlicher Zeitverlust und ich überlegte wo ich in der Nähe mein Zelt aufschlagen konnte. Als andere Leute eine Karte erstanden hakte ich noch einmal nach. Es fuhr sehr wohl noch eine Fähre um 19:00 Uhr, nur von Spanien zurück nach Portugal fuhr an dem Tag keine mehr. Also doch noch eine Karte erstanden. Auf der Fähre kauerte ich mich wegen nicht vorhandener Sitzplätze auf den Boden. Nach der schlaflosen letzten Nacht bin ich doch tatsächlich eingedöst. Nach 900 km durch Portugal war ich wieder in Spanien. Ich radelte noch 1 ½ Stunden und fand kurz hinter Lepe einen einigermaßen geeigneten Platz für mein Zelt. Ich hatte schon bessere Plätze, aber für eine weitere Suche war ich zu müde. Im Zelt überlegte ich mehrere Varianten der Weiterreise. Bis zum anderen Morgen musste ich mich entscheiden.


162 km, 1085 Höhenmeter, 36 km bergauf, 9:22 Std. Fahrzeit.


97. Blick vom Balkon der Ferienwohnung in Lagos.


98. Brücke über den Rio Arade.


99. Kirche in Estoi.


100. Mit der Fähre über den Rio Guadiana nach Spanien.


101. Kurz hinter Lepe bau ich mein Zelt auf.


Gruß
Haryboo
 
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23. Tag

Die Nacht im Zelt war deutlich erholsamer als die Nacht davor im Bett. Für die weitere Tour gab es mehrere Möglichkeiten. Entweder auf kürzesten Weg nach Málaga und dann an der Mittelmeerküste hoch bis nach Frankreich. Oder den Umweg über Tarifa zum südlichsten Punkt Europas und dann die Mittelmeerküste hoch. Obwohl ich schon einmal mit dem Fahrrad in Tarifa war, entschied ich mich für die längere Variante mit zusätzlichen 160 km und 1000 Höhenmetern. Gerne wäre ich direkt am Sandstrand durch das Naturschutzgebiet De Donana gefahren, aber um diese Jahreszeit ging wahrscheinlich die Fähre nach Sanlucar noch nicht. So fuhr ich erst einmal Richtung Sevilla. An dem Tag ging es fast ausschließlich über Nebenstrecken. Unglaublich was mein Navi immer wieder für Pfade durchs Unterholz über Stock und Stein fand. Einmal ging es ca. 6 km durch dichtes Schilf wo man nur geduckt fahren konnte. Der Weg endete vor einem ca. 1,5 m tiefen Betongraben. Auf der anderen Seite verlief direkt vor dem Graben noch eine Leitplanke. Umkehren wollte ich auch nicht. Also alles runter vom Rad und die Teile einzeln rüber gestemmt. Das Rad habe ich mit dem Spanngurt hochgezogen. Manchmal ist zu zweit doch von Vorteil. 10 km vor Sevilla gab ich als neues Ziel Jerez de la Frontera ein. In Las Cabezas de San Juan machte ich eine Längere Pause und genoss die späten Abendstunden in der Sonne. Kurz bevor die Sonne ganz unterging suchte ich mir einige km hinter dem Ort ein ruhiges Plätzchen für die Nacht. Am nächsten Tag sollte ich es bis zum südlichsten Punkt Europas schaffen.


175 km, 1156 Höhenmeter, 35 km bergauf, 10:34 Std Fahrzeit.


102. Nicht jeder Weg war befahrbar.


103. Eisenbrücke über den Fluss Odiel, um in die Stadt Gibraleón zu gelangen.


104. Viele km gingen über herrliche Schotterpisten.


105. Manche Pisten waren nicht so herlich, aber zum Glück trocken.


106. Diese Piste durch dichtes Schilf endete nach 6 km vor einem ca. 1,5 m tiefen Betongraben.


107. Kirchturm in Manzanilla.


108. 10 km vor Sevilla


109. Erntereife Getreidefelder.


110. Die Sonnenblumen waren noch nicht so weit.


111. Nicht mehr weit bis Sonnenuntergang in Las Cabezas de San Juan.


Gruß
Haryboo
 
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Kay kommentierte
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