Wie versprochen, ein paar Worte zur Entstehung mancher Bilder.
Startrails
...
bei dem einen Bild steht als Angabe:
78 Bilder @ 23mm, f5, 30sec, ISO 2500
Ich gehe davon aus, dass Du die in PS zusammenfügst
...
Konkret geht es um dieses Bild:
Für dieses Foto peilte ich exakt gen Westen und wählte eine längere Brennweite, um halbwegs parallele Strichspuren aufzuzeichnen. Ich begann bereits bei Sonnenuntergang (etwa Blaue Stunde), um Farben im Himmel und Zeichnung im Vordergrund zu erhalten. Als Richtwert bevozuge ich im Weitwinkelbereich mind. 2h, im leichten Telebereich etwa 1h Aufnahmezeit (mehr wäre hier auch gar nicht abzubilden gewesen, die Strichspuren laufen ja schon aus dem Bild).
Prinzipiell gibt es zwei Vorgehensweisen, ein solches Ergebnis am PC zu erstellen:
1. Stacking in Photoshop. Dazu alle Bilder im Stapel laden (Datei/Skripte) und die Deckkraft der Ebenen manuell und konsekutiv verringern, um den Sternschnuppeneffekt zu erhalten. Das dauert.
2. Software wie StarStax oder Startrails verwenden, die macht das automatisch. Das Tiff dann in PS weiterbearbeiten.
Manchmal kombiniere ich #2 mit #1, um mit Hilfe einer mit Offenblende aufgenommene Aufnahme den Kometeneffekt zu verstärken:
Milchstraßenaufnahmen
Generell gibt es folgende Möglichkeiten, ansprechende Nachtaufnahmen zu erhalten:
1. Einzelaufnahmen. Hier verwende ich i.d.R. lichtstarke Objektive und "aggressive" Parameter (hohe ISO, Offenblende, Belichtungszeit = ca. 400/Brennweite).
Vorteil: geringster Aufnahme- und Bearbeitungsaufwand
Nachteil: je nach Ausgabemedium und Aufnahmebedingungen unzureichende Qualität mit Randunschärfen, Coma, chromatischen Aberrationen, Vignettierung, leichten Startrails, Unschärfen, Rauschen, Detailverlust, etc...
2. Stacking von Einzelaufnahmen. Hierfür eignen sich prinzipiell fast alle halbwegs tauglichen Objektive und Kameras. Durch Wahl "konservativer" Belichtungsparameter (mittlere ISO, 1-2EV abgeblendet, Belichtungszeit = ca. 300/Brennweite) entstehen zwar schärfere Aufnahmen, die allerdings sehr dunkel bzw. hochgradig verrauscht sind. Der Trick besteht im Stacking der Einzelaufnahmen, was das Rauschen mittelt und den Signal-Rausch-Abstand erhöht. Dadurch bleibt die Zahl der sichtbaren Sterne zwar gleich, aber das Rauschen sinkt erheblich. Im Idealfall auf ~ ISO 100. Ab einer Bildzahl von ca. 25 - je nach verwendeten Parametern - konnte ich nur noch eine marginale Verbesserung feststellen.
Vorteil: bessere Bildqualität, v. A. in den Schatten
Nachteil: hoher Aufnahme- und Bearbeitungsaufwand (s. u.)
3. Verwendung einer Nachführung und anschließende Montage (s. u.)
Vorteil: beste Bildqualität, geringerer Bearbeitungsaufwand
Nachteil: Geld, Gewicht, Ausrichtung will geübt sein
Professionalisierte Astrosoftware wie Fitswork oder DSS (Freeware) übernehmen die automatische Überlagerung der Bilder anhand händisch gesetzter Markierungen. Das Stacking bzw. die Montage dieser Einzelaufnahmen erfordert insgesamt etwas technisches Verständnis, Übung und vor allem viel Zeit:
(1) zunächst wird der Vordergrund gestackt, dabei verwischen die Sterne und bilden Startrails
(2) Stacking bei längeren Brennweiten klappt normalerweise supereinfach, kurze Brennweiten hingegen führen aufgrund deren Verzeichnung und des enormen Bildfeldes zu unvermeidbaren Artefakten. Daher bediene ich mich eines Tricks: mit Hilfe von Stellarium suche ich den Himmelsäquator zur damaligen Ortszeit und zeichne diesen in das erste Bild der Bildsequenz. In der Pano-Freeware Hugin werden anschließend alle Bilder anhand des Äquators per Stapelverarbeitung circulär projeziert und
(3) anschließend in Fitswork gestackt (man beachte den verwischten Vordergrund!)
(4) in Photoshop wird dieses Bild entstaucht (Warp-Tool)
(5) unbearbeitete und
(6) bearbeitete Einzelaufnahme offenbaren zunächst kaum einen Qualitätsunterschied zur
(7) fertig montierten Version
(8) im 100%-Crop hingegen wird der Unterschied in den extrem dunklen Vordergrundbereichen deutlich
Ein ähnliches Vorgehen wählte ich für die letzte Aufnahme:
(1) Stacking der statischen Berge
(2) Stacking der Milchstraßenspiegelung im Wasser (man beachte die völlig andere Ausrichtung des Himmels!)
(3) Stacking der bereits projezierten Himmelsaufnahmen (man beachte den verwischten Vordergrund!)
(4) Montage und Bearbeitung in PS
(5) 100%-Crop des fertigen Bildes, deutlichst wieder der Unterschied im Vgl. zur
(6) Einzelaufnahme
Wie leicht zu erkennen, ist die Zahl der Sterne in etwa gleich. Die Kongruenz ist nicht hundertprozentig perfekt, das liegt an Projektions- und Stackingfolgen.
In Photoshop erfolgt die Nachbearbeitung:
- selektiv nachschärfen in mehreren Schritten, Radien und Stärken
- viel Dodge&Burn mit Luminanzmasken (immer)
- etwas Tonwertkorrektur, minimale Sättigungsanpassung
Quintessenz: mit Hilfe dieser Methode lassen sich auch mit einfachster Ausrüstung qualitativ hochwertige Aufnahmen erzielen - besser als dies mit der besten Kleinbildkamera und den besten Zeiss in Einzelaufnahmen möglich wäre.
Insgesamt bot mir diese Technik die Möglichkeit, den Einsatz schwerer Objektive bzw. einer Nachführung zu umgehen und mit vorhandenem Equipment auszukommen. Die Aufnahmezeit beträgt je nach Motiv nur etwa 20-60min., die Nachbearbeitung jedoch mind. 3h, häufig 5-6h. Mit einer kleinen Reisenachführung sind die Ergebnisse noch etwas hochwertiger und vor allem einfacher zu erzeugen - das ist mein nächster Schritt.
...
Die Vordergrundbilder brauchst Du für einen HDR, um den VG nicht einfach in einer Überbelichtung absaufen zu lassen.
...
Hier "muss" ich widersprechen.
Ein richtiges HDR ist eigentlich nur dann nötig, wenn der Kontrastumfang der Vordergrundszene tatsächlich sehr hoch ist, wie in diesem Fall:
Hier verwendete ich 3 Aufnahmen für den Vordergrund, 25 für den Hintergrund.
In vielen Fällen würde eine Belichtungsreihe helfen, die Kontraste zu bannen, aber oft ist das aus Gründen der Praktikabilität schlicht nicht möglich - dann nutze ich eine viel zu niedrige ISO und pushe anschließend im Raw Converter unter Lichterrettung - dank der speziellen Sensoreigenschaften der D800 kein Problem (Isoless Sensor):
Milchstraßenpanoramen
...
Nur mal als "Vergleich", was rauskommt ohne Stacking:
...
D800 - 16mm fish - 20 Sek. - f/2,8 - ISO800
6 Bilder hochkant, plus 1x Zenit, plus 2x Nadir
Die Panoramen wurden i.d.R.
nicht gestackt! Allein durch die hohe Auflösung wird das Rauschen "kleingerechnet" und fällt nicht mehr ins Gewicht. Ich verwende allerdings auch 18mm und benötige daher mehr Aufnahmen. In deinem Fall 9, in meinem normalerweise 15-20.
Wenn es mir sinnvoll erschien, habe ich Hochformatpanoramen gestackt - also 2 Bildsequenzen aufgenommen, in Hugin projeziert, in Fitswork gestackt, in PTGui gestitcht und in Photoshop nachbearbeitet - Gesamtaufwand ca. 10-15h:
...
Tipp:
Seit PTGUI v10 aber nicht mehr, das Programm nutzt jetzt die Power einer (geeigneten) Grafikkarte und ist je nach HW ca. 5 bis 15 mal so flott als vorher...
Konkret geht es um dieses Bild:
Ich muss betonen, dass das Berechnen etwa 2h dauerte - ich habe 13h damit verbracht, die Einzelaufnahmen manuell zu verbinden!
PTGui findet in diesem konturlosen Sternenwirrwarr keine Kontrollpunkte, daher die Handarbeit. Die fertige Ausgabe hätte ca. 400MP gehabt, allerdings bleib davon aufgrund des Bildrauschens effektiv nur ein Bruchteil, ich habe aus diesem Grund gleich mit 10.000x10.000px ausgegeben.
Milchstraßenpanoramen sind prinzipiell mit jeder Standard-DSLR-Ausrüstung zu erstellen, ich verwende auch "nur" das 18-35mm AF-S.
Ein paar Tipps:
- Offenblende, ISO entsprechend dem Motiv (ca. 3200-6400), Belichtungszeit ca. 450/Brennweite
- die Objektivfehler und das hohe Rauschen fallen in der Endausgabegröße kaum noch auf
- ruhig am Tage die nötige Überlappung austesten und
großzügig überlappen (mind. 30%)! Durch die Offenblende vignettieren die Ecken stark, was den homogenen Nachthimmel versauen kann.
- ein Nodalpunktadapter ist normalerweise nicht nötig
- zügig aufnehmen
Und das Wichtigste:
(1) häufig wird das gestitchte Bild equirectangulär projeziert, was zu fliehenden Ecken im Himmel führt
(2) ich bevorzuge daher die circuläre Projektion für den Himmel und
(3) separate equirectanguläre Projektion für den Vordergrund
Dies hat den Vorteil, dass
- beide Bildanteile korrekt projeziert werden können
- beide Bildanteile separat bearbeitet (entrauscht, geschärft) werden können
- durch die separate Projektion die Weiterbewegung des Nachthimmels während der Aufnahme zu weniger Stitching-Artefakten führt