Es war 2011, als ich meine erste Begegnung mit diesen Eisgiganten hatte. Ich war fasziniert von der Größe, der majestätischen Erscheinung und der Ehrfurcht die sie einflößten. Seit diesem Zeitpunkt lassen mich Eisberge nicht mehr los. Jede Begegnungen mit ihnen lässt mein Herz höher schlagen. Wenn es so etwas gibt dann bin ich Eisbergsüchtig.
Der Ursprung des Großteils der Eisberge denen ich begegnet bin lag in der größten Eismaschine der Welt, dem Jakobshavn Isbræ in Grönland, nahe der Ansiedlung Ilulissat. Der Sermeq Kujalleq wie er auf Grönländisch heißt, ist der größte Auslassgletscher der nördlichsten Hemisphäre.
Die Eiskappe Grönlands ist in der Mitte bis zu 3400 Meter dick und das Eis fließt langsam von der Mitte zu den Rändern Grönlands. Immer wieder wird diese Eiskappe durch fallenden Schnee mit Nachschub versorgt. Das minimale Alter dieser Eiskappe wird auf etwa 110 000 Jahre geschätzt.
Rund 1/6 des Grönländischen Inlandeises fließt über den Sermeq Kujalleq in den Ilulissat-Eisfjord an der Westküste Grönlands. Der Kangia, wie der Ilulissat-Eisfjord auf Grönländisch heißt ist ca. 40 Km lang und 7 Km breit. Der Gletscher hat eine Fließgeschwindigkeit von etwa 40 Metern pro Tag und schiebt die ungeheuere Menge von 40 Mio. Kubikkilometer Eis pro Jahr in den Kangia.
Während des Sommers kalbt der Gletscher Eisberge von einer Höhe bis zu 700 Metern von der Gletscherkante. Der neugeborene Eisberg braucht dann ca. 12 bis 15 Monate bis er das Ende des Fjords erreicht hat und ins Meer gleitet.
Das Eis der Eisberge besteht aus Schnee der zusammengedrückt wird, hierbei werden Luftbläschen eingeschlossen. Wird ein Eisberg mit vielen Luftbläschen vom Licht beschienen, wird dieses durch die eingeschlossenen Luftbläschen reflektiert und der Eisberg leuchtet strahlend weiß. Tiefblau leuchtet ein Eisberg wenn er wenig Luftbläschen enthält oder diffuses Licht herrscht. Manchmal kann man auch grüne Eisberge seh-en. Ihre Farbe wird vermutlich von Spurensubstanzen hervorgerufen, die aus dem Meerwasser oder aus der Luft in das Eis hinein gelangt sind. Für mich sind Eisberge in Schwarz/Weiß etwas ganz besonderes, alle vorhandenen Farben auf Grautöne zu reduzieren fesselt mich.
In der Discobucht bei Ilulissat, kann man das UNESCO Weltnaturerbe in voller Schönheit bewundern. Was man dann dort als majestätisches Gesamtkunstwerk betrachten kann sind nur 10% bis 12% vom Gesamtvolumen eines Eisbergs das aus dem Wasser schaut.
Ein ständiges Zischeln, Knacken und Knirschen ist hier zu hören, dann wieder ein Donnern, verbunden mit einem lauten Knall, wenn ein viele Tonnen schweres Teilstück vom Eisberg abbricht und ins Meer stürzt. Wenn das abgebrochene Teil groß genug war und sich der Schwer-punkt des Eisbergs geändert hat, beginnt er sich langsam zu drehen und zeigt ein völlig neues Erscheinungsbild. Dadurch können meterhohe Flutwellen ausgelöst werden, die noch in 50 km Entfernung spürbar sind.
Nun beginnt die Wanderung der Eisberge, zunächst durch den Golfstrom an der Westküste Grönlands in Richtung Norden, bis zum Kap York, dann endet der Golfstrom und die Eisberge treiben auf das offene Meer, in die Buffin Bay, bis sie vom Ost-Kanadastrom erreicht werden und sich auf die Reise in Richtung Süden, entlang der Kanadischen Ostküste, machen.