Bei der Vergütung werden übrigens dünne Metallschichten auf die Linsen aufgedampft.
Das Problem ist einfach. Glas ist zwar durchsichtig. Aber wenn man an einem Sonnentag vor der Sonnenseite eines Hauses steht, dann kann man deutlich sehen, wie die Fenster einen gewissen Teil des Lichts auf den Rasen vor dem Haus reflektieren. Beim Haus mag das noch zum Teil erwünscht sein.
Aber beim Objektiv geschieht im Prinzip dasselbe. Aber gehen wir erst einmal einen Schritt zurück. In jedem optischen Medium breitet sich das Licht nämlich unterschiedlich schnell aus.
Jetzt nicht unterbrechen mit "Lichtgeschwindigkeit" und Relativitätstheorie! Was wir allgemein unter der Lichtgeschwindigkeit kennen, ist der Weg, den das Licht in einer Sekunde im
Vakuum zurücklegt. In Wasser oder Glas unterschiedlicher Dichte und Zusammensetzung ist das Licht entsprechend langsamer. Und um das noch komplizierter zu machen: Verschiedene Wellenlängen (also, jede Lichtfarbe) hat seine eigene Geschwindigkeit. Was das bedeutet kann man prima an einem Prisma sehen, das genau aus diesem Grund das Weiße Licht in einen Regenbogen zerlegt.
Geht nun das Licht von einem optischen Medium ins andere über, dann wird es gebrochen. Aus der Ausbreitungsgeschwindigkeit des Lichts in den beiden Medien berechnit sich der Winkel, in dem es gebrochen wird. Das beschreibt dann die Brechzahl. Heißt so, auch wenn man es auch unter dem Namen Brechungsindex kennt.
So weit, so gut. Aber nicht alles Licht wird gebrochen. Ein Teil davon wird reflektiert - der Teil, der die hellen Flecken auf dem Rasen vor dem Haus erzeugt. Übrigens wird je mehr Licht reflektiert, je größer der Winkel ist, unter dem es auf die Grenzfläche auftrifft.
Und diese Reflexionen sind in einem Objektiv natürlich gänzlich unerwünscht. Zum einen vermindet es die Lichtstärke, zum anderen entstehen eben solche Geisterbilder. Und die potenzieren sich auch noch. Denn zwischen den einzelnen Linsen eines Objektivs wird an jeder Grenzfläche Licht hin und her reflektiert. Um so schlimmer, je mehr Linsen ein Objektiv hat. Ein Hoch auf Mega-Zooms!
Diese Reflexionen im Objektiv gilt es zu minimieren. Daher werden bestimmte Metallschichten auf die Linsen aufgedampft. Und zwar eigentlich bei allen neuen Objektiven. Unvergütete gibt es eigentlich nicht mehr. Das heißt aber nicht, dass es keine Unterschiede in den Vergütungen gebe.
Und wie verhindert eine Vergütung nun die Reflexion? Das ist recht kompliziert. Das hängt mit einer destruktiven Interferenz der reflektierten Lichtwellen zusammen. Das reflektierte Licht wird also so in der Metallschicht eingefangen, dass sie sich gegenseitig aufheben. Was natürlich nicht so einfach ist, da das Licht ja nicht nur aus einer Wellenlänge besteht. Jede Vergütung stellt also nur einen Kompromiss dar, auch wenn es sich um eine Mehrfachvergütung mit sechs oder noch mehr Schichten handelt.
Bei Brillen nennt man die Vergütung übrigens schlicht Entspiegelung. Ist aber dasselbe. Wer eine Brille trägt, der guckt also vermutlich durch eine Schicht aus Metall. Fast wie Superman, oder?