Die Pfalz ist eines der wichtigsten Klettergebiete in Europa, mit einer überragenden Kletterhistorie. Seit über 110 Jahren wird hier an den rund 350 Felsen geklettert. Kletterer wie Wolfgang Güllich https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Güllich , der damals beste Kletterer der Welt kam aus der Pfalz und fing in der Pfalz an zu klettern. Im November kletterte Julius Westphal die bisher schwierigste Route in diesem Gebiet - "Gegen den Strom", der erste glatte 11er (9a). Julius hatte ich öfters schon gezeigt, beim Klettern oder beim Bouldern.
Selbstverständlich berichten Klettern-Magazine über solche historischen Ereignisse, nicht nur das "Klettern". 11er klettern immer noch relativ wenige heutzutage
Letzte Woche gelang dem jungen Spitzen-Athlet dann eine der wenigen Begehungen der Kletterroute "Action Directe" 11 im Frankenjura, die jahrzehntelang die schwierigste Kletterroute der Welt war. Gerade noch rechtzeitig, bevor die extreme Hitze kam. Action wurde von Güllich damals erstbegangen und setzte einerseits einen neuen Maßstab, andererseits ist diese Tour auch heute noch die mit Sicherheit bekannteste Extremroute
Zurück aus Franken fuhr ich mit ihm am Donnerstag abend zu einem seiner neuen Boulderprobleme in der Pfalz. Auf der berühmt und berüchtigten Todesstrecke im Elmsteiner Tal (jährlich verunglücken auf dieser kurvenreiche Straße viele Fahrer) fuhren wir immer weiter rein ins No Mans Land, sehr abgelegen, nur 1 kleiner Fels im Umkreis. Nach 20 Minuten Zustieg bei angenehmen 39°C , (hat ja auch Vorteile für die Muskulatur, eine Zerrung zb wird unwahrscheinlicher als bei kühlen Temperaturen) erreichten wir diesen kleinen Boulderblock. Bouldern ist Klettern in Absprunghöhe, ohne Seil. Die Schwierigkeiten konzentrieren sich auf kurze Strecken. Jedenfalls hatten wir diese Benzinlampe dabei, wir krochen in das enge schwarze Loch, das etwa 10 tief ist und stockfinster
Im Innern dieser Höhle, die man erstmal entdecken muss, da es keine Dokumentation dazu gibt, kletterte Julius seinen Boulder "Silk Road", der in der Boulderskala mit Fb.8b bewertet wird, das umgerechnet auch im 11.Grad liegt. Das ist eine der kreativsten Erstbegehungen der letzten Jahre in diesem Wald. 10m zieht dieses Dach waagrecht zurück in die Freiheit. Von der Decke zum Boden ist es knapp 1m, nichts für Leute mit Klaustrophobie https://de.wikipedia.org/wiki/Silk_Road
Interessant sind dabei 2 Dinge. Einerseits bietet dieser Boulder in dieser Höhle, ohne einen einzigen geschaffenen Kunstgriff gerade soviele Griffe, dass es noch kletterbar ist. Die Natur hat also im Innern über viele Millionen Jahre eine Kletterlinie und eine exakt kalkulierte Anzahl an kleinen Leisten und Löchern im Dach durch Lufteinschlüsse, Auswaschung und Erosion geschaffen. Zudem hatte meine Kamera (ich hatte auch mit Blitz fotografiert und dabei die Leistung massiv reduziert und er killte trotzdem die Stimmung mit der Lampe) einen ISO Wert von 10.000 ausgespuckt. Ich hatte dann bei ISO 6400 geknipst und in LR gepusht. Dieses Bild ist mit einer anderen Kamera wahrscheinlich nicht zu realisieren
Dieser Griff, den man schon im Bild #5 weiter unten sieht knapp über seinem Kopf, knapp über der Grasnarbe, bildet als Mittelpunkt den Weg zurück in die Freiheit, an der Dachkante der Höhle. Schwierig dabei ist nicht mit dem Hintern den Boden zu touchieren. Von dort geht es noch leicht abdrängend 3m hoch zu einem Sandsteinband
Genau über den Mann, den man hier im thread mehrmals sieht, wird das Magazin Klettern in der nächsten Ausgabe, die Ende Juli kommt, ein 5-seitiges Interview drucken. Von 2001 bis 2006 erschienen bereits mehrere Beiträge über ihn in den Klettermagazinen, egal ob in D, US, F, I oder E. Nach der Pause, war es an der Zeit, den Stand der Dinge zu dokumentieren.