Frage Dies ist keine Panoramaaufnahme

fotohans234

Aktives NF Mitglied
Registriert
Moin,

In einer Doku erwähnt Gursky, wie er dieses Bild aufnahm:


Er schwenkte die Kamera nicht um die Achse so wie bei einer herkömmlichen Panoramaaufnahme, sondern versetzte die Kamera mehrmals in der Horizontalen. Das Bild ist also aus mehreren Frontalaufnahmen zusammengesetzt.

Aber warum ist dann die Perspektive unten bei den Hauseingängen korrekt - benötigt es hierzu einen hochbezahlten Fotoeditor (den Gursky zur Verfügung hat), oder geht das auch für Normalsterbliche?

Beste Grüße, Michael
 
Anzeigen
Wenn die Brennweite hinreichend lang ist, um perspektivische Verzerrung sehr klein zu halten, idealerweise dann als Hochformat-Einzelbilder, kann man das in einer üblichen Bildbearbeitungssoftware händisch mit Sorgfalt zusammenstückeln. Spezielle Panoramasoftware kann das ggf. auch, wenn sie ein solches Projektionsmodell besitzt. Entscheidend ist hier, wie so oft, das Ausgangsmaterial, die Einzelbilder, und ein geeigneter Standpunkt.
 
Kommentar
Das ist eine relativ simple Aufgabe für einen Bildbearbeiter.
Überblenden/Stempeln, ggf dazupfuschen.

Mit generativem Füllen in Poposhop geht das nicht nur für Normalsterbliche, sogar Hirntote sollten das können.
 
Kommentar
Wenn das Versetzen der Kamera wirklich parallel zum Gebäude erfolgt ist, sollte das mit LR - perspektivisch kein Ding sein - sollte gehen. Hat halt den Vorteil, dass man diese elenden Kurven nicht bekommt.
Habe das auch schon gemacht ;-)

Also: nur Mut - klappt ;-)
 
Kommentar
Oh das ist einfach...


sowas nimmte eine GF-Kamera locher auf.

Die Ausrichtung ist etwas Tricky, da die Schiene parallel zum Objekt sein muss.
 
soulbrother kommentierte
"...warum er dann nicht einfach von einem einzigen Standpunkt aus..."
weil er ziemlich sicher keinen Standort in ausreichender Entfernung finden konnte, um den Bildwinkel nicht so groß zu bekommen, dass eine Software-Entzerrung noch sinnvoll möglich wäre.
Das ist auch der Grund, warum man eben diese Methode der "parallel verschobenen" Aufnahmen für rektilineare Panoramen bei extremen Bildwinkeln anwendet.
 
VisualPursuit kommentierte

Weitwinkel ist nicht alles - der Bildkreis für so eine Verschiebung müsste noch viel gigantischer sein.
Parallelverschiebung hat er am Motiv Rhein schon praktiziert, und ein anderer Düsseldorfer hat
das ziemlich plump nachgebaut und verlängert. War also erprobte Technik.
 
soulbrother kommentierte
Quatsch Verschiebung... Pano-Drehkopf mit Parallaxeneinstellung und Du kannst auch mit dem 400er Tele die notwendigen Superweitwinkelaufnahmen machen. Hast dann dann viele Gigapixel statt Megapixel nach dem stitch...
Das Problem ist ja klar (ich wiederhole in anderen Worten):
Von einer Perspektive aus, wäre der Bildwinkel ZU groß (egal mit welchem Objektiv) um ein "sehenswertes" rektilineares Panorama zu erzeugen.
In meiner alten webseite hatte ich mal was passendes dazu berichtet:
Da sieht man schon, dass nix wirklich brauchbares rauskommt, da die Perspektive von der Mitte aus, zu den seitlichen Objekten, einfach zu "steil" ist und man diese Objekte dadurch simple gesagt: nicht mehr von vorne sieht.
DAS ist das Problem, welches sich nur mit dem seitlichen "Verschieben" der Kamera lösen lässt - wodurch sich etliche weitere und andere Probleme ergeben....
 
Totalreflexion kommentierte
Sicher, dass das von genau einem Standpunkt aus nicht möglich wäre?
Zumindest für Kleinbild-Optiken sollte das machbar sein.
Ich hab da mal was vorbereitet:


Horizontaler Bildwinkel in blau ungefähr die erreichbaren Standpunkte von dem Dach aus, auf dem Gursky der Doku nach zu urteilen gestanden hat (links stimmts nicht ganz, Skizze zu seinen Gunsten). Er hat also eine mindestens (Kleinbild-äquivalente) 20 mm Optik benötigt.
Vom mittleren Standpunkt aus (rot) sollte eine (Kleinbild-äquivalente) 15 mm Optik gerade so ausreichen.
Von Voigtländer gibt es das nahezu verzeichnungsfreie rectilinear abbildende Heliar-Hyper Wide 10 mm f/5,6 für Kleinbild. Also noch deutlich größerer Bildwinkel, so dass man auch den vermutlich in der Höhe nicht ganz mittigen Standpunkt ausgleichen könnte.
Ich sehe da folglich nichts was nicht möglich wäre.
 
soulbrother kommentierte
Gute und hilfreiche Darstellung!
Natürlich wäre es in DEM Fall noch möglich, aber AUCH bei diesem Motiv (und geringem Abstand) würde der "Vordergrund" noch unnatürlicher abgebildet (da es ja nur ein "Tiefen-3D" im Vordergrund gibt bei dem fast 2-dimensionalen Hauswand-Motiv).
Ich meinte ja auch nicht dieses Motiv explizit, sondern sprach von dem allgemeinen Problem, da es ja noch wesentlich "breitere Bildwinkelmotive" gibt (z.B. der Messestand in meinem Link mit über 130° h.).
Und - wieder allgemein, aber dennoch auf Deine Infos bezugnehmend - eine korrigiertes 10mm an KB - liefert keine Architekturaufnahmen, welche diese Kamera-Schiebe-Methode ersetzen könnte und ein vergleichbares Bild ergibt.
Denn die Perspektive, also der Standort ist das eigentliche Problem...und das kann mit dieser speziellen Aufnahmetechnik plus anschließendes Stitching plus jede Menge Retuschen-Gefrickel zum größten Teil umschifft werden.
Aber natürlich mit der Einschränkung auf "fast 2-dimensionale" Objekte, also idealerweise eine Haus- oder Plakatwand (siehe Link zu tom-striewisch, weiter unten).
 
Objektiv mit gutem Korrekturprofil, dass die Verzeichnung weg ist. Eine Strasse oder wein Weg parallel zum Haus, überall gleich hoch. Kamera fix eingestellt und mit dem Laser Entfernungsmesser überall die gleiche Entfernung sichergestellt. Und sauber senkrecht ausgerichtet. Ggf noch mit Grauverlauf für lange Belichtungszeit, damit bewegte Motive auf der Strasse nicht stören.
 
Kommentar

Ein Shiftpanorama: Hier ist so ein Stich aus zwei unverzerrten Mittelformatdias (Fujichrome Velvia RVP, 50 ASA), die mit einem 50mm Shiftobjektiv als rechts-links Bildpaar (jeweils fast maximaler Shiftweg von insgesamt ca. 20mm) vom schweren Stativ aus mit einer "Mamiya 645 Super" aufgenommen wurden. Mesa Arch im Canonlands NP, Arizona bei Sonnenaufgang. Die beiden Dias stammen aus den 1990er Jahren, wurden aber erst 2009 digitalisiert, um eine Software auszuprobieren. Das Ergebnis ist gut, der Aufwand aber doch ziemlich groß. Diese Software macht auch Klasse Schwenkpanoramen und gehört seit einigen Jahren zu meinem Standard für Panos! © Achim Kostrzewa
 
Zuletzt bearbeitet:
2 Kommentare
RAWky kommentierte
Durch das Shiften (tilten darf man nicht) bleibt die Eintrittspupille an der selben Stelle und man muss sich keine Sorgen über den Nodalpunkt machen, möchte man Fotos verzerrungsfrei kombinieren.
 
N
Nicname kommentierte
Eine konstante Eintrittspupille ist mit Shift-Objektiven nur dann gegeben, wenn nicht das Objektiv geshiftet wird, sondern die Kamera dahinter. Aus diesem Grunde gibt es für manche Shift-Objektive Panorama-Halterungen, die das ermöglichen. In der Praxis kann man es auch ohne eine solche Halterung probieren, wenn der Abstand zum Motiv groß genug ist.
 
Zuletzt bearbeitet:
Bei Bildern, wie dem gezeigten Bild von Andreas Gursky handelt es sich technisch gesehen um Linearpanoramen, bei denen die Kamera im rechten Winkel zur Motivebene seitlich versetzt wird.

Linearpanoramen zu erstellen, ist anspruchsvoller als Panoramen zu machen, die durch Rotation der Kamera um den Nodalpunkt des Objektivs von einem festen Standort aus aufgenommen und mittels Panorama-Software "zusammengenäht" (Stitching) werden.

Tom Striewisch hat zum Thema Linearpanoramen auf seiner Webseite und auf Foto-TV Anleitungen veröffentlicht (hier wird der Begriff Flat-Panorama verwendet):


 
Zuletzt bearbeitet:
Kommentar
Wäre jetzt interessant zu wissen, was Gursky in einer Doku genau zur Aufnahmetechnik gesagt hat.

Wie Michael im Eingangsbeitrag zutreffend bemerkt, ist doch das hier die spannende Frage:
Aber warum ist dann die Perspektive unten bei den Hauseingängen korrekt

Der Bereich unten nahe der Straße (?) hat über die gesamte Breite eine anscheinend durchgehend korrekte Zentral-Perspektive. D.h. der Standpunkt kann sich bei den einzelnen Aufnahmen nicht wesentlich bzw. gar nicht geändert haben.

Daher spricht m.M.n. alles dafür, dass es sich um ein Shift-Panorama handelt, wie Achim @achim kostrzewa in Beitrag #7 mit einem Beispiel demonstriert hat.

Wäre es ein Linearpanorama, d.h. aus mindestens zwei Aufnahmen zusammengesetzt, deren Standpunkte ca. um die halbe Gebäudebreite versetzt sind, dann müsste doch wie von @fotohans234 ebenfalls zutreffend angemerkt der untere Bereich extrem aufwändig perspektivisch umgearbeitet worden sein (was mir ohne eine 3D-Modellierung der Szene nicht möglich erscheint). Würde sich außerdem die Frage stellen: wozu sollte man es als Linearpanorama aufnehmen, wenn es als Shift-Panorama aufgenommen genau so aussehen würde wie es eben aussieht?
 
3 Kommentare
Totalreflexion kommentierte
Der Herr Gursky hat das Gebäude 2x aufgenommen. Einmal 1993, und dann wieder 2025. Der link im Eingangspost geht zur 2025er Aufnahme. Die zwei Bilder sehen im unteren Bereich erstaunlich unterschiedlich aus, und nicht nur wegen der Vegetation. Die 1993 Aufnahme scheint von einem deutlich niedrigeren Standpunkt aufgenommen zu sein, wenn man die Baumwipfel im Vordergrund betrachtet, und auch die flachere Perspektive der Zugänge und Treppen würde darauf hindeuten.
Könnte sein, dass einmal die Vorderseite, einmal die Rückseite des Gebäudes gezeigt ist?
Dann lese ich in Wikipedia folgendes (zur 1993er Aufnahme):
"... and what is depicted can't be seen in reality, its only the artist's creation, because the view is blocked by buildings in either side of the frame."
Diese Begründung (view is blocked by buildings) überzeugt mich aber nicht so richtig. Wenn ich die Szenerie in der 3D-Satelliten-Ansicht (Apple Maps) überprüfe, erscheint es mir absolut möglich, von einem geeigneten Standpunkt aus den gegenüberliegenden Gebäuden mit einem sehr weitwinkligen (Shift-) Objektiv ein (Shift-) Panorama anzufertigen.
Weiß jemand was genaueres?
 
Christoph Blümer kommentierte
Die 2025er-Aufnahme kann nur von einem erhöhten Standpunkt aufgenommen worden sein, weil man sonst ja gar nicht über den Bau im Vordergrund hinweg sehen könnte. Vermutlich hat er im Gebäude gegenüber gestanden und dann in der Tat geshiftet, oder er hat einen Hubsteiger in der Straße mehrfach versetzt. Wenn man sich das mal bei Google Maps 3D bzw. Google Street View anschaut, wird es klarer:

 
Zuletzt bearbeitet:
Totalreflexion kommentierte
Exakt so habe ich mir das auch zusammengereimt. Und die 1993er Aufnahme scheint von der Rückseite zu sein, weil da im unteren Bereich weniger Zugänge und Treppen zu sehen sind. Da hat Gursky dann vermutlich einfach im Gebäude vom Arbeitsamt/Ministerium gestanden und man sieht die Baumwipfel vom Jardin Atlantique.
 
Ab 6:30:




Hier ab ca. Minute 6:00 da erklärt er selbst, dass das alles stark bearbeitet ist,
es ist halt Kunst mit den Werkzeugen der Fotografie:


 
Kommentar
-Anzeige-