Der Countdown für Immerath läuft unaufhaltsam – Garzweiler 2 rückt immer näher

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Nichts für ungut, Guido. Ich habe den Thread nicht politisiert oder politisieren wollen, sondern das geschrieben, was ich beim Betrachten der Bilder empfunden habe!

Und damit verabschiede ich mich ebenfalls aus diesem Faden.


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Rainer
 
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Diese Empfindungen teile ich. Allerdings mit realistischen Gedanken.
 
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Vielen Dank für diese beeindruckenden (und beklemmenden) Bilder.

Ich weiß nicht so recht, wie ich der Sache gegenüber stehen soll...
Klar ist es tragisch, dass die Dörfer platt gemacht werden, aber andererseits bin ich auch froh, wenn ich meine Kameraakkus laden kann und am PC sitzen kann, auch dank fossilen Energieträgern.
Und mit nichtmals 25 Lenzen und auf dem Land aufgewachsen, bin ich eh noch so grün hinter den Ohren, dass ich von solchen Angelegenheiten keine Ahnung habe.
 
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Wenn solche Bilder nicht zur Diskussion anregen, welche dann? Und ja, solchen Themen sind schwierig. Natur wird zerstört, Menschen vertrieben, Irgendwo, nur selten vor der eigenen "Haustür"
 
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Die Notwendigkeit einer stabilen Energieversorgung stelle ich in keinster Weise zur Debatte. Nur, wenn wir uns schon mit Strom aus Kohle ueber die Jahre bis zur Kernfusion oder Strom aus der Sahara retten muessen, heisst das dann auch, dass wir deswegen immer noch Doerfer abreissen muessen?

Das will mir nicht in den Kopf.
 
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Es macht schon sehr betroffen, die Ausmaße von Lebensraumzerstörung zugunsten unserer Energieversorgung live zu sehen und eine vage Ahnung von den Problemen der Menschen zu bekommen, die nicht nur mit Geld dafür bezahlen müssen.
Offenbar konnte ich das mit den Fotos ein wenig rüberbringen. Danke für das bisherige Feedback, besonders für die Kommentare.

Natürlich gibt es Gruppierungen, die dafür eintreten, dass eine ausreichende Energieversorgung auch menschen- und umweltverträglicher möglich ist, aber wenn sie keine politische Mehrheit finden, hilft das wenig. Und wer nun recht hat, kann ich nicht beurteilen, dafür habe ich mich nicht umfassend genug mit dem Thema beschäftigt.

Gruß,
Angelika
 
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Ein rundum gelungener bericht ist das Angelika.
sehr schön diese art sachliche fotografie mit guter gestaltung. gar nicht einfach, denn persönliche berührung bleibt nicht aus, wenn man vor ort ist. du hast einen respektvollen umgang damit gefunden. vielen dank dafür.!!! :up:
 
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Traurige Bilder, deren Leere die beklemmende Situation des Ortes spürbar macht. Du hast den Zustand der Geisterstadt kurz vor ihrem "Verschwinden" sehr gut dokumentiert.
 
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Sehr eindrückliche Fotografien. Ich konnte es nicht unterdrücken, mir immer wieder vorzustellen, wie es in Immerath ausgesehen haben mag, als die Gärten gepflegt, die Blumen geblüht und Kinder mit ihrem lachen und singen, spielen und toben die Gassen gefüllt hatten.

L.G
Brigitte
 
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Zum Besitzer des „Heimat“-Hauses (Bild # 41) habe ich einen mich sehr berührenden Radio-Beitrag gefunden.

Bei dem darin erwähnten Krankenhaus sah es Ostern so aus:

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Und sonst … wurden zwischen Weihnachten und Ostern in Immerath etliche Gärten gerodet. Dabei sind nicht nur dicke Baumkameraden gefallen, sondern auch Straßenschilder. Aber die sind zum großen Teil ja sowieso irrelevant geworden.

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Außerdem hatte ich den Eindruck, dass nun mehr Häuser als bei meinem ersten Besuch gezwungenermaßen Einblicke gewähren, obwohl der Wachdienst nach wie vor dort patrouilliert.

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Der ortsansässige Abbruchverwerter kann hoffentlich so manches Überbleibsel einer sinnvollen Weiterverwendung zuführen.

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Ungeachtet der großräumigen Zerstörung ringsum habe ich jedoch an vielen Stellen kleine Frühlingsboten finden können, z. B. Traubenhyazinthen und Wilde Vergissmeinnicht, mit denen ich dieses Update beende.

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Gruß,
Angelika
 
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schön, daß du weitermachst Angelika.
die trostlosigkeit kommt rüber, denn die schwebt über dem ganzen auch wenn es den ein oder anderen gewinner gibt.
wenn man die kleine firma >abbruchverwertung< anschaut und über all das nachdenkt, was noch völlig intakt abgerissen und nicht verwertet wird, unfassbar diese ausmaße...
 
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Vor ein paar Tagen war ich nochmals in Immerath. Als Folge des zunehmenden Vandalismusses sind an den Ortseingängen nun große Schilder aufgestellt mit der Bitte, Rücksicht auf die noch verbliebenen Einwohner zu nehmen. Die Ortsdurchfahrt ist zudem Nicht-Anliegern zwischen 21h00 und 06h00 untersagt.





Fotografen sind angeblich bei den Bewohnern inzwischen ziemlich unbeliebt und beim Wachpersonal sowieso, denn meistens sind es wohl Lost Places-Fotografen mit großen Kameras und Stativen, die vom Security Service aus leerstehenden Häusern gescheucht werden müssen. Insofern war ich wieder mal froh, nur mit der kleinen Fuji dort gewesen zu sein.

Die Gänse fühlten sich jedoch weder von mir noch von der Tristesse um sie herum gestört und schienen sich vielmehr ihres Lebens zu freuen, zumal sie bestimmt gute Chancen hatten, Weihnachten zu überleben .





Die Immerather Häuserreihen lichten sich mehr und mehr. Das Kloster ist ebenfalls bereits dem Erdboden gleichgemacht und die ältere Dame, die als eine der letzten Ausharrenden gegenüber wohnte, ist vor einigen Wochen nach Neu-Immerath umgezogen.
Die Abbrucharbeiten nähern sich der Ortsmitte.






Zum Schluss noch zwei Blicke in die Tagebau-Grube:








Gruß,
Angelika
 
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Ja Angelika, Du dokumentierst die Zerstörung zugunsten einer Energiequelle, die nicht mehr zeit adäquat ist, sehr eindrucksvoll. Ich habe vor 15 Jahre Freunde dort wohnen gehabt, die mussten auch gehen. Ok, für sie war es kein schlechter Tausch, aber trotzdem, es war irgendwo Heimat.
 
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Gräser sind nützliche Pflanzen. Sie wachsen so bereitwillig über alles Mögliche hinweg, dass man meinen könnte, es wäre nie etwas anderes dort gewesen.

# 63




Immerath darf von Nichtanliegern inzwischen noch zwischen 6h00 und 17h00 befahren werden. Viele Nebenstraßen im Ort sind nur für Baufahrzeuge geöffnet, um Häuser abzubrechen und den Bauschutt abzutransportieren. Aber die Post, das Müllauto und der Bus von und nach Erkelenz fahren dort noch ihre Route.
Und Busse mit Schülern kommen zur Besichtigung.

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Viele Häuser im alten Ortskern stehen noch.

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Auch das sehr gepflegte Bauernhaus gegenüber der Kirche mit dem schönen Blauregen an der Frontseite wird noch bewohnt.

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Ein früherer Bürgermeister und seine Frau liegen nach wie vor in ihrem ersten Grab. Bemerkenswert, dass die Dame erst in einer zweiten Zeile mit ihrem Vornamen genannt wurde.

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Und eine hübsche, schmusebedürftige Bewohnerin (des „Heimat“-Hauses, s. Bild # 41) habe ich getroffen. Gerne hätte ich von ihr ein Portrait aus tieferer Position gemacht, aber sie wollte partout nicht den dafür nötigen Abstand zum Objektiv halten .

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Nach Bildern von Bauschutt und Hausgerippen war mir nicht.

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Anschließend bin ich zwischen Weizen- und Zuckerrüben-Feldern am Rand des „Lochs“ vorbei die wenigen Kilometer bis nach Keyenberg gefahren.

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Für die Keyenberger beginnt in diesem Jahr die Phase des Umsiedelns. Bei meinem Spaziergang durch den Ort fielen mir mehrmals die beiden Worte auf dem kurz zuvor in Immerath fotografierten Briefkasten wieder ein: Absurd und grotesk. Sie treffen es für mein Empfinden ziemlich gut.

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Ich will versuchen, Keyenberg mit seiner ehemaligen Wasserburg über die nächsten Jahre zu beobachten.

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Gruß,
Angelika
 
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Bin erst jetzt auf diesen Thread gestolpert, war selbst Anfang 2015 in Immerath zum fotografieren. Bin auf jeden Fall gespannt auf weitere Fotos und Berichte
 
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Vor einigen Wochen und bei schönstem Herbstwetter fühlte sich Immerath stellenweise immer noch sehr idyllisch an.
Wäre im Vordergrund nicht die abgesenkte Bordsteinkante mit der anderen Pflastersorte im Bürgersteig, könnte man vermuten, dass dort der Blick auf den stattlichen Walnussbaum aus der Perspektive schon immer so frei war.

# 73






Die Firma Lücker hatte Wochenende.

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Auch von den Kollegen im "Loch" war nichts zu hören, so dass im Örtchen angenehme Stille herrschte.

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Ein weiteres Haus wurde inzwischen an Rheinbraun bzw. die RWE übergeben, und zwar das neben der früheren Schule. Jeweils drei bewohnte Höfe und Häuser sind noch übrig von der alten Dorfgemeinschaft.

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Für die letzten Alt-Immerather wird es heute voraussichtlich der letzte Erste Advent dort sein.

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Hier noch ein Link zu einem Bericht, der im Sommer gedreht wurde: http://www.spiegel.tv/filme/open-doku-heimat-gegen-kohle/.

Gruß,
Angelika
 
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Nach den bunten Fotos vom Herbst folgt nun wieder eine entfärbte Sequenz, aufgenommen nach Weihnachten.

Offenbar hat RWE den noch verbliebenen Bewohnern zuliebe auf Weihnachten Rücksicht genommen. Mir sind weder Container- noch Baggeransammlungen im Ort aufgefallen und keine nur teilweise abgerissenen Häuser. Die säuberlich nach Material getrennten Abrisshaufen von ehemaligen Gebäuden waren entfernt, auch die Kellergrube des Krankenhauses war endlich ordentlich eingeebnet und auf den für den öffentlichen Verkehr noch befahrbaren Hauptstraßen lagen keine Schlammklumpen.

# 82






Ein Rundgang über legale Wege durch den Ort ist inzwischen schwierig. Viele Straßen sind durch Zäune verbarrikadiert, so dass man selbst als Fußgänger nicht mehr durch kommt. Von solchen Sandbarrieren habe ich mich allerdings nicht abhalten lassen.

# 83






Diese Straße war mal beidseitig bebaut, aber ich kann mich nicht mehr erinnern, welche Häuser dort gestanden haben. Wenn immer mehr Straßenzüge komplett verschwinden, fällt die Orientierung schwer. Für die Doku über Keyenberg werde ich wesentlich systematischer vorgehen müssen.

# 84







Typisch für Immerath waren Fußwege von Straße zu Straße zwischen Gärten hindurch. Auch diese Pfade sind (mehr oder weniger) versperrt oder eine Absperrung ist überflüssig geworden. Die Vegetation nutzt Chancen, die sich ihr bieten, schnell.

# 85




# 86







Die mobile Haltestelle gegenüber der Friedhofsmauer wirkt ziemlich einsam und verloren. Aber so kann der Busfahrer wenigstens schon von weitem erkennen, ob dort jemand zusteigen möchte.

# 87






Wieder habe ich Lars Zimmer angetroffen, der sich vor seinem Haus zu schaffen machte. Und wieder habe ich es bei einem „Hallo“ belassen und mich nicht getraut, ihm Fragen zu stellen.

# 88




Immerath hat eine Umsiedelungsquote von ca. 55 % erreicht, d. h. in Immerath-Neu wohnen ca. 55 % der Bewohner von Immerath-Alt. Viele haben also die Gelegenheit genutzt, z. B. vom ländlichen zum städtischen Wohnen zu wechseln, näher an die Arbeitsstelle oder in die Nähe ihrer Kinder zu ziehen oder sich von unbeliebten Nachbarn zu trennen.


Auch an den Resten vom wenige Kilometer entfernten Borschemich bin ich noch vorbeigefahren. Es sah aus, als stünden die Braunkohlebagger schon in der ehemaligen Dorffläche.

# 89




Hinter den Baggern wird fleißig am Neuaufbau der A44 zwischen Jackerath und Holz gearbeitet. Die muss fertig sein, bevor das Teilstück der A61 zwischen Jackerath und Wanlo abgerissen werden kann, das jetzt noch schützend vor Immerath liegt. Bevor die alte A44 seinerzeit dem Tagebau aus dem Weg geräumt werden musste, wurde das o. g. spitzwinklig verlaufende Teilstück der A61 noch auf sechs Spuren ausgebaut, um den vorübergehenden Ausfall der A44 kompensieren zu können - alles zu finanziellen Lasten der RWE.




Trotz alledem … den Blick ins „Loch“ finde ich immer wieder faszinierend.

# 90




Gruß,
Angelika
 
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